{"id":2646,"date":"2012-08-16T00:01:48","date_gmt":"2012-08-15T23:01:48","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuell.dpg.hamburg\/?p=2646"},"modified":"2018-01-08T17:55:48","modified_gmt":"2018-01-08T16:55:48","slug":"deutsch-polnische-gesellschaft-hamburg-1972-2012","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg.hamburg\/da\/Beitr\u00e4ge\/dpg-hamburg\/deutsch-polnische-gesellschaft-hamburg-1972-2012\/","title":{"rendered":"Festschrift zum 40. Jubil\u00e4um der DPG Hamburg 1972\u20132012"},"content":{"rendered":"<p>Deutsch \u2013 Polnische Gesellschaft Hamburg<br \/>\n1972 \u2013 2012<\/p>\n<p>Berichte und Erinnerungen<br \/>\naus vier Jahrzehnten Arbeit einer deutsch-polnischen B\u00fcrgerinitiative<\/p>\n<p>Viola Krizak (Hrsg.)<\/p>\n<p>Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg 1972-2012<\/p>\n<p>Berichte und Erinnerungen<br \/>\naus vier Jahrzehnten Arbeit einer deutsch-polnischen B\u00fcrgerinitiative<\/p>\n<p>\u00a9 Deutsch -Polnische Gesellschaft Hamburg, 2012<\/p>\n<p>\u00a9 Titelblattgestaltung: Viola Krizak<\/p>\n<p>Projektleitung und Redaktion: Dr. Viola Krizak<\/p>\n<p>Lektoren: Gerd Hoffmann, Wolfgang Madlung<\/p>\n<p>Gestaltung und Herstellung: Hans-Rainer Krizak<\/p>\n<p>Druck: Studio Polgraficzne M.Color, ul. Ogrodowa 62, 91-071 \u0141\u00f3d\u017a<\/p>\n<p>Freie und Hansestadt Hamburg<br \/>\nErster B\u00fcrgermeister<\/p>\n<p>Als Schirmherr ist es mir eine besondere Freude, der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg zum vierzigj\u00e4hrigen Bestehen gratulieren zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Die Beziehungen zwischen Hamburg und unseren Freunden und Partnern in Polen sind ebenso lang wie wechselvoll. Die Hansestadt hat dieser Tatsache nicht zuletzt in dem f\u00fcr Deutsche und Polen so wichtigen Gedenkjahr 2009 Rechnung getragen: Damals haben wir gemeinsam an den Beginn des Zweiten Weltkrieges gedacht, aber auch an den Fall der Mauer und den Systemwechsel im ehemaligen Ostblock, zu dem \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c als erste freie Gewerkschaft in Polen mit ihrer friedlichen Revolution in erheblichem Ma\u00dfe beigetragen hatte.<\/p>\n<p>Wenn man zum 40. Geburtstag der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Hamburg eine Bilanz ziehen m\u00f6chte, so kann man hervorheben, dass es eine Vielzahl von Kooperationen und Begegnungen zwischen Hamburg und Polen gibt. Im geographischen Mittelpunkt stehen dabei die polnischen Regionen an der Ostseek\u00fcste. Eine intensive Zusammenarbeit erstreckt sich auf Handwerk, Wissenschaft, Metropolenkooperation und Kultur. Sie tr\u00e4gt der besonderen Bedeutung Polens als gr\u00f6\u00dften neuem und aufgrund seiner N\u00e4he f\u00fcr Hamburg auch wichtigem Mitglied in der EU Rechnung. Lassen Sie mich an dieser Stelle nur einige ausgew\u00e4hlte Beispiele erw\u00e4hnen.<\/p>\n<p>Neben den sehr guten bilateralen Beziehungen arbeiten wir mit unseren polnischen Freunden und Partnern sehr eng in den Gremien der Ostseekooperation und in einigen EU-Projekten zusammen. Drei Bereiche seien beispielhaft hervorgehoben:<br \/>\nTransBaltic liefert aus regionaler Entwicklungsperspektive wichtige Impulse f\u00fcr ein integriertes Verkehrssystem f\u00fcr die Ostseeregion.<br \/>\nClean Baltic Sea Shipping soll einen Beitrag leisten zur Verringerung der Eutrophierung der Ostsee sowie zur Reduzierung von Luft- und Wasserverschmutzungen durch Schiffe durch die Erarbeitung einer transnationalen Strategie zum sauberen Schiffsverkehr.<br \/>\nCOOL Bricks soll die Energieeffizienz von historischen Backsteingeb\u00e4uden erh\u00f6hen, bei Gew\u00e4hrleistung technisch, administrativ und historisch angemessener Standards des Denkmalschutzes.<\/p>\n<p>Wenn diese gro\u00dfe Vielfalt von Kooperationen und Formen der Begegnung uns l\u00e4ngst selbstverst\u00e4ndlich erscheint, dann liegt das auch an den wichtigen Beitr\u00e4gen zur interkulturellen Verst\u00e4ndigung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. Daf\u00fcr m\u00f6chte ich Ihnen im Namen des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg unsere Hochachtung, unsere Anerkennung und unseren Dank aussprechen.<\/p>\n<p>In diesem Sinne: Herzlichen Gl\u00fcckwunsch zum 40. Geburtstag!<\/p>\n<p>Erster B\u00fcrgermeister<br \/>\nOlaf Scholz<\/p>\n<p>Gru\u00dfwort f\u00fcr die Festschrift anl\u00e4sslich des 40. Jubil\u00e4ums der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg e.V.<\/p>\n<p>Helmut Schmidt im Juni 2012<\/p>\n<p>Mit Verst\u00e4ndnis und Vertrauen<\/p>\n<p>Friede in Europa kann nur bestehen, wenn es Deutschland in der Mitte des Kontinents gelingt, im gutnachbarlichen Verh\u00e4ltnis mit seinen Nachbarn zu leben. Polen ist gemeinsam mit Frankreich der wichtigste Nachbar Deutschlands. Deutsche und Polen verbindet eine schicksalhafte und \u00fcber weite Strecken tragische Nachbarschaft. Ein gutes Verh\u00e4ltnis beider Nationen muss sich daher stets gegen die Erinnerung gegenseitig zugef\u00fcgten Leids und tief im kollektiven Ged\u00e4chtnis verhafteter Ressentiments und \u00c4ngste erwehren.<\/p>\n<p>Seine wechselvolle Geschichte gibt Polen genug Gr\u00fcnde, seinen Nachbarn, und insbesondere seinen deutschen Nachbarn, zu misstrauen. Die drei gewaltsamen Teilungen bis Ende des 18. Jahrhunderts durch Preu\u00dfen, \u00d6sterreich und Russland wirken ebenso nach wie die v\u00f6llige Beseitigung der polnischen Souver\u00e4nit\u00e4t fast das ganz 19. Jahrhundert hindurch. Weit st\u00e4rker noch haften im polnischen Ged\u00e4chtnis die vierte gewaltsame Teilung durch Hitler und Stalin 1939 und die anschlie\u00dfende deutsche Besatzung. In diese Zeit f\u00e4llt auch die Errichtung der Todesfabrik Auschwitz auf polnischen Boden durch Hitler. Als Folge von Hitlers Weltkrieg kam es anschlie\u00dfend zur gewaltsamen Verschiebung der \u00f6stlichen und westlichen Grenzen Polens durch Stalin und zur Vertreibung von Millionen polnischer und deutscher Menschen in westliche Richtung.<\/p>\n<p>Mein Freund Herbert Wehner sagte 1977 bei einem gemeinsamen Besuch in Ausschwitz \u201e Man muss die Polen schon allein deshalb lieben, weil sie mehr gelitten haben als alle anderen\u201c. Ich habe Wehners Wort nie vergessen. Es ist wahr. Und es gewinnt zus\u00e4tzlich an Gewicht, wenn man bis in 18. Jahrhundert zur\u00fcckdenkt. Sein Wort ist gleichzeitig eine Mahnung, dass wir Deutschen von uns selbst Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die besondere Situation der Polen verlangen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Ich habe Polen erstmals als Bundestagsabgeordneter 1966 auf einer privaten Reise besucht. Auf dem Weg nach Moskau konnte ich mir damals mit meiner Familie w\u00e4hrend einer langen Autofahrt quer durch Polen einen eigenen Eindruck verschaffen. Die Menschen, Landschaften und St\u00e4dte Polens haben mich damals nachhaltig bewegt. Fast vierzig Jahre sind seit meiner ersten Reise durch Polen vergangen. Polen und Deutschen ist es in diesen vierzig Jahren gelungen, ein weites St\u00fcck aufeinander zu zugehen.<\/p>\n<p>1970 wurde mit dem deutsch-polnischen Vertrag ein erster wichtiger Grundstein f\u00fcr die Auss\u00f6hnung zwischen Polen und Deutschen gelegt. Ohne die Bereitschaft der damaligen polnischen F\u00fchrung, ihrerseits auf die deutsche Seite zuzugehen, w\u00e4re der historische Durchbruch in Helsinki nicht m\u00f6glich gewesen. Ich werde jenes Gespr\u00e4ch mit Edward Gierek in Helsinki nicht vergessen, dass damals den entscheidenden Durchbruch in den Verhandlungen brachte.<\/p>\n<p>1974\/75 habe ich mich mit Nachdruck f\u00fcr das Zustandekommen der KSZE-Schlussakte eingesetzt. Mit der Schlussakte von Helsinki wurde nicht die Oder-Nei\u00dfe-Grenze festgeschrieben, sondern die im Korb III postulierten Menschenrechte haben die Arbeit Lech Walesas und der demokratischen Opposition Solidarnosc in Polen ebenso hilfreich unterst\u00fctzt wie die Arbeit der anderen Freiheitsbewegungen im damaligen Ostblock.<\/p>\n<p>Die Geschichte Polens erkl\u00e4rt das Streben der polnischen Nation nach Souver\u00e4nit\u00e4t und Selbstbestimmung. Nach dem EU-Beitritt Polens im Mai 2004 ist es erkennbar nicht allen polnischen Politikern leicht gefallen, die damit verbundene teilweise Aufgabe der eigenen Souver\u00e4nit\u00e4t zu akzeptieren. Heute ist Polen nicht nur eine der wachstumsst\u00e4rksten europ\u00e4ischen Volkswirtschaften, sondern es nimmt auch erkennbar seine politische Verantwortung in der EU wahr. W\u00e4hrend der polnischen Ratspr\u00e4sidentschaft in der zweiten Jahresh\u00e4lfte 2011 hat Polen eine aktive Vermittlerrolle zwischen Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern der Eurozone eingenommen.<\/p>\n<p>Die gegenw\u00e4rtige Krise der Institutionen der Europ\u00e4ischen Union k\u00f6nnte ein unvoreingenommenes Miteinander der Menschen in Europa gef\u00e4hrden, sie k\u00f6nnte nationale Egoismen und Eitelkeiten aufleben lassen. Auf die friedensstiftende Wirkung der Europ\u00e4ischen Union allein k\u00f6nnen wir uns keinesfalls verlassen. Polen bleibt mit Frankreich unser wichtigster Partner in Europa. F\u00fcr eine vertrauensvolle Partnerschaft ist gegenseitiges Verst\u00e4ndnis unverzichtbar. Ohne ausreichende historische und kulturelle Sensibilit\u00e4t fehlt die Basis f\u00fcr einen wirklichen Dialog und es bleibt allenfalls bei guten Absichten allein.<\/p>\n<p>Leider wissen die Deutschen im Allgemeinen immer noch zu wenig von der Geschichte und Kultur Polens. Zwar kennen wir Fr\u00e9d\u00e9ric Chopin und vielleicht haben wir \u201eQuo Vadis\u201c von Henryk Sienkiewcz gelesen. Aber wer wei\u00df in Deutschland, dass ein polnischer K\u00f6nig schon im Jahr 966 den christlichen polnischen Staat begr\u00fcndete und der Name Polonia \u00e4lter ist als Deutschland? Wer wei\u00df in Deutschland, dass es ein Pole war, der Wien 1683 vor den T\u00fcrken rettete? Oder welcher Deutsche ist sich des \u00f6konomischen Erfolgs und der kulturellen Dynamik des heutigen Polens bewusst?<\/p>\n<p>Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. setzt sich seit 40 Jahren daf\u00fcr ein, dass sich Polen und Deutsche besser kennen lernen. Seit ihrem Aufruf \u201eFriede mit Polen\u201c im Herbst 1972 hat sie unz\u00e4hlige pers\u00f6nliche Begegnungen erm\u00f6glicht und dazu beigetragen, gegenseitige Vorurteile durch Verst\u00e4ndnis und Vertrauen zu ersetzen. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. hat damit die Vers\u00f6hnung und Freundschaft zwischen Deutschland und Polen gef\u00f6rdert und einen Beitrag f\u00fcr eine friedliche Zukunft Europas geleistet.<\/p>\n<p>Ich verbinde meine Gl\u00fcckw\u00fcnsche zum 40. Jubil\u00e4um der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg e.V. mit der Hoffnung und Erwartung, dass sie ihre wertvolle Arbeit in den n\u00e4chsten Jahren erfolgreich fortsetzen kann. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. verdient unsere Unterst\u00fctzung!<br \/>\nGeleitwort des Botschafters der Republik Polen in der Bundesrepublik Deutschland<\/p>\n<p>Dr. Marek Prawda<\/p>\n<p>Am 5. Juli 2012 beging die DPG Hamburg ihr 40-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um. Mit der Gr\u00fcndung der Gesellschaft fassten Abgeordnete der SPD-Fraktion der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft und ein kleiner Kreis von Hamburgerinnen und Hamburgern, inspiriert von dem historischen Besuch von Bundeskanzler Willy Brandt in Warschau 1970 einen sehr wichtigen Beschluss. Doch ihr \u201eAbenteuer\u201c mit Polen hatte f\u00fcr einige der sp\u00e4teren Initiatoren und Mitglieder der Gesellschaft bereits weit fr\u00fcher begonnen. Mitglieder der Deutschen Beamtenbund-Jugend Hamburg, die zu den Gr\u00fcndern der DPG geh\u00f6rten, besuchten Polen erstmals schon im Jahr 1965. Seit 1968 bis Mitte der siebziger Jahre fanden weitere Reisen junger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hamburger Verwaltung, aber auch der Bundesverwaltung wie Zoll, Post und Bahn nach Polen statt.<\/p>\n<p>Die Gesellschaft, deren unmittelbare Gr\u00fcnder die Journalistin und Schriftstellerin Annaliese Wulf und der Beamte und ehrenamtliche Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DBB-Jugend Hamburg Gerd Hoffmann waren, begann ihre T\u00e4tigkeit mit einem starken Akzent in Gestalt des Aufrufs \u201eFriede mit Polen\u201c an die Hamburger Bev\u00f6lkerung. Dieser Aufruf wurde von namhaften Pers\u00f6nlichkeiten des hamburgischen \u00f6ffentlichen Lebens unterzeichnet, darunter dem Pr\u00e4sidenten der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft Herbert Dau und mehreren Senatoren des Hamburger Senats. Beachtung verdient die Feststellung des Aufrufs: ,,Der Frieden in Europa wird schlie\u00dflich nur Wirklichkeit werden, wenn er mit Polen gewonnen wird\u201c.<br \/>\nAm Beispiel der Geschichte der DPG kann man auch die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen kennenlernen. Doch es w\u00e4re ein gro\u00dfer Fehler, die komplexe Geschichte der Beziehungen zwischen Deutschland und Polen allein auf ihre politische Dimension zu reduzieren. Die Rolle des gesellschaftlichen Faktors ist diesbez\u00fcglich nicht zu untersch\u00e4tzen, und dabei hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft in Hamburg erheblich mitgewirkt.<br \/>\nTatkr\u00e4ftig hat sie am nicht ganz leichten Prozess der Vers\u00f6hnung zwischen unseren Staaten mitgewirkt. Beharrlich und effektiv verwirklichte sie ihr Ziel durch die F\u00f6rderung der Verst\u00e4ndigung zwischen den Gesellschaften beider L\u00e4nder. Zu Recht bemerkten die Gr\u00fcnder der DPG schon gleich zu Beginn, dass diesem Ziel am besten durch die Entwicklung zwischenmenschlicher Kontakte zwischen Deutschen und Polen gedient ist und konzentrierten darauf ihre T\u00e4tigkeit. Beachtung verdient, dass die DPG \u2013 unabh\u00e4ngig von den ver\u00e4nderlichen Stimmungen und politischen Beziehungen zwischen den beiden unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen &#8211; eine Reihe von Initiativen auf diesem Gebiet unternommen hat.<br \/>\nNach 1989 ist der politische und gesellschaftliche Wandel in Europa sehr schnell eingetreten. Der Niedergang des kommunistischen Systems in Ost- und Mitteleuropa und die Wiedervereinigung Deutschlands haben einen breiten Raum f\u00fcr die deutsch-polnische Zusammenarbeit er\u00f6ffnet, auch im europ\u00e4ischen Kontext. Damit verbunden waren aber auch viele Herausforderungen. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg hat die neue Situation rechtzeitig als eine gro\u00dfe Chance erkannt und genutzt.<br \/>\nVor 20. Jahren schien es noch nicht so selbstverst\u00e4ndlich zu sein, dass ein unabh\u00e4ngiges Polen und ein wiedervereintes Deutschland zu wichtigen Partnern im vereinten Europa werden. Genau das ist aber Wirklichkeit geworden. Heute sind die Beziehungen zwischen unseren L\u00e4ndern in eine neue Phase eingetreten, die man als gereifte Partnerschaft bezeichnen kann, in der eine Schl\u00fcsselrolle die europ\u00e4ische Dimension unseres gemeinsamen Dialogs spielt. Eines Dialogs, in dem Fragen danach, wie wir den europ\u00e4ischen Raum gemeinsam gestalten k\u00f6nnen, von zentraler Bedeutung sind. Ohne gesellschaftliche Partner w\u00e4re dies nicht m\u00f6glich gewesen.<br \/>\nHoffentlich wird die DPG Hamburg noch viele vergleichbare Jubil\u00e4en in Zukunft begehen, was ich Ihnen von Herzen w\u00fcnsche.<br \/>\nGru\u00dfwort des Generalkonsuls der Republik Polen in Hamburg<\/p>\n<p>Andrzej Osiak<\/p>\n<p>Sehr geehrte Damen und Herren,<\/p>\n<p>Seit 40 Jahren existiert in Hamburg die Deutsch-Polnische Gesellschaft. Die Gr\u00fcndung dieser im Jahre 1972 geh\u00f6rte zweifellos zu den Meilensteinen der polnisch-deutschen Zusammenarbeit in Hamburg. Deswegen freue ich mich sehr \u00fcber die M\u00f6glichkeit allen Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft zum Jubil\u00e4um zu gratulieren.<\/p>\n<p>Infolge der politischen Entwicklungen am Anfang der siebziger Jahre wurde es m\u00f6glich, dass neue Wege der polnisch-deutschen Verst\u00e4ndigung und Kontakte geschaffen werden konnten. Die Ostpolitik des Bundeskanzlers Willy Brandt hat dazu beigetragen, dass der Prozess der polnisch-deutschen Vers\u00f6hnung initiiert wurde. Obwohl Polen damals kein souver\u00e4ner Staat war, konnte man auch in Warschau die positiven Reaktionen auf die Entspannungspolitik vernehmen. Fr\u00fcher gab es nat\u00fcrlich einige wichtige Initiativen, die auf die Ann\u00e4herung zwischen Polen und Deutschen gezielt haben &#8211; die bedeutendste war der Hirtenbrief der polnischen katholischen Bisch\u00f6fe an ihre deutschen Amtsbr\u00fcder. Erst in den 70. Jahren jedoch w\u00fcrde die Ann\u00e4herung zwischen den beiden V\u00f6lkern in Gang kommen.<br \/>\nEine enorme Rolle spielten dabei die gesellschaftlichen Vereinigungen und die Hamburgische Deutsch-Polnische Gesellschaft geh\u00f6rt zu den \u00e4ltesten in Deutschland. Schon seit Beginn haben ihre Mitglieder ehrgeizig und zielbewusst dem Pfad der polnisch-deutschen Ann\u00e4herung gefolgt. In diesem Kontext muss man an den Aufruf \u201eFriede in Polen\u201c erinnern, mit dem sich die Gesellschaft im ersten Jahr ihrer T\u00e4tigkeit an die Hamburger Bev\u00f6lkerung gewandt hat. Die Kontakte mit Polen, die die Deutsch-Polnische Gesellschaft seit der Gr\u00fcndung entwickelte, sind nicht zu untersch\u00e4tzen. Ich m\u00f6chte auch die Rolle der Reisen nach Polen erw\u00e4hnen, die die Gesellschaft organisiert hat. Heutzutage scheint es selbstverst\u00e4ndlich zu sein, dass wir ohne gro\u00dfe Schwierigkeiten schnell aus Polen nach Deutschland und umgekehrt verreisen k\u00f6nnen. Aber vor 40 Jahren war es nicht so einfach. Der eiserne Vorhang und dazu noch die DDR hatten beide Gesellschaften effizient getrennt und eine Reise nach Polen stellte damals viele Schwierigkeiten dar. Und ohne pers\u00f6nliche Begegnung kann keine Rede von der Vers\u00f6hnung und Verst\u00e4ndigungen sein. Durch diese Initiativen haben die Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft zur \u00dcberwindung der Vorurteile zwischen Polen und Deutschen deutlich beigetragen. Es ist wichtig, dass die Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen nicht nur im politischen und wirtschaftlichen Bereich, was nat\u00fcrlich von gro\u00dfer Bedeutung ist, aber auch auf der zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Ebene verwirklicht wird. Dieses tut die Hamburger Deutsch-Polnische Gesellschaft erfolgreich seit 40 Jahren. Ohne solche Organisationen w\u00fcrde die polnisch-deutsche Partnerschaft anders als heute ausgesehen.<br \/>\nDer Zusammenbruch des Kommunismus in Europa hat die politische Lage auf dem alten Kontinent ganz ver\u00e4ndert. Polen wurde endlich frei und souver\u00e4n, Deutschland wiedervereint. Es gab schon keine Hindernisse f\u00fcr die polnisch-deutschen Kontakte. In der neuen politischen und gesellschaftlichen Situation hat die Hamburger Deutsch-Polnische Gesellschaft ihre Mission fortgesetzt. Heutzutage veranstaltet die Gesellschaft regelm\u00e4\u00dfig verschiedene Seminare, Vortr\u00e4ge, Konzerte, die dem Publikum in Hamburg Polen ann\u00e4hern. Sie geh\u00f6rt zu den bedeutendsten Zentren der polnisch-deutschen Kooperation in Norddeutschland, z\u00e4hlt auch zu den wichtigsten Partnern des Generalkonsulats der Republik Polen in Hamburg. Die gemeinsamen Projekte, die von dem Generalkonsulat und der DPG durchgef\u00fchrt werden, genie\u00dfen bei den G\u00e4sten ein gro\u00dfes Ansehen. Ich m\u00f6chte nur drei Beispiele von der letzten Zeit nennen. Im Juni dieses Jahres hat die Gesellschaft in der Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Hamburg die Veranstaltungsreihe \u201eSommer in\u2026 Polen\u201c mitgestaltet. Dank dieser Initiative konnte man die polnische Kultur, Politik und Geschichte besser kennenlernen, gleichzeitig aber auch Spezialit\u00e4ten der polnischen K\u00fcche probieren und die polnische Sprache lernen. Auch in diesem Jahr durften wir in meiner Residenz die Buchvorstellung von Wioletta Weiss: \u201eWir sind nur noch wenige. Erinnerungen aus einem Schtetl\u201c anbieten. Ich m\u00f6chte zus\u00e4tzlich an die erfolgreiche Podiumsdiskussion erinnern, die die Katholische Akademie in Hamburg im April 2010 mit der Unterst\u00fctzung der DPG und des Generalkonsulates durchgef\u00fchrt hat. Das sind nur einige Beispiele, diese zeigen aber, wie vielf\u00e4ltig und reich die T\u00e4tigkeit der Gesellschaft ist.<br \/>\nZum 40. Jubil\u00e4um gratuliere ich den Mitgliedern sehr herzlich und w\u00fcnsche viel Erfolg in der Zukunft!<br \/>\nAndrzej Osiak<br \/>\nGeneralkonsul<br \/>\nGru\u00dfwort des Beraters f\u00fcr deutsch-polnische Angelegenheiten im B\u00fcro der Staatsministerin Cornelia Pieper im Ausw\u00e4rtigen Amt<\/p>\n<p>Wojciech Pomianowski<\/p>\n<p>Vier Treffen und ein Gl\u00fccksfall<\/p>\n<p>\u201eAm wichtigsten ist, dass man sich trifft!\u201c, hat mir Hanno Jochimsen, der ehemalige Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, einmal gesagt. Er hatte Recht. Ich konnte mich selbst mehrfach davon \u00fcberzeugen. Aus meinen Treffen in der DPG Hamburg sind Bekanntschaften und Freundschaften f\u00fcrs Leben entstanden. Diese Treffen spiegeln gleichzeitig die imposante Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen in den letzten Jahrzehnten wieder.<br \/>\nZum ersten Mal war ich mit einer Gruppe polnischer Journalisten bei der DPG Hamburg in den 80-er Jahren zu Gast. Damals \u2013 es war noch die Zeit der Teilung Europas und Deutschlands &#8211; lernte ich die Menschen kennen, die bereits Jahre zuvor den mutigen Weg der Verst\u00e4ndigung und Vers\u00f6hnung zwischen Deutschen und Polen eingeschlagen hatten. Sie waren es, die die gesellschaftliche Grundlage f\u00fcr die kommende politische Wende vorbereiteten.<br \/>\nAls polnischer Korrespondent im vereinten Deutschland nahm ich am 1. Kongress \u201eDeutsche und Polen gemeinsam in Europa\u201c teil. Der Kongress wurde von der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Polnischen Gesellschaft veranstaltet, deren Vorsitzender damals Hanno Jochimsen war. Er behauptete, f\u00fcr die gemeinsamen Beziehungen seien die DPGs eine Art Hefe. Sie entschieden zwar nicht dar\u00fcber, wie gro\u00df das Brot w\u00fcrde, ohne sie aber w\u00fcrde der Teig gar nicht aufgehen. Es war das Jahr 1992. Die DPG Hamburg feierte ihr 20-j\u00e4hriges Jubil\u00e4um und konnte ihre gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten und partnerschaftlichen Beziehungen mit dem polnischen Rzeszow schon frei entfalten.<br \/>\nMarkus Meckel, der sp\u00e4tere Vorsitzende des Bundesvorstandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften, sagte mir damals: Wir brauchen eine Lobby f\u00fcr Polen in Deutschland und f\u00fcr Deutschland in Polen. Eine Lobby, die die Politik, Wirtschaft und Kultur mit dem t\u00e4glichen Leben der deutschen und der polnischen einfachen B\u00fcrger verbindet.<br \/>\nEine Lobby von unten. Diese Funktion \u00fcbte die DPG Hamburg in den n\u00e4chsten zwei Jahrzehnten erfolgreich aus. Ohne diese Aktivit\u00e4ten, ohne engagierte Menschen, ohne die gesellschaftlichen Vermittler \u00fcber die Staats-, Kultur- und Sprachgrenzen hinweg w\u00e4ren die deutsch-polnischen Beziehungen heute viel \u00e4rmer.<br \/>\nDies ist zugleich die beste und eine bew\u00e4hrte Methode, Klischees, Vorurteilen, Phobien und Komplexen entgegenzuwirken und sie zu bek\u00e4mpfen. Je mehr wir voneinander wissen und verstehen, je mehr Kontakte, Bekanntschaften und Freundschaften wir haben, desto immuner werden wir gegen die unterschiedlichsten Gefahren und Missverst\u00e4ndnisse. Daf\u00fcr habe ich mich als polnischer Gesandter in Deutschland bei der Verabschiedung des langj\u00e4hrigen Vorsitzenden der DPG Hamburg, Gerd Hoffmann, ausdr\u00fccklich bedankt.<br \/>\nInzwischen ist die DPG Hamburg 40 geworden. Ich besuchte sie zuletzt als polnischer Austauschbeamter im B\u00fcro der Staatsministerin im Ausw\u00e4rtigen Amt, Cornelia Pieper. Auch mein pers\u00f6nliches Beispiel zeigt, wie weit wir auf dem Weg zu einer gereiften deutsch-polnischen Partnerschaft sind. Dies w\u00e4re ohne die Freunde aus Hamburg, ohne die unz\u00e4hligen anderen Menschen guten Willens, die genau wie sie denken, nicht m\u00f6glich gewesen. Liebe Viola, liebe Aleksandra, lieber Gerd, lieber Hartwig und viele andere Freunde: ich danke Euch allen und gratuliere zum 40. Jahrestag eurer Gesellschaft aufs herzlichste. Ihr seid ein wahrer Gl\u00fccksfall f\u00fcr Deutsche und Polen. Deswegen \u201eSto lat\u201c und weiter so!<\/p>\n<p>Gru\u00dfwort des Vorsitzenden des F\u00f6rderkreises \u201eMahnmal St.Nikolai\u201c<\/p>\n<p>Klaus Franke<\/p>\n<p>Zur Auss\u00f6hnung und zur Verst\u00e4ndigung mit unserem europ\u00e4ischen Nachbarn Polen hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg einen ganz wesentlichen Beitrag in den vergangenen vier Jahrzehnten geleistet. Herzlichen Dank daf\u00fcr.<\/p>\n<p>Besonders in den Zeiten der Gr\u00fcndung der Solidarnosc und den damaligen schwierigen wirtschaftlichen Verh\u00e4ltnissen in Polen ist dies deutlich geworden, Die F\u00f6rderung des Wissens von Geschichte, Kultur und Musik Polens war immer ein besonderes Anliegen Ihrer Gesellschaft. F\u00fcr die dabei gezeigte Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit uns sind wir Ihnen dankbar und w\u00fcnschen der Gesellschaft weiterhin erfolgreiche Jahre.<\/p>\n<p>Klaus Francke<\/p>\n<p>Inhaltsverzeichnis<\/p>\n<p>Gru\u00dfworte<br \/>\nOlaf Scholz.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u20265<br \/>\nHelmut Schmidt\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..6<br \/>\nDr. Marek Prawda\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..8<br \/>\nAndrzej Osiak\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026&#8230;10<br \/>\nWojciech Pomianowski\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202612<br \/>\nKlaus Franke\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.14<br \/>\nInhaltsverzeichnis\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.15<br \/>\n1. Einleitung\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..18<br \/>\n2. Die Entstehung der DPG Hamburg\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202620<br \/>\n3. Gr\u00fcndungsjahr 1972 &#8230;\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202622<br \/>\n4. Handeln in der kommunistischen Realit\u00e4t, 1972-1989\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..25<br \/>\n4.1 Die ersten G\u00e4ste aus Polen 26<br \/>\n4.2 Die erste Reise nach Polen 26<br \/>\n4.3 Hilfreicher Gespr\u00e4chspartner 27<br \/>\n4.4 Zusammenarbeit mit den Deutsch-Polnischen Gesellschaften Norddeutschlands 28<br \/>\n4.5 Deutsch &#8211; Polnische Gro\u00dfveranstaltungen 29<br \/>\n4.5.1 Polnische Tage 1971 in Hamburg 29<br \/>\n4.5.2 Polnische Tage 1975 in Hamburg 30<br \/>\n4.5.3 Hamburger Tage 1977 in Danzig\/Gda\u0144sk 31<br \/>\n4.5.4 Polnischer Herbst Hamburg 1981 33<br \/>\n4.5.5 Weitere Veranstaltungen 34<br \/>\n4.6 St\u00e4dtepartnerschaft 34<br \/>\n4.7 Das Kriegsrecht in Polen 1981 36<br \/>\n4.8 \u201eResovia Saltans\u201c und Hamburg 37<br \/>\n4.9 Gr\u00fcndung des Bundesverbandes und der Zeitschrift \u201eDIALOG\u201c 39<br \/>\n5. Neue politische Situation \u2013 neue Herausforderungen, 1989-2004\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202641<br \/>\n5.1. Die Wende 41<br \/>\n5.2 Zusammenarbeit mit Rzesz\u00f3w und der Region Podkarpackie (Vorkarpaten) 42<br \/>\n5.2.1 Bericht aus Rzesz\u00f3w: Aus Fremden werden Freunde 43<br \/>\n5.2.2 Bericht aus Rzesz\u00f3w: Gesichter der Freundschaft 43<br \/>\n5.2.3 Bericht aus Rzeszow: Gl\u00fccksf\u00e4lle 44<br \/>\n5.3 Germanistikstudenten aus Jas\u0142o\/Krosno in Hamburg 45<br \/>\n5.3.1 Bericht von Germanistik-Dozenten der Fachhochschule Krosno 45<br \/>\n5.3.2 Bericht einer Studentin 48<br \/>\n5.4 Jubil\u00e4umsjahr 1997, 25 Jahre der DPG Hamburg 49<br \/>\n5.4.1 Die Festschrift 49<br \/>\n5.4.2 Die Festveranstaltung 52<br \/>\n5. 5 Eine besondere Hilfsaktion \u2013 Oderflut 1997 52<br \/>\n5.6 Umwelt und \u00d6kologie 55<br \/>\n5.7 Zusammenarbeit mit den Hamburger Institutionen und Organisationen 57<br \/>\n6. Polen in der EU \u2013 neue Chancen im deutsch-polnischen Dialog\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..60<br \/>\n6.1 Jahreskongresse der DPG Bundesverband und 2007 in Hamburg 60<br \/>\n6.2 Praktikantenprogramme \u2013 Initiative zum praktischen Erfahrungsaustausch 61<br \/>\n6.3 Die Stellungnahme zur Frage eines Zentrums gegen Vertreibung 63<br \/>\n6.4 Studienreisen 65<br \/>\n6.5 Neues aus Polen 68<br \/>\n6.6 Mein \u201eGoldenes Buch\u201c 73<br \/>\n6.7 Besondere Ehrungen unserer Mitglieder 82<br \/>\n6.7.1 Verdienstorden der Republik Polen verliehen an Mitglieder der DPG Hamburg 83<br \/>\n6.7.2 Matthiae-Mahl 2009 84<br \/>\n7. Aktivit\u00e4ten der DPG Hamburg\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026&#8230;86<br \/>\n7.1 Aktivit\u00e4ten im Bildungsbereich 86<br \/>\n7.1.1 Sch\u00fcleraustausch 86<br \/>\n7.1.2 Lehrerstudienfahrten des Instituts f\u00fcr Lehrerfortbildung (IfL) 87<br \/>\n7.1.3 Fortbildung f\u00fcr Deutschlehrer 88<br \/>\n7.1.4 Gemeinsame Lehrerseminare 89<br \/>\n7.2 Sportbegegnungen 90<br \/>\n7. 3 Aktivit\u00e4ten im Kulturbereich 91<br \/>\n7.3.1 Ausstellungen (exemplarische Beispiele) 91<br \/>\n7.3.2 Lesungen\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202696<br \/>\n7.3.3 Musikveranstaltungen\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u202697<br \/>\n8. Im Netzwerk der DPG\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026101<br \/>\n8.1 Der Ost-West-Kreis\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026&#8230;101<br \/>\n8.2 \u201eWer seinen Nachbarn kennt, kann auf Vorurteile verzichten\u201c\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026102<br \/>\n8.3 Leben im Glas, Irena-Sendler-Schule\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026105<br \/>\n9. Die Mitgliedschaft und die Vorstandsarbeit\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026108<br \/>\n9.1 Aufbauphase in den 70er Jahre\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..108<br \/>\n9.2 Konsolidierung und \u00c4nderungen in den 80er\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026109<br \/>\n9.3 Ver\u00e4nderungen nach 1990\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026&#8230;\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.110<br \/>\n9.4 Der Vorstand heute\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026&#8230;\u2026\u2026\u2026\u2026.\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026112<br \/>\nGEDENKEN\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026&#8230;116<br \/>\nAUTOREN\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..117<br \/>\nLITERATURLISTE\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026..117<br \/>\nANHANG 1\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.118<br \/>\nANHANG 2\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026\u2026.119<\/p>\n<p>1. Einleitung<\/p>\n<p>Vierzig Jahre liegen hinter der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, die \u2013 fast zur gleichen Zeit wie Schwestergesellschaft in Kiel &#8211; am 5. Juli 1972 als gemeinn\u00fctziger Verein gegr\u00fcndet wurde. Das sind 40 Jahre Arbeit unter sich st\u00e4ndig \u00e4ndernden politischen Konstellationen, immer mit dem Ziel, Kontakte zu den Menschen in Polen herzustellen, um gemeinsam und partnerschaftlich neue Wege im Zusammenleben der beider V\u00f6lker zu verwirklichen, trotz mancher Widerst\u00e4nde der jeweils Regierenden. Hunderte von Hamburgerinnen und Hamburgern engagierten sich \u00fcber 40 Jahre f\u00fcr die v\u00f6lkerverbindende Arbeit, viele Vorstandsmitglieder leisteten Tausende von ehrenamtlichen Stunden, Hunderttausende in Deutschland und Polen erhielten durch die Aktivit\u00e4ten der Gesellschaft die M\u00f6glichkeit, sich \u00fcber das jeweilige Nachbarland zu informieren, die Nachbarn kennenzulernen und damit eine Basis f\u00fcr eine gemeinsame Zukunft in Europa zu schaffen.<\/p>\n<p>Letztendlich war der Deutsch-Polnische Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Beziehungen aus dem Jahr 1991 auch ein Ergebnis unserer Arbeit und der mittlerweile zahlreichen anderen deutsch-polnischen Gesellschaften in der Bundesrepublik, von denen sich \u00fcber 50 im Bundesverband zusammengeschlossen haben. Wir haben mit unserer Arbeit, u.a. mit dem deutsch-polnischen Magazin \u201eDialog\u201c, vertrauensbildend gewirkt, was insbesondere vor dem Hintergrund der leidvollen deutsch-polnischen Geschichte in unserer j\u00fcngsten Vergangenheit von gro\u00dfer Bedeutung war und ist. \u201eMan darf die Vergangenheit nicht verharmlosen \u2013 aber trotzdem sollte man mehr \u00fcber eine gemeinsame Zukunft reden\u201c. Nach dieser Erkenntnis handelnd, entstanden die DPG Hamburg und viele weitere deutsch-polnische Gesellschaften in anderen St\u00e4dten, die seitdem eine sehr erfolgreiche politische und kulturelle Arbeit leisten. \u201eEs gibt in den letzten Jahren kein anderes Nachbarvolk, an dem ein so umfassendes Interesse gezeigt wurde wie am polnischen Volk. Allerdings der Nachholbedarf war hier auch gewaltig\u201c (Wolfgang Plat, 1980, 203).<\/p>\n<p>Es hat sich so \u00fcber die Jahre ein umfassender deutsch-polnischer Dialog mit konkreten Projekten der Zusammenarbeit entwickelt, die Tausende von Polen und Deutschen mit dem jeweiligen Nachbarland in Verbindung brachte. Dauerhafte Freundschaften haben sich als Ergebnis dieser zielgerichteten Arbeit wie selbstverst\u00e4ndlich ergeben.<\/p>\n<p>Unsere Arbeit f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung mit dem Nachbarland wurde von der Freien und Hansestadt Hamburg leider nicht immer angemessen gew\u00fcrdigt. Die fehlende St\u00e4dtepartnerschaft mit einer polnischen Stadt lie\u00df uns wenig Spielraum und gestaltete die Rahmenbedingungen ung\u00fcnstig. Es gab aber auch positive Erfahrungen. F\u00fcr einige herausragende Aktivit\u00e4ten haben die Pr\u00e4sidenten der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft und des Hamburger Senats die Schirmherrschaft \u00fcbernommen: f\u00fcr die Polnischen Tage 1971 in Hamburg \u00fcbernahm Peter Schulz die Schirmherrschaft. Ihm folgte Hans-Ulrich Klose f\u00fcr die \u201ePolnischen Tage \u00b475\u201c und f\u00fcr die \u201cHamburger Tage 77\u201c in Danzig\/Gda\u0144sk und den \u201ePolnischen Herbst \u00b481\u201c. \u00dcber ein Jahrzehnt sp\u00e4ter \u00fcbernahm B\u00fcrgermeister Dr. Hennig Voscherau die Schirmherrschaft f\u00fcr die \u201ePolnischen Tage 1993\u201c des Generalkonsulats der Republik Polen, B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidentin Ute Pape f\u00fcr das 25. Jubil\u00e4um der Gesellschaft im Jahre 1997 und B\u00fcrgermeister Ortwin Runde f\u00fcr die \u201ePolentage 1999\u201c der Neuen Gesellschaft. Jetzt hat B\u00fcrgermeister Olaf Scholz uns die Ehre erwiesen und die Schirmherrschaft f\u00fcr unser Jubil\u00e4um \u00fcbernommen.<\/p>\n<p>Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg ist seit ihrer Gr\u00fcndung sehr eng mit der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft verbunden. Fast k\u00f6nnte man sie als \u201eein Kind der B\u00fcrgerschaft\u201c bezeichnen, wie die B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidentin Ute Pape es ausdr\u00fcckte.<\/p>\n<p>Der in dieser Festschrift vorgenommene R\u00fcckblick auf die vierzigj\u00e4hrige Geschichte der DPG Hamburg beruht f\u00fcr die ersten 25 Jahre im Wesentlichen auf den Beitr\u00e4gen von Dr. Hanno Jochimsen und Gerd Hoffmann aus der Festschrift zum 25. Jubil\u00e4um 1997; ihre akribisch verfasste Dokumentation der deutsch-polnischen Freundschaft ist f\u00fcr uns ein bleibendes Verm\u00e4chtnis.<\/p>\n<p>Ich danke an dieser Stelle allen, die Berichte \u00fcber unsere Gesellschaft und die gemeinsamen Aktivit\u00e4ten, Erfahrungen und Erlebnisse verfasst haben. Hervorheben m\u00f6chte ich vor allem unseren Ehrenvorsitzenden, Gerd Hoffmann, der zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern der Gesellschaft geh\u00f6rt und immer noch aktiv mitarbeitet. Er hat auch mehrere Beitr\u00e4ge f\u00fcr diese Schrift geschrieben.<\/p>\n<p>Ein besonderer Dank gilt unserem Ehrenmitglied, Jan Dolny, dessen \u201eGoldenes Buch\u201c sich als einmalige Dokumentation der G\u00e4ste zahlreicher Begegnungen in Hamburg und Polen erwies, deren Namen sonst in Vergessenheit geraten w\u00fcrden.<\/p>\n<p>Dank ebenfalls unseren bew\u00e4hrten Freunden in Rzesz\u00f3w und Krosno, die mit sp\u00fcrbarer W\u00e4rme \u00fcber unsere Begegnungen und Zusammenarbeit berichtet haben.<\/p>\n<p>Meinem Mann, Hans-Rainer Krizak, und meinen Vorstandsfreunden, Wolfgang Madlung, Aleksandra Jeszke-Zillmer und Hartwig Zillmer und Herbert Stelter, danke ich f\u00fcr ihre Unterst\u00fctzung, ohne die diese Festschrift nicht zustande gekommen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Viola Krizak<br \/>\nAugust 2012<br \/>\n2. Die Entstehung der DPG Hamburg<\/p>\n<p>Blicken wir zur\u00fcck auf die Geschichte der deutsch-polnischen Beziehungen vor der Gr\u00fcndung der Gesellschaft: In den Zeiten des Kalten Krieges wurde die deutsch-polnische \u201eVers\u00f6hnung\u201c zu einem Schl\u00fcssel, um die weltanschaulich zementierte politische Teilung(in Europa) zu \u00fcberwinden. Vers\u00f6hnung bezieht sich auf gemeinsame Werte, die Menschen und Gesellschaften verbinden. Sie ist eine ideelle Br\u00fccke, die zu neuen Orientierungen und politischen Haltungen anregt und damit Gesellschaft und Politik beeinflusst (Stephan Raabe, 2010, 11). Trotz der gemeinsamen Werte war die politische Situation am Ende der 60er Jahre schwierig und bildete keine g\u00fcnstigen Bedingungen f\u00fcr den Bau einer deutsch-polnischen Verst\u00e4ndigungsbr\u00fccke \u00fcber die Blockgrenzen hinweg. Die sowjetischen Truppen besetzten halb Europa und die Volksrepublik Polen befand sich in einer tiefen politischen und \u00f6konomischen Krise. Trotz der ung\u00fcnstigen Bedingungen gab es einen kleinen Kreis von Hamburgerinnen und Hamburgern, die auf verschiedenen Ebenen deutsch-polnische Kontakte entwickelt und gepflegt haben. Zu diesem Kreis geh\u00f6rten u.a. Mitglieder der Deutschen Beamtenbund-Jugend Hamburg, die erstmals 1965 eine Studienfahrt nach Warschau durchgef\u00fchrt hatten. Ab 1968 bis Mitte der 70er Jahre folgten j\u00e4hrlich weitere Bildungsurlaubsreisen junger Mitarbeiterinnen mit Mitarbeiter des \u00f6ffentlichen Dienstes(Gerd Hoffmann, 2005, 275).<\/p>\n<p>Im Rahmen einer jugendpolitischen Zusammenarbeit der Hamburger Gewerkschaftsjugendorganisationen von DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund), DAG (Deutsche Angestelltengewerkschaft) und DBB (Deutscher Beamtenbund) im \u201eAktionszentrum Hamburger Jugendverb\u00e4nde\u201c wurde im Fr\u00fchjahr 1970 im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel die Ausstellung \u201e25 Jahre Polens West- und Nordgebiete\u201c pr\u00e4sentiert, die von der Aktion S\u00fchnezeichen bereit gestellt und von Senator Helmuth Kern er\u00f6ffnet wurde. Das \u201eAktionszentrum Hamburger Jugendverb\u00e4nde\u201c war auch Veranstalter der ersten \u201ePolnischen Tage\u201c in Hamburg, die im Fr\u00fchjahr 1971 mit \u00fcber 70 Veranstaltungen stattfanden und von einem Ende Oktober 1970 gegr\u00fcndeten \u201eArbeitskreis Polen\u201c vorbereitet wurde. Das ist die eigentliche Geburtsstunde der Deutsch-Polnischer Gesellschaft Hamburg.<\/p>\n<p>Diese Veranstaltungsreihe wurde m\u00f6glich, weil die kommunistischen Machthaber in Warschau vor allem wirtschaftliche Kontakte zur Bundesrepublik suchten. Dieser Umstand wirkte sich positiv auf die neue Ostpolitik Bonns nach 1970 sowie auf die Arbeit der deutsch-polnischen Initiativen aus. Nach dem Scheitern des totalit\u00e4ren Herrschaftsmodels im Sowjetblock 1956 versuchten die polnischen Kommunisten durch Liberalisierungsma\u00dfnahmen die Stabilisierung ihres autorit\u00e4ren Herrschaftssystems zu erreichen. Politisch erhofften sie sich dabei die Unterst\u00fctzung von breiteren Gesellschaftsgruppen sowie die Verbesserung der \u00f6konomischen Leistungsf\u00e4higkeit des Landes. Die diktatorische Monopolstellung der prosowjetischen Einheitspartei im Staat und in der Gesellschaft durfte allerdings trotz aller Ma\u00dfnahmen nicht in Frage gestellt werden (Basil Kerski, 2007).<\/p>\n<p>Ziel der \u201ePolnischen Tage1971\u201c war das Nachbarland Polen ins Bewusstsein der Menschen bei uns zu bringen und den gerade unterzeichneten \u201eWarschauer Vertrag\u201c zwischen den beiden L\u00e4ndern mit Leben zu erf\u00fcllen, um damit die Bem\u00fchungen von Bundeskanzler Willi Brandt zur Auss\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit zu unterst\u00fctzen. Die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger Hamburgs sollten die M\u00f6glichkeit erhalten, das Nachbarland und seine Menschen n\u00e4her kennen zu lernen. Der \u201eWarschauer Vertrag\u201c war ein v\u00f6lkerrechtlich verbindliches Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik Polen, der in Polens Hauptstadt am 7. Dezember 1970 unterzeichnet und am 17. Mai 1972 vom Deutschen Bundestag ratifiziert wurde (BGB. 1972 II, S. 362 ff.).<\/p>\n<p>Unter diesen Rahmenbedingungen entwickelten sich insbesondere im norddeutschen Raum einige b\u00fcrgerliche Initiativen, die allerdings nur einen kleinen Teil der Bev\u00f6lkerung erreichten konnten. Der \u201eArbeitskreis Polen\u201c arbeitete bis zur Gr\u00fcndung der DPG Hamburg und organisierte gemeinsam mit dem \u201eAktionszentrum Hamburger Jugendverb\u00e4nde\u201c eine Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen sowie Studienfahrten nach Polen. Seine Arbeit wurde von der Journalistin und Schriftstellerin Annaliese Wulf und dem ehrenamtlichen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DBB-Jugend Hamburg, Gerd Hoffmann, geleitet. Nach den erfolgreichen \u201ePolnischen Tagen 1971\u201c beabsichtigten sie, die Arbeit des \u201eArbeitskreis Polen\u201c auf eine breitere gesellschaftliche Basis stellen und initiierten die Gr\u00fcndung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg (Gerd Hoffmann, 2005, 275 ff).<\/p>\n<p>Hanno Jochimsen, der Nachfolger des Gr\u00fcndungsvorsitzenden Vorsitzenden der Deutsch-Polnischer Gesellschaft Hamburg, Pastor Hans Mohn MdB\u00fc, berichtet: \u201eIm Januar 1971 &#8211; wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags im Dezember 1970 &#8211; standen unangemeldet Gerd Hoffmann und Friedrich Riethm\u00fcller in meinem Zimmer im Rathaus und erkl\u00e4rten, soeben h\u00e4tte der damalige Zweite B\u00fcrgermeister und Schulsenator Peter Schulz die Schirmherrschaft \u00fcber die bald zu veranstaltenden &#8220;Polnischen Tage&#8221; \u00fcbernommen. Es sei nun meine Pflicht als stellvertretender Pressesprecher, ihnen bei der Pressearbeit zu helfen. Es war der Anfang einer wechselvollen gemeinschaftlichen Friedensarbeit. Irgendwie entstand ein Vertrauen zwischen uns. Gerade unsere so unterschiedlichen pers\u00f6nlichen Hintergr\u00fcnde lie\u00dfen die Zusammenarbeit fruchtbar werden\u201c (Hanno Jochimsen, 1997, 8). Vorausschauend war es ihm bewusst, dass \u201eNationen nicht weggezaubert werden k\u00f6nnen, wie die vor uns lebende Generation wohl gemeint haben muss und dabei V\u00f6lkermord als selbstverst\u00e4ndlich ansah &#8211; dass die Polen also immer Nachbarn der Deutschen und die Deutschen selber nur eine begrenzte &#8211; wenn auch unbestimmte &#8211; Zeit geteilt sein w\u00fcrden\u201c (Hanno Jochimsen, 1997, 8).<\/p>\n<p>Im Fr\u00fchjahr 1972 wandte sich der \u201eArbeitskreis Polen\u201c an die Mitglieder der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft Ulrich Hartmann und Hans Mohn sowie an den Wandsbeker Bezirksabgeordneten Hartwig Schr\u00f6der, die gerade von einer Informationsreise durch Polen auf Einladung von \u201eAktion S\u00fchnezeichen\u201c zur\u00fcckgekehrt waren und aus ihren pers\u00f6nlichen Erlebnissen heraus einen Beitrag zur deutsch-polnischen Verst\u00e4ndigung leisten wollten. Einer der wichtigsten Beweggr\u00fcnde f\u00fcr diese Initiative war, den im Dezember 1970 geschlossenen \u201eWarschauer Vertrag\u201c mit Leben \u201evon unten\u201c zu erf\u00fcllen. Die Arbeit des Arbeitskreises sollte auch einen verbindlichen Rahmen erhalten. Gemeinsam wurde beschlossen, eine Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg zu gr\u00fcnden, worauf der \u201eArbeitskreis Polen\u201c mit einer kleinen hektographierten Einladung zu einer Gr\u00fcndungsversammlung ins Hamburger Rathaus bat. (Gerd Hoffmann, 2005, 276)<\/p>\n<p>3. Gr\u00fcndungsjahr 1972<\/p>\n<p>\u201eVerst\u00e4ndigung mit Polen suchen, wollte ich nicht nur, weil ich dieses Land, seine Kultur und seine Menschen sch\u00e4tzen gelernt hatte, sondern auch um dem eigenen Land zu helfen. Ohne den Frieden mit Polen war kein dauerhafter Frieden f\u00fcr die Deutschen zu erwarten und eine Wiederholung der Ereignisse der letzten zwei Jahrhunderte &#8211; von den Teilungen Polens bis zum Vernichtungsangriff 1939 &#8211; nicht auszuschlie\u00dfen. Sodann konnte man beim Aufbau der Beziehungen zu Polen langfristig und in historischer Sicht etwas Sinnvolles gegen die Teilung des eigenen Landes tun\u201c (Hanno Jochimsen, 1997, 9). Diese Erkenntnis war wichtig und notwendig, um die weiteren Schritte zu unternehmen. So wurde die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg am 5. Juli 1972 parallel zu der an diesem Tag laufenden B\u00fcrgerschafts-sitzung gegr\u00fcndet.<\/p>\n<p>Zu den Gr\u00fcndungsmitgliedern geh\u00f6rten 15 Personen: Senator Dr. Hans-Joachim Seeler, die SPD B\u00fcrgerschaftsmitglieder Bodo Fischer, Ulrich Hartmann, Elisabeth Kiausch, Walter Lohmann, Hans Mohn, Elisabeth Ostermeier, Raimond Wagener, , Dr. Gerd Weiland und Heiner Widderich, sowie Gerd Hoffmann, , Friedrich Riethm\u00fcller, Hartwig Schr\u00f6der, Dorothea Wick und Annaliese Wulf . Als Vorsitzender des Gr\u00fcndungsvorstandes wurde Pastor Hans Mohn gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Arbeit des Gr\u00fcndungsvorstandes konzentrierte sich neben der Schaffung der formalen vereinsrechtlichen Voraussetzungen und der Gewinnung der Mitglieder sehr stark auf einen \u00f6ffentlichen Aufruf unter dem Titel \u201eFriede mit Polen\u201c (Anhang 1). Dieser Aufruf wurde von namhaften Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens in Hamburg, u.a. B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidenten Herbert Dau (Hamburger Ehrenb\u00fcrger und Mitglied der Gesellschaft kurz nach ihrer Gr\u00fcndung), B\u00fcrgermeister Peter Schulz, Senator Helmut Kern und dem DBB-Vorsitzenden Joachim Gragert unterzeichnet. Die Erkl\u00e4rung entstand in der Wohnung von Annaliese Wulf, die zusammen mit Gerd Hoffmann Motor des Polnischen Arbeitskreises war. Dort wurde um eine angemessene Formulierung des Aufrufs hart gerungen und trotz der ganz unterschiedlicher politischer Ausgangspunkte Einigung erzielt. Dieser Aufruf ist neben der inhaltlichen Zielrichtung der Satzung \u00fcber die Jahre bis heute Leitlinie der Deutsch-Polnischer Gesellschaft Hamburg geblieben. In die Vorbereitung der Erkl\u00e4rung wurde der stellvertretende Leiter der Staatlichen Pressestelle Hamburg, Dr. Hanno Jochimsen, als Medienexperte einbezogen. Diese Unterst\u00fctzung war dann der Ausgangspunkt f\u00fcr seine jahrelange engagierte Arbeit f\u00fcr die deutsch-polnische Auss\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung, Zusammenarbeit und Freundschaft als Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg. von 1973-1991 und von 1991-2002 als deren Ehrenvorsitzender.<\/p>\n<p>Von entscheidender Bedeutung f\u00fcr die Arbeit der DPG Hamburg war, \u00fcber alle Parteigrenzen hinweg viele Aktivit\u00e4ten zu entwickeln, viele Verbindungen zwischen Polen und Hamburg herzustellen und viele Initiativen zu unterst\u00fctzen. Im Verlaufe der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung kritisierte Oswald Beck (Mitglied der CDU-B\u00fcrgerschaftsfraktion) die f\u00fcr ihn einseitige politische Zusammensetzung des Gr\u00fcndungsvorstandes. Der Verweis auf Jochimsen, der FDP Mitglied war, vermochte ihn ebenfalls nicht zu beruhigen, weil dieser doch zum Koalitionspartner in Bonn und Hamburg z\u00e4hlte. Die Versammlung ergriff die Chance, die CDU als eine wichtige politische Gruppe zu integrieren und w\u00e4hlte ihn in den Vorstand.<\/p>\n<p>Zudem war die Zusammenarbeit mit dem aus Bielitz-Biala\/Bielsko-Bia\u0142a stammenden Oswald Beck, der sich \u00fcber polnische Angeh\u00f6rige seiner oberschlesischen Familie emp\u00f6rt hatte und deshalb vertrieben wurde, aber nun seinen pers\u00f6nlichen Frieden suchte, au\u00dfergew\u00f6hnlich fruchtbar. Er kannte die polnische Psyche. Von ihm haben die ersten Vorstandsmitglieder viel gelernt (Hanno Jochimsen, 1997, 10).<br \/>\nDer Vorstand arbeitete harmonisch \u00fcber die Parteigrenzen hinaus, nicht zuletzt auch deshalb, weil niemals Beschl\u00fcsse gefasst wurden, die die Schmerzgrenze bei einem der Mitglieder \u00fcberschritten h\u00e4tten.<\/p>\n<p>Die historischen Dimensionen der Verst\u00e4ndigung mit Polen und der damit verbundenen Gr\u00fcndung der DPG Hamburg hatten zu jener Zeit nur wenige richtig eingesch\u00e4tzt &#8211; auch nicht der Erste B\u00fcrgermeister Peter Schulz &#8211; als er die vier Mitglieder des engeren Vorstands der Gesellschaft, Oswald Beck, Gerd Hoffmann, Friedrich Riethm\u00fcller und Hanno Jochimsen im Rathausehrenhof traf und fragte: &#8220;Was ist denn dies f\u00fcr eine seltsame Koalition?&#8221; Und als Jochimsen bei einer sp\u00e4terer Gelegenheit vom gemeinsamen Engagement f\u00fcr den Frieden mit Polen sprach, antwortete der B\u00fcrgermeister etwas leise: &#8220;Es sind doch alles Bolschewisten &#8211; was wollen Sie da?&#8221; (Hanno Jochimsen, 1997, 9)<\/p>\n<p>Diese Erinnerungen von Hanno Jochimsen verdeutlichen ebenfalls, dass bald nach Gr\u00fcndung der Gesellschaft sich Mitglieder aller drei damals im Deutschen Bundestag und in der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft vertretenden Parteien zusammenfanden, um Wege der Friedensgestaltung mit Polen \u00fcber die Parteigrenzen hinweg zu suchen. Sie fanden sich zu gemeinsamer Arbeit bereit, um einen Konflikt \u00fcberwinden zu helfen, der damals genau 200 Jahre alt war. Als Leitmotiv galt damals die \u00dcberzeugung, dass das Verh\u00e4ltnis zwischen Polen und Deutschen nicht Gegenstand innenpolitischer Konfrontation sein durfte. Die unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen in der Volksrepublik Polen und der Bundesrepublik Deutschland durften keine Ausrede daf\u00fcr sein, nicht f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung zwischen Polen und Deutschen zu arbeiten. Die historischen Fehler des nicht miteinander Sprechens, des nicht aufeinander Zugehens, die schlie\u00dflich im Inferno des 2. Weltkrieges endeten, durften sich nicht wiederholen. Wenn der Friede in Europa gesichert werden sollte, dann war ein ertr\u00e4gliches Verh\u00e4ltnis zwischen Polen und Deutschen eine wesentliche Voraussetzung.<\/p>\n<p>In der Gr\u00fcndungsphase der Gesellschaft gab es den Versuch, die Hamburger Initiative als Untergliederung in die damals bereits existierende Deutsch-Polnische Gesellschaft D\u00fcsseldorf (sp\u00e4ter mit Alleinvertretungsanspruch: Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland) zu integrieren. Auf die Integration wurde nach gr\u00fcndlicher Pr\u00fcfung aber auch aus Furcht vor \u00dcberfremdung und Beeintr\u00e4chtigung der regionalen Interessen verzichtet. Dabei hat eine Steuerung der D\u00fcsseldorfer Gesellschaft durch DKP-nahe Kader durchaus eine Rolle gespielt.<\/p>\n<p>Da der \u201eWarschauer Vertrag\u201c innenpolitisch sehr umstritten war und von der CDU\/CSU auf Bundesebene nicht akzeptiert wurde, erschienen in der Hamburger Presse, die durch die Springer-Medien sehr einseitig gegen die Ostpolitik Willi Brandts gepr\u00e4gt war, im Gr\u00fcndungsjahr 1972 nur zwei kurze Artikel \u00fcber die Deutsch-Polnische Gesellschaft publiziert. Im ersten vom 1. August hie\u00df es: \u201eEine deutsch-polnische Gesellschaft, die eine Verst\u00e4ndigung zwischen der Volksrepublik Polen und der Bundesrepublik Deutschland anstrebt, ist in Hamburg gegr\u00fcndet worden. Erster Vorsitzender wurde der SPD-B\u00fcrgerschaftsabgeordnete Pastor Hans Mohn. Die Gesellschaft ist aus dem deutschpolnischen Arbeitskreis entstanden, der seit l\u00e4ngerer Zeit in Hamburg t\u00e4tig ist. Im November soll in einer zehnt\u00e4gigen Veranstal-tungsreihe das Thema &#8220;Polen in Literatur und Schulbuch der Bundesrepublik&#8221; behandelt werden.\u201c<\/p>\n<p>In dem 2. Bericht vom 28.11.1972 ging das Hamburger Abendblatt etwas st\u00e4rker auf die Arbeitsinhalte ein:<br \/>\n\u201eDie k\u00fcrzlich gegr\u00fcndete Deutsch- Polnische Gesellschaft Hamburg, deren Erster Vorsitzender der SPD- B\u00fcrgerschaftsabgeordnete Pastor Hans Mohn ist, will vor allem Kontakte zwischen jungen Menschen beider V\u00f6lker kn\u00fcpfen. Vorgesehen sind ein Informationsaustausch, polnische Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen, Sprachkurse in Hamburg und Studienreisen nach Polen. Ferner strebt Pastor Mohn die Einrichtung eines Informationszentrums und die Partnerschaft zwischen Hamburg und einer polnischen Stadt an. Am 30. November will sich die Deutsch-Polnische Gesellschaft um 20 Uhr in den R\u00e4umen der Neuen Gesellschaft, Rothenbaumchaussee Nr. 19 vorstellen. Ein Beauftragter der polnischen Botschaft in K\u00f6ln hat sein Erscheinen zugesagt.\u201c<\/p>\n<p>Auch in den Folgejahren war das Interesse der Springer-Presse an der Arbeit der DPG Hamburg sehr gering; es erschienen kaum Hinweis auf oder redaktionelle Beitr\u00e4ge \u00fcber durchgef\u00fchrte Veranstaltungen. Die \u201eOstpolitik\u201c und alle damit in Zusammenhang stehenden v\u00f6lkerverbindenden Aktivit\u00e4ten passten offensichtlich nicht in das verlegerische Konzept.<\/p>\n<p>4. Handeln in der kommunistischen Realit\u00e4t, 1972-1989<\/p>\n<p>Gesellschaftliches Engagement im deutsch-polnischen Bereich war f\u00fcr viele Westdeutsche in den 70er und 80er Jahren die beinahe einzige M\u00f6glichkeit der Zusammenarbeit zwischen den politischen Machtbl\u00f6cken. Die Deutsch-Polnischen Gesellschaften repr\u00e4sentierten vor 1989 somit nicht nur das bilaterale Verh\u00e4ltnis, sie waren vielmehr wichtige Protagonisten des gesamten Ost-West-Dialogs. Sie lieferten Hinweise, dass der europ\u00e4ische Einigungsprozess nur mit den auf der Regierungsebene geschlossenen Vertr\u00e4gen unvollkommen blieb und durch direkte Kontakte zwischen den Menschen mit Inhalten gef\u00fcllt werden musste. Die mit den westeurop\u00e4ischen Nachbarn abgeschlossenen Vereinbarungen ber\u00fchrten nur einen Teil Europas und waren damit f\u00fcr ein \u201eeurop\u00e4isches Haus\u201c nicht ausreichend. Diese gesamteurop\u00e4ische Haltung f\u00fchrte viele junge Menschen ohne famili\u00e4ren Bezug zu Polen in die Deutsch-Polnischen Gesellschaften. Neben den Bef\u00fcrwortern der neuen Ostpolitik und des europ\u00e4ischen Dialogs zwischen den Systembl\u00f6cken zogen die Gesellschaften auch die in der Bundesrepublik lebenden Polen sowie Deutsche mit famili\u00e4ren Wurzeln im \u00f6stlichen Europa, also auch viele vertriebene Deutsche, an. (Basil Kerski, 2007, 8)<\/p>\n<p>In den Jahren 1972 bis 1980 entstanden \u00fcberwiegend im norddeutschen Raum 19 Deutsch-Polnische Gesellschaften. (Wolfgang Plat, 1980, 301f). Was tut man aber nun mit einer Gesellschaft, die Beziehungen zu Polen will, wenn es keinen Ansatz gibt, im durch die DDR abgeschirmten Nachbarland \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu werden? Nach den 25 Jahren des Schweigens von 1945 bis 1970 zwischen beiden V\u00f6lkern, der &#8220;Hallstein-Doktrin&#8221;, dem durch geschichtliche Erfahrungen vor allem in Polen gepr\u00e4gten und verst\u00e4ndlichen Misstrauen und den Unterschieden in den Gesellschaftsordnungen, gab es keine eingefahrenen Wege, auf denen sich so einfach Kontakte kn\u00fcpfen lie\u00dfen.<\/p>\n<p>Der neue Vorstand der DPG Hamburg, allen voran sein unerm\u00fcdlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gerd Hoffmann, machte sich daran, zu jeder Gruppe aus Polen, die Hamburg besuchte, Kontakt aufzunehmen und sie zu einem Gespr\u00e4ch einzuladen und dabei die Gesellschaft vorzustellen. Dieses Vorgehen trug nach einiger Zeit Fr\u00fcchte. Irgendwie hatte es sich wohl in Polen herumgesprochen, dass es da in Hamburg eine bemerkenswerte Gruppe gab, die mit ihnen Kontakt suchte.<\/p>\n<p>Auch vor Ort in Hamburg gab es Handlungsm\u00f6glichkeiten und die Notwendigkeit, etwas f\u00fcr die hier lebenden Aussiedler zu unternehmen. Hanno Jochimsen berichtet \u00fcber die Anf\u00e4nge seiner Arbeit: \u201eKurze Zeit nach meiner Wahl zum Vorsitzenden erreichte mich die Bitte eines mir bis dahin unbekannten Jan Dolny, ihm bei der Ausrichtung einer deutsch-polnischen Veranstaltung in der katholischen Kirche in Hamburg-Hamm zu helfen. Ich bot ihm einen Vortrag mit Dias an, die ich w\u00e4hrend einer der ersten Polenreisen mit &#8220;Dr.Tigges&#8221; im Juni 1971 aufgenommen hatte. Es war eine der ersten in das Nachbarland \u00fcberhaupt gewesen, und Dias \u00fcber Polen hatten Seltenheitswert. Was ich jedoch in Hamm antraf, hat mich tief ersch\u00fcttert: Der erst 1957 nach seiner polnischen Schulausbildung aus Schlesien ausgesiedelte Schiffbauer Jan hatte es aus eigener Berufung \u00fcbernommen, die neuen Generationen von ausgesiedelten Jugendlichen zu betreuen, die im Aufnahmelager Finkenwerder lebten. Nun waren sie f\u00fcr einen Nachmittag nach Hamm gekommen und hatten in einem Kellerraum der Kirche eine Ausstellung von Postkarten arrangiert. F\u00fcr jede der damaligen Woiwodschaften war eine kleine Kabine geschaffen worden, in der die nur polnisch sprechenden Deutschen jeweils &#8220;ihre&#8221; Woiwodschaft mit Postkarten dargestellt hatten. Auf der anderen Seite des Kellergangs machten sich der polnischen Minderheit angeh\u00f6rende und unter sich nur deutsch sprechende Jugendliche f\u00fcr einen Volkstanzauftritt mit ihrer Billstedter Gruppe &#8220;Krakowiak&#8221; fertig. \u00dcber den Kellergang fanden keine Gespr\u00e4che statt. Die Atmosph\u00e4re war voller Hass. Man h\u00f6rte Warnungen vor einander &#8211; in Deutsch vor den Deutschen, in Polnisch vor den Polen. Eine seltsame Welt, die jedoch die Beziehungen zu Jan Dolny auf der einen Seite &#8211; der bald ein Mitstreiter in der Gesellschaft wurde &#8211; und zur polnischen Minderheit andererseits wachsen lie\u00df. Das Erlebnis zeigte, welche Aufgaben uns in Hamburg erwarteten\u201c. (Hanno Jochimsen, 1997, 10)<\/p>\n<p>4.1 Die ersten G\u00e4ste aus Polen<\/p>\n<p>Da die DPG auf der polnischen Seite keine Ansprechpartner hatte, konnten sie an die Kontakte ankn\u00fcpfen, die Otto Wagner als stellvertretender Leiter des Studienseminars und sp\u00e4teren Instituts f\u00fcr Lehrerfortbildung geschaffen hatte. Mit der polnischen Lehrergewerkschaft wurde der j\u00e4hrliche Austausch von Reisegruppen zwar schon 1964 vereinbart, aber erst Anfang der 70er Jahre realisiert. Die Vorstandmitglieder gaben f\u00fcr die polnische Reisegruppe einen Empfang, den ersten, aus dem sich eine jahrelange Tradition entwickelte. Lehrer sind schlie\u00dflich f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen V\u00f6lkern ganz besondere Multiplikatoren.<\/p>\n<p>Geholfen hat ebenfalls die Katholische Akademie Hamburg mit ihrem Direktor G\u00fcnter Gorschenek, der die Vorstandsmitglieder oft einlud, wenn er polnische G\u00e4ste hatte. Die Akademie war, wie es sich bald herausstellte, der Anlaufpunkt f\u00fcr den nach oder \u00fcber Hamburg reisenden polnischen Klerus. Unter den G\u00e4sten waren ebenfalls h\u00e4ufig Professoren der Katholischen Universit\u00e4t Lublin, unter ihnen die Professoren Nossol, der sp\u00e4tere Erzbischof von Oppeln\/Opole und W\u0142adyslaw Bartoszewski, der ehemalige polnische Au\u00dfenminister und heutige Beauftragter der polnischen Regierung f\u00fcr die polnisch-deutsche Zusammenarbeit.<br \/>\n4.2 Die erste Reise nach Polen<\/p>\n<p>Ein anderer Ansatzpunkt, die Aufgaben der Gesellschaft zu erf\u00fcllen, war, die Hamburger B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger, mit dem Nachbarland, seinen Menschen, seinen Problemen, seiner Geschichte und ebenfalls den erschreckenden Hinterlassenschaften des Nazi-Terrors vertraut zu machen. Im politischen Bereich wurde diskutiert, dass es nicht nur Reisen des damaligen Kuratoriums f\u00fcr staatsb\u00fcrgerliche politische Bildung nach Israel, sondern auch solche nach Polen geben sollte. Schlie\u00dflich w\u00fcrden sich die dortigen Verh\u00e4ltnisse im gleichen Ma\u00dfe auf die innerhamburgische Politik auswirken, wie die in Israel. Der Vorstand beschloss deshalb, sich mit einem ansehnlichen Kontingent von Teilnehmerinnen und Teilnehmern an der Fahrt des Kuratoriums f\u00fcr politische Bildung nach Polen zu beteiligen, um Erfahrungen f\u00fcr k\u00fcnftige Reisen zu sammeln.<\/p>\n<p>Die Route f\u00fchrte \u00fcber Breslau und Krakau nach Warschau und \u00fcber Posen zur\u00fcck nach Deutschland. Hanno Jochimsen als Reiseleiter stie\u00df auf gro\u00dfe Widerst\u00e4nde beim ersten politischen Treffen im Kloster von Tschenstochau\/Cz\u0119stochowa. Wer die Volksrepublik Polen etwas kannte, wusste, dass hier die damals einzige Opposition sa\u00df, mit der man sprechen konnte, wenn man in die Klausur des Klosters eingelassen wurde. Vorbereiten lie\u00df sich ein solcher Besuch nicht, denn die Telefone wurden selbstverst\u00e4ndlich abgeh\u00f6rt. In das Programm konnte ein solcher Besuch auch nicht aufgenommen werden, weil man nicht wusste, ob das Kloster einen aufnehmen w\u00fcrde, und weil ein solcher Programmeintrag die Gespr\u00e4chspartner gef\u00e4hrdet h\u00e4tte. Bemerkenswert wie leicht es war, vor dem Klausurbesuch den polnischen Begleiter unter einem fadenscheinigen Vorwurf \u201elos zu werden\u201c und wie schwer es war, einige der eigenen Teilnehmer zu beruhigen. Aus grunds\u00e4tzlichen Gr\u00fcnden lehnten sie jede Art von Weihrauch und Ber\u00fchrung mit der katholischen Kirche ab und empfanden es als eine Zumutung, von dem konfessionsneutralen Kuratorium in ein Kloster \u201everschleppt\u201c zu werden. Wer jedoch teilnahm, erfuhr etwas \u00fcber die Akzeptanz oder besser die Nichtakzeptanz, des Regimes durch die Bev\u00f6lkerung, denn das Kloster verf\u00fcgte \u00fcber eine effiziente soziologische Forschungsabteilung. Bei ihren Befragungen konnte sie auf alle Kirchengemeinden des Landes zur\u00fcckgreifen.<\/p>\n<p>Mehr und mehr best\u00fcrzt von dem, was sie w\u00e4hrend der Fahrt erlebten, war das Ehepaar Lisi und Adolf Vogel. Sie hatte schon seit einiger Zeit vergeblich versucht, f\u00fcr die Hamburger Frauenverb\u00e4nde eine Fahrt nach Polen zu organisieren, was ihr aber stets von der polnischen Botschaft in K\u00f6ln abgelehnt wurde. Er, der Historiker, erfuhr, wie sehr die gemeinsame Geschichte das Deutschlandbild der Polen pr\u00e4gte, und wie wenig \u00fcber die polnische Geschichte von seiner Generation gelehrt wurde. Beide haben sich danach intensiv der Arbeit der Gesellschaft gewidmet. Frau Vogel war immer einsatzbereit im Vorstand und Herr Vogel hielt mehrere Vortr\u00e4ge zur polnisch-deutschen Geschichte.<\/p>\n<p>In Warschau wurde die Gruppe im Au\u00dfenministerium empfangen, wo der zust\u00e4ndige Abteilungsleiter einen Vortrag \u00fcber die polnische Deutschlandpolitik hielt. Verbl\u00fcfft war Hanno Jochimsen, als er von drei Objekten dieser Politik sprach, n\u00e4mlich der DDR, der Bundesrepublik und &#8220;Deutschland als Ganzem&#8221;, ein Begriff, der im Ostblock eigentlich verp\u00f6nt war. Irgendwie muss der Diplomat seiner Zeit zu weit voraus gewesen sein, denn kurze Zeit sp\u00e4ter wurde er als Botschafter nach Tunis versetzt. Besuche im polnischen Au\u00dfenministerium sollten in den n\u00e4chsten zehn Jahren an der Tagesordnung bleiben. Schlie\u00dflich wurde dort bestimmt, ob und zu welchen Zwecken die Deutschen einreisen durften, denn Einreisevisum zu erhalten, war in diesen Zeiten keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit.<\/p>\n<p>Regelm\u00e4\u00dfig wurde auch die Botschaft der Bundesrepublik im Stadtteil Praga besucht, zum einem um sich zu informieren und zum anderen um keinen Verdacht im eigenen Land aufkommen zu lassen. W\u00e4hrend dieser ersten Reise gab es ein Treffen mit dem jungen Legationsrat Frank Elbe, damals zweiter Sekret\u00e4r an der Botschaft, der es sp\u00e4ter bis zu den h\u00f6chsten Positionen im Ausw\u00e4rtigen Amt geschafft hat. Im kleinen Kreis sagte er damals: \u201eSie werden es schwer haben, Gespr\u00e4chspartner in diesem Land zu finden.\u201c Ein Satz, der Hanno Jochimsen sehr in Erinnerung geblieben ist, weil er nicht nur unsere Situation, sondern in jener krisenhaften Zeit (Helsinki mit dem Schmidt-Gierek Abkommen war noch fern), ebenfalls die Botschaft betraf. In den n\u00e4chsten Jahren wurde immer wieder daf\u00fcr gesorgt, sehr zum Leidwesen unserer oft frustrierten polnischen Partner, dass Vertreter der Botschaft an den Gespr\u00e4chen teilnahmen. (Hanno Jochimsen, 1997, 12-13)<\/p>\n<p>4.3 Hilfreicher Gespr\u00e4chspartner<\/p>\n<p>Im April 1974 tauchte mit J\u00f3zef Dubiel, dem damaligen Generalsekret\u00e4r von Interpress in Warschau, ein sehr kompetenter Gespr\u00e4chspartner auf. Er war nach Hamburg als Gast von Internationes e.V. (Bonn), gekommen, einem Verein im Einflussbereich des Ausw\u00e4rtigen Amtes. Und Interpress erf\u00fcllte teilweise die gleichen Aufgaben auf polnischer Seite. Dubiel kam wie viele von der Bundesregierung eingeladene journalistische G\u00e4ste damals zu Hanno Jochimsen in die Staatliche Pressestelle ins Rathaus. Er wusste aber genau, dass er ebenfalls den Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg vor sich hatte. Sie sprachen \u00fcber das Projekt &#8220;Polnische Tage in Hamburg&#8221;, das kurz zuvor im Namen einer anderen Deutsch-Polnischen Gesellschaft an die Senatskanzlei herangetragen worden war. Die Senats-kanzlei hatte aber einige Vorstandsmitglieder der DPG zum Gespr\u00e4ch hinzugezogen und darauf bestanden, es nur mit der heimischen Gesellschaft durchf\u00fchren zu wollen. Nun war es irgendwie liegen geblieben. Hanno Jochimsen berichtet: \u201cNach dem Besuch begleitete ich Dubiel, um besonders h\u00f6flich zu sein, zu seinem n\u00e4chsten Termin ins Spiegel &#8211; Haus. An einer Stra\u00dfenkreuzung auf &#8220;gr\u00fcn&#8221; wartend und im gro\u00dfen L\u00e4rm fragte er mich, ob ich denn die &#8220;Polnischen Tage in Hamburg&#8221; wolle. Was ich bejahte, worauf er mir andeutete, dass ich aus Polen h\u00f6ren w\u00fcrde. Unmittelbar kamen mir die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde dieses Frage- und Antwortspiels seltsam vor. Heute scheint es so, als ob es irgendwie &#8220;abh\u00f6rsicher&#8221; sein sollte. In der Tat wurden wir von unserem Verfassungsschutz in den n\u00e4chsten Jahren immer wieder vor dem &#8220;Geheimdienstler&#8221; Dubiel gewarnt. Eingedenk der Aussage, wir w\u00fcrden es schwer haben, \u00fcberhaupt Gespr\u00e4chspartner in der Volksrepublik Polen zu finden, hielt der Vorstand den Arbeitskontakt mit J\u00f3zef Dubiel \u00fcber lange Zeit aufrecht.\u201c<\/p>\n<p>Das war ein Balancieren in mehrfacher Hinsicht. Dem Vorstand und erst recht den Mitgliedern konnte man nichts von den Warnungen des Verfassungsschutzes sagen, denn der hatte sich nat\u00fcrlich Diskretion erbeten. Auf der anderen Seite war dies der einzige reale Gespr\u00e4chspartner, die man sich damals bekanntlich in Polen nicht aussuchen konnte. Hanno Jochimsen f\u00fchlte sich best\u00e4rkt, weil er bei J\u00f3zef Dubiel sp\u00fcrte, dass er aus ganz pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden zur Verst\u00e4ndigung zwischen Polen und Deutschen beitragen wollte und das Treffen diesem Ziel diente. Er f\u00f6rderte die gemeinsamen Projekte mit der DPG Hamburg auf eine bemerkenswerte Art und Weise gegen viele innerpolnische Widerst\u00e4nde.<\/p>\n<p>Interpress blieb durch viele Jahre Ansprechpartnerin f\u00fcr unsere Gesellschaft. Dieses Verh\u00e4ltnis blieb immer zwiesp\u00e4ltig, schon weil sich die Verquickungen dieses Instituts und J\u00f3zef Dubiel in einer Person mit Staat und Partei nicht \u00fcberblicken lie\u00dfen. Aber selbst wenn man hiervon absah, konnte ein dauerhaftes Gespr\u00e4ch zwischen ehrenamtlich engagierten B\u00fcrgern einerseits und Beamten andererseits nicht Bestand haben. Auch wenn es durchaus nicht unproblematisch war, so hatte die DPG wenigstens einen Ansprechpartner in Warschau.<\/p>\n<p>4.4 Zusammenarbeit mit den Deutsch-Polnischen Gesellschaften Norddeutschlands<\/p>\n<p>Das Schicksal, Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehungen nach Polen zu haben, teilte die DPG Hamburg mit den in Norddeutschland existierenden Gesellschaften gleichen Namens. Es gab au\u00dfer der DPG Hamburg die Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Kiel (gegr\u00fcndet am 24.05.1972), L\u00fcbeck und Bad Segeberg. Einige ihrer Vorstandsmitglieder hatten an der ersten Polenreise der Hamburger Gesellschaft im Jahre 1973 teilgenommen, so dass eine Atmosph\u00e4re des Vertrauens entstanden war. Sehr bald nach der R\u00fcckkehr wurde beschlossen, sich regelm\u00e4\u00dfig zu treffen, um gegenseitig \u00fcber die vorhandenen Kontakte nach Polen zu unterrichten und um eventuelle polnische G\u00e4ste von Gesellschaft zu Gesellschaft weiterzureichen. Es sollte so etwas wie einen Ersatz f\u00fcr fehlende Verbindungen zu Polen bilden. Die norddeutschen Gesellschaften fanden sich 1973 zu einer losen Arbeitsgemeinschaft zusammen, die sich viertelj\u00e4hrlich in Bad Segeberg traf. Die gemeinsamen Sitzungen der Vorst\u00e4nde der Gesellschaften taten \u00fcber die Jahre der Zusammenarbeit gut, bereicherten das Programm aller Gesellschaften und halfen, alle Aktivit\u00e4ten in Polen bekannt zu machen. Diese Initiative funktionierte \u00fcber viele Jahre sehr gut und wird trotz der neuen M\u00f6glichkeiten in der Kommunikation bis heute fortgesetzt. Die Treffen fanden ein- bis zweimal im Jahr statt. Die jahrzehntelange Tradition wird in dieser Form bis heute fortgesetzt. Das letzte Treffen fand am 24. M\u00e4rz 2012 in Bremen statt.<\/p>\n<p>Als die norddeutschen Gesellschaften Ende 70er Jahre in G\u00f6ttingen die Initiative ergriffen, ein deutsch-polnisches Jugendwerk nach dem Vorbild des Deutsch-Franz\u00f6sischen Jugendwerks zu gr\u00fcnden und dann in Hamburg die Gr\u00fcndungssatzung verabschiedet war sowie die notarielle Beurkundung unmittelbar bevor stand, wurden die Gesellschaften von der Botschaft der Volksrepublik Polen massiv kritisiert und diese Gr\u00fcndung als unfreundlicher Akt gegen\u00fcber Polen bezeichnet. Anschlie\u00dfend wurden die Gesellschaften von der polnischen Seite (Botschaft und West-Institut Posen\/Pozna\u0144) aufgefordert, Aktivit\u00e4ten Richtung Polen nur noch \u00fcber die DPG der Bundesrepublik Deutschland oder \u00fcber das Westinstitut in die Wege zu leiten. Dieser massive Eingriff in ihre Eigenst\u00e4ndigkeit wurde von den Gesellschaften entsprechend deutlich zur\u00fcckgewiesen (Gerd Hoffmann, 2005, 276 f).<\/p>\n<p>4.5 Deutsch &#8211; Polnische Gro\u00dfveranstaltungen<\/p>\n<p>Die Vorbereitung und Durchf\u00fchrung der Gro\u00dfveranstaltungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg zwischen 1971 und 1981 waren durch die ehrenamtlichen Engagements der Vorstandsmitglieder der Gesellschaft geleistet. Der Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten bestimmte vielfach die Arbeitsgespr\u00e4che mit offiziellen Stellen, aber auch mit Institutionen und Organisationen. Zudem galt es h\u00e4ufig, Misstrauen auf polnischer Seite in intensiven Gespr\u00e4chen zu beseitigen, was durch den h\u00e4ufigen Wechsel handelnder Personen bei den polnischen Partnern zus\u00e4tzlich erschwert wurde. Einzige M\u00f6glichkeit der Begegnung mit der polnischen Realit\u00e4t und polnischen B\u00fcrgern waren bilaterale Veranstaltungen, die die DPG bzw. ihre Vorg\u00e4ngerorganisationen schon seit 1971 organisierten. Erst nach Einrichtung des polnischen Konsulats 1991 \u00fcbernahmen die Diplomaten die Organisation polnischer Tage, wie z. B. 1993 in Hamburg und anderen Orten im norddeutschen Raum.<\/p>\n<p>4.5.1 Polnische Tage 1971 in Hamburg<\/p>\n<p>Die &#8220;Polnischen Tage &#8217;71&#8221;, die unter der Schirmherrschaft von B\u00fcrgermeister Peter Schulz standen, zeichneten sich dadurch aus, dass mit einer solchen gro\u00dfen polnischen Pr\u00e4sentation Neuland beschritten wurde. Durch einen Zuschuss des Hamburger Senats in H\u00f6he von fast 50.000 DM konnte das anspruchsvolle Programm vom 25.03.- 4.04. 1971 realisiert werden. An den \u00fcber 70 \u00f6ffentlichen und ge-schlossenen Veranstaltungen, f\u00fcr die mit 3.000 Plakaten und 20.000 Brosch\u00fcren \u00f6ffentlich geworben wurde, haben sich \u00fcber 10.000 Hamburgerinnen und Hamburger beteiligt; damit wurde der Hamburger Bev\u00f6lkerung erstmals die M\u00f6glichkeit gegeben, sich umfassend \u00fcber Polen zu informieren.<\/p>\n<p>Die Hamburger Presse berichtete ausf\u00fchrlich \u00fcber das Ereignis. \u201eDie Hamburger Morgenpost\u201c vom 26.M\u00e4rz 1971 schrieb: \u201e(\u2026)In seiner Er\u00f6ffnungsansprache richtete B\u00fcrgermeister Peter Schulz ein Dankesch\u00f6n an die junge Generation als Initiatoren dieses kleinen \u201eV\u00f6lkertreffens\u201c. Schulz hielt es f\u00fcr schwer, auf der Grundlage des schlechten Gewissens eine wirklich normale Beziehung aufzubauen. Er erkl\u00e4rte: \u201eDer Deutsch-Polnische Vertrag ist eine Chance, er ist nicht ein Abschluss.\u201c Mit der offiziellen Er\u00f6ffnung war der Startschuss f\u00fcr eine Reihe Veranstaltungen gegeben.\u201c(&#8230;).<\/p>\n<p>Alle Hamburger Zeitungen berichteten \u00fcber die zahlreichen Ausstellungen, Vortr\u00e4ge und Diskussionen. Neben Spezialit\u00e4ten aus der polnischen K\u00fcche wurde polnischer Beat mit dem Ensemble &#8220;NO TO CO&#8221; geboten. Das Breslauer Studententheater \u201eKalambur\u201c f\u00fchrte &#8220;Im Rhythmus der Sonne&#8221; auf, eine poetische Revue nach Versen von Urszula Kozio\u0142. Halina Anderska und Andrzej Ku\u015bniewicz lasen aus ihren Werken. Hinzu kamen Diskussionsveranstaltungen, Ausstellungen zur Entwicklung in den West- und Nordgebieten, zur Architektur in alten und neuen St\u00e4dten, von politischen Plakaten aus Polen und eine Fotoausstellung &#8220;V\u00e4ter und Kinder&#8221;. (Gerd Hoffmann 1997)<\/p>\n<p>4.5.2 Polnische Tage 1975 in Hamburg<\/p>\n<p>Einen weitaus gr\u00f6\u00dferen Rahmen mit einer wesentlich umfassenderen Darstellungsm\u00f6glichkeit boten die &#8220;Polnischen Tage &#8217;75&#8221;, in deren Vorbereitung die Senatskanzlei mit Senatsdirektor Dr. Hans-Herbert Groothoff von Anfang an sehr aktiv einbezogen war. Die Hamburger B\u00fcrgerschaft hatte inzwischen 400.000 DM f\u00fcr die \u201ePolnischen Tage\u201c bewilligt und zwar dies ausdr\u00fccklich im Hinblick auf die angek\u00fcndigte Gegenseitigkeit, d.h. einer Hamburger Gegenveranstaltung in Polen. Bei den Verhandlungen mit den polnischen Partnern spielte diese Frage eine entscheidende Rolle, die fast zum Abbruch der Gespr\u00e4che mit den polnischen Vertretern des Au\u00dfen- und Kulturministeriums, der staatlichen K\u00fcnstleragentur \u201ePagart\u201c und des staatlichen Informationsb\u00fcros \u201eInterpress\u201c gef\u00fchrt h\u00e4tten. Denn bis zu diesem Zeitpunkt hatte es die polnische Seite bei ihren Pr\u00e4sentationen in der Bundesrepublik stets vermeiden k\u00f6nnen, eine umfassende, repr\u00e4sentative deutsche Darstellung in Polen zulassen zu m\u00fcssen. Dank dem hartn\u00e4ckigen Verhandlungsgeschick des Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, Dr. Hanno Jochimsen, gelang es, mit der polnischen Seite &#8220;Hamburger Tage &#8217;77&#8221; in Danzig\/Gda\u0144sk zu vereinbaren.<\/p>\n<p>Die Polen wollten 1975 bei dieser Gro\u00dfveranstaltung zeigen, wie tief die kulturellen Wurzeln der Polen im Westen verhaftet sind. Es ging darum, den Hamburgern zu zeigen: &#8220;Wir sind Euch gar nicht fremd!&#8221;, ein sch\u00f6ner, ganz im Sinne der deutschen Veranstalter liegender Ansatz. Damit wollte die polnische Seite bewusst einen anderen Weg gehen als bei den Polnischen Tagen in Hamburg 1971. Die polnische Seite war der Meinung, dass diese Veranstaltung f\u00fcr die Bedeutung des Landes zu klein geraten war und deshalb ihm nicht w\u00fcrdig gewesen. Nicht ber\u00fccksichtigt wurde aber, dass diese Form der &#8220;Tage&#8221; erhebliche lokale Initiativen ausgel\u00f6st hatte und in diesem Zusammenhang vielleicht gewichtiger als das nun zu planende Ereignis war.<\/p>\n<p>Die &#8220;Polnischen Tage &#8217;75&#8221; unter der Schirmherrschaft von B\u00fcrgermeister Hans-Ulrich Klose und Polens Au\u00dfenhandelsminister Prof. Dr. Jerzy Olszewski fielen in die Phase der sehr guten Kontakte zwischen Bundeskanzler Helmut Schmidt und dem Ersten Sekret\u00e4r der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei Edward Gierek. Schwerpunkt der Veranstaltungsreihe war eine breite wirtschaftliche Pr\u00e4sentation polnischer Produkte im Rahmen der Verbrauchermesse &#8220;Du und Deine Welt&#8221;. Im Rahmen dieser Pr\u00e4sentation in den Messehallen war auch die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg mit einem Informationsstand vertreten.<\/p>\n<p>Kulturelle H\u00f6hepunkte der Veranstaltungsreihe waren Auftritte des polnischen Nationalensembles \u201e\u015al\u0105sk&#8221; im CCH und des Dramatischen Theaters Warschau mit Witold Gombrowicz &#8220;Die Trauung (\u015alub)&#8221; und Tadeusz R\u00f3\u017cewicz &#8220;Auf allen Vieren\/Na Czworakach&#8221; im Thalia-Theater. Ein deutsch-polnisches Wirtschaftstreffen in der Handelskammer, sportliche Begegnungen in sieben Sportarten, Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, polnische Filmtage, Kunst- und Fotoausstellungen, Konzerte (u.a. Piotr Paleczny, Kammerorchester \u201eAl Antico\u201c, Happy-Jazzband \u201eHAGAW\u201c) und polnische kulinarische Wochen im &#8220;Kranzler&#8221; rundeten das Programm ab. \u00dcber 1.000 polnische Teilnehmer pr\u00e4sentierten ihr Land den rund 320.000 Hamburgerinnen und Hamburgern, die die ann\u00e4hernd 100 Veranstaltungen besuchten. Ein Interesse f\u00fcr Polen zu haben, wurde zwar nach wie vor als etwas exotisch, aber aus diesem Grunde von vielen Hamburgern als irgendwie wichtig empfunden.<\/p>\n<p>Nur mit gro\u00dfen Schwierigkeiten konnte man mit den &#8220;Polnischen Tagen in Hamburg&#8221; die Medien erreichen. Die BILD-Zeitung nahm die Veranstaltung \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis. Das Hamburger Abendblatt berichtete am 29. August \u00fcber die Er\u00f6ffnungsfeier im Rathaus: &#8220;Wir wollen, dass die Menschen in unserem Lande besser und wohlhabender leben&#8221;, sagte der polnische Au\u00dfenhandelsminister Prof. Dr. Jerzy Olszewski gestern Abend im Hamburger Rathaus anl\u00e4sslich der Er\u00f6ffnung der &#8220;Polnischen Tage&#8221;. Der Senat hatte rund 1000 G\u00e4ste eingeladen; etwa 700 kamen. Olszewski: &#8220;Wir w\u00fcnschen eine breite internationale Zusammenarbeit, um vorhandene M\u00f6glichkeiten besser auszunutzen. Wir verf\u00fcgen \u00fcber gutausgebildete Fachleute in der Industrie, \u00fcber ein stets modernisiertes Produktionspotential, \u00fcber Energiequellen und einige wichtige Natursch\u00e4tze. Hamburg sei in Polen wohlbekannt. Man erinnere sich gern vieler Initiativen zur Aufnahme der Zusammenarbeit.\u201c Zuvor hatte B\u00fcrgermeister Hans-Ulrich Klose gesagt, die &#8220;Polnischen Tage&#8221; seien f\u00fcr die Bev\u00f6lkerung ein interessantes Programm vielf\u00e4ltiger Darstellung, f\u00fcr die verantwortlichen Politiker jedoch zugleich ein Appell f\u00fcr ein besseres gegenseitiges Verst\u00e4ndnis.\u201c<\/p>\n<p>Sonst aber tat sich das \u201eHamburger Abendblatt\u201c und die \u201eBILD\u201c- Zeitung in den ersten Tagen mit dem Berichten sehr schwer. Obwohl die Veranstaltungen gut besucht wurden, fanden sie einfach f\u00fcr diese beiden Zeitungen zun\u00e4chst gar nicht statt. Da musste gegengesteuert werden. Mitglieder der DPG wurden animiert, bei den Redaktionen anzurufen, um dort nach den polnischen Veranstaltungen zu fragen. Gl\u00fccklicherweise gab es einen sehr gro\u00dfz\u00fcgigen Vertrag mit der Hamburger Au\u00dfenwerbung und sehr viele Plakate aus Polen. Es wurde geklebt und geklebt, so dass zum Schluss \u00fcber 111.000 Plakate an Litfa\u00dfs\u00e4ulen und Stellw\u00e4nden hingen. Diese Flut scheint die damalige Redaktion des Abendblattes \u00fcberzeugt zu haben. Die kritische Schwelle war \u00fcberschritten. Die Hamburger und die Umlandbewohner erhielten auch Kenntnis von den Veranstaltungen aus der Presse. (Gerd Hoffmann, 1997)<\/p>\n<p>4.5.3 Hamburger Tage 1977 in Danzig\/Gda\u0144sk<\/p>\n<p>Vor der Er\u00f6ffnung der Veranstaltung berichtete am 4.M\u00e4rz das \u201eHamburger Abendblatt\u201c: \u201eDas Abkommen \u00fcber die \u201eHamburger Tage\u201c in Danzig (19. bis 29. Mai): Gestern unterschrieb im Beisein des Vizepr\u00e4sidenten der Hafenstadt Danzig, Kazimierz Rynkowski, Hamburgs Erster B\u00fcrgermeister Hans-Ulrich Klose den Vertrag \u00fcber diese von Hamburg ausgerichtete gr\u00f6\u00dfte Repr\u00e4sentationsschau der Republik Deutschland in Polen. Bei der Gelegenheit erinnerte Rynkowski an die \u201ePolnischen Tage\u201c in Hamburg vor zwei Jahren. So herzlich wie damals die polnischen G\u00e4ste in Hamburg aufgenommen wurden, wollen jetzt die Einwohner von Danzig\/Gdansk die Besucher aus der Hansestadt aufnehmen. Zu der Schau wird eine 700-k\u00f6pfige Hamburg-Delegation nach Danzig reisen(\u2026).<\/p>\n<p>Die Durchf\u00fchrung der Veranstaltung wurde \u00fcberschattet von der Entscheidung der polnischen Regierung, dem Redakteur des \u201eHamburger Abendblattes\u201c Egbert A. Hoffmann ohne Angabe von Gr\u00fcnden das Einreisevisum zu verweigern. Entsprechend konzentrierte sich die Berichtserstattung der Hamburger Medien auf diesen Zwischenfall. Offensichtlich wirkte die Intervention des Hamburger B\u00fcrgermeisters und das Visum wurde ausgestellt. Am 19. Mai konnte die feierliche Er\u00f6ffnung der \u201eHamburger Tage 77\u201c in Danzig stattfinden. Eine einmalige &#8220;Luftbr\u00fccke&#8221; der polnischen Fluggesellschaft LOT bef\u00f6rderte den gr\u00f6\u00dften Teil der Repr\u00e4sentanten der Freien und Hansestadt Hamburg in die polnische Ostseemetropole. Am 20. Mai berichtete das \u201eHamburger Abendblatt: \u201eDie \u201eHamburger Tage\u201c in Danzig sind, von der \u00d6ffentlichkeit stark beachtet, wie vorgesehen er\u00f6ffnet worden. Sie sollen auf Wunsch der B\u00fcrgerschaftsfraktionen der Begegnung von Menschen dienen und zum Frieden zwischen dem polnischen und dem deutschen Volk beitragen. Das hier ein langer m\u00fchsamer Weg zu gehen ist, hat das spektakul\u00e4re Hin und Her um das Einreisevisum f\u00fcr den Abendblatt-Redakteur Egbert A. Hoffmann gezeigt.\u201c(\u2026)\u201c<\/p>\n<p>Die Schirmherrschaft hatten Danzigs Stadtpr\u00e4sident Andrzej Kasznowski und Hamburgs B\u00fcrgermeister Hans-Ulrich Klose gemeinsam \u00fcbernommen. In der Gro\u00dfhalle in Oliwa wurde eine Hamburger Leistungsschau gezeigt; ein Informationsstand der Bundesregierung erg\u00e4nzte diese Darstellung und zog mit einem &#8220;Deutschen Quiz&#8221; viele Besucherinnen und Besucher an. John Neumeiers Ballett-Compagnie mit Gustav Mahlers &#8220;Dritte Symphonie&#8221;, das Deutsche Schauspielhaus mit Georg B\u00fcchners &#8220;Dantons Tod&#8221; und James Last mit seinem Orchester begeisterten die Bev\u00f6lkerung Danzigs, die auch durch das Rahmenprogramm mit Jazzkonzerten, Auftritten des Hamburger Jugendorchesters, Sportveranstaltungen, Hamburger K\u00fcche in drei Restaurants und in Informations- und Diskussionsveranstaltungen vieles \u00fcber den Alltag in Hamburg erfahren konnte. Die Organisatoren der Senatskanzlei und der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg konnten mit rund 220.000 Besucherinnen und Besuchern der 111 Veranstaltungen mehr als zufrieden sein.<\/p>\n<p>Der Bericht im SPD-Pressedienst von Paul D. Vogel, dem Leiter der Staatlichen Pressestelle der Freien und Hansestadt Hamburg, vom 2. Juni schilderte zutreffend das Ereignis: \u201eWas die Hamburger in Danzig und gegen\u00fcber Polen in einem Prozess des Gebens und Nehmens erreicht haben, ist bei aller N\u00fcchternheit in der Beurteilung jedes einzelnen Schrittes auf dem immer noch hindernisreichen Weg der Normalisierung gar nicht hoch genug einzusch\u00e4tzen. Wichtig ist vor allem: An diesem Unternehmen waren alle drei in der Hamburger B\u00fcrgerschaft vertretenen Parteien beteiligt. Polen wie Deutsche haben gelernt, dass man solche Veranstaltungen durchaus erfolgreich zustande bringen kann, wie gro\u00df auch die Unterschiede in Politik und Wirtschaft sind. Hamburg hat seine seit langem eingenommene Vorreiterposition im Prozess der Normalisierung der Beziehungen zu Polen einmal mehr best\u00e4tigt. Dabei sind sich der sozialliberale Senat wie auch die an der Durchf\u00fchrung der Hamburger Tage beteiligten B\u00fcrger aus allen politischen Lagern der Stadt dar\u00fcber im Klaren, dass es hier nicht um eine Sonderrolle f\u00fcr Hamburg geht, sondern darum, die Vertr\u00e4ge mit Leben zu erf\u00fcllen, welche die Bundesregierung abgeschlossen hat. Ganz wesentlich zum Erfolg beigetragen haben zwei Dinge: Zum einen das hartn\u00e4ckige und zielstrebige Wirken der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, zum anderen der Beschluss des Hamburger Schulsenators Apel (SPD), Lehrb\u00fccher f\u00fcr den Unterricht nur zuzulassen, wenn sie dem Geist des deutsch-polnischen Kulturabkommens entsprechen und die Empfehlungen der deutsch-polnischen Schulbuchkommission ber\u00fccksichtigen.<\/p>\n<p>Und noch eines ist wichtig: Das, was Hamburg erreichen wollte, n\u00e4mlich einen Durchbruch f\u00fcr die Herstellung ganz schlicht menschlicher Beziehungen zwischen B\u00fcrgern Danzigs und Hamburgs zu erreichen ist in gro\u00dfem Umfang gelungen. B\u00fcrgermeister Klose sagte f\u00fcr die Zukunft: &#8220;Wir wollen nicht nur formelle Kontakte, wir wollen zu Verbindungen nicht nur von Funktion\u00e4ren kommen.&#8221; Es mag dabei unter dem Stichwort &#8220;Gegenseitigkeit&#8221; Probleme der Organisation und der Verf\u00fcgbarkeit finanzieller Mittel geben. Am Schluss der Hamburger Tage in Danzig war aber klar, dass beide Seiten entschlossen sind, die Br\u00fccken zueinander nicht wieder abbrechen zu lassen\u201c.<\/p>\n<p>Wie zwanzig Jahre sp\u00e4ter anl\u00e4sslich des Kongresses der deutsch-polnischen und der polnisch-deutschen Gesellschaften in Danzig im Mai 1997 zu erfahren war, sind die damaligen \u201eHamburger Tage\u00b477\u201c nicht vergessen. Prominentester Zeuge war der damalige Stadtpr\u00e4sident Tomasz Posadzki, der 1977 als Gymnasiast an der Veranstaltung teilnahm und sich an Einzelheiten gut erinnerte: \u201eWir sp\u00fcrten den Hauch des Westens.&#8221; Politik ist eben wie Max Weber sagte: \u201eDas Bohren von dicken Brettern mit untauglichen Mitteln\u2026\u201c(Gerd Hoffmann 1997)<\/p>\n<p>4.5.4 Polnischer Herbst Hamburg 1981<\/p>\n<p>Nach dreij\u00e4hriger Atempause wagte sich der Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg an die n\u00e4chste und vorl\u00e4ufig letzte Gro\u00dfveranstaltung unter seiner Federf\u00fchrung. Wiederum mit finanzieller Unterst\u00fctzung aus \u00f6ffentlichen Mitteln durch Beschl\u00fcsse der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft im Rahmen von interfraktionellen Antr\u00e4gen wurde von September bis Dezember 1981 die Veranstaltungsreihe &#8220;Polnischer Herbst Hamburg &#8217;81&#8221; durchgef\u00fchrt. Mit Programmverhandlungen hatten Hanno Jochimsen und Gerd Hoffmann ebenfalls Erfolg. Diesmal wollten sie die Stadt Warschau in den Vordergrund stellen, in der Hoffnung, dass sich hierauf Beziehungen unterhalb der Ebene einer f\u00f6rmlichen Partnerschaft ergeben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Von Studienaufenthalten polnischer Studenten bei DESY \u00fcber Konzerte klassischer Musik in der Musikhalle und polnischer Folklore durch das polnische Nationalensemble &#8221; \u015al\u0105sk&#8221; im Congress-Centrum Hamburg und durch das Studentenensemble der P\u00e4dagogischen Hochschule Rzeszow Resovia Saltans im Gro\u00dfen Festsaal des Rathauses bis hin zum Pantomimentheater der Geh\u00f6rlosen aus Allenstein\/Olsztyn wurde der Hamburger Bev\u00f6lkerung wiederum eine interessante und vielseitige Palette des Nachbarlandes Polen zum Kennenlernen angeboten. Rund 20.000 B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger beteiligten sich an den ca. 100 Veranstaltungen, die von \u00fcber 500 polnischen Teilnehmern dargeboten wurden.<\/p>\n<p>Zukunftstr\u00e4chtig, wie sich sp\u00e4ter herausstellte, war der Vorschlag, polnischen Studenten ein Praktikum im Gro\u00dfforschungszentrum DESY zu erm\u00f6glichen. So wurde eine Gruppe von etwa 20 Studentinnen und Studenten zu einem vierw\u00f6chigen Praktikum bei DESY eingeladen. Betreut wurden die Praktikanten von Lisi und Adolf Vogel. Dieser Programmpunkt wurde ein voller Erfolg. Vogels und auch Hanno Jochimsen standen noch viele Jahre im Kontakt mit den Praktikanten. DESY und die Institute der Praktikanten vereinbarten, das Programm fortzusetzen. Nach f\u00fcnfzehn Jahren erschien Anfang 1997 eine Delegation des Sejm, um die damaligen Bedingungen f\u00fcr dieses Programm zu untersuchen. Es war eine Aktion, die wirklich Bestand hatte.<\/p>\n<p>Die letzte Veranstaltungsreihe dieser Tage, die Vorstellung polnischer Filme, wurde durch die Ausrufung des Kriegszustands am 13. Dezember unterbrochen. (Gerd Hoffmann, 1997, 54)<\/p>\n<p>4.5.5 Weitere Veranstaltungen<\/p>\n<p>Zur Vorbereitung weiterer gr\u00f6\u00dferer Veranstaltungen wie der Polnischen Tage in der &#8220;Fabrik&#8221; im November 1984, der Woche der Polnischen Kultur und Wissenschaften im September 1990 und der Polnischen Tage 1993 wurde der Vorstand der Gesellschaft als Berater hinzugezogen und hat teilweise auch bei der Durchf\u00fchrung intensive Assistenz geleistet, zuletzt bei den &#8220;Polnischen Tagen&#8221; unter der Schirmherrschaft von B\u00fcrgermeister Dr. Henning Voscherau, die im Sp\u00e4tsommer 1993 vom Generalkonsulat der Republik Polen initiiert und organisiert wurden. Mit einem Informationsstand auf dem Rathausmarkt und der verantwortlichen \u00dcbernahme mehrerer Veranstaltungen in diesem Rahmen trug die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg zum guten Gelingen auch dieser Pr\u00e4sentation unserer polnischen Nachbarn in der Freien und Hansestadt Hamburg bei.<\/p>\n<p>Die letzten \u201ePolentage\u201c in Hamburg fanden 1999 statt und wurden von der \u201eNeuen Gesellschaft\u201c organisiert, mit der die DPG seit ihrer Gr\u00fcndung freundschaftlich verbunden ist und erfolgreich zusammenarbeitet. Die Schirmherrschaft \u00fcbernahm der damalige Erste B\u00fcrgermeister Ortwin Runde. An den zahlreichen Veranstaltungen wurden au\u00dfer der \u201eNeuen Gesellschaft\u201c auch viele Mitglieder der DPG Hamburg beteiligt. Dar\u00fcber hinaus wurden alle in Hamburg engagierten polnischen Gruppen und Vereine in die Vorbereitungen und die Durchf\u00fchrung der Veranstaltungen miteinbezogen. (Gerd Hoffmann, 1997, 54)<\/p>\n<p>4.6 St\u00e4dtepartnerschaft<br \/>\nDas Jahr 1975 war in den deutsch-polnischen Beziehungen bestimmt vom Besuch des polnischen Staats- und Parteichefs Edward Gierek bei Bundeskanzler Helmut Schmidt. Sein Besuch wurde wie ein Staatsbesuch zelebriert. Zum feierlichen Empfang im Gro\u00dfen Festsaal wurden viele Mitglieder der DPG eingeladen. Bei dieser Gelegenheit war es m\u00f6glich, die Gesellschaft vorzustellen, was angesichts der vielen Journalisten und Beamten aus Polen sehr wichtig war. W\u00e4hrend des Besuches war die polnische Seite im \u00dcbrigen so euphorisch, dass man dem Vorsitzenden der DPG bereits einen Herrn aus der polnischen Delegation als den k\u00fcnftigen Konsul in Hamburg vorstellte. Bis zur Gr\u00fcndung einer konsularischen Vertretung sollte jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen, eine Zeit, in der die DPG immer wieder Aufgaben vor Ort \u00fcbernahm, die eigentlich von jener zu bew\u00e4ltigen gewesen w\u00e4ren.<\/p>\n<p>Bei diesem Besuch soll man sich dem Vernehmen nach auf vier bis f\u00fcnf St\u00e4dtepartnerschaften und das \u201eDeutsch-Polnische Forum\u201c geeinigt haben. Sowohl die Partnerschaften als auch das Forum sind durch alle Jahre hindurch Br\u00fccken zum Verst\u00e4ndnis zwischen beiden V\u00f6lkern gewesen. Leider war Hamburg nicht dabei. Nach dem Gierek-Besuch wurde zwar intern zwischen Rathaus und Handelskammer \u00fcber eine Partnerschaft diskutiert. Die Handelskammer war aber ablehnend, eine Haltung, die sich verst\u00e4rkte, als Haifa zus\u00e4tzlich als Partnerstadt Hamburgs ins Gespr\u00e4ch gebracht wurde. Man hielt mit der Begr\u00fcndung, man treibe Handel mit der ganzen Welt und wolle niemanden bevorzugen, die bestehenden Partnerschaften mit Marseille und Leningrad sowieso f\u00fcr S\u00fcndenf\u00e4lle.<\/p>\n<p>Die Entt\u00e4uschung des Vorstands und der Mitgliedschaft der DPG \u00fcber die Absage der Partnerschaft mit Danzig von Seiten des B\u00fcrgermeisters war gro\u00df, weil damit eines der Satzungsziele aus der Gr\u00fcndungszeit nicht erf\u00fcllt werden konnte. Zudem wurde damals die zweite Chance vertan, mit Danzig partnerschaftliche Beziehungen aufzubauen. Denn bereits zwei Jahre zuvor war eine Anfrage des Pr\u00e4sidenten von Danzig \/Gda\u0144sk, die der sp\u00e4tere, langj\u00e4hrige Bundestagsabgeordnete Klaus Franke als Leiter einer CDU-Studienreise aus Polen mitbrachte und B\u00fcrgermeister Peter Schulz \u00fcbergab, auf nur geringe Resonanz im Rathaus gesto\u00dfen, m\u00f6glicherweise auch deshalb, weil aus der unmittelbaren Nachbarschaft Ablehnung signalisiert wurde.<\/p>\n<p>Letztendlich beendete Danzig seine Bem\u00fchungen um Hamburg, weil es keinen Ansatzpunkt f\u00fcr eine Partnerschaft sah. Im Gegensatz dazu sah Bremens B\u00fcrgermeister Hans Koschnik nicht nur die politischen Chancen einer partnerschaftlichen Verbindung mit ihrer friedenstiftenden Wirkung, sondern auch die M\u00f6glichkeit Deutsche und Polen als B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger beider ehemaligen Hansest\u00e4dte im Geiste der Vers\u00f6hnung und Verst\u00e4ndigung zusammen zu bringen. Damit begann f\u00fcr Bremen und Danzig\/Gda\u0144sk der Weg einer erfolgreichen Partnerschaft.<\/p>\n<p>Ende der 80er bem\u00fchte sich die Gesellschaft, eine partnerschaftliche Verbindung mit der polnischen Hauptstadt auf Bezirksebene zwischen Hamburg-Mitte und Warschau-Mitte aufzubauen. Besonders stark setzte sich f\u00fcr eine solche Partnerschaft der damalige stellvertretende Vorsitzende der Gesellschaft Jan Dolny ein, der zugleich auch SPD-Bezirksabgeordneter war. Die weit gediehenen Bem\u00fchungen scheiterten jedoch erneut an einem Veto aus dem Rathaus, da keine st\u00e4dtepartnerschaftliche Beziehungen auf Bezirksebene gew\u00fcnscht wurden.<\/p>\n<p>Es ist eine Tatsache, dass im Rahmen von existierenden St\u00e4dtepartnerschaften viel mehr M\u00f6glichkeiten f\u00fcr eine auf Menschen bezogene Verst\u00e4ndigungsarbeit bestehen als dies ohne partnerschaftliche Beziehungen der Fall ist. Das war bis zur Wende 1989 die Folge der unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen in beiden L\u00e4ndern. Das Fehlen einer Partnerschaft mit einer polnischen Stadt erschwerte oft die Arbeit, weil es keinen unmittelbaren Ansprechpartner in Polen gab. Diese Funktion hat nach 1980 Rzesz\u00f3w, eine Stadt im S\u00fcdost Polen, \u00fcbernommen.<br \/>\n4.7 Das Kriegsrecht in Polen 1981<\/p>\n<p>Angesichts der Wirtschaftskrise und der wachsenden Bedeutung von Solidarno\u015b\u0107 entschied sich Staats- und Parteichef Wojciech Jaruzelski f\u00fcr eine gewaltsame L\u00f6sung: Am 13. Dezember 1981 verh\u00e4ngte er \u00fcber die Volksrepublik Polen das Kriegsrecht. Die Streiks wurden mit Hilfe der Armee niedergeschlagen und mehrere Tausend Oppositionelle verhaftet. Die Abwendung der polnischen Gesellschaft von den Machthabern konnte nicht mehr gestoppt werden. Durch ein breites Netz von politischen und kulturellen Aktivit\u00e4ten im Untergrund entstand eine Gegen\u00f6ffentlichkeit zur Propaganda der Partei (Basil Kerski, 2007, 21). Es war eine schmerzliche, bittere Entscheidung f\u00fcr alle polnischen Menschen, deren relative Freiheit in einem kommunistischen Land damit \u00fcber Jahre eingeschr\u00e4nkt werden sollte. Es war aber auch eine folgenschwere Entscheidung f\u00fcr die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg. Mit dem Kriegszustand schwanden die Hoffnungen auf eine stetige Kontaktbasis erneut dahin.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der \u201eWarschauer Vertrag\u201c gewisserma\u00dfen die \u201eInitialz\u00fcndung\u201c f\u00fcr die Gr\u00fcndung der Gesellschaft gewesen ist, war die Ausrufung des Kriegsrechtes in Polen im Dezember 1981 ein tiefer Einschnitt f\u00fcr die Arbeit der DPG Hamburg. Die Situation erschien nun hoffnungsloser denn je, zumal fast ein Drittel der damaligen Mitglieder unter Hinweis auf das nicht hinnehmbare Kriegsrecht in Polen ihre Mitgliedschaft aufk\u00fcndigte. Es sollte Jahre dauern, bis dieser Mitgliederverlust wieder ausgeglichen werden konnte.<\/p>\n<p>Die \u201eSolidarno\u015b\u0107\u201c- Bewegung fand viel Zuspruch und Unterst\u00fctzung in Deutschland. Da sich die ohnehin schlechte Versorgungssituation weiter zuspitzte, begann mit dem Versand von Millionen an Hilfspaketen nach Polen eine einmalige humanit\u00e4re Hilfsaktion. In ganz Westeuropa wurden Tausende Hilfstransporter losgeschickt und Spendenveranstaltungen organisiert. Auch die deutsch-polnischen Gesellschaften, einschlie\u00dflich der DPG Hamburg, haben mit ihrem humanit\u00e4ren Engagement einen wichtigen Beitrag zur Vertiefung des Vertrauens der polnischen Gesellschaft gegen\u00fcber den Deutschen geleistet. \u201eWir taten, was getan werden konnte\u201c, berichtete Hanno Jochimsen. \u201eEs wurden \u00fcbersch\u00fcssige Medikamente, die damals \u00fcblichen Probepackungen, bei \u00c4rzten und Apothekern gesammelt, in Kisten verpackt und unter abenteuerlichen Umst\u00e4nden mit geliehenen oder gesponserten Lastkraftwagen nach Polen gebracht. Bald waren alle R\u00e4ume der Neuen Gesellschaft an der Rothenbaumchaussee, mit der wir damals zusammenarbeiteten, mit Medikamenten gef\u00fcllt, die nach Auslaufdatum und Hauptwirkungsgebiet von uns Laien sortiert wurden.\u201c Diese umfangreiche materielle Unterst\u00fctzung der Deutschen f\u00fcr Polen w\u00e4hrend und nach der Zeit des \u201eKriegsrechts\u201c wurde geb\u00fchrend gew\u00fcrdigt. Sie war eine der umfangreichsten Hilfsaktionen deutscher B\u00fcrger in der Nachkriegszeit. \u201eFreunde erkennt man in Not\u201c war ein gefl\u00fcgeltes Wort, das polnische B\u00fcrger damals h\u00e4ufig gegen\u00fcber deutschen Freunden \u00e4u\u00dferten.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend fast alle vorher gekn\u00fcpften Kontakte sich nach Verk\u00fcndung des Kriegsrechts aufl\u00f6sten oder zumindest stark beeintr\u00e4chtig waren, traf das auf die Beziehungen zur P\u00e4dagogischen Hochschule in Rzeszow nicht zu. Hier konnte das Vorstandsmitglied, Gerd Hoffmann, schon bald wieder im Sportbereich neu beginnen. Zwar hatten auch hier die Personen gewechselt. Die neuen Leute waren aber ebenfalls bereit, nicht so sehr auf Warschau zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Ein weiterer Schwerpunkt war schlie\u00dflich, wie schon in der Vergangenheit, m\u00f6glichst viele Beziehungen und Partnerschaften zwischen Hamburger Vereinen und korrespondierenden Institutionen in Polen zu stiften, um so den Gedanken der Verst\u00e4ndigung voranzutreiben.<\/p>\n<p>4.8 \u201eResovia Saltans\u201c und Hamburg<\/p>\n<p>Die v\u00f6lkerverbindende, kulturelle Arbeit des Tanz- und Gesangsensembles der Universit\u00e4t Rzesz\u00f3w \u2013 \u201eResovia Saltans\u201c &#8211; ist seit \u00fcber drei Jahrzehnten eng mit der Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg und ihrer Geschichte verbunden. Aus dieser partnerschaftlichen Zusammenarbeit entwickelte sich eine Vielzahl von beispielhaften offiziellen Partnerschaften, intensiven Kontakten von Organisationen und Institutionen sowie pers\u00f6nlichen Freundschaften zwischen Deutschen und Polen, die sich auch in schwierigen Zeiten bew\u00e4hrten und bis heute fortdauern.<\/p>\n<p>Der Beginn der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Rzesz\u00f3w ist mit der Arbeit des Europ\u00e4ischen Parlaments in Stra\u00dfburg verbunden. Der Hamburger Europaabgeordnete und Senator a.D. Dr. Hans-Joachim Seeler (Gr\u00fcndungsmitglied der DPG Hamburg) und seine Frau Dr. Ingrid Seeler (Abgeordnete der Hamburger B\u00fcrgerschaft) besuchten im Sommer 1979 ein Konzert von \u201eResovia Saltans\u201c, zu dem der Hamburger M\u00e4zen Dr. Alfred Toepfer in die N\u00e4he von Stra\u00dfburg eingeladen hatte. Zur\u00fcck in Hamburg berichteten beide dem Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der DPG Hamburg, Gerd Hoffmann, \u00fcber das eindrucksvolle Konzert und empfahlen, das Ensemble nach Hamburg einzuladen. Diese Einladung wurde noch im November 1979 ausgesprochen und \u201eResovia Saltans\u201c pr\u00e4sentierte sich im Sp\u00e4tsommer 1980 mit seinen ersten Konzerten in der Hansestadt, die vom Hamburger Publikum begeistert aufgenommen wurden. Gleichzeitig stellte Gerd Hoffmann Verbindungen zu dem Hamburger Folklore-Ensemble \u201eZugvogel\u201c im tus Berne her, die bis heute andauern.<\/p>\n<p>Das Ensemble trat damals im Festsaal des Hamburger Rathauses im Rahmen der offiziellen Er\u00f6ffnung der Veranstaltungsreihe \u201ePolnischer Herbst 81\u201c auf. Im Ensemble waren Halina und Zofia Gajewska, Romuald Kalinowski, Ryszard Kapica, Ma\u0142gorzata Kosi\u0144ska, Jerzy Koz\u0142owicz, Marian Mosior, Ludwik Sowi\u0144ski und Stanis\u0142aw Wojtowicz, mit denen sich Gerd Hoffmann und einige Vorstandsmitglieder der DPG seit dieser Zeit eng verbunden f\u00fchlen. Auch J\u00f3zef Lipiec, der damalige Rektor der P\u00e4dagogischen Hochschule (PH) Rzesz\u00f3w muss erw\u00e4hnt werden, dessen Verdienst es war, gemeinsam mit Olgierd Pietrek \u201eResovia Saltans\u201c durch die schwierigen Zeiten vor und w\u00e4hrend des Kriegsrechts zu f\u00fchren, in denen die Existenz des Ensembles stark gef\u00e4hrdet war.<\/p>\n<p>Ende 1983 begr\u00fc\u00dften wir \u201eResovia Saltans\u201c wieder in Hamburg zu einer kleinen Konzerttournee. Die Harburger Nachrichten\u201c berichteten am 27.08: \u201eIm Sturm eroberten die \u201eResovia Saltans\u201c die Herzen der Neugrabener. Die 44 Musiker, S\u00e4nger und S\u00e4ngerinnen sowie T\u00e4nzer und T\u00e4nzerinnen aus Polen boten in den Ladenstra\u00dfen des \u201eS\u00fcder-Elbe Zentrums\u201c ein temperamentvolles, mitrei\u00dfendes Gastspiel. Schon nach wenigen Minuten klatschten die Zuschauer zu den teils weltbekannten Volksmelodien begeistert mit. Aber auch melancholische Weisen, von den zehn S\u00e4ngerinnen gef\u00fchlvoll interpretiert, kamen bei Neugrabener Publikum sehr gut an. Das polnische Ensemble \u201eResovia Saltans\u201c h\u00e4lt sich insgesamt zwei Wochen im norddeutschen Raum auf. Die Mitglieder der Folkloregruppe sind bei privaten Familien untergebracht. Neben ihrem Gastspiel in Neugraben besichtigen die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler heute ein Schulzentrum und machen au\u00dferdem eine Hafenrundfahrt. In ihren bunten Volkstrachten werden sie sicherlich noch so manchem Hamburger auffallen.\u201c<\/p>\n<p>1984 pr\u00e4sentierte das Hamburger Ensemble \u201eZugvogel\u201c sein Programm deutscher und internationaler Folkloret\u00e4nze erstmals in Rzesz\u00f3w. 1985 nahmen Klaus Nethling vom Zugvogel und Gerd Hoffmann an dem 10-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um von \u201eResovia Saltans\u201c teil, das im Rahmen einer internationalen Konferenz \u00fcber die Bedeutung der Folklore f\u00fcr die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung stattfand. Von diesem Zeitpunkt an war die DPG Hamburg bis heute bei allen Jubil\u00e4en vertreten, die ab 1990 in der Philharmonie gefeiert wurden. Besonders erw\u00e4hnenswert ist, dass wir Mitte der 80er-Jahre gemeinsam mit \u201eResovia Saltans\u201c eine Langspielplatte produzierten. Das in der Philharmonie Rzesz\u00f3w aufgenommene Masterband wurde von einem Hamburger Studio bearbeitet und f\u00fcr die Pressung von 1.000 LP vorbereitet. Vorfinanziert wurde dieses einmalige Projekt durch den Warschauer Freund Maciej Mazur, der als Ingenieur in den 70er-Jahren durch Vermittlung unserer Gesellschaft in der Hamburger Baubeh\u00f6rde ein bezahltes Praktikum absolvierte.<\/p>\n<p>Seit Ende der 80er-Jahre wurden die Konzerttourneen durch Norddeutschland nur noch alle zwei Jahre durchgef\u00fchrt. Neben den traditionellen Konzerten im Volkshaus Berne, die vom \u201eZugvogel\u201c und der DPG Hamburg gemeinsam organisiert wurden, pr\u00e4sentierte sich \u201eResovia Saltans\u201c in den vergangenen 30 Jahren in Bad Segeberg, Buchholz, Kiel, L\u00fcbeck, Norderstedt, Scheersberg (Region Schleswig), Schneverdingen und Tostedt. Besonders hervorzuheben und anzuerkennen ist, dass das Ensemble dabei immer wieder in Alten- und Pflegeheimen, Seniorenresidenzen und Krankenh\u00e4usern auftrat und dabei mit seinen Kurzkonzerten und der besonderen Zuwendung sehr viel Freude in den Alltag dieser Menschen brachte.<\/p>\n<p>Einer der H\u00f6hepunkte in der Zusammenarbeit zwischen \u201eResovia Saltans\u201c und der DPG Hamburg war die Teilnahme am 25. Jahrestag der Gr\u00fcndung unserer Gesellschaft im August 1997 in Hamburg. Durch die seit 1983 praktizierte Unterbringung der Ensemblemitglieder in den Familien der Mitglieder und Freunde der DPG Hamburg entstanden vielfach sehr enge Beziehungen zwischen den Hamburger Familien und den polnischen Familien in der gesamten Woiwodschaft Podkarpackie. Gegenseitige Einladungen zu Hochzeiten, Taufen, Jubil\u00e4en und ausgew\u00e4hlten Geburtstagen waren und sind bis heute keine Seltenheit und zeigen, wie nahe sich Deutsche und Polen durch diese Kontakte gekommen sind.<\/p>\n<p>\u201eResovia Saltans\u201c und die DPG Hamburg k\u00f6nnen auf eine sehr erfolgreiche Zusammenarbeit zur\u00fcckblicken. Die in ihren Liedern und T\u00e4nzen reichhaltige polnische Volkskunst \u00f6ffnete durch die hervorragende Pr\u00e4sentation junger Polinnen und Polen aus dem Vorkarpatenland die Herzen und Sinne vieler Hamburger. Damit trugen sie dazu bei, dass weit \u00fcber die Volkskunst hinaus auf beiden Seiten eine Vielzahl von M\u00f6glichkeiten er\u00f6ffnet und genutzt wurden, dauerhaft eine Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen auf vielen Gebieten in dieser Region zu entwickeln.<\/p>\n<p>Viele Menschen auf beiden Seiten nahmen an dieser erfolgreichen Zusammenarbeit teil. So ist es sehr wichtig, einige der Partnerinnen und Partner besonders zu erw\u00e4hnen. F\u00fcr die DPG ist die v\u00f6lkerverbindende Arbeit von \u201eResovia Saltans\u201c untrennbar mit dem Namen von Olgierd Pietrek, Germanistikdozent der PH Rzesz\u00f3w, verbunden, der das Ensemble 1975 zusammen mit dem damaligen Verwaltungsleiter der PH Jerzy Czarno\u015b\u0107 gegr\u00fcndet hat. Aus seiner eigenen pers\u00f6nlichen Geschichte f\u00fchlte er ebenso wie seine Frau Janina, Germanistikdozentin an der TH Rzesz\u00f3w, die Verpflichtung, die Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit zwischen Polen und Deutschen auf eine dauerhafte Grundlage zu stellen. Beide Pers\u00f6nlichkeiten stellten eine Vielzahl von Kontakten zwischen Rzesz\u00f3w und Hamburg her, gaben Anst\u00f6\u00dfe und begleiteten viele der gemeinsam entwickelten Projekte. Leider sind beide verstorben und k\u00f6nnen die Fr\u00fcchte ihres Handelns nicht mehr selbst ernten. Aber ihr Engagement war Beispiel f\u00fcr viele unserer Freundinnen und Freunde, die sich in der Vergangenheit f\u00fcr die Zusammenarbeit zwischen Rzesz\u00f3w und Hamburg einsetzten und diese \u00fcberwiegend noch heute aktiv in unterschiedlichsten Positionen und Funktionen begleiten, als Mitglieder der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w ebenso wie als Partnerinnen und Partner in vielen Organisationen und Institutionen.<\/p>\n<p>Die durch Vermittlung von Hans-Joachim und Ingrid Seeler sowie der Stiftung F.V.S. von Alfred C. T\u00f6pfer zustande gekommene Verbindung mit Resovia Saltans, der Volkstanzgruppe der P\u00e4dagogischen Hochschule Rzeszow w\u00e4re ohne das nichtendende Engagement von Gerd Hoffmann nicht m\u00f6glich gewesen. Durch seinen unerm\u00fcdlichen Einsatz war die Beziehung all die Jahre erfolgreich, aber auch, weil die Menschen in dieser \u00f6stlichen Stadt Polens sich wohl immer ihrer Lage an der Peripherie ihres Landes bewusst waren. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>4.9 Gr\u00fcndung des Bundesverbandes und der Zeitschrift \u201eDIALOG\u201c<\/p>\n<p>Am Rande einer Konferenz 1986 in der Evangelischen Akademie Loccum kamen die anwesenden Vorsitzenden der norddeutschen Gesellschaften zu dem Ergebnis, dass man das Feld der deutsch-polnischen Beziehungen publizistisch nicht allein der in D\u00fcsseldorf beheimateten Gesellschaft \u00fcberlassen d\u00fcrfte. Zwar hatten sich die bestimmenden kommunistischen Kader mit dem Aufkommen der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; zun\u00e4chst zur\u00fcckgezogen, weil es ihnen zunehmend an weltanschaulichen Argumenten fehlte. Nun jedoch waren neue Personen aufgetaucht, die die Fragen zwischen Polen und Deutschland in einer f\u00fcr die Deutsch-Polnischen Gesellschaften unertr\u00e4glichen Weise interpretierten. Weil sie die einzigen waren, die eine Zeitschrift herausgaben, wurden nat\u00fcrlich nur sie zitiert, was die Mitglieder zunehmend irritierte. Die anwesenden Vertreter der norddeutschen Gesellschaften kamen nach einem Gespr\u00e4ch mit dem Leiter der Kulturabteilung im Ausw\u00e4rtigen Amt Berthold C. Witte \u00fcberein, die juristische Grundlage f\u00fcr die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift zu legen. Daraus entstand im Laufe der n\u00e4chsten Monate die Arbeitsgemeinschaft Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung. Zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft wurde Hartmut Reichardt gew\u00e4hlt, der Moderator der deutsch-polnischen Konferenzen in der Evangelischen Akademie Loccum. Hanno Jochimsen wurde einer der stellvertretenden Vorsitzenden, was bewirkte, dass seine unmittelbare Arbeit f\u00fcr die Hamburger Gesellschaft zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund trat. Der Zusammenschluss sollte ausdr\u00fccklich keine Dachgesellschaft sein. Im Namen \u201eArbeitsgemeinschaft Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung\u201c wurde deshalb an den Segeberger Kreis angekn\u00fcpft, der auch nach wie vor zusammentreten sollte. In diesem Rahmen ist die Idee der Zeitschrift \u201eDialog\u201c entstanden, f\u00fcr die G\u00fcnter Filter, langj\u00e4hriger Vorsitzender des Jugendpresseclubs Bonn und Mitglied der Hamburger Gesellschaft, als Chefredakteur gewonnen werden konnte. Der Titel der Zeitschrift war Programm. Weil es nicht m\u00f6glich war, mit polnischen Partnern auf einer gesellschaftlichen Ebene zu sprechen, wollte man den &#8220;Dialog&#8221; mit ihnen \u00fcber die Zeitschrift aufnehmen. In der ersten Ausgabe 1987 schrieb G\u00fcnter Filter als Programm: \u201eDas deutsch-polnische Magazin \u201eDialog versteht sich als Forum der geistigen Auseinandersetzung und der gegenseitigen Information zwischen Polen und Deutschen. Wir werden dabei der Geschichte nicht ausweichen. Schon weil wir an eine Zukunft denken, die von Vertrauen und gegenseitiger Achtung gepr\u00e4gt sein muss.\u201c (Dialog 1-2, 1987). Der Vertrieb in Polen war nicht einfach. Aber viele der DPG-Mitglieder hatten von Polinnen und Polen Visitenkarten erhalten An alle diese Anschriften versandten sie die Zeitschrift, um so das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Grenze einzuleiten. F\u00fcr die Hamburger Gesellschaft war der regelm\u00e4\u00dfige ehrenamtliche Versand von mehreren Hundert Exemplaren der Zeitschrift eine gro\u00dfe physische und finanzielle Anstrengung, die sich aber letztlich lohnte. Die polnische Seite begriff sehr schnell und machte uns Angebote f\u00fcr Gespr\u00e4chsforen, die sich aufgrund der sich wandelnden politischen Gro\u00dfwetterlage allerdings auch st\u00e4ndig \u00e4nderten. Am Anfang erschien der \u201eDialog\u201c nur in Deutsch, seit 1993 kommen zweisprachige, polnisch-deutsche Ausgaben heraus. Nach 1987 kamen pro Jahr 2-3 Hefte auf den Markt, seit 2005 wird er im Quartalrhythmus herausgegeben. \u201eDialog\u201c ist eine lange Erfolgsgeschichte, mittlerweile erscheint im Herbst 2012 die 100. Ausgabe. Von unseren Mitgliedern ist er sehr gesch\u00e4tzt und wird immer gern gelesen.<\/p>\n<p>Die Arbeitsgemeinschaft Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung bekam 1995 den Namen \u201eDeutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband e.V.\u201c, dem heute 51 regionale Gesellschaften mit mehr als 3000 Mitgliedern angeh\u00f6ren. Nach 10 Jahren \u00fcbergab Angelika Schwall-D\u00fcren 2010 den Vorsitz an den Bundestagsabgeordneten Dietmar Nietan. Unser Ehrenvorsitzender Gerd Hoffmann ist als stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband t\u00e4tig. Die Bundestagspr\u00e4sidentin a. d., Frau Prof. Rita S\u00fcssmuth, nimmt das Amt der Kuratoriumsvorsitzenden wahr.<br \/>\n5. Neue politische Situation \u2013 neue Herausforderungen, 1989-2004<br \/>\n5.1. Die Wende<\/p>\n<p>Durch den Zusammenbruch der Sowjetunion, die Demokratisierung Polens und die Wiedervereinigung Deutschlands \u00f6ffneten sich f\u00fcr beide Nationen nach 1989 neue Perspektiven. Nat\u00fcrlich musste in dieser Situation des schnellen Wandels wegen der bestehenden Meinungsverschiedenheiten und historisch begr\u00fcndeten \u00c4ngste vieler Polen vor Deutschland, das deutsch-polnische Verh\u00e4ltnis rasch auf ein neues Fundament gestellt werden. Zwei Dokumente waren besonders wichtig: der Grenzbest\u00e4tigungsvertrag vom 14. November 1990, der Oder und Nei\u00dfe auch als Grenze zwischen dem vereinigten Deutschland und Polen best\u00e4tigte und der Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991, der die Zusammenarbeit zwischen den beiden L\u00e4ndern regelt und vor allem Deutschlands Engagement f\u00fcr Polens europ\u00e4ische Bestrebungen fixiert. (Polen, Nr. 311, 63)<\/p>\n<p>Auch die DPG bekam neue Impulse. W\u00e4hrend ihre Kontakte in der Zeit bis zur Wende in Polen mehr durch offizielle Kontakte (wie z. B. zum Polnischen Au\u00dfenministerium, zur Presseagentur Interpress, zum West-Institut Posen\/Pozna\u0144, zur Front der Nationalen Einheit) bestimmt waren, entwickelte sich die Zusammenarbeit nach 1989 in erster Linie auf der gesellschaftlichen Ebene und mit Vereinigungen mit gleichen Zielsetzungen.<\/p>\n<p>Hanno Jochimsen erlebte die Wende so: \u201eEine gemeinsame Tagungsst\u00e4tte an der Weichselquelle hatte Michal Ko\u0142odziejczyk vorgeschlagen, der die deutsch-polnischen Gesellschaften mit einer Gruppe von oppositionellen Journalisten in dieser Zeit des Umbruchs besucht hatte. Ich meinte allerdings, dass man mehr Eisen im Feuer haben sollte. (&#8230;.)Am fr\u00fchen Nachmittag des 9. November machte ich mich mit unserem Vorstandsmitglied Teresa Lemke auf den Weg nach Stettin. Sie wollte dort ihre Eltern besuchen. W\u00e4hrend der Fahrt durch die DDR h\u00f6rten wir wie stets intensiv Radio. Pl\u00f6tzlich schoben sich Nachrichten aus Ostberlin in den Vordergrund. Sie kamen von einer Pressekonferenz, auf der die Reisefreiheit f\u00fcr die DDR-B\u00fcrger verk\u00fcndet wurde. So erlebten wir den Fall der Mauer mitten in der DDR, und als wir an der Grenze in Pommellen ankamen, fragten wir scherzhaft, ob man denn hier jetzt frei durchfahren k\u00f6nne. Man h\u00e4tte noch keine Order aus Berlin, hie\u00df es.\u201c (Jochimsen 1997, 48)<\/p>\n<p>Die Idee einer deutsch-polnischen Partnerschaft in der NATO und EU mobilisierte viele Deutsche und Polen. In beiden L\u00e4ndern entstanden zahlreiche bilaterale Initiativen. Auch die DPG Hamburg profitierte von der neuen Situation. Die politische Wende hatte die positive Folge, dass auf polnischer Seite endlich gleichgesinnte Gesellschaften als Partner zur Verf\u00fcgung standen, auf die wir fast 20 Jahre warten mussten. Die DPG Hamburg unterst\u00fctzte insbesondere die Gr\u00fcndung der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w, mit der sie seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahre 1990 eine intensive Zusammenarbeit verbindet. Weitere enge Beziehungen entstanden zur Polnisch-Deutschen Gesellschaft Danzig\/Gda\u0144sk (seit 2001), zur Gesellschaft der Freunde Stettins\/Szczecin, zur Universit\u00e4t Rzesz\u00f3w (seit 1979 mit der P\u00e4dagogischen Hochschule), zur Fachhochschule Krosno \u2013 Fachbereich Germanistik in Jas\u0142o (seit 1995), zur Stadt Neustadt \/Prudnik (seit 1991) und zur Fachhochschule f\u00fcr Umwelttechnik in Bromberg\/ Bydgoszcz (seit 2000).<\/p>\n<p>5.2 Zusammenarbeit mit Rzesz\u00f3w und der Region Podkarpackie (Vorkarpaten)<\/p>\n<p>Mit einer \u201ePolitik der kleinen Schritte\u201c versuchte die DPG Hamburg in der Zeit vor und w\u00e4hrend des Kriegsrechts einen bescheidenen Beitrag zur Linderung der schwierigen Versorgungssituation auch in Rzesz\u00f3w zu leisten. Neben der Sendung von Paketen auf privater Ebene von Familie zu Familie wurde mit Spenden von Medikamenten und medizinischen Hilfsmitteln aus Hamburger Krankenh\u00e4usern, Apotheken und Arztpraxen insbesondere das Woiwodschafts-Krankenhaus Nr. 1 unterst\u00fctzt. \u00dcber die Schwierigkeiten, insbesondere mit dem DDR-Zoll und -Grenzschutz, die sich bei vielen Transporten per PKW, VW-Bus oder Autobus ergaben, k\u00f6nnten alle Beteiligten auf beiden Seiten sicher ein eigenes Kapitel schreiben. Mit Unterst\u00fctzung Hamburger Krankenh\u00e4user wurde Mitte der 80er-Jahre dar\u00fcber hinaus ein kleines Programm aufgebaut, das \u00c4rzten des Rzeszower Krankenhauses erm\u00f6glichte, sich durch Praktika in den entsprechenden medizinischen Fachabteilungen in Hamburg weiter zu bilden.<\/p>\n<p>Verantwortlich f\u00fcr den Aufbau dieser vielseitigen Kontakte mit Rzeszow war auf polnischer Seite das Ehepaar Janina und Olgierd Pietrek, die viele Wege \u00f6ffneten, in schwierigen Zeiten gegen manche Widerst\u00e4nde zu der gemeinsam entwickelten Zusammenarbeit standen und die partnerschaftlichen Projekte jederzeit mit Rat und Tat unterst\u00fctzten.<\/p>\n<p>\u00dcber die umfangreichen Medikamentensendungen in den 80er Jahren hinaus wurden keine M\u00f6glichkeiten ausgelassen, neue Verbindungen herzustellen, um mit praktischen Beitr\u00e4gen die vertraglichen Grundlagen zwischen den beiden Staaten mit Leben zu f\u00fcllen. Schulpartnerschaften (Wirtschaftsgymnasium Schlankreye, Realschule Tostedt) wurden ebenso vermittelt wie eine Partnerschaft zwischen den Pflegeheimen Farmsen und G\u00f3rno bei Rzesz\u00f3w, in deren Folge vielfach Austauschprogramme von Sch\u00fclern bzw. Pflegekr\u00e4ften und Therapeuten realisiert werden konnten. F\u00fcr das Pflegeheim wurden ca. 100 Pflegebetten, medizinischer Ausstattung und Hilfsmittel wie Rollst\u00fchle und Rollatoren (Gehhilfen) bereitgestellt. Sportliche Begegnungen von Jugendmannschaften bildeten ebenso einen Schwerpunkt wie die Pr\u00e4sentation polnischen Weihnachtsbrauchtums und polnischen Kunsthandwerks durch die Dorfensemble von Albigowa, Brzoz\u00f3w, Brzoza Kr\u00f3lewska und Nos\u00f3wka. Wichtig und erfolgreich waren ebenfalls die Durchf\u00fchrung eines dreiw\u00f6chigen Existenzgr\u00fcndungsseminars gleich nach der Wende und die Bereitstellung von Holzbearbeitungsmaschinen f\u00fcr zwei Tischlerwerkst\u00e4tten. Viele andere Projekte der Stiftung f\u00fcr Deutsch-Polnische Zusammenarbeit in Warschau fanden ideelle und oft auch finanzielle Unterst\u00fctzung durch die DPG Hamburg.<\/p>\n<p>Von gro\u00dfer Bedeutung war die Gr\u00fcndung der Polnisch-Deutscher Gesellschaft Rzesz\u00f3w, einer der aktivsten Gesellschaften in Polen und die vorbildliche Zusammenarbeit mit unserer Gesellschaft. Es findet ein st\u00e4ndiger Informations- und Erfahrungsaustausch \u00fcber Projekte beider Seiten statt. Diese Verbindung ist daher nicht nur wegen der ausgezeichneten pers\u00f6nlichen Kontakte als beispielhaft zu bezeichnen. Aus dem Besuch des Stadtpr\u00e4sidenten von Rzesz\u00f3w Dr. Mieczyslaw Janowski und des Vorsitzenden der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w Ludwik Noworolski in Hamburg ergaben sich Anfang der 90-er Jahre neue Perspektiven der Zusammenarbeit zwischen Hamburg und Rzesz\u00f3w. Das Hamburger Consulting-B\u00fcro BHO International, eine Gr\u00fcndung von Handwerks-, Handelskammer, Arbeitgeber-verband, DGB und Beh\u00f6rde f\u00fcr Schule, Jugend und Berufsbildung, ber\u00e4t die Woiwodschafts-Hauptstadt Rzesz\u00f3w bei der Verbesserung der Leitungsorganisation in den Schulen der Stadt. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>5.2.1 Bericht aus Rzesz\u00f3w: Aus Fremden werden Freunde<\/p>\n<p>Wenn ich auf die mir viel bedeutenden Begegnungen mit Menschen aus Hamburg, mit den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft zur\u00fcckblicke, f\u00e4llt es mir schwer, die wichtigsten zu w\u00e4hlen, die sch\u00f6nsten Eindr\u00fccke zu beschreiben. Wen soll ich denn beim Namen nennen, welche Begegnungen haben meine Kontakte und Freundschaften am meisten gepr\u00e4gt?<\/p>\n<p>Nach langem Z\u00f6gern entscheide ich mich aber nicht f\u00fcr einen meiner eindrucksvollen Aufenthalte in Hamburg, sondern f\u00fcr die erste Reise der DPG Hamburg nach Rzesz\u00f3w, in den 80-er Jahren zum ersten gro\u00df gefeierten Jubil\u00e4um von \u201eResovia Saltans\u201c. Das war zu der Zeit, als wir in Polen f\u00fcr jedes freundliche Zeichen und jedes Geschenk aus dem Westen sehr dankbar waren und uns immer wieder entschuldigten, dass Vieles in unserem Land nicht richtig l\u00e4uft und nicht funktioniert. Ich habe damals mit zwei weiteren Personen die gro\u00dfe Gruppe aus Hamburg und Tostedt auf der Fahrt von Zielona G\u00f3ra nach Rzesz\u00f3w begleitet. Der Bus, der der Uni Rzesz\u00f3w geh\u00f6rte, war alt und hatte nicht den erforderlichen Komfort, die Stra\u00dfen waren schlecht und die Verpflegung lie\u00df sehr viel zu w\u00fcnschen. Wir hatten die ganze Zeit Angst, dass unsere G\u00e4ste die Strapazen der Reise nicht mehr ertragen und letztendlich von unserem Land entt\u00e4uscht werden. Wir bem\u00fchten uns einerseits mit freundlichen Worten, mit einem L\u00e4cheln die Probleme herunterzuspielen (die erste Mahlzeit erst gegen 12.00 Uhr nach sechs Stunden Busfahrt, das Fehlen der Toiletten, Achtbettzimmer im Touristenhotel im Zentrum von Krakau), anderseits waren wir stolz auf die sch\u00f6nen Baudenkm\u00e4ler unserer Region und auf unsere Geschichte. Das alles wollten wir zeigen und erkl\u00e4ren, um unsere G\u00e4ste zu \u00fcberzeugen, dass es sich gelohnt hat, uns zu besuchen, mit uns Kontakte zu kn\u00fcpfen und vielleicht auch mitzuarbeiten.<\/p>\n<p>Heute w\u00e4re das f\u00fcr mich unertr\u00e4glich! Auch damals w\u00e4re ich dar\u00fcber ungl\u00fccklich gewesen, wenn nicht die vielen Menschen gewesen w\u00e4ren, die uns so sehr zugetan waren und mit denen mich bis heute, wenn ich das sagen darf, eine tiefe Freundschaft verbindet. Erlauben Sie mir bitte einige von ihnen doch bei Namen zu nennen, sich bei ihnen zu bedanken und alles Gute f\u00fcr die n\u00e4chsten 40 Jahre zu w\u00fcnschen.<\/p>\n<p>Liebe Freunde, Ursel und Klaus Nethling, Ruth Zuther, Ursula Henrich, Gerd Hoffmann!<br \/>\nVielen herzlichen Dank!<br \/>\n(Maria Wiecko)<\/p>\n<p>5.2.2 Bericht aus Rzesz\u00f3w: Gesichter der Freundschaft<\/p>\n<p>Meine erste Begegnung mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg habe ich drei Menschen zu verdanken, die alle schon von uns gegangen sind. Ich kam nach Hamburg Mitte der 80-er Jahre auf die Bitte von Olgierd Pietrek, einem Rzeszower Germanisten, der sich unerm\u00fcdlich f\u00fcr polnisch-deutsche Beziehungen einsetzte und viele andere damit angesteckt hat. Diese Menschengruppe, zu der dann auch ich z\u00e4hlte, hat einige Jahre sp\u00e4ter die Polnisch Deutsche Gesellschaft Rzesz\u00f3w gegr\u00fcndet. Die DPG Hamburg wurde zu unserem ersten deutschen Partner, mit dem wir viele Projekte in die Wege geleitet haben. Bei diesem ersten Besuch begleitete ich als Dolmetscherin die Volkstanzgruppe der P\u00e4dagogischen Hochschule Rzesz\u00f3w (heute Universit\u00e4t Rzeszow) Resovia Saltans, die mit viel Elan und Jugend-Charme die Rolle unseres Botschafters spielte und es bis heute noch tut. Mit der Gruppe kam damals auch der Rektor unserer Hochschule Professor Marian Bobran nach Hamburg. Untergebracht waren wir beide bei Friedhelm und Helga Sauerland, die uns sehr herzlich empfangen haben.<\/p>\n<p>Polen war damals noch ein anderes Land. Die Zeit der Wende sollte erst einige Jahre sp\u00e4ter kommen. Ich kann mich erinnern, dass Professor Bobran (Anm. d. Red.: Rektor der PH Rzeszow), der geplant hat, Partnerbeziehungen mit der Universit\u00e4t Hamburg anzukn\u00fcpfen, einfach nicht fassen konnte, dass der deutsche Rektor sich geweigert hat, es selbst zu entscheiden, sondern es der Initiative der einzelnen Fakult\u00e4ten \u00fcberlassen wollte. Der polnische Rektor empfand es als eine gro\u00dfe Schw\u00e4che dieses Amtes in Deutschland. Demokratie war bei uns eben noch wenig praktiziert. Es war auch der H\u00f6hepunkt der Mangelwirtschaft in Polen. Friedhelm Sauerland, der uns nach diesem ersten Treffen in Hamburg immer wieder in Polen besuchte (bis er als Rentner ganz nach Rzeszow \u00fcbersiedelt ist), brachte immer als Gastge-schenk neben Wein, Kaffee und verschiedenen ausgefallenen K\u00e4sesorten auch duftendes farbiges Toilettenpapier mit, das im grauen Polen wie eine Luxusware aussah.<\/p>\n<p>Seit der Zeit ist viel Wasser den Fluss Wis\u0142ok und die Alster hinabgeflossen. Es gibt die gleichen Waren in den L\u00e4den, junges buntes Volk auf den Rzeszower Stra\u00dfen sieht genauso aus wie in Hamburg und in jeder anderen Stadt Europas, dem\u00fctigende Kontrollen an den Grenzen sind in Vergessenheit geraten. Es gibt aber immer mehr Zeitdruck und Probleme mit Gastgeschenkideen\u2026<\/p>\n<p>Olek Pietrek, Marian Bobran, Friedhelm Sauerland &#8211; die drei M\u00e4nner, mit denen meine \u00e4lteste Erinnerung an Hamburg verbunden ist, wurden von uns nach und nach auf dem gleichen Friedhof in Rzeszow verabschiedet. Aber wenn ich an unsere gemeinsame Geschichte zur\u00fcckblicke, sehe ich weniger konkrete Veranstaltungen als eben Gesichter von Menschen, die ich in dieser Zeit getroffen habe. Wenn man Erinnerungen Revue passieren l\u00e4sst, sind sie alle da &#8211; die Lebenden und die Verstorbenen. Die Ausstellung \u201eVier Grafiker aus Rzeszow\u201c, die ich vor Jahren in Hamburg mit veranstaltet habe, assoziiere ich, u.a. mit dem Gesicht von Dr. Hanno Jochimsen, der eine sehr sch\u00f6ne, einf\u00fchlsame Einf\u00fchrung gemacht hat und mit dem damaligen Rzeszower Woiwoden Kazimierz Ferenc, einem der wenigen mir bekannten Politiker, der wirklich Ahnung von der Kunst hatte. In all den Jahren bin ich vielen Menschen aus Hamburg begegnet, deren Gesichter in mir warme Gef\u00fchle erwecken &#8211; Ola Jeszke-Zillmer, ihr Ehemann Hatschi, Waltraud Hoffmann, in der letzten Zeit Viola Krizak, die mit gro\u00dfem Talent das Werk ihrer Vorg\u00e4nger weiterf\u00fchrt.<\/p>\n<p>Es gibt aber ein Gesicht, das praktisch in jeder Erinnerung an Hamburg auftaucht- das von Gerd Hoffmann. Gerd &#8211; spiritus movens aller Kontakte und Projekte &#8211; ist f\u00fcr mich ein Mensch, von dem jeder, der sich f\u00fcr deutsch-polnische Freundschaft einsetzt, lernen sollte, wie man es richtig macht. Lieber Gerd, ich gratuliere Dir zu Deinem Lebenswerk.<\/p>\n<p>Liebe Freunde aus Hamburg, ich gratuliere Euch zu diesem sch\u00f6nen Jubil\u00e4um.<br \/>\n(Marta Jakubowicz-Pisarek)<\/p>\n<p>5.2.3 Bericht aus Rzeszow: Gl\u00fccksf\u00e4lle<\/p>\n<p>Ich geh\u00f6re einer Generation an, f\u00fcr die nur die Sowjetunion Ausland bedeutete. Ich nutzte gern die M\u00f6glichkeit, in dieses Land zu reisen und deshalb glaube ich auch, dass ich bis heute Russland gut verstehen kann. Edward Gierek hat uns dann Reisep\u00e4sse verschafft und erlaubt, in den Westen zu fahren. Ab dann besuchte ich England. Erst im Fr\u00fchling 1980 kam ich zum ersten Mal nach Hamburg und somit nach Westdeutschland. Damals war ich Journalist der polnischen Jugendpresse und bildete mir ein, etwas von der Welt zu verstehen. In Hamburg wurde mir klar, wie wenig ich wusste. Ich war gl\u00fccklich, die bestm\u00f6glichen Gespr\u00e4chspartner zu bekommen: Gerd Hoffmann, Alexandra Jeszke-Zillmer, Dr. Hanno Jochimsen. Erstaunt h\u00f6rte ich \u00fcber Tage der polnischen Kultur in Hamburg und \u00fcber die Deutsch-Polnische Gesellschaft.<\/p>\n<p>Dann wurde in Polen der Kriegszustand verh\u00e4ngt. Mitte der 80er Jahre konnten wir in Rzesz\u00f3w den ganzen Bus voller Mitglieder der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg begr\u00fc\u00dfen, die Spenden f\u00fcr Rzeszower Krankenh\u00e4user mitgebracht haben. Dieser Besuch war f\u00fcr uns wie ein Licht in dunklen Tagen. Ich war sehr ber\u00fchrt, als ich damals Gerd Hoffman zum zweiten Mal begegnete.<\/p>\n<p>Die demokratische Wende in Polen erm\u00f6glichte die Gr\u00fcndung einer Polnisch-Deutschen Gesellschaft. Wir konnten in Rzesz\u00f3w viele Leute finden, die bereits positive Erfahrungen und gute Kontakte zu den Deutschen hatten. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg war f\u00fcr uns ein Vorbild und unser erster Partner. Es ist kaum m\u00f6glich, alle Besuche und unvergessliche Eindr\u00fccke aufzuz\u00e4hlen.<\/p>\n<p>Ich pers\u00f6nlich habe auch allen Grund, dankbar zu sein. Als ich Anfang der 90er Jahre in meinem beruflichen Weg eine Wende erlebt hatte, verhalf mir Gerd Hoffman, das damalige Vorstandsmitglied der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, zu einem Praktikum beim &#8220;Hamburger Abendblatt&#8221;. Diese drei Monate in Hamburg werde ich nie vergessen, weil ich viel gelernt habe, auch unseren westlichen Nachbarn besser zu verstehen.<\/p>\n<p>Heute haben wir ein gemeinsames Europa und zahlreiche Stipendienprogramme. Wir sehen aber immer wieder, wie n\u00f6tig die pers\u00f6nlichen Kontakte sind, die von unseren Gesellschaften in unseren beiden L\u00e4ndern gef\u00f6rdert und gepflegt werden. Der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, die jetzt hervorragend von Dr. Viola Krizak geleitet wird, w\u00fcnschen wir weiterhin viel Erfolg und freuen uns auf unsere weitere Zusammenarbeit.<br \/>\n(Wojciech Furman)<\/p>\n<p>5.3 Germanistikstudenten aus Jas\u0142o\/Krosno in Hamburg<\/p>\n<p>Auf Initiative der engagierten Rzeszower Germanisten Janina und Olgierd Pietrek lud die DPG Hamburg mit Unterst\u00fctzung Hamburger Familien seit 1995 jedes Jahr Studentinnen und Studenten des Fachbereichs Germanistik der Fachhochschule Krosno in Jas\u0142o zu einem jeweils einw\u00f6chigen Studienaufenthalt nach Hamburg ein. \u00dcber 400 junge Menschen aus der Woiwodschaft Podkarpackie hatten damit die Chance, das Land ein wenig kennen zu lernen, dessen Sprache sie an polnischen Schulen unterrichten werden. Wie wir meinen, ein sehr sinnvolles, aber in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit wohl auch in dieser Kontinuit\u00e4t einmaliges Projekt, das auch im Jubil\u00e4umsjahr 2012 fortgesetzt wurde.<\/p>\n<p>5.3.1 Bericht von Germanistik-Dozenten der Fachhochschule Krosno<\/p>\n<p>Aus Anlass des diesj\u00e4hrigen 40. Jubil\u00e4ums der Entstehung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Hamburg denken wir mit R\u00fchrung an die langj\u00e4hrige Geschichte unserer Freundschaft und Zusammenarbeit mit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft in Hamburg zur\u00fcck. Wir meinen hier die Gesellschaft sowohl als die Organisation an sich als auch ihre einzelnen Mitglieder. Von beiden Seiten haben wir ihre Freundschaft erfahren, die sich w\u00e4hrend der 18 Jahre bew\u00e4hrt hat, w\u00e4hrend deren unsere Germanistikstudenten in ihrem Lehrerwerdegang von der DPG unterst\u00fctzt und allj\u00e4hrlich nach Hamburg eingeladen werden.<br \/>\nIm Fr\u00fchling 1995 hat ein Dozent des Fremdsprachenlehrerkollegs (Nauczycielskie Kolegium J\u0119zyk\u00f3w Obcych) aus Jas\u0142o, Magister Olgierd Pietrek, durch die Vermittlung der Polnisch-Deutschen Gesellschaft in Rzesz\u00f3w den Kontakt mit Gerd Hoffmann, dem damaligen Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, gekn\u00fcpft. Dank den Bem\u00fchungen der beiden Aktivisten konnte die erste Reise der Kollegstudenten, der k\u00fcnftigen Deutschlehrer, nach Hamburg zustande kommen. Seitdem sind die Reisen der Studenten aus Jas\u0142o nach Hamburg zur Tradition unserer Lehranstalt geworden, die bis heute fortgesetzt wird. Inzwischen wurde das Fremdsprachenlehrerkolleg in die Abteilung f\u00fcr Germanistik verwandelt und seit 1999 der Staatlichen Fachhochschule Krosno einverleibt.<\/p>\n<p>Die Studienaufenthalte unserer Studierenden in Hamburg werden bis heute fortgesetzt, was sowohl uns, Lehrer, als auch die Studenten, immer sehr erfreut und in dem ganzen didaktischen Verfahren eine unsch\u00e4tzbare Rolle spielt. Im Durchschnitt nehmen an einer Studienreise nach Hamburg etwa 20 bis 30 Studenten\/innen (wie \u00fcblich an den philologischen Fachrichtungen, sind auch bei uns die Studentinnen in der Mehrheit) des 2. Studienjahres teil. Meistens betreuen die Gruppe von der polnischen Seite zwei Dozenten aus der Germanistikabteilung, in Hamburg bekommen die Studenten immer eine ausgezeichnete F\u00fchrung von den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft. So war es auch in diesem Jahr, als vor knapp einem Monat unsere Germanistikstudenten aus Hamburg zur\u00fcckkehrten \u2013 begeistert und voll von den sch\u00f6nen Erlebnissen und neuen Erfahrungen. Mit gro\u00dfer Dankbarkeit betonen wir hier immer die wohlwollende und engagierte Anwesenheit des ehemaligen Vorsitzenden der Gesellschaft Gerd Hoffmann, wie auch seiner Nachfolgerin, Frau Dr. Viola Krizak.<\/p>\n<p>Die Studenten haben in Hamburg Gelegenheit nicht nur die Sprache zu \u00fcben, sondern bekommen auch jedes Mal ein gro\u00dfes kulturelles und landeskundliches Informationsangebot an dem Wissen, das f\u00fcr einen Germanisten und Deutschlehrer unentbehrlich ist. Meistens werden die Studienreisen im M\u00e4rz oder April veranstaltet, nur einmal, im Jahre 1995, konnten die angehenden Deutschlehrer Hamburg in den Herbstfarben bewundern. Jedes Mal wird das Programm des Aufenthalts von unseren Freunden aus der Deutsch-Polnischen Gesellschaft organisiert, jedes Mal haben polnische Studenten eine einmalige Chance w\u00e4hrend einiger Aufenthaltstage in Hamburg das Familienleben der sie empfangenden deutschen Gastfamilien \u201evon innen\u201c kennen zu lernen.<\/p>\n<p>Immer wird die Gruppe aus Jas\u0142o in Hamburg von den empfangenden Familien und den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, sehr herzlich begr\u00fc\u00dft und betreut. F\u00fcr die Suche nach den Familien, die bereit sind, junge Menschen aus Polen f\u00fcr einige Tage bei sich aufzunehmen, m\u00f6chten wir den Mitgliedern der Deutsch-Polnischen Gesellschaften einen besonderen Dank \u00e4u\u00dfern. Die Studierenden wissen es richtig einzusch\u00e4tzen und betonen immer die Gastfreundschaft wie auch die Bem\u00fchungen der Gastfamilien, damit die angehenden Deutschlehrer bei ihnen sowohl die deutsche Sprache \u00fcben als auch sich mit der deutschen Kultur und Sitten bekannt machen k\u00f6nnen. Der erste Tag in der neuen Familie dient dem gegenseitigen Kennenlernen. Man braucht nicht zu sagen, wie stressig es f\u00fcr die Studierenden ist, die oft zum ersten Mal im Leben ihre Deutschkenntnisse in der Praxis pr\u00fcfen k\u00f6nnen. Sie \u00fcberwinden schnell innere Hemmungen im Sprechen wie auch oft unterschiedliche nationale Stereotypen. Sehr h\u00e4ufig verwandeln sich diese Bekanntschaften in echte Freundschaften, die Jahre lang dauern, die sich nicht nur in dem Briefwechsel \u00e4u\u00dfern, sondern auch in gegenseitigen Besuchen in Polen und Deutschland. Wir wissen von vielen Kontakten unserer ehemaligen Studierenden mit den Hamburger Gastfamilien, die seit Jahren mit gro\u00dfer Herzlichkeit beiderseits gepflegt werden.<\/p>\n<p>Das von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft f\u00fcr die Studenten vorbereitete Aufenthaltsprogramm ist immer sehr interessant und abwechslungsreich. Jedes Mal werden die Studentengruppen von einigen Personen aus der DPG sorgf\u00e4ltig betreut und zu den Hamburger Sehensw\u00fcrdigkeiten gef\u00fchrt. Unter den deutschen Betreuern, die wir nicht imstande sind hier alle zu nennen, waren st\u00e4ndig Wolfgang Madlung und Gerd Hoffmann bereit, den Studenten immer mit ihren Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft zu dienen.<\/p>\n<p>Die deutschen Organisatoren erm\u00f6glichten polnischen Studierenden u.a. die Begegnungen mit den deutschen Studenten, manchmal auch mit denen, die in Hamburg die Polnische Philologie studierten. Solche Begegnungen waren immer von gro\u00dfem Nutzen sowohl f\u00fcr die \u00dcbung der Sprache als auch f\u00fcr interkulturelle Kontakte der jungen Vertreter von beiden Nationen, wie z. B. an der Universit\u00e4t oder in dem Haus der Jugend. Oftmals hatten die Studenten aus Jas\u0142o die M\u00f6glichkeit, mit den Hamburger Studenten die interessanten St\u00e4tten Hamburgs kennen zu lernen. Nicht selten beschloss man die Bekanntschaften weiter zu pflegen, was bei den Internetm\u00f6glichkeiten heutzutage eher kein Problem ist.<\/p>\n<p>Zu den festen und gleichzeitig sehr attraktiven Punkten des Besichtigungsprogramms der Stadt Hamburg geh\u00f6rten der Besuch im Hamburger Rathaus mit immer perfekter F\u00fchrung von Gerd Hoffmann, der uns in die Geheimnisse des politischen Lebens Hamburgs und seiner Parlamentsvertretung einweihte, eine Schiff-Hafenrundfahrt sowie Betrachtung der imponierenden Hamburger Speicherstadt oder der Besuch im Generalkonsulat der Republik Polen. Immer war f\u00fcr die Studenten sehr interessant der Aufenthalt in L\u00fcbeck mit der Besichtigung der Sehensw\u00fcrdigkeiten der Stadt und das Treffen mit den Mitarbeitern der Academia Baltica, wie auch der spannende Besuch beim Norddeutschen Rundfunk in Kiel. Die Beobachtung der Moderatoren in den Radio- und Fernsehstudios bei der Arbeit liefert immer unvergessliche Eindr\u00fccke.<\/p>\n<p>Zu den wertvollen Erfahrungen geh\u00f6ren auch immer die Besichtigung von Beiersdorf und Tchibo in Hamburg. Sicherlich wurden unsere Studierenden treue Kunden von diesen Kosmetika- und Kaffeemarken, nachdem sie Augenzeugen der perfekt organisierten Produktionsprozesse in beiden Werken gewesen waren. Um diese Besuche werden unsere Studierenden bei ihren Studienkollegen aus anderen Fachrichtungen an ihrer Fachhochschule echt beneidet. Aber nat\u00fcrlich nicht nur darum \u2013 um viel mehr, was sie w\u00e4hrend ihrer Aufenthalte in Hamburg zur Verf\u00fcgung gestellt und angeboten bekommen haben.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Studierende aus der s\u00fcdlichen Provinz Polens, die aus eher nicht so wohlhabenden Familien kamen, ist die Reise nach Hamburg samt dem Spaziergang entlang der Ostseek\u00fcste, was immer ein wichtiger Punkt auf der Reiseroute L\u00fcbeck \u2013Travem\u00fcnde\u2013Kiel ist, die erste Begegnung mit dem Meer und ein unvergessliches Erlebnis. Genauso ist es mit den Theater &#8211; und Opernbesuchen.<\/p>\n<p>Als eine einmalige und au\u00dferordentliche Erfahrung gelten f\u00fcr die polnischen Studierenden immer die Hospitationen an Hamburger Schulen (Vor-, Grund-, Real-, Gesamt-, Berufsschulen und Gymnasien), in Kinderg\u00e4rten wie auch kirchlichen, staatlichen und betrieblichen Ausbildungseinrichtungen. Auf diese Weise k\u00f6nnen die Studenten den Bildungsprozess direkt beobachten und h\u00e4ufig auch daran aktiv als Unterst\u00fctzung der unterrichtenden Lehrer teilnehmen. Obwohl solche Situationen f\u00fcr die Studenten stressig sein k\u00f6nnen, bedeuten sie immer eine erbauende Erfahrung, wenn sie ihre Deutschkenntnisse und die methodische Vorbereitung als Lehrer praktisch verwenden konnten. Nicht zu \u00fcbersch\u00e4tzen ist das Gespr\u00e4ch der Studenten mit den Lehrern in den hospitierten Schulen. Polnische Studenten bekommen da viele Informationen \u00fcber das Funktionieren des Schulwesens in Deutschland, die Rolle des Lehrers und Vor- sowie Nachteile dieses Berufes. Sie haben also eine gute Chance die deutschen mit den polnischen Verh\u00e4ltnissen im Schulwesen zu vergleichen. Diese Hospitationen helfen den werdenden Lehrern sicher in der k\u00fcnftigen Arbeit und werden ihnen teilweise als Pflichtpraktika von dem Methodik-Dozenten angerechnet. Immer betonen die Studenten die Freundlichkeit, mit der sie in den Schulen empfangen und betreut werden. Die Vergleiche der polnischen und deutschen Bildungssysteme und Schulwesen f\u00fchren auch zu den gleichzeitig belehrenden wie auch pessimistischen Schlussfolgerungen. Die sozialen Stellungen der Lehrer in Polen und in Deutschland, wo die Lehrer als Staatsbeamte gem\u00e4\u00df ihrer wichtigen Rolle eingesch\u00e4tzt und bezahlt werden, sind sehr unterschiedlich. Leider ist es in Polen noch nicht der Fall.<\/p>\n<p>Zu den vielen interessanten Programmpunkten des Aufenthalts in Hamburg geh\u00f6rt auch der Besuch im Altonaer Museum, wo die Studenten erfahren, wie man den Sch\u00fclern die Toleranz und Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die interkulturellen Unterschiede praktisch beibringen kann.<\/p>\n<p>Wir m\u00f6chten auch dabei mit Freude und Stolz betonen, dass unsere freundschaftlichen Beziehungen mit den deutschen Partnern sich auch in der Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Ost-West-Kreis \u00e4u\u00dfern, dem auch viele DPG-Mitglieder angeh\u00f6ren. Zusammen f\u00fchren wir seit neun Jahren Konferenzen zu den Themen aus dem Bereich der deutsch-polnischen Beziehungen durch. F\u00fcr diese M\u00f6glichkeit sind wir auch sehr dankbar.<\/p>\n<p>Bei der Studienreise werden au\u00dfer Hamburg auch andere interessante St\u00e4dte in Deutschland besichtigt, wie Berlin und Potsdam auf der Hinreise und Dresden auf der R\u00fcckreise. Auch dort werden die Studierenden aus Jas\u0142o\/Krosno von den dortigen Vertretern der Deutsch-Polnischen Gesellschaft empfangen und zu den Sehensw\u00fcrdigkeiten dieser St\u00e4dte gef\u00fchrt. In Berlin wird immer u.a. der Bundestag, das Geb\u00e4ude des deutschen Parlaments besichtigt, in Dresden die Altstadt mit dem Zwinger. Dank der fachm\u00e4nnischen F\u00fchrung werden die historischen Kenntnisse der Studenten aufgefrischt und die historischen deutsch-polnischen Zusammenh\u00e4nge und Verbindungen hervorgehoben.<\/p>\n<p>So m\u00f6chten wir aus dem feierlichen Anlass des Jubil\u00e4ums der Gesellschaft, nochmals unsere Dankbarkeit dem ehemaligen Vorsitzenden der DPG, Herrn Gerd Hoffmann, der jetzigen Vorsitzenden Frau Dr. Viola Krizak, dem ganzen Vorstand und allen mit Ihnen verbundenen Personen, die unsere Studenten und uns Dozenten mit so gro\u00dfem Wohlwollen und Engagement immer in Hamburg empfangen haben, aussprechen.<\/p>\n<p>Wir w\u00fcnschen Ihnen allen viel Gesundheit und Erfolg in Ihrer weiteren edlen T\u00e4tigkeit f\u00fcr die freundschaftliche Koexistenz Polens und Deutschlands.<br \/>\n(Maria Grasela und Krystyna Szayna-Dec)<\/p>\n<p>5.3.2 Bericht einer Studentin<\/p>\n<p>Seid ihr irgendwann in der Oper gewesen? Gut, vielleicht seid ihr es. Vielleicht geh\u00f6rt ihr sogar zu dieser seltenen Gattung Mensch, die sich dieses Vergn\u00fcgen mehrmals geg\u00f6nnt hat. Aber habt ihr kurz davor einen Betrieb besichtigt, in dem die \u201eNummer 1\u201c eines bekannten Kosmetikums hergestellt wird? Ich denke, dass sich jetzt wenige finden werden, die mit \u201eja\u201c antworten. Falls das aber doch der Fall ist, wende ich mich an diese Personen mit einer sehr privaten Frage: Seid ihr zwei Tage vor dem Opernbesuch in einem gro\u00dfen Rundfunkhaus gewesen, in dem ihr live das Entstehen einer Nachrichtensendung miterleben durftet (bereichert durch eure schweigende Anwesenheit)? Nicht? Ganz bestimmt nicht. Aber wir! Wir waren in der Oper! Wir konnten live die ber\u00fchmte Oper buffa von Gianachino Rossini, \u201eDer Barbier von Sevilla (Il Barbiere di Siviglia, The Barber of Seville, Cyrulik Sewilski) h\u00f6ren. Wenn ihr nicht zu den musikalischen Ignoranten geh\u00f6rt, m\u00fcsste euch mindestens einer der Titel bekannt sein. Es war auch nicht irgendwo, sondern in der Staatsoper in Hamburg, darauf k\u00f6nnt ihr neidisch sein! Diese Erfahrung ist beispiellos, un-sch\u00e4tzbar \u2013 und das wichtigste \u2013 sie bringt den frischen Atem der gro\u00dfen Welt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich sind wir nicht nur dort gewesen. Wir konnten sehen, wie die Produkte der bekannten Kosmetikserie (und auch weniger bekannten) bei Beiersdorf hergestellt werden. Wir sahen den Tanz der Halbfertig- und Fertigprodukte auf dem Flie\u00dfband sowie die eint\u00f6nige, schnelle Arbeit der hochspezialisierten Maschinen. Zum Schluss waren wir entt\u00e4uscht zu sehen, wie klein die Maschine ist, die das wichtigste Produkt der Firma &#8211; die \u201eNivea- Creme\u201c &#8211; produziert.<\/p>\n<p>Wir haben auch dem Landesfunkhaus Schleswig-Holstein mit unserer Anwesenheit die Ehre erwiesen. Wie sahen rote L\u00e4mpchen, die in dem Moment angingen, als das Programm gerade gesendet wurde. Hinter der Scheibe haben wir auch die Moderatorin gesehen, die die Nachrichten gelesen hat \u2013 so ist das Wort zum Leib geworden! Sehr interessant war auch der Besuch im Fernsehfunk, wo wir sehen konnten, wie viele Menschen bei der Entstehung der Nachrichten beteiligt sind. Zus\u00e4tzlich, wie vorher im Rundfunk, haben wir mit der unsichtbaren Anwesenheit zu den Nachrichten des Tages beigetragen.<\/p>\n<p>Mir ist es bewusst, dass der Leser dieses Berichtes \u2013 falls er nicht zu uns, den Gl\u00fccklichen geh\u00f6rt \u2013 einen Neidanfall bekommen muss. Dazu kommen auch noch die Besichtigungen in Berlin, in der Freien und Hansestadt Hamburg, in der Hansestadt L\u00fcbeck und in Dresden. Ich werde so gn\u00e4dig sein, dass ich weder das Treffen im polnischen Konsulat, den Kinobesuch mit dem Film von Roman Polanski \u201eGhostreiter\u201c sowie den untypischen Besuch im Museum erw\u00e4hne. (Ihr m\u00fcsst zugeben, dass man im Museum nicht oft die M\u00f6glichkeit hat, zu laufen und zu springen, um empirisch die altdeutschen T\u00e4nze kennenzulernen).<br \/>\nAlso ich verliere dar\u00fcber kein Wort.<br \/>\n(Katarzyna Tumidajewicz, \u00dcbersetzung Viola Krizak)<\/p>\n<p>5.4 Jubil\u00e4umsjahr 1997, 25 Jahre der DPG Hamburg<\/p>\n<p>5.4.1 Die Festschrift<\/p>\n<p>Im Jubil\u00e4umsjahr 1997 erschien eine Jubil\u00e4umsschrift, die von den Vorstandsmitgliedern geschrieben und herausgegeben wurde. W\u00e4hrend der Arbeit an der Festschrift starb der Pastor i.R. Hans Mohn, der 1972 &#8211; 73 Vorsitzender des Gr\u00fcndungsvorstandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaft war. Nach seiner Amtszeit als Gemeindepastor auf Sylt hatte er sich wieder intensiv in der Arbeit der Gesellschaft engagiert. So wird die Festschrift auch als bleibendes Verm\u00e4chtnis f\u00fcr die DPG an Hans Mohn gesehen.<\/p>\n<p>In dem Geleitwort zu der Jubil\u00e4umsschrift schrieb Herbert Dau, ehemaliger Pr\u00e4sident der B\u00fcrgerschaft und Ehrenb\u00fcrger der Freien und Hansestadt Hamburg: \u201eWer vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren zum Frieden mit Polen aufrief, konnte sich wahrlich nicht im politischen Wohlwollen der Mehrheiten sonnen. Es geh\u00f6rte schon Entschlossenheit dazu, den eingeschlagenen friedenstiftenden Kurs beharrlich zu verfolgen. Diese Festschrift berichtet von den vielf\u00e4ltigen Bem\u00fchungen der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg in den letzten f\u00fcnfundzwanzig Jahren, Br\u00fccken nach Polen zu schlagen, trotz der in den zwei Jahrhunderten zuvor geschlagenen tiefen Wunden. Wir brauchen den Frieden mit Polen unseres eigenen moralischen Selbstverst\u00e4ndnisses wegen, hie\u00df es in dem Aufruf, den ich damals ebenfalls unterschrieb. Diese Forderung gilt noch heute und kann nicht oft genug in den Vordergrund gestellt werden.<\/p>\n<p>Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. hat im vergangenen Vierteljahrhundert auf vielf\u00e4ltige Weise die Voraussetzungen geschaffen, dass sich Menschen aus beiden L\u00e4ndern begegnen konnten. Sie hat damit geholfen, den Grund f\u00fcr die nach der politischen Wende im Jahre 1989 zwischen beiden L\u00e4ndern geschlossenen Vertragswerke und f\u00fcr das seitdem entstehende freundschaftliche und gut-nachbarliche Verh\u00e4ltnis vorbereitet. In dieser Festschrift wird von den M\u00fchen um die menschlichen Begegnungen als der Grundlage f\u00fcr den Frieden zwischen Polen und Deutschen und f\u00fcr den Abbau der bestehenden Vorurteile berichtet. Eine ehrenamtliche Arbeit, die h\u00e4ufig Opfer und Entsagen forderte. Weitere Abschnitte besch\u00e4ftigen sich schlie\u00dflich mit dem Wandel in der Hamburger Deutsch-Polnischen Gesellschaft selbst, aber auch mit den von ihr inspirierten Aktivit\u00e4ten einzelner Mitglieder in ihren beruflichen Sph\u00e4ren oder an anderen Orten au\u00dferhalb Hamburgs. Sie zeigen, wie gro\u00df die Ausstrahlungskraft der Hamburger Gesellschaft war und ist.<\/p>\n<p>Der zweite Weltkrieg begann in Polen; der Frieden in Europa wird schlie\u00dflich nur Wirklichkeit werden, wenn er mit Polen gewonnen wird&#8221;, hie\u00df es im Aufruf vor f\u00fcnfundzwanzig Jahren &#8211; S\u00e4tze, die noch heute g\u00fcltig sind und es k\u00fcnftig bleiben werden. Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. erwartet deshalb auch in der Zukunft viel Arbeit. F\u00fcr das n\u00e4chste Vierteljahrhundert w\u00fcnsche ich ihr dabei viel Gl\u00fcck, Erfolg und Zufriedenheit beim Br\u00fcckenschlag zu den Menschen im Nachbarland.\u201c<\/p>\n<p>Es folgten Aufs\u00e4tze von den Vorstandsmitgliedern \u00fcber ihre Arbeit, die Erfahrungen und die Erlebnisse w\u00e4hrend der letzten 25 Jahre. Hanno Jochimsen berichtete vor allem \u00fcber die politische Situation und Probleme mit den Verhandlungen mit den polnischen Regierungsvertretern. Gerd Hoffmann konzentrierte sich auf die Gr\u00fcndungsphase, Gro\u00dfveranstaltungen, Polnischen Tage in Hamburg und Hamburger Tage in Danzig\/Gda\u0144sk, die ein sehr wichtiger Aspekt der DPG Arbeit darstellt. Er er\u00f6rterte auch die Geschichte der Zusammenarbeit mit Rzesz\u00f3w und Resovia Saltans.<\/p>\n<p>Hans Mohn stellte einige Projekte vor, z.B. die Hilfstransporte nach Oberschlesien und Fahrten ins polnische Ostpreu\u00dfen und war davon \u00fcberzeugt, dass \u201eFreundschaft Grenzen \u00fcberwindet\u201c. Eine besonders herzliche Verbindung ergab sich mit der Evangelischen Gemeinde Sorquitten\/Sorkwity. Nach einem gemeinsamen Gottesdienst schloss Pastor Mutschmann aus dem kleinen masurischen Ort seine Predigt mit einem Dank an die deutschen G\u00e4ste, ohne deren Hilfe die forsche Entwicklung der Gemeinde nicht m\u00f6glich gewesen w\u00e4re.<\/p>\n<p>Jan Dolny stellte seine Arbeit mit Jugendlichen, Sportbegegnungen und die Reisen nach Polen dar. Sein Fazit: \u201eZahlreiche Jugendbegegnungen hat die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg durchgef\u00fchrt bzw. auf den Weg gebracht. Es wechselten die Programmpunkte, die Jugendlichen sowie die Vereine und Organisationen, mit denen wir zusammengearbeitet haben. Prinz Charles, den wir in Krakau im Wawel trafen, folgten andere Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens, die den Jugendlichen aufmunternde Worte sagten. Viele Menschen und vor allem das Deutsch-Polnische Jugendwerk haben diese Begegnungen gef\u00f6rdert. Ich selber erinnere mich dankbar an diese aufregenden Jahre. Es hat sich gelohnt, sich f\u00fcr den deutsch-polnischen Jugendaustausch einzusetzen.\u201c<\/p>\n<p>Die aus Dierschau\/Tczew stammende Aleksandra Jeszke- Zillmer hatte sich mit den Gr\u00fcnden ihrer Mitgliedschaft in der DPG auseinandergesetzt und endete mit der Feststellung, dass die Mitgliedschaft in der DPG ihre Integration in Hamburg wesentlich erleichtert hat. Ihre aus Stettin stammende Vorstandskollegin Teresa Lemke hatte die Arbeit der DPG in ihrer Heimatstadt bekannt gemacht und viele wertvolle Kontakte erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>Den Abschluss der Festschrift stellte ein Gastkommentar im Berliner \u201eTagesspiegel\u201c vom 1. Juli 1996 von Wojciech Pomianowski, damals der Berliner Korrespondent der Tageszeitung \u201eRzeczpospolita\u201c dar: (\u2026) \u201ePers\u00f6nliche Initiativen haben das deutsch-polnische Verh\u00e4ltnis nach dem Krieg gepr\u00e4gt. Ende der 50er Jahre kamen Lothar Kreysig und G\u00fcnter S\u00e4rchen mit der &#8220;Aktion S\u00fchnezeichen&#8221; (ostdeutscher Christen) nach Polen, kn\u00fcpften engen Kontakt zu katholischen Kreisen, etwa um die Krakauer Wochenzeitung &#8220;Tygodnik Powszechny&#8221;, darunter auch zu Anna Morawska, die den Polen schon direkt nach dem Krieg am Beispiel Dietrich Bonhoeffers beschrieben hatte, dass es in den schlimmen Jahren auch gute Deutsche gegeben hatte. Und da war Mieczyslaw Pszo\u0144, ein Pionier der Vers\u00f6hnung, der sp\u00e4ter Bevollm\u00e4chtigter der ersten nicht-kommunistischen Regierung f\u00fcr die Beziehungen zu Deutschland wurde. Es waren diese Kontakte, die den Boden sowohl f\u00fcr die ostdeutsche Wende im Herbst 1989 bereiteten als auch f\u00fcr die \u00dcberzeugung in Polen, dass die Vereinigung Deutschlands im polnischen Interesse liege, wie nicht zuletzt auch f\u00fcr die deutsche Unterst\u00fctzung einer Einbindung Polens in die europ\u00e4ischen Strukturen.<\/p>\n<p>In der alten Bundesrepublik wurden in den 70er Jahren nach dem Warschauer Vertrag in vielen St\u00e4dten Deutsch-Polnische Gesellschaften (DPG) gegr\u00fcndet. In Polen hatten sie lange nur ein zentralistisches Gegen\u00fcber. In den j\u00fcngsten Jahren aber sind vergleichbare Gesellschaften von unten entstanden. Auf diesem Weg lernten sich Tausende kennen, entwickelten sich St\u00e4dtepartnerschaften, vertieften sich pers\u00f6nliche Freundschaften. Gerd Hoffmann von der DPG Hamburg verschlug es bis in das s\u00fcdostpolnische St\u00e4dtchen Lubacz\u00f3w; bald besuchten Polen von der ukrainischen Grenzregion Deutschland, 150 Familien lernten sich kennen, ein unvergessliches und pr\u00e4gendes Erlebnis, wie Witold Kopa meint, der prompt eine Polnisch-Deutsche Gesellschaft in Lubacz\u00f3w gr\u00fcndete.<\/p>\n<p>So entstand nach dem Krieg aus vorsichtigen ersten Begegnungen nach und nach ein dichtes Netz von Bekanntschaften, das auf seine Art durchaus bei der L\u00f6sung praktischer Probleme im deutschpolnischen Verh\u00e4ltnis dienen k\u00f6nnte; diese &#8220;Lobby&#8221; von unten bietet sich auch als St\u00fctze f\u00fcr die gute Nachbarschaft an, zu der sich Deutschland und Polen in einem detaillierten Vertrag vom 17. Juni 1991 bekannt haben, dessen Unterzeichnung sich in wenigen Tagen zum f\u00fcnften Mal j\u00e4hrt. In der Bundesrepublik ist diese \u201eLobby\u201c noch schwach organisiert. Und so streben Markus Meckel (SPD), Vorsitzender des Polen-Arbeitskreises des Deutschen Bundestages, und Friedbert Pfl\u00fcger (CDU) danach, dass die lokalen DPGn sich unter dem Dach einer landesweiten Gesellschaft zusammenfinden.<\/p>\n<p>In Polen gibt es zwar mittlerweile auch eine ganze Reihe von engagierten Initiativen und Einzelpersonen, aber eine organisierte &#8220;Lobby&#8221; stellen sie zum Bedauern des Deutschland-Kenners Adam Krzemi\u0144ski nicht dar. Die Orientierung nach Deutschland hin ist in Gesellschaft und politischer Elite noch nicht tief verwurzelt. Zumal in der Parteipolitik herrscht der Primat der Innenpolitik. Medien und Schulen k\u00fcmmern sich noch sehr wenig um gute Nachbarschaft, auch an beachtenswerten Initiativen der Kirche mangelt es; und je gr\u00f6\u00dfer die Entfernung zur Grenze, desto geringer das Interesse. Die Bundesrepublik wird weit h\u00e4ufiger als Vermittler auf dem Weg in die europ\u00e4ischen Strukturen wahrgenommen, denn als strategischer Partner. Die Europa-Option ist nach wie vor mehr Ausdruck der polnischen Angst vor einer Isolation und vor einer Verst\u00e4ndigung der Nachbarn &#8220;\u00fcber unsere K\u00f6pfe hinweg&#8221; als ein historischer Wechsel der Orientierung in Richtung Europ\u00e4isierung und Verwestlichung. Dieser psychologische Umbruch muss sich erst noch vollenden. Die sogenannten einfachen Leute wie in Neuk\u00f6lln und Lubacz\u00f3w tragen ihren Teil dazu bei &#8211; als unverzichtbare \u00b4Lobby von unten`&#8221;.<\/p>\n<p>5.4.2 Die Festveranstaltung<\/p>\n<p>Die Festveranstaltung fand am 28. August.1997 im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel am Doormannsweg statt. Die Gru\u00dfworte sprachen die Pr\u00e4sidentin der Hamburgischen B\u00fcrgerschaft, Frau Ute Pape, und der damalige Gesandte der Republik Polen, Dr. Marek Prawda, der seit 2006 Botschafter der Republik Polen in Berlin ist. Die Festansprache hielt der Ehrenvorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, Dr. Hanno Jochimsen. \u201eResovia Saltans\u201c erfreute das Publikum mit polnischen, russischen und moldawischen T\u00e4nzen sowie polnischen Volkslieder. Maria Orawiec am Fl\u00fcgel mit Musik von Frederic Chopin sorgte f\u00fcr feierliche Stimmung. Als Rahmen der Veranstaltung diente eine kleine Ausstellung \u201e25 Jahre Deutsch-Polnische Gesellschaft\u201c, die die Etappen der geschichtlichen Entwicklung darstellte.<\/p>\n<p>Leider hat die Hamburger Presse das Ereignis wieder nicht wahrgenommen. Der Vorsitzende der DPG, Gerd Hoffmann, hat sich an die Redaktionen der Hamburger Zeitungen mit einem Schreiben gewandt, um die Entt\u00e4uschung auszudr\u00fccken. \u201eDie Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg, die in diesen Tagen ihr 25-j\u00e4hriges Bestehen feiern konnte, bedankt sich f\u00fcr die \u201egro\u00dfe Aufmerksamkeit\u201c, die unser Jubil\u00e4um in der Berichtserstattung des \u201eHamburger Abendblattes\u201c (der Bildzeitung, der Welt, der taz und des NDR\u2018s) gefunden hat. Um es deutlich zu sagen: Wir sind im hohen Masse entt\u00e4uscht von der Ignoranz, die leider ein weiteres Mal in Ihrer Zeitung festzustellen ist, obwohl Ihre Leserinnen und Leser unserer Meinung nach einen Anspruch haben, gerade \u00fcber v\u00f6lkerverbindende Aktivit\u00e4ten in unserer Stadt unterrichtet zu werden. (\u2026) Nach unserer Auffassung wird die Bedeutung der vielen Institutionen, Organisationen und Initiativen, die sich f\u00fcr die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung in Hamburg einsetzen, untersch\u00e4tzt, nicht ernst genommen, geschweige denn von den Hamburger Medien in ihrem positiven Wirken unterst\u00fctzt. Hinweise auf und eine Berichterstattung \u00fcber viele gute Veranstaltungen finden leider auch in Ihrer Zeitung kein entsprechendes Echo. (\u2026) Wenn wir nicht durch unsere jahrelange Arbeit auf einem schwierigen Feld \u201eKummer gewohnt\u201c w\u00e4ren, k\u00f6nnte man an den Medien \u201everzweifeln\u201c. Aber was soll\u00b4s.\u201c<\/p>\n<p>5. 5 Eine besondere Hilfsaktion \u2013 Oderflut 1997<\/p>\n<p>Die Wettermeldungen im polnischen Rundfunk am Freitag, dem 4. Juli 1997, sagten starke Regenf\u00e4lle f\u00fcr die kommenden Tage voraus. Den n\u00fcchternen Informationen des Rundfunksprechers entnahm ich jedoch mit gr\u00f6\u00dfter Sorge, dass sich, vor allem in den tschechischen und polnischen Grenzregionen, etwas zusammenbraut, das auf eine ziemlich bedrohliche Wetterlage hindeutete. Da ich in wenigen Tagen mit dem Pkw nach Krakau reisen wollte, um dort den von der Deutsch\u2013Polnischen Gesellschaft G\u00f6ttingen eingerichteten Polnischkurs zu betreuen, rief ich umgehend meinen Freund Kazimierz Porczak in meiner ehemaligen, an der tschechischen Grenze gelegenen Heimatstadt Neustadt\/Prudnik an, um mich nach der Lage vor Ort zu erkundigen. Dorthin wollte ich zun\u00e4chst fahren und mich \u00fcber den Fortschritt der Renovierungsarbeiten im Heim f\u00fcr schwerbehinderte Kinder und Jugendliche zu informieren. Kazimierz war dessen Leiter, und zu dem Heim bestanden seitens der Hamburger DPG gute Beziehungen.<\/p>\n<p>Noch etwas au\u00dfer Atem teilte mir mein Freund damals mit, dass er gerade von einer Sitzung des Stadtrates k\u00e4me. Er berichtete dann mit Besorgnis, dass es im Neust\u00e4dter Kreis wie in anderen bedrohten Gebieten, Hochwasserwarnungen gegeben h\u00e4tte und ein Krisenstab eingerichtet werden sollte. Der beschaulich aus dem Gebirge herabpl\u00e4tschernde, sich in der Stadt mit dem Prudnik-Fluss vereinende Goldbach sollte eine Gefahr f\u00fcr die Einwohner bedeuten? F\u00fcr mich damals ein unvorstellbarer Gedanke! Der Regen h\u00f6rte 28 Tage lang nicht auf. Die Folgen der sp\u00e4ter in Polen zur \u201eFlut des Jahrtausends\u201c erkl\u00e4rten Hochwasserkatastrophe k\u00f6nnen wir heute, mehr als drei\u00dfig Jahre danach, mit n\u00fcchternen Zahlen kurz darstellen:<\/p>\n<p>54 Menschen verloren in den rei\u00dfenden Fluten der Oder ihr Leben.<br \/>\n106.000 hilflose Einwohner der \u00fcberfluteten Gebiete mussten evakuiert werden.<br \/>\n47.000 Wohn \u2013 und Wirtschaftsgeb\u00e4ude wurden total \u00fcberflutet.<br \/>\n465.000 Hektar Nutzfl\u00e4che standen unter Wasser, davon 147.000 ha Gr\u00fcnfl\u00e4che.<br \/>\n\u00dcber 2.000 km Stra\u00dfen- und Bahnstrecken mit insgesamt 1.700 Br\u00fccken und<br \/>\nVerkehrsdurchl\u00e4ssen wurden total zerst\u00f6rt.<\/p>\n<p>In Neustadt\/Prudnik konnte ich mich von der Zerst\u00f6rungskraft der rei\u00dfenden Fluten ehemals so beschaulicher Fl\u00fcsse und B\u00e4che pers\u00f6nlich \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Ich animierte die Hamburger Rundfunkjournalistin Ingrid Heinisch zu einer Reportage aus den Hochwassergebieten. Nach Abschluss des Sprachkurses in Krakau bereisten wir gemeinsam die \u00fcberfluteten Gebiete im Oppelner Land und sprachen mit Menschen, die ihr gesamtes Hab und Gut verloren hatten. Der Bericht geh\u00f6rte zu den ersten Reportagen aus den polnischen Hochwassergebieten.<\/p>\n<p>In der DPG Hamburg entstand eine \u00e4hnliche Welle der Verbundenheit mit den leidgepr\u00fcften Menschen, wie wir sie schon 1981 bei der Aktion \u201ePakete der Solidarit\u00e4t\u201c erlebt hatten. In Deutschland riefen viele Organisationen zu Geld- und Sachspenden f\u00fcr unsere polnischen Nachbarn auf, auch in Hamburg. Hier m\u00f6chte ich besonders den Aufruf \u201eHilfe f\u00fcr die Flutopfer in Polen\u201c des NDR nennen. Der ehemalige Hamburger Schulsenator Joist Grolle regte einen Spendenaufruf an, mit dem alle aktiven und pensionierten P\u00e4dagogen und Mitarbeiter der Hamburger Schulen und \u00c4mter gebeten wurden, den hochwassergesch\u00e4digten Schulen in Polen und deren Sch\u00fclern, Eltern und Lehrern mit einem pers\u00f6nlichen Beitrag zu helfen. Diesen Aufruf \u201eNachbarn in Not \u2013 Schulen in Not\u201c, gemeinsam unterzeichnete vom Landeschulrat Peter Daschner sowie der Landesvorsitzenden Anna Ammon (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft), Peter Braasch (Deutscher Lehrerverband) und Gerd Hoffmann (Deutsch\u2013Polnische Gesellschaft), fand in Hamburg aber auch in Polen selbst gro\u00dfe Beachtung. Aus dem Spendenaufkommen des NDR \u201eHilfe f\u00fcr die Flutopfer in Polen\u201c erhielt die Hamburger Aktion \u201eNachbarn in Not \u2013 Schulen in Not\u201c 600.000 DM mit der Auflage, diesen Betrag zweckm\u00e4\u00dfig und sinnvoll zu verwenden.<\/p>\n<p>Einem polnischen Komitee unter der Leitung des Vizepr\u00e4ses des Lehrerverbands (ZNP) S\u0142awomir Broniarz oblag die Auswahl der zu unterst\u00fctzenden Bildungseinrichtungen. Insgesamt blieb die Hamburger Kommission f\u00fcr die Durchf\u00fchrung verantwortlich, besonders gegen\u00fcber den Spendern und vor allem dem NDR.<\/p>\n<p>Am 11. Oktober 1997 reiste ich mit meinem Vorstandskollegen Peter Krup, der seit vielen Jahren als \u201eBeauftragter f\u00fcr die p\u00e4dagogischen Beziehungen des Amtes f\u00fcr Schule mit Polen\u201c und im Vorstand der DPG mit \u00e4hnlichem Schwerpunkt t\u00e4tig war, auf Einladung des polnischen Komitees nach Polen. Unsere erste Station auf der \u00fcber 2.000 km langen Reise von Hamburg durch die vom Hochwasser betroffenen Gebiete war Neustadt\/Prudnik. Wir konnten erreichen, dass hier zwei kleine, von den Fluten besch\u00e4digte Dorfschulen und das Heim f\u00fcr schwerbehinderte Jugendliche eine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die notwendigen Reparaturarbeiten erhielten, obwohl mein Heimatkreis nicht zu den Priorit\u00e4tsgebieten der Spendengelder geh\u00f6rte. Damals galt: Hilfe statt B\u00fcrokratie! Schon in Breslau\/Wroc\u0142aw sahen wir die unglaublichen Sch\u00e4den, die die \u00fcber die Stadt hereinbrechenden Fluten der Oder anrichteten. Unsere polnischen Freunde, mit denen wir in einem Pkw (Marke Polonez) fast ganz Ober- und Niederschlesien bereisten, zeigten uns alle Schulen, die mit den Hamburger Spendengeldern weitgehend saniert werden konnten: Grundschulen, Berufsschulen, Gymnasien, Kinderg\u00e4rten und Waisenh\u00e4user. Dank der Hamburger Hilfe, davon konnten wir uns vor Ort \u00fcberzeugen, w\u00fcrden schon bald wieder Tausende Sch\u00fcler in den neuen Schulb\u00e4nken sitzen und Hunderte Lehrer das Wissen an die Schuljugend vermitteln.<\/p>\n<p>Wir baten alle polnischen Freunde, uns nicht als kontrollierende \u201eVisitatoren\u201c zu betrachten. Vielmehr wollten wir den Menschen in Hamburg berichten, mit wie viel Anstrengung die Menschen in Polen daran arbeiteten, um die unglaublich schlimmen Sch\u00e4den der \u00dcberschwemmung zu beseitigen. Und das mit einem Erfolg, dem wir nur unseren Respekt zollen konnten. Und ich muss gestehen, dass mein Gl\u00fcckgef\u00fchl noch lange anhielt<\/p>\n<p>Durch den Bericht \u00fcber unsere Reise angeregt, setzten unsere Mitglieder die Sach- und Geldspendenaktion fort. Unser B\u00fcro in Saling 9 war zwei Tage lang mit gebrauchter und neuwertiger Bekleidung bis auf das letzte Fleckchen vollgef\u00fcllt. Diese Kleiderspenden, die ich mit meinen Freunden vom Prudniker Heim f\u00fcr schwerbehinderte Jugendliche von Spendern in fast allen Hamburger Stadtteilen abholen durfte, waren von sehr hoher Qualit\u00e4t und so \u00fcberaus zahlreich, dass nicht nur die von Kazimierz Porczak betreuten Kinder und Jugendlichen, sondern auch viele notleidende Menschen in Prudnik sich dar\u00fcber freuen konnten.<\/p>\n<p>Welche freudige \u00dcberraschung war f\u00fcr meine Freunde aus Prudnik der Besuch des Gymnasiums D\u00f6rpsweg. Es war der 12. Dezember, ein Sonntag. Die Sch\u00fcler und das Lehrerkollegium \u00fcberreichten den zu Tr\u00e4nen ger\u00fchrten polnischen G\u00e4sten einen \u201eerlaufenen\u201c Betrag in H\u00f6he von 7.003,11 DM! \u00dcber f\u00fcnf Stunden hatten die Sch\u00fcler aller Klassen des Gymnasiums mit selbstgebastelten Staffelh\u00f6lzern Runde um Runde auf dem Sportplatz \u201egedreht\u201c und sich jeden gelaufenen Kilometer von einem selbst gesuchten Sponsor bezahlen lassen.<\/p>\n<p>Auch 1998 verga\u00df Hamburg die unter besonders strengem Winter leidende Bev\u00f6lkerung der Hochwassergebiete nicht. In einem gemeinsam von der Gemeinde der Christuskirche Wandsbek, der Neuen Gesellschaft und der DPG organisierten Benefiz-Konzert erlebten 350 Hamburger in der vollbesetzten Wandsbeker Christuskirche ein einmaliges Konzert, bei dem Hamburger Ch\u00f6re unter der Leitung des bekannten Dirigenten Kazuo Kanemaki und viele internationale, in Hamburg lebende K\u00fcnstler die begeisterten Zuh\u00f6rer mehrere Stunden an die Kirchenb\u00e4nke fesselten. Gespendet wurden \u00fcber 4.000,00 DM.<\/p>\n<p>Nur wenige Tage sp\u00e4ter wurde ich mit einer weiteren \u201eSpende\u201c f\u00fcr die \u2013 wie Kirsten, eine Freundin unserer Kinder, es ausdr\u00fcckte \u2013 \u201eGute Sache\u201c konfrontiert: Ihre Firma h\u00e4tte einige gebrauchte, aber sehr gut erhaltene Personal Computer abzugeben. Diese k\u00f6nnte man doch den vom Hochwasser gesch\u00e4digten Schulen in Polen anbieten. Deren Computer h\u00e4tten bestimmt Totalsch\u00e4den erlitten. Ich nahm das Angebot sofort an und begab mich aber zugleich in eine Zwickm\u00fchle. Aus \u201eeinigen Computern\u201c wurden n\u00e4mlich etwa hundert komplette \u201ePC- Anlagen\u201c. Unser B\u00fcro in Saling 9 war viel zu klein, um diese Menge aufzunehmen. Also nicht annehmen? Auf keinen Fall! Gerd Hoffmann bat unser Mitglied Maximilian Klumpp, Inhaber einer Werkzeugfirma, um Hilfe. Einen Gro\u00dfteil der \u201eSachspende\u201c konnten wir f\u00fcr einige Tage in dessen Fabrikr\u00e4umen lagern, doch ich stand nun vor der Frage: \u201eWie kann ich die Computer in Richtung Polen \u201eloswerden\u201c? Meine ganze Hoffnung lag jetzt bei unseren Freunden in der Polnischen Lehrergewerkschaft ZNP. Der inzwischen zum Vorsitzenden gew\u00e4hlte S\u0142awomir Broniarz war \u00fcber meinen Anruf nicht nur erfreut, sondern zeigte sich unglaublich kooperativ. Innerhalb weniger Tage wollte er pers\u00f6nlich mit einigen \u201eExperten\u201c nach Hamburg kommen, um die Ger\u00e4te auf deren \u201eSchultauglichkeit\u201c zu pr\u00fcfen. Im Februar 1998 trafen vier Freunde aus Polen ein, unter ihnen Krzysztof Tracz, der sich bescheiden als \u201e Mensch f\u00fcr die Computer\u201c vorstellte. Doch gerade von seinem Urteil hing es ab: Fahren die \u00fcber hundert Ger\u00e4te nach Polen, oder muss ich mich um deren Entsorgung k\u00fcmmern? Krzysztof Tracz entschied auf den ersten Blick: \u201eAb nach Polen!\u201c Wir alle lagen uns voller Freude in den Armen!<\/p>\n<p>Vermutlich werden auch einige von Ihnen Erinnerungen an die Oderflut des Jahres 1997 haben. Diese m\u00f6gen weitaus dramatischer und detaillierter sein. Ich habe meine Erinnerungen aufgeschrieben, weil es mir wichtig erschien, f\u00fcnfzehn Jahre danach noch einmal an die Ereignisse zu erinnern: Das darf nicht in Vergessenheit geraten, um allen Menschen zu danken, die damals spontan gemeinsam mit der Deutsch\u2013Polnischen Gesellschaft &#8211; ihre Solidarit\u00e4t zu unseren polnischen Nachbarn bewiesen haben. Danke!<br \/>\n(Jan Dolny)<\/p>\n<p>5.6 Umwelt und \u00d6kologie<\/p>\n<p>Einen besonderen Schwerpunkt bildete die DPG Hamburg mit ihrem Arbeitskreis \u201e\u00d6kologie und Umwelt\u201c Anfang der 90er Jahre, den von Anfang an Hartwig Zillmer leitet und gestaltet. Dieser Arbeitskreis organisierte federf\u00fchrend die drei Deutsch-Polnischen Umweltkongresse in Hamburg (1996), Szczecin\/Stettin (1998) und Bromberg\/Bydgoszcz (2001). Der Arbeitskreis ist als Partner im deutsch-polnischen Umweltdialog und in der Planung und Durchf\u00fchrung von konkreten Umweltprojekten sowohl in Polen als auch in Deutschland anerkannt. Beispiele f\u00fcr diese T\u00e4tigkeit waren die Aktion \u201eSauberer See Sudomnie\u201c in der Kaschubischen Schweiz, Mitte der 90er-Jahre, ein Umwelt-Kommunikationsprojekt mit ca. 150 Schulen in der Region Lodz\/\u0141\u00f3d\u017a (als Kooperationspartner der Deutschen Bundesstiftung Umwelt) oder das Umweltzentrum Schloss Schwarzbach\/Czarne bei Hirschberg\/Jelenia G\u00f3ra, das seit der Gr\u00fcndung 1990 unterst\u00fctzt wird.<\/p>\n<p>Vierzig Jahre Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg &#8211; das sind vierzig Jahre Bem\u00fchungen, Auseinandersetzungen und K\u00e4mpfe um eine deutsch-polnische Auss\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung und Suche nach einer gemeinsamen Zukunft nach dem Motto: &#8220;Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg&#8221; und dem Ziel, individuell, aber auch gemeinsam einen Beitrag f\u00fcr Toleranz, Pluralismus und eine gesicherte, friedliche Entwicklung in einem sozialen und gerechten Europa der Regionen zu leisten. Vor diesem Hintergrund wuchsen seit 1990 verst\u00e4rkt die Bem\u00fchungen um einen deutsch-polnischen Dialog, der die Umweltfragen und die \u00f6kologischen Zusammenh\u00e4nge zum Themenschwerpunkt im Verh\u00e4ltnis zwischen Polen und Deutschland, zwischen Polen und Deutschen machte. Das Bed\u00fcrfnis kam gleichzeitig von beiden Seiten.<\/p>\n<p>Schon 1983 sorgten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft Umwelt und \u00d6kologie der DPG Hamburg durch Unterst\u00fctzung einer der ersten B\u00fcrgerinitiativen in Polen seit dem Verbot der \u201eSolidarnosc\u201c in 1981 daf\u00fcr, dass inmitten des riesigen Obstanbaugebietes s\u00fcdlich von Warschau eine permanent brennende und stinkende M\u00fcllkippe nach einem Jahr Kampf geschlossen wurde.<\/p>\n<p>Vor der Wende 1989 gab es vielf\u00e4ltige, aber auch kontroverse Debatten mit Freundinnen und Freunden \u00fcber &#8220;die&#8221; Umweltbewegung im Westen im Vergleich zu der damaligen Umwelt-Situation in Polen. Zum Jahreswechsel 1989\/90 waren Hartwig Zillmer und seine Frau Aleksandra zu dem ersten (und einzigen) deutsch(west)-deutsch(ost)-polnischen Umwelttreffen in Schreiberhau\/Szklarska Por\u0119ba (Sudeten) eingeladen, mitten im Zentrum des &#8220;Schwarzen Dreiecks&#8221; von Polen, Tschechien und Deutschland (in der heutigen Euroregion Nei\u00dfe), einem Gebiet in der Mitte Europas mit einer fehlgeleiteten industriellen Entwicklung, die mit ihrem zerst\u00f6rerischen Potential \u00fcberall sichtbar war. Seitdem gibt es eine Arbeitsgemeinschaft Umwelt und \u00d6kologie in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg &#8211; und eine herzliche, dauerhafte Freundschaft mit dem \u201eZentrum f\u00fcr \u00f6kologische Kultur\u201c im Schloss Schwarzbach\/Czarne.<\/p>\n<p>Es war ein gl\u00fccklicher Umstand, dass es ab 1992 die gemeinsamen Kongresse der Deutsch-Polnischen und Polnisch-Deutschen Gesellschaften gab. F\u00fcr die deutschen und polnischen Aktivisten war es unbestritten, dass &#8220;Umwelt und \u00d6kologie&#8221; Thema einer Arbeitsgruppe sein m\u00fcsste. Und so haben sie sich an allen Kongressen aktiv mit einem jeweiligen Umweltthema beteiligt. Anfangs wenig beachtet, manchmal bel\u00e4chelt, wegen der praktischen, projektorientierten, sowie verl\u00e4sslichen und kontinuierlichen Arbeit aber auch beneidet. Nicht alle waren froh dar\u00fcber, dass es diese Aktivit\u00e4ten innerhalb der Deutsch-Polnischen und Polnisch-Deutschen Gesellschaften gab bzw. noch gibt. Es wird nichts geschenkt, die Themen m\u00fcssen durchgesetzt, die Anderen m\u00fcssen davon \u00fcberzeugt und begeistert werden. Das ist in Polen nicht anders als in Deutschland.<\/p>\n<p>Der von uns mitorganisierte erste (von dreien) Deutsch-Polnische Umweltkongress in Stettin\/ Szczecin im Oktober 1995 stand unter dem Motto &#8220;Polen und Deutsche gemeinsam auf dem Weg zur \u00f6kologischen Erneuerung. Regionale und kommunale Umsetzung der AGENDA 21&#8243;. Im Bewusstsein, dass in beiden L\u00e4ndern &#8211; unter verschiedenen historischen und \u00f6konomischen Bedingungen &#8211; Fragen der Umwelt und \u00d6kologie bisher nachrangig behandelt wurden und es schwere S\u00fcnden wie auch positive Ans\u00e4tze gab und gibt, geht es seit diesem Kongress in unserer Arbeit nicht prim\u00e4r darum, die \u00f6kologische Situation des jeweiligen Landes genau zu analysieren, sondern um eine konstruktive Diskussion \u00fcber gemeinsame Ziele und Projekte sowie die zuk\u00fcnftige Zusammenarbeit der Menschen beider L\u00e4ndern. Unsere Bem\u00fchungen gingen dahin, den Stellenwert \u00f6kologischen Handelns und Denkens in der Arbeit zu vermitteln und bestehende Ans\u00e4tze zu verst\u00e4rken. Dabei waren globale Leitlinien wie die AGENDA 21 der Welt-Umwelt-Konferenz von 1992 in Rio de Janeiro ebenso zu ber\u00fccksichtigen, wie die zwischenstaatlichen und heute europ\u00e4ischen Umweltvereinbarungen mit Leben zu f\u00fcllen. Auch sind regionale Bed\u00fcrfnisse wie z.B. in der Umwelterziehung zu f\u00f6rdern. Seit Polen 2004 Mitglied in der EU wurde, erhielt der bilaterale deutsch-polnische Umweltdialog eine europ\u00e4ische Dimension, insbesondere bei Energiefragen.<\/p>\n<p>\u00dcber die Arbeitsgemeinschaft, die AG Umwelt und \u00d6kologie (komisja ekologiczna), hie\u00df es im Abschlussbericht des Stettiner Kongresses: \u201eDie AG machte Probleme deutlich, die von regierungsamtlichen Seiten zum Teil bagatellisiert oder geleugnet werden. Die AG-Arbeit verk\u00f6rpert daher das \u00f6kologische Gewissen beider L\u00e4nder, weil unbequeme Fragen in das Licht der \u00d6ffentlichkeit kommen. Die Arbeit ist daher nicht nur f\u00fcr die Rettung der Natur, sondern auch f\u00fcr Erhaltung und Entwicklung demokratischer Verh\u00e4ltnisse in Deutschland und Polen notwendig.&#8221; Das gilt bis heute. Wir hatten und haben viele Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner in fast allen St\u00e4dten und Regionen in beiden L\u00e4ndern. Aus der kleinen Hamburger Arbeitsgruppe ist eine \u00fcberregional arbeitende und vernetzte Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr alle Deutsch-Polnischen und Polnisch-Deutschen Gesellschaften (und andere Organisationen) geworden!<\/p>\n<p>Zwischen 1991 und 2012 nahm die AG an vielen verschiedenen Kongressen, Konferenzen, Seminaren und anderen Aktivit\u00e4ten mit Umweltthemen und wirtschaftlichen Fragen teil. Aus dieser Vielzahl von Aktivit\u00e4ten haben sich aktuell &#8220;betreute&#8221;, langfristig angelegte Projekte ergeben. Dazu geh\u00f6ren: u.a. die Energiepolitik, Sicherung der Energieressourcen, europ\u00e4ische Klimapolitik und Erziehung zur Nachhaltigkeit. Die aktuellen Themen sind schwerwiegend und kontrovers: Deutschland beschlie\u00dft z. B, aus der Atomenergie auszusteigen und setzt auf die \u201eErneuerbaren Energien\u201c und nachwachsende Rohstoffe; Polen plant dagegen, in 20 Jahren ein Atomkraftwerk zu bauen und ist von der Kohle abh\u00e4ngig. Beide Regierungen sind den gesetzlichen Vorgaben und politischen Zielen der EU und Weltgemeinschaft zur CO2 \u2013Reduzierung verpflichtet. In dieser Situation ist es gelungen, dass das Bundesministerium f\u00fcr Forschung und Bildung seit dem 1.Juni 2012 die erste Phase eines von der DPG Hamburg eingereichten Projekts mit dem Titel \u201eDeutsch-Polnische Bioenergiepartnerschaft auf kommunaler Ebene\u201c finanziert. Es hat das Ziel, eine deutsche Gemeinde, Lassan, in Mecklenburg-Vorpommern, und eine polnische, Schloppe\/Cz\u0142opa, in Westpommern\/Zachodniopomorskie, jeweils zu Bioenergiegemeinden zu entwickeln. Die Universit\u00e4ten Rostock und Stettin\/Szczecin und weitere Institute werden diesen Prozess wissenschaftlich begleiten. Als Nebeneffekt ergab sich eine enge Zusammenarbeit mit der DPG Mecklenburg-Vorpommern. Dieses Vorhaben kann zu einem Modellprojekt im Sinne des EU-Klima &#8211; und Energiekonzeptes werden und den von der EU gef\u00f6rderten wachstumsorientierten Investitionen wertvolle Impulse in Polen und Deutschland geben. Diese Prozesse aktiv zu unterst\u00fctzen ist eine Herausforderung f\u00fcr die Deutsch-Polnischen und Polnisch-Deutschen Gesellschaften und entspricht ihren Aufgaben und gesetzten Zielen. (Hartwig Zillmer)<\/p>\n<p>5.7 Zusammenarbeit mit den Hamburger Institutionen und Organisationen<\/p>\n<p>Schon von Beginn ihrer T\u00e4tigkeit an hat die DPG Hamburg f\u00fcr ihre Verst\u00e4ndigungsarbeit die Zusammenarbeit mit Hamburger Institutionen und Organisationen gesucht. Besonders intensiv war bzw. ist die Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie Hamburg, der Evangelischen Akademie Hamburg (leider nicht mehr existent), der Neuen Gesellschaft Hamburg, der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung, der Senatskanzlei, der Friedrich-Ebert-Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Carl-T\u00f6pfer-Stiftung, der Beh\u00f6rde f\u00fcr Bildung und Sport, der Kulturbeh\u00f6rde, dem Volksbund Deutscher Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge, dem F\u00f6rderkreis Rettet die Nikolaikirche (heute F\u00f6rderkreis Mahnmal St. Nikolai), der Handelskammer Hamburg und der Handwerkskammer sowie nicht zu vergessen Schulen und Hochschulen.<\/p>\n<p>Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg<br \/>\nDie nach dem Ersten Weltkrieg wieder begr\u00fcndete Republik Polen unterhielt seit dem 1. Februar 1921 ein Generalkonsulat in Hamburg. Die Schlie\u00dfung erfolgte in den ersten Kriegstagen im September 1939. Nach der Befreiung 1945 wurde f\u00fcr kurze Zeit erneut ein Konsulat er\u00f6ffnet, das aber wegen der Ost-West-Spannungen 1950 geschlossen wurde. Erst 1991 unter neuen au\u00dfenpolitischen Bedingungen entstand wieder polnisches ein Generalkonsulat mit Sitz in Winterhude. (M. Joho, 2011, 11f) Das \u201eHamburger Abendblatt\u201c vermerkte das Ereignis am 19.06.1991: \u201e Einen Tag nach der Unterzeichnung des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags in Bonn hat Hamburgs neuer Generalkonsul Marek Rzeszotarski seinen Antrittsbesuch im Rathaus gemacht. B\u00fcrgermeister Henning Voscherau \u00fcberreichte ihm das Exequatur, die Best\u00e4tigungsurkunde. Der 43 Jahr alte Germanist war der erste polnische Generalkonsul nach dem Zweiten Weltkrieg (\u2026).\u201c<\/p>\n<p>Sein Nachfolger im Amt war von 1995 bis 2001 Mieczys\u0142aw Soko\u0142owski. Von 2001 bis 2005 hat die Funktion des Generalkonsuls der geb\u00fcrtige Krakauer und promovierter Jurist Andrzej Kremer (1961-2010) ausge\u00fcbt, der nach der R\u00fcckkehr in das Au\u00dfenministerium zum stellvertretenden Au\u00dfenminister aufstieg. Kremer geh\u00f6rt zu den Opfern des tragischen Ungl\u00fccks am 10. April 2010, als eine hochrangige Delegation unter Leitung des polnischen Staatspr\u00e4sidenten Lech Kaczynski auf dem Weg zu einer Gedenkveranstaltung bei Smolensk mit dem Flugzeug abst\u00fcrzte. Zu den kulturellen H\u00f6hepunkten in seiner Amtszeit geh\u00f6rte Ende April 2004 ein Konzert der \u201eHamburger Camerata\u201c anl\u00e4sslich des unmittelbar bevorstehenden Beitritts Polens in die EU. Unter den \u00fcber 700 G\u00e4sten in der Jacobikirche befanden sich auch zahlreiche Mitglieder der DPG. (M. Joho, 2011, 112)<\/p>\n<p>Sein Nachfolger, Jan Granat erfreute sich trotz kurzer Amtsdauer gro\u00dfer Beliebtheit in der Stadt. Das Generalkonsulat hatte das Polnische Jahr unterst\u00fctzt, das von Mai 2005 bis Mai 2006 in der Zusammenarbeit zwischen der polnischen und der deutschen Regierung organisiert wurde. Die Hamburger hatten die M\u00f6glichkeit, verschiedene Lesungen, Konzerte und Ausstellungen zu besuchen. Das Ziel der Veranstaltungen war, wie die beiden Schirmherren, Bundespr\u00e4sident Horst K\u00f6hler und Staatspr\u00e4sident Aleksander Kwasniewski, betonten: \u201ePolen und Deutsche besser mit Kultur, Geschichte und Gegenwart des jeweils anderen Landes vertraut zu machen und sich f\u00fcr den anderen zu interessieren und einzunehmen\u201c (Brosch\u00fcre zum Deutsch-Polnischen Jahr 2005,3). Auch die DPG beteiligte sich an den zahlreichen Veranstaltungen.<\/p>\n<p>Jan Granat folgte im August 2008 Andrzej Osiak, der das neue, junge Polen repr\u00e4sentiert. Viel Aufmerksamkeit fand die von ihm konzipierte Ausstellung \u201eGr\u00f6\u00dfte H\u00e4rte -Verbrechen der Wehrmacht in Polen September\/Oktober 1939\u201c am 1. September 2009, genau 70 Jahre nach dem \u00dcberfall Nazi-Deutschlands auf Polen, am Mahnmal Nikolaikirche. Zu seinem gro\u00dfen Verdienst geh\u00f6rt auch die Herausgabe des Buches \u201ePolnisches Leben in Hamburg \u2013 \u015aladami Polak\u00f3w w Hamburgu\u201c, die in der Zusammenarbeit mit der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung 2011 entstand und in dem der Autor in einem Kapitel auch die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg ausf\u00fchrlich beschreibt.<\/p>\n<p>Den Autor Michael Joho unterst\u00fctzten unsere Vorstandsmitglieder Aleksandra Jeszke-Zillmer, Hartwig Zillmer und unser Ehrenmitglied Jan Dolny. Die Idee f\u00fcr dieses Buch stammt bereits von Dr. Andrzej Kremer. (M. Joho, 2011,7) Als Ergebnis der Zusammenarbeit mit der Ehefrau des Konsuls Frau Agnieszka Ko\u015bcielniak-Osiak entstand eine ausgezeichnete polnische \u00dcbersetzung.<\/p>\n<p>Die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Generalkonsulat der Republik Polen und unserer Gesell-schaft war und ist, unabh\u00e4ngig von der personellen Besetzung im Generalkonsulat, von gegenseitiger Wert-sch\u00e4tzung gepr\u00e4gt. Es findet ein st\u00e4ndiger Informationsaustausch zwischen dem Generalkonsulat und dem Vorstand der Gesellschaft statt. Veranstaltungen werden nach gegenseitiger Absprache organisiert bzw. es wird wechselseitig der jeweilige Empf\u00e4ngerkreis von Informationen \u00fcber Veranstaltungen informiert.<\/p>\n<p>6. Polen in der EU \u2013 neue Chancen im deutsch-polnischen Dialog<\/p>\n<p>Ein Traum ist f\u00fcr Polen am 1. Mai 2004 Realit\u00e4t geworden, der Staat fand den Platz, den es f\u00fcr sich selbst immer gesehen hat, n\u00e4mlich als Land im Zentrum Europas. Mit den anderen Beitrittsl\u00e4ndern begann f\u00fcr Polen, f\u00fcr Deutschland und f\u00fcr Europa nun eine neue Zeit, in der alle Menschen in Europa vor neue Herausforderungen gestellt wurden. Mit der Aufnahme Polens in die EU begann auch eine neue Phase der bilateralen Beziehungen. Die ge\u00e4nderte Situation brachte durchaus auch noch manche Probleme, die gemeinsam bew\u00e4ltigt werden mussten. Es galt einige Stolpersteine zu beseitigen, wenn die deutsch-polnische Nachbarschaft sich weiter entwickeln soll.<\/p>\n<p>Deutschland und Polen wurden Partner in der EU. Beide L\u00e4nder versprachen sich eine Vertiefung der Zusammenarbeit im politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, \u00f6kologischen und zivilgesellschaftlichen Bereich. Mit der Aufnahme in die EU waren die Voraussetzungen geschaffen, die angespannten deutsch-polnischen Beziehungen zu verbessern, denn \u201edie Deutschen verstehen die Polen nicht mehr, und die Polen vertrauen den Deutschen nicht mehr\u201c, wie es Janusz Reiter im DIALOG 65\/2004 formulierte. Er setzte fort: \u201eAuf der deutschen Seite herrschte in den letzten Jahren eine gewisse Selbstzufriedenheit. Das polnische Thema schien abgehakt zu sein. Daran war auch etwas Wahres, denn wir haben schlie\u00dflich einen gemeinsamen Erfolg errungen: die Aufnahme Polens in die NATO und EU ist ja beachtenswert. Doch es war schon seit l\u00e4ngerem zu beobachten, dass die Schw\u00e4che unserer Beziehungen nach Erreichen dieses gemeinsamen Ziels offenbar werden w\u00fcrde.\u201c<\/p>\n<p>Trotz der pessimistischen Einsch\u00e4tzung von Janusz Reiter ist das Interesse an Polen als Mitglied der Europ\u00e4ischen Union ohne Zweifel st\u00e4rker geworden, das l\u00e4sst sich nicht nur ganz allgemein feststellen, sondern wurde auch bei Aktivit\u00e4ten der DPG Hamburg deutlich. So fanden beispielsweise die von der Gesellschaft organisierten Studienfahrten seit mehreren Jahren wieder ein steigendes Interesse. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>6.1 Jahreskongresse der DPG Bundesverband und 2007 in Hamburg<\/p>\n<p>Da nach der Wende 1989 ein Dialogbed\u00fcrfnis mit Polen und seinen Menschen besonders ausgepr\u00e4gt war, wurde von dem damaligen Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung (ab 1995 Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband) und Vorsitzenden der DPG Hamburg Dr. Hanno Jochimsen vorgeschlagen, gemeinsame deutsch-polnische Kongresse zu veranstalten, auf denen sich die Menschen treffen k\u00f6nnten, die im Br\u00fcckenbau zwischen beiden L\u00e4ndern engagiert und guten Willens sind. Dabei sollte die Zusammenarbeit \u00fcber das deutsch-polnische Magazin DIALOG hinaus, weiter entwickelt werden. Beginnend mit dem ersten Kongress, der im Sommer 1992 in Berlin stattfand, wurden gemeinsam jedes Jahr ein deutsch-polnischer Kongress unter dem Motto \u201eDeutsche und Polen gemeinsam in Europa\u201c, jeweils wechselnd in einer deutschen oder polnischen Stadt, durchgef\u00fchrt, und zwar in Stettin\/Szczecin 1993, Wolfsburg 1994, Bielsko-Bia\u0142a 1995, G\u00f6rlitz\/Zgorzelec 1996, Danzig\/Gda\u0144sk 1997, Suhl 1998, Rzesz\u00f3w 1999, Bremen 2000, Lissa\/Leszno 2001, Frankfurt\/Main 2002, und Krakau\/Krak\u00f3w 2003.<\/p>\n<p>Obwohl das Interesse und die Teilnehmerzahlen an diesen Kongressen st\u00e4ndig zunahm, sahen sich die Organisatoren auf beiden Seiten aus finanziellen Gr\u00fcnden gezwungen, das bew\u00e4hrte Organisationsmuster zu \u00e4ndern, da die notwendige F\u00f6rderung aus \u00f6ffentlichen und privaten Mitteln nicht mehr sichergestellt werden konnte. Fortan fanden die bisherigen gemeinsamen Kongresse als Arbeitstagungen des deutschen Bundes- und des polnischen Landesverbandes bei gegenseitigen Einladungen jeweils in Deutschland (Hannover 2004, Zinnowitz 2005,Berlin 2006, Hamburg 2007, Magdeburg 2008, Versmold 2009, Kiel 2010, Frankfurt\/Oder 2011) und in Polen (u.a. Posen\/Pozna\u0144, Bromberg\/Bydgoszcz, Danzig\/Gda\u0144sk) statt. Der n\u00e4chste Kongress findet Anfang November 2012 im Hambacher Schloss bei Neustadt\/Weinstra\u00dfe statt.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der Kongresse wird seit 2005 der \u201eDIALOG-Preis\u201c verliehen. Der Preis ist nicht dotiert und besteht aus einem Kunstobjekt und einer Urkunde. Mit dem Preis wurden Personen, Institutionen, Initiativen, Medienprojekte und Redaktionen ausgezeichnet, die sich f\u00fcr die Vertiefung der deutsch-polnischen Beziehungen engagiert haben.<\/p>\n<p>Die Jahrestagung des Bundesverbandes 2007 fand in Hamburg statt. Die Gru\u00dfworte auf der Er\u00f6ffnungsveranstaltung im Festsaal des Hamburger Rathauses sprachen u.a. der Pr\u00e4sident des Senats der Freien und Hansestadt Hamburg, Ole von Beust und der Pr\u00e4sident der Stadt Danzig\/Gda\u0144sk, Pawe\u0142 Adamowicz als Ehrengast der Jahrestagung. Als Vorsitzende der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Bundesverband begr\u00fc\u00dfte Dr. Angelika Schwall-D\u00fcren die G\u00e4ste. W\u00e4hrend der feierlichen Er\u00f6ffnung wurde der DIALOG-Preis durch die Vorsitzende des Kuratoriums der DPG Bundesverband, Prof. Rita S\u00fcssmuth verliehen. Die Preistr\u00e4ger waren das Deutsch-Polnische Jugendwerk und die \u201eArbeitsgemeinschaft Christlicher Sch\u00fcler, Christliche Bildungsinitiative\u201c.<\/p>\n<p>Das Ereignis wurde am 14. November im Hamburger Abendblatt nur in einem kurzen Beitrag gew\u00fcrdigt. \u201eDie Jahrestagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft, die erstmals in Hamburg stattgefunden hat, ist erfolgreich zu Ende gegangen. Die Teilnehmer sprachen sich nachdr\u00fccklich f\u00fcr ein breites Austauschprogramm zwischen deutschen und polnischen Jugendlichen aus. Die ver\u00e4nderte politische Situation in Polen nach der stattgefundenen Neuwahl m\u00fcsse gen\u00fctzt werden, um die Zusammenarbeit beider L\u00e4nder weiter zu st\u00e4rken \u2013 die DPG sieht sich dabei besonders in der Pflicht (\u2026).\u201c<\/p>\n<p>In Rahmen dieser Kongresse und Arbeitstagungen fanden und finden sich viele Menschen zusammen, um \u00fcber gemeinsam interessierende Fragen und Probleme zu diskutieren, Erfahrungen auszutauschen und Zukunftspl\u00e4ne zu schmieden, Die Jahrestreffen dienten immer als wichtige Kontaktb\u00f6rse und boten die M\u00f6glichkeit, zum deutsch-polnischen Dialog beizutragen und damit gleichzeitig an die \u00d6ffentlichkeit zu treten. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>6.2 Praktikantenprogramme \u2013 Initiative zum praktischen Erfahrungsaustausch<\/p>\n<p>Schon zu Beginn der 70-er Jahre wurde gemeinsam mit der Deutschen Beamtenbund-Jugend Hamburg und mit Unterst\u00fctzung der Hamburger Baubeh\u00f6rde ein Praktikantenprogramm f\u00fcr Ingenieure und Mitarbeiter der Warschauer Stadtverwaltung entwickelt, an dem \u00fcber acht Jahre Mitarbeiter aus den technischen Bereichen teilgenommen haben. Ende der 80-er Jahre bot die DPG einigen \u00c4rztinnen und \u00c4rzten aus Krankenh\u00e4usern in Rzesz\u00f3w die M\u00f6glichkeit, an den Allgemeinen Krankenh\u00e4usern Barmbek, St. Georg und Eilbek medizinische Erfahrungen zu sammeln. Aus diesen Praktikumsaufenthalten haben sich intensive freundschaftliche Beziehungen entwickelt, die bis heute fortdauern.<\/p>\n<p>Seit 2007 wird in Zusammenarbeit mit der Universit\u00e4t Rzesz\u00f3w Studentinnen und Studenten der Germanistik-Fakult\u00e4t aber auch aus anderen Fachbereichen im Rahmen des Erasmus-Programms der Europ\u00e4ischen Union die M\u00f6glichkeit angeboten, Praktika von jeweils drei Monaten in unserem B\u00fcro in Farmsen zu absolvieren. In den letzten Jahren nahmen acht Studentinnen und Studenten an diesem Programm teil. Sie unterst\u00fctzen den Vorstand bei seiner ehrenamtlichen Arbeit. Sie bereiten die Veranstaltungen vor, versenden die Einladungen und nehmen daran teil. Anschlie\u00dfend schreiben sie Berichte \u00fcber die besuchten Veranstaltungen. Da wir das B\u00fcro in der Volkshochschule Farmsen haben, nehmen einige von ihnen an den Kursen teil, die ihren Interessen entsprechen, z.B. Polnischunterricht, Deutschunterricht, etc. Bei der Betreuung der Praktikantinnen\/Praktikanten entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem polnischen Konsulat sehr erfolgreich. Sie absolvieren ein Kurzpraktikum im Konsulat, das ihnen erm\u00f6glicht, die Besonderheiten der konsularischen Arbeit kennenzulernen. Einige von ihnen unternehmen Ausfl\u00fcge in sehenswerte St\u00e4dte in Schleswig-Holstein und Niedersachsen. Alle Studenten sammelten entweder Unterlagen f\u00fcr ihre Magisterarbeiten oder schrieben Teile der Arbeit und nahmen dabei unsere Hilfe in Anspruch. Die jungen Menschen wohnen bei Hamburger Familien, wo sie in allen t\u00e4glichen Situationen deutsch sprechen m\u00fcssen. In dieser Hinsicht sind wir auf Hilfe unserer Mitglieder angewiesen, von denen die Familie Hella Hinrichsen und Christof Bohlen besonders hervorzuheben ist. Seit vielen Jahren nehmen sie in ihrem Haus eine Praktikantin oder einen Praktikanten auf. Die Berichte unserer G\u00e4ste sind immer positiv, die Gastfreundschaft und die interessanten Begegnungen mit der Familie wurden immer wieder betont.<\/p>\n<p>Unser Angebot kommt bei den jungen Menschen gut an. Ihre Berichte geben es wieder: 2008 schrieb Maciej \u015awiderski: \u201e(\u2026) Es war f\u00fcr mich eine riesengro\u00dfe Ehre mit Ihnen zu arbeiten. \u201eDanke\u201c ist zu wenig, aber sowohl auf Deutsch als auch auf Polnisch finde ich keine Worte, die meine Dankbarkeit \u00e4u\u00dfern k\u00f6nnen. Ich hoffe, wir sehen uns noch irgendwann.\u201c<\/p>\n<p>Ma\u0142gorzata Tenus, die Praktikantin 2009, schreibt in ihren Abschlussbericht: (\u2026) Ich habe eine M\u00f6glichkeit in verschiedenen Veranstaltungen, Konzerten und Treffen teilzunehmen gehabt. Ich habe viele nette und interessante Leute kennengelernt. Jeden Tag konnte ich meine Sprachkenntnisse verbessern und neue Erfahrungen sammeln. Ich habe drei Monate in einer sch\u00f6nen Stadt verbracht und ich habe mit pr\u00e4chtigen Leuten gearbeitet. Ich m\u00f6chte allen Mitgliedern und besonders dem Vorstand von der Deutsch-Polnischen Gesellschaft f\u00fcr alles danken. Sie machen sehr viel f\u00fcr die Leute, die sowohl aus Deutschland als auch aus Polen kommen und sich f\u00fcr die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Polen interessieren. Was sie f\u00fcr mich getan haben, werde ich nie vergessen. Also noch einmal: Bardzo dziekuj\u0119 za wszystko!\u201c<\/p>\n<p>Karolina Jandzi\u0144ska, die bei der Vorbereitung des Kongresses des Deutsch-Polnische Gesellschaft Bundesverband 2010 in Kiel unsere Kollegen unterst\u00fctzte, berichtete nach dem Praktikum: \u201eW\u00e4hrend des Aufenthalts in Deutschland habe ich nicht nur Hamburg und Kiel kennen gelernt, sondern hatte auch die Gelegenheit, weitere St\u00e4dte wie L\u00fcbeck, Uelzen, Wismar zu besichtigen.(\u2026) Ich m\u00f6chte mich recht herzlich f\u00fcr die M\u00f6glichkeit bedanken, das Praktikum bei der Deutsch- Polnischen Gesellschaft Hamburg, der DPG Kiel und dem Kreisjugendring Pl\u00f6n ableisten zu d\u00fcrfen. Dieses Praktikum war f\u00fcr mich sehr wichtig, weil ich st\u00e4ndig mein Wissen vertiefen und mich fortbilden konnte. Nach diesem dreimonatigen Aufenthalt in Deutschland stelle ich fest, dass dieses Praktikum eines der wichtigsten Schritten in meiner Ausbildung und zuk\u00fcnftigen beruflichen Karriere gewesen ist. Ich habe viele interessante Menschen kennen gelernt und von jeder dieser Personen immer etwas Neues gelernt, was sowohl die Sprachkenntnisse als auch allgemeines Wissen betrifft. Ich glaube au\u00dferdem, dass die hier gekn\u00fcpften Kontakte auch in der Zukunft fortgesetzt werden k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Martyna W\u00f3jcik, die ebenfalls 2010 in Hamburg war, schrieb: (\u2026)Ich konnte beobachten, wie ich mich selbst ver\u00e4ndere. Ich bin nach Deutschland gekommen, um meine Deutschkenntnisse zu verbessern. Aber solche Erfahrungen, wie ich hier erlebe, sind auch f\u00fcr die Pers\u00f6nlichkeitsentwicklung wichtig. Ich habe mich mit verschiedenen Leuten im unterschiedlichen Alter getroffen. Ich habe die M\u00f6glichkeit gehabt, ihre Meinung zu erfahren und dadurch auch mein eigenes Bild von unterschiedlichen Sachen zu machen. Jetzt habe ich einem breiteren Blick auf die Welt. Ich wei\u00df, wie unterschiedlich Menschen sind und im Leben, in der zuk\u00fcnftigen Arbeit muss man mit allen umgehen k\u00f6nnen. Ich habe hier auch meine Diplomarbeit geschrieben.\u201c<\/p>\n<p>Der Praktikant des Jahres 2012, Jan Hala, konnte sich auch nicht \u00fcber mangelnde Aktivit\u00e4ten beklagen. In den drei Monaten seiner T\u00e4tigkeit in unserer Gesellschaft nahm er an 33 Veranstaltungen teil bzw. beteiligte sich an ihrer Vorbereitung und Durchf\u00fchrung.<\/p>\n<p>In allen Berichten unserer Praktikanten wurde immer wieder betont, wie wichtig f\u00fcr sie der Aufenthalt in Hamburg war. Sie konnten ihre Sprachkenntnisse verbessern und viele Erfahrung sammeln, die zu ihrer \u201ePers\u00f6nlichkeitsentwicklung\u201c beitrugen.<\/p>\n<p>6.3 Die Stellungnahme zur Frage eines Zentrums gegen Vertreibung<\/p>\n<p>Nach der Wende 1989 befanden sich Deutsche und Polen bis Anfang unseres Jahrtausends in einer historischen Situation, die sich nach den teilweise von Konfrontation \u00fcberschatteten Zeiten immer st\u00e4rker in eine von mehr und mehr Vertrauen gepr\u00e4gte Zusammenarbeit entwickelte, die insbesondere unsere Gesellschaft mit Freude erf\u00fcllte. Die starke Unterst\u00fctzung des Beitritts Polens zur NATO und in die Europ\u00e4ische Union waren daf\u00fcr eindeutige Beweise. Anfang 2000 war allerdings beiderseits der Oder und Nei\u00dfe ein wachsendes Unbehagen mit zunehmenden Misstrauen und sogar \u00c4ngsten zu sp\u00fcren. Die Ursache lag zum einen in der Diskussion in den Kreisen der Heimatvertriebenen, die planten in Berlin ein Zentrum gegen Vertreibungen zu errichten. Auch die Forderungen einer s.g. \u201ePreu\u00dfischen Treuhand\u201c nach Entsch\u00e4digung stie\u00dfen in Polen auf Unverst\u00e4ndnis und massive Ablehnung. Diese Situation trug dazu bei, dass sich in Polen die Stimmung gegen\u00fcber Deutschland mehr und mehr verschlechterte.<\/p>\n<p>Die politische Diskussion mit den Mitgliedern der Gesellschaft wurde in den Jahren 2004-2009 von diesen Themen stark beeinflusst. Das wurde sowohl allgemein bei unseren Veranstaltungen, aber insbesondere bei einem Mitgliedergespr\u00e4ch zum Thema \u201eZentrum gegen Vertreibungen\u201c im M\u00e4rz 2004 deutlich. Viele Mitglieder empfanden die Aktivit\u00e4ten aus Kreisen der Vertriebenen als unertr\u00e4gliche Provokation, die das deutsch-polnische Verh\u00e4ltnis stark belastete. Die Menschen, die sich seit Jahrzehnten f\u00fcr die Auss\u00f6hnung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen einsetzten, trafen diese zweifelhaften Initiativen besonders schmerzlich. Die Arbeit der Vertriebenenverb\u00e4nde wurde als gezielte Provokation von Seiten der Funktion\u00e4re empfunden, die die Entwicklung des deutsch-polnischen Verh\u00e4ltnisses in einem vereinten Europa beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Im M\u00e4rz 2009 erreichte uns ein Brief unseres Mitglieds, und ehemaligen Vorstandsmitglieds Christof Leidner, der u.a. schrieb: \u201eK\u00f6pfe sind wichtig, nicht Parteizugeh\u00f6rigkeit. Zudem ist man in Polen sehr empf\u00e4nglich f\u00fcr Gesten und Symbole. Ob zu Recht oder Unrecht: in Polen gilt die Person Erika Steinbach heute als Symbol f\u00fcr deutschen Revanchismus und Polenfeindlichkeit. Wer jetzt glaubt, dass sich dieses verfestigte Bild in kurzer Zeit revidieren oder gar ins Gegenteil verkehren lie\u00dfe, verkennt die Realit\u00e4t. Insbesondere muss sich die CDU von der Illusion verabschieden, man k\u00f6nne kurzfristig beides haben: das Wohlwollen und Verst\u00e4ndnis Polens f\u00fcr das \u201esichtbare Zeichen\u201c und ihr Fraktionsmitglied Erika Steinbach im Stiftungsrat.\u201c<\/p>\n<p>Auch andere Mitglieder wandten sich an den Vorstand mit der Aufforderung, Stellung zu beziehen. Corinna Makowski schrieb am 9.03.2009: \u201e(\u2026) Die polnische Seite m\u00fcsste einfach kompromissloser vertreten werden. Mir ist vollkommen klar, dass das f\u00fcr uns nur im kleinen Rahmen geht. Und ich bin hinsichtlich eines m\u00f6glichen Engagements nur ein kleines Licht, da beruflich t\u00e4glich bis sp\u00e4t abends eingebunden. (\u2026) Eine Idee w\u00e4re zum Beispiel, h\u00e4ufiger mal Position in Form besagter Leserbriefe zu beziehen, um zumindest so einen Kontrapunkt zu setzen. (\u2026)\u201c.<\/p>\n<p>Aus Erfahrung wussten wir, dass es \u00fcber Lesebriefe in der Hamburger Presse kaum m\u00f6glich war, unsere Meinung zu vertreten. So wurde ein \u201eAufruf zur Arbeit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c entworfen, der von der Mitgliederversammlung im April 2009 nach intensiver Diskussion angenommen wurde. Neben der Erl\u00e4uterung der historischen Besonderheiten der deutsch-polnischen Geschichte wurden Forderungen gestellt: \u201e(\u2026) Wir fordern daher, dass die Arbeit der Stiftung und das beabsichtigte \u201esichtbare Zeichen\u201c stark von der Kenntnis der polnischen Geschichte und Kultur geleitet wird. Deutschland ist dabei klug beraten, wenn es beim Gedenken an die eigenen Kriegsopfer den offenen und ehrlichen Dialog mit Polen sucht. Die Diskussion \u00fcber Polens Einstellung hierzu darf keine Diskussion \u00fcber Polen ohne polnische Beteiligung sein. (\u2026)\u201c ( Volltext: Anhang 2)<\/p>\n<p>Um den Wirkungsgrad zu erweitern, haben wir unseren Aufruf nicht nur in die Mitgliederversammlung des Bundesverbandes eingebracht und mit positiven Votum verabschieden lassen, sondern uns auch an die Mitglieder des Stiftungsbeirats gewandt: \u201eDie Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg, die sich seit fast vierzig Jahren f\u00fcr die Vers\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung, Zusammenarbeit und Freundschaft mit unserem Nachbarland Polen einsetzt, sieht mit gro\u00dfer Sorge, dass die Arbeit der Stiftung \u201eFlucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c durch die \u00f6ffentliche Auseinandersetzung um die Besetzung des Stiftungsbeirates die eigentliche Arbeit schon vor ihrem Beginn total in den Hintergrund dr\u00e4ngt. Dar\u00fcber hinaus droht dieser Streit die Beziehungen zwischen Deutschland und Polen in unertr\u00e4glicher Weise zu belasten und damit die nach der Wende erreichten Fortschritte in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit zu gef\u00e4hrden. Wir wenden uns daher mit dem beigef\u00fcgten Aufruf an Sie, als Mitglied des Stiftungsbeirats, die wichtige Arbeit der Stiftung nun endlich beginnen zu lassen; dabei muss diese Arbeit aus den parteipolitischen Auseinandersetzungen heraus gehalten werden und darf vor allen Dingen nicht als Wahlkampfthema missbraucht werden. Wir hoffen sehr, dass Sie den von unserer Mitgliederversammlung 2009 beschlossenen Aufruf unterst\u00fctzen werden. Gleichzeitig wenden wir uns mit der Bitte um Unterst\u00fctzung unseres Anliegens an alle in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit t\u00e4tigen Verantwortlichen und an die \u00d6ffentlichkeit.\u201c<\/p>\n<p>Die Resonanz war sehr positiv. Unter anderen schrieb der Weihbischof Dr. Hans-Jochen Jaschke am 2. September 2009: \u201e(\u2026) Sie k\u00f6nnen sicher sein, dass ich die von Ihnen formulierten Ansichten in jeder Hinsicht teile. (\u2026) Unsere Stiftung steht noch ganz am Anfang. Unser Kuratorium ist so zusammengesetzt, dass es keinen Grund zu Bef\u00fcrchtungen geben muss. Wir suchen den Dialog mit Polen und wissen alle, dass es keinen Weg zur Vers\u00f6hnung geben kann, wenn Polen und Deutsche ihn nicht gemeinsam gehen.\u201c Auch der der Bevollm\u00e4chtigte der Freien und Hansestadt Hamburg beim Bund, Staatsrat Carsten-Ludwig L\u00fcdemann schrieb in der Antwort zu unserem Aufruf: \u201eHamburg hat ein gro\u00dfes Interesse daran, mit seinem Nachbarn in der EU \u2013 und besonders mit dem unmittelbaren Nachbarn Polen \u2013 in engem, freundschaftlichem Kontakt und in einem lebendigen Austausch zu stehen.\u201c<\/p>\n<p>Als H\u00f6hepunkt unserer Veranstaltungen 2010 betrachten wir die Podiumsdiskussion zum Thema \u201eZwangsmigrationen im Kontext des Zweiten Weltkrieges\u201c, zu der wir in der Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie und dem polnischen Generalkonsulat einluden. An der Diskussion nahmen Prof. Manfred Kittel (Direktor der Stiftung \u201eFlucht, Vertreibung und Vers\u00f6hnung\u201c), Weihbischof Hans-Jochen Jaschke (Mitglied im Stiftungsrat) und Dr. Robert Zurek (Polnische Akademie der Wissenschaften Berlin) teil. Mit gro\u00dfer Sensibilit\u00e4t moderierte Frau Alice Bota (Redakteurin DIE ZEIT ) das Gespr\u00e4ch. Drei unterschiedliche Meinungen wurden vertreten. Weihbischof Hans-Jochen Jaschke, der als kleines Kind seinen Geburtsort mit seiner Mutter verlassen musste und die Fl\u00fcchtlingsodyssee noch in der Erinnerung hatte, warb um Verst\u00e4ndnis f\u00fcr das Leiden und den Verlust der Menschen. Prof. Manfred Kittel lieferte eine wissenschaftliche Grundlage f\u00fcr die verwendeten Begriffe, vor allem f\u00fcr den Begriff \u201eVertreibung\u201c, Er wies auch auf die Probleme der Geschichtsschreibung nach dem Krieg und die Schwierigkeiten bei der Gestaltung des Zentrums \u201eFlucht, Vertreibung und Vers\u00f6hnung\u201c hin. Dr. Robert Zurek erl\u00e4uterte die polnische Position zu diesem Thema und \u00e4u\u00dferte gegen\u00fcber dem Projekt gro\u00dfe Skepsis. Die Diskussion rief bei den Zuschauern sehr unterschiedliche Reaktionen hervor, von Zorn, Skepsis bis zur Hilfestellung bei den Recherchen nach den Berichten von Zeitzeugen. Nach der Veranstaltung wurde weiter intensiv diskutiert, wobei ein Gro\u00dfteil der Teilnehmer\/innen die Meinung vertrat, dass es notwendig war, dieses wichtige Thema erneut zur Diskussion zu stellen.<\/p>\n<p>6.4 Studienreisen<\/p>\n<p>Schon seit Mitte der 70-er Jahre geh\u00f6rten Studienfahrten zum Arbeitsprogramm der DPG Hamburg, die als Bildungsreisen von der Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung anerkannt wurden. Durch diese Anerkennung war es m\u00f6glich, Sonderurlaub nach dem Hamburgischen Bildungsurlaubsgesetz zu beantragen. Die Reisen dauerten zwischen vier und zw\u00f6lf Tagen und boten Mitgliedern und Freunden neben touristischen Zielen und Betriebsbesichtigungen Informationsgespr\u00e4che und Diskussionen mit polnischen Gespr\u00e4chspartnern.<\/p>\n<p>Die erste Studienfahrt der Gesellschaft fand bereits 1973 statt; ihr folgten Reisen in den Jahren 1975 und 1977. Nach Verh\u00e4ngung des Kriegsrechts in Polen im Dezember 1981 haben wir auf die Durchf\u00fchrung verzichtet und erst 1986 unsere n\u00e4chste Studienfahrt organisiert, die nach Krakau und in die Region Rzesz\u00f3w f\u00fchrte. Ende der 80-er bis Anfang der 90-er veranstalteten wir unter dem Motto \u201eKultur in Polen\u201c mehrere Kurz-Studienreisen, die Pozna\u0144\/Posen, Wroc\u0142aw\/Breslau, Warschau und Stettin\/Szczecin als Ziel hatten.<\/p>\n<p>Das damalige Vorstandsmitglied, Jan Dolny, organisierte ebenfalls einige Reisen nach Polen. Seine erste Studienreise unter dem Motto, \u201eWarschau: Vergangenheit \u2013 Gegenwart und Zukunft\u201c fand im Oktober 1991 statt. 29 \u201epolenbegeisterte\u201c Menschen nahmen an einem anspruchsvollen Programm mit vielen Highlights teil, das mit Unterst\u00fctzung der Freunde im Bezirksamt Warschau-Mitte zusammengestellt wurde. F\u00fcr viele Hamburger war es \u00fcberhaupt die erste Reise nach Polen. Jan Dolny berichtete: \u201eWir trafen unsere Freunde aus Warschau-Mitte, die vor wenigen Monaten noch unsere G\u00e4ste in der Hansestadt waren, und mit denen wir damals auf eine Partnerschaft hofften. Die Bem\u00fchungen unserer Gesellschaft um eine enge Zusammenarbeit mit der polnischen Hauptstadt hatten sich herumgesprochen. Der f\u00fcr die deutsch-polnischen Sendungen im polnischen Rundfunk zust\u00e4ndige Abteilungsleiter Aleksander Opalski und die Redakteurin Inka Jasiczek nahmen die Gelegenheit wahr und f\u00fchrten mit uns Gespr\u00e4che, die noch am selben Abend im Rundfunk gesendet wurden. (\u2026) Unsere \u201eWarschauer\u201c hatten sich mit der Auswahl an Besichtigungsorten und Gespr\u00e4chspartnern wahrlich \u201e\u00fcbertroffen\u201c! Die wieder ihren historischen Glanz erlangte Altstadt mit dem rekonstruierten Warschauer K\u00f6nigsschloss, deren totale Zerst\u00f6rung w\u00e4hrend der Kriegshandlungen wir im Historischen Museum nacherleben konnten, \u00fcbten einen unglaublichen Zauber auf uns aus. Beim Abendessen gesellte sich der Sekret\u00e4r der Polnisch-Deutschen Gesellschaft in Warszawa, Herr Marek Prawda zu uns. Es war die erste und \u00fcberaus erfolgreiche Begegnung mit dem heutigen Botschafter der Republik Polen. Die Gespr\u00e4che mit den B\u00fcrgermeistern von Warschau-Mitte Jan Rutkiewicz und Marcin Sobocki sowie dem Vorsitzenden des Parlaments Dr. Kazimierz May, wurden ehrlich und offen gef\u00fchrt. Aus jedem Satz konnten wir entnehmen, wie sehr es den Warschauern um gute Beziehungen zu Hamburg gelegen war. Im Warschauer Lyzeum \u201eStefan Batory\u201c, wo vor wenigen Monaten eine Delegation unserer Gesellschaft den Freundschaftsvertrag zum Gymnasium Hamm unterschrieben hatte, wurden wir wie gute Freunde begr\u00fc\u00dft.\u201c<\/p>\n<p>Nachdem das Interesse in den 90-er Jahren ein wenig zur\u00fcckgegangen war, wurde im Jahre 2000 erneut begonnen, regelm\u00e4\u00dfig Studienfahrten nach Polen f\u00fcr die Mitglieder und andere Interessierte zu organisieren. Die Leitung \u00fcbernahm der Vorsitzende der Gesellschaft Gerd Hoffmann, der bis 2010 jedes Jahr die Teilnehmer\/innen in unterschiedliche Regionen Polens f\u00fchrte. Seine letzten zwei Reisen nach S\u00fcdostpolen organisierte er unter dem Motto: \u201eUnter polnischen Gipfeln\u201c. Die letzte Reise fand im September 2010 statt. Er berichtet: \u201eVom 24. August bis 7. September waren die polnischen Beskiden (Szczyrk), die Hohe Tatra (Zakopane) und das Bieszczady-Gebirge (Czarna) im Drei-L\u00e4nder-Eck Polen, Ukraine und Slowakei sowie ein kleiner Abstecher in die Slowakei (Bardejov) unser Ziel. 39 Mitglieder und Freunde unserer Gesellschaft haben an dieser Fahrt teilgenommen, f\u00fcr die auf unseren Antrag hin auch Bildungsurlaub gew\u00e4hrt werden konnte. Schwerpunkt unserer Reise war die Wojewodschaft Podkarpackie\/Vorkarpaten, zu der unsere Gesellschaft seit 30 Jahren intensive Beziehungen pflegt. Unter der Betreuung der mit uns eng befreundeten Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w (PDG) wurde den Teilnehmerinnen und Teilnehmern Gelegenheit geboten, sich in Gespr\u00e4chen mit dem EU-Abgeordneten Dr. Mieczys\u0142aw Janowski, mit dem stellvertretenden Stadtpr\u00e4sidenten von Rzesz\u00f3w Henryk Wolicki und dem deutschen Honorarkonsul Adam Gajdek \u00fcber vielf\u00e4ltige, gemeinsam interessierende Fragen zu informieren. Ein Informationsgespr\u00e4ch mit dem Kanzler der Fachhochschule Krosno Franciszek Tereszkiewicz, ein Abend mit Mitgliedern der PDG Rzesz\u00f3w auf dem historischen Gutshof von Kazimierz und Dominika Obody\u0144ski in Targowiska bei Krosno und eine Einladung zu einem Abend in Rzeszower Familien rundeten das vielseitige Programm ab. Die europ\u00e4ische Kulturmetropole Krakau stand als kr\u00f6nender Abschluss die letzten beiden Tage auf dem Programm, bevor von dort aus die Bahnr\u00fcckreise angetreten wurde. Besonders hervorgehoben werden muss, dass wir uns mit der Familie von Frau Maria Za\u0142ubska treffen konnten, deren Haus im Juni dieses Jahres durch die katastrophalen Regenf\u00e4lle in S\u00fcdostpolen v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurde. Die Teilnehmer\/Innen unserer Studienfahrt sammelten im Bus spontan \u00fcber 1000 Euro, die wir Frau Za\u0142ubska zu ihrer gro\u00dfen \u00dcberraschung und Freude bei unserem Treffen am 29. August \u00fcberreichen konnten.\u201c<\/p>\n<p>Die im Rahmen unseres Aufrufs eingegangenen Spenden wurden der allein erziehenden Mutter von drei S\u00f6hnen, deren Vater sich vor zwei Jahren das Leben nahm, bei unserem Besuch in Rzesz\u00f3w zwei Monate sp\u00e4ter, im November 2010 \u00fcbergeben.\u201c<\/p>\n<p>Die Reise 2011 organisierte die Nachfolgerin von Gerd Hoffmann, Viola Krizak. Sie f\u00fchrte die Gruppe 2011 nach Warschau und S\u00fcdostpolen. Die 17 Teilnehmer kamen begeistert und beeindruckt von der Reise zur\u00fcck. In den Mitteilungen der DPG erschien dar\u00fcber ein Bericht von Viola Krizak: \u201eDie 11. Reise in der Reihe \u201eUnser Nachbar Polen\u201c f\u00fchrte nach Lublin, Zamo\u015b\u0107, Sandomierz, Kazimierz Dolny und Warschau. In Lublin hat uns besonders die Altstadt mit der Burg und der wunderbaren gotischen Dreifaltigkeitskapelle mit den altrussischen &#8211; byzantinischen Fresken aus dem Ende des 14. Jahrhunderts beeindruckt. Wichtig war auch die Fahrt auf den Spuren der Juden dieser Region, die mit dem Besuch des KZ Majdanek abgeschlossen wurde. Der Besuch der barocken Schlossanlage in Koz\u0142\u00f3wka (1735-42) und des \u201esozrealistischen\u201c Museums mit den Werken aus der Nachkriegszeit, hatte einen Seltenheitswert. Danach folgte Zamo\u015b\u0107, eine Stadt, die im 16. Jahrhundert als eine \u201eideale\u201c Renaissancestadt von Jan Zamojski erbaut wurde. Die weiteren Etappen der Reise waren das barocke Schloss in Baran\u00f3w Sandomierski, Klimont\u00f3w mit der interessanten Kirche mir ovalem Grundriss, Opat\u00f3w mit dem kunsthistorisch herausragenden Grabmal und besonders die Grabplatte der Familie Szyd\u0142owiecki, s.g. opatover Lamentio und die beeindruckende Ruine des im 17. Jh. von Krzysztof Osoli\u0144ski erbauten Schlosses Krzy\u017ctop\u00f3r, damals einer gr\u00f6\u00dften Schlossanlage dieser Art in Europa. Auch die Zungenbrecher-Stadt \u201eSzczebrzeszyn\u201c haben wir besichtigt. Die H\u00f6hepunkte unserer Reise haben uns aber in Warschau erwartet. Zuerst war es das sch\u00f6ne Stadtbild mit der Altstadt, K\u00f6nigspalast und dem Palast der Kultur mit dem atemberaubenden Ausblick auf die ganze Stadt. Am Sonntag h\u00f6rten wir im \u0141azienki-Park unter dem ausdrucksstarken expressionistischen Denkmal von Frederic Chopin ein wunderbares Chopin-Konzert. Die besondere Musikqualit\u00e4t, der Sonnenschein und die vielen Zuschauer haben zu einer wunderbaren Stimmung beigetragen. Abends h\u00f6rten wir im K\u00f6nigsschloss \u201eim sch\u00f6nsten Saal\u201c Warschaus ein Konzert der Gruppe \u201eDekameron\u201c die auf alten Instrumenten mittelalterliche Musik vorgef\u00fchrt und der Gruppe \u201eSubtilior\u201c die \u00e1 capella Renaissance- und Barockmusik gesungen hat. In der Konzertpause hatten wir auch die M\u00f6glichkeit mit dem deutschen Botschafter in Warschau, R\u00fcdiger Freiherr von Fritsch ein Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren.<\/p>\n<p>An den zwei folgenden Abenden trafen wir Anna Mieszkowska, Autorin der Biographie der Irena Sendler, deren Namen die Stadtteilschule in Wellingsb\u00fcttel tr\u00e4gt. Lutger Kazmierczak, der deutsche Korrespondent in Warschau war der zweite Gast, der uns \u00fcber die Besonderheiten seines Berufs und das Leben in Warschau berichtete.\u201c<\/p>\n<p>Das Besondere der DPG Reisen sind interessante Begegnungen mit den Menschen vor Ort, die ein Kennenlernen und einen Gedankenaustausch erlauben. Wie Hanno Jochimsen sagte: \u201eAm wichtigsten, dass man sich trifft.\u201c Wir werden auch die Reisen fortsetzen, im Jahr 2012 fahren wir nach Danzig, Marienburg, Thorn und nach Masuren. Bisher nutzten \u00fcber die Jahre fast 1000 Teilnehmer\/innen die Studienangebote unserer Gesellschaft.<\/p>\n<p>An dieser Stelle ist es mehr als angebracht, unseren langj\u00e4hrigen Partner und Berater bei der Vorbereitung und Durchf\u00fchrung unserer Studienfahrten nach Polen, Zygmunt Witowski, herzlich Dank zu sagen. Als polnischer Verantwortlicher hat er schon die ersten Studienfahrten der DBB (Deutscher Beamtenbund)-Jugend Hamburg und die kommunalkundlichen Studienreisen der Verwaltungsschule Hamburg gemeinsam mit Gerd Hoffmann Ende der 60-\/Anfang der 70-er Jahre begleitet. Seit \u00fcber zehn Jahren (seit 2000) organisiert er unsere erfolgreichen Studienreisen, die au\u00dfer nach Polen auch in die Ukraine und die Slowakei sowie nach Litauen f\u00fchrten.<\/p>\n<p>6.5 Neues aus Polen<\/p>\n<p>Die Nachrichten-Links \u00fcber Polen, die ich im fast w\u00f6chentlichen Rhythmus verschicke, sind eigentlich eher zuf\u00e4llig entstanden. Lange Zeit hatte ich gez\u00f6gert, mir einen privaten Rechner anzuschaffen, sitze ich doch beruflich h\u00e4ufig und lange vor so einem \u201eZeitr\u00e4uber\u201c. Mittlerweile gilt jedoch der klassische handgeschriebene Brief \u2013 Gott sei\u2019s geklagt \u2013 als Anachronismus, sodass auch ich mich irgendwann gezwungen sah, mir einen PC mit Internetanschluss auf den h\u00e4uslichen Schreibtisch zu stellen. Von da an stand das Fenster zur Welt weit offen. Suchmaschinen und sp\u00e4ter dann der DSL-Anschluss taten ihr \u00dcbriges.<\/p>\n<p>War es f\u00fcr mich bis dahin nur durch aufmerksames Verfolgen von Zeitung, Radio und Fernsehen m\u00f6glich, mir einen guten \u00dcberblick \u00fcber das Geschehen in Polen zu verschaffen, taten sich nun ungeahnte Perspektiven auf. Mit dem Betreff \u201eNeues aus Polen\u201c schickte ich per E-Mail das eine oder andere besonders Interessante an Verwandte und Bekannte, von denen ich wusste, dass sie sich auch f\u00fcr Polen interessierten. Im Laufe der Zeit wurden die Listen der Links und der Empf\u00e4nger immer l\u00e4nger, die Abst\u00e4nde zwischen den Mails k\u00fcrzer. Nach ihrer Wahl zur DPG-Vorsitzenden fragte mich Viola Krizak, ob sie \u201eNeues aus Polen\u201c auch an die Mitglieder weiterleiten d\u00fcrfte. Nat\u00fcrlich hatte ich nichts gegen diese Form der \u201eZweitverwertung\u201c, zeigte dies doch, dass ich auf Interesse gesto\u00dfen war.<\/p>\n<p>Wer einmal die Gelegenheit hatte am selben Tag die polnische und die deutsche Hauptausgabe der Fernsehnachrichten hintereinander zu sehen, wei\u00df, dass man manchmal meinen k\u00f6nnte, die beiden L\u00e4nder l\u00e4gen auf unterschiedlichen Planeten. Wenn wir ein gutes Miteinander mit unseren polnischen Nachbarn leben wollen, m\u00fcssen wir aber wissen, was die Menschen jenseits der Oder umtreibt, und auch was eben nicht. Je besser wir den Partner kennen, desto besser k\u00f6nnen wir auf ihn eingehen. Das ist f\u00fcr mich eines der Hauptmotive dieses privaten \u201eE-Mail-Service\u201c. Daher m\u00f6chte ich vor allem diejenigen Themen vorstellen, \u00fcber die man in Polen spricht, und gleichzeitig bewusst machen, dass sich diese oft von dem unterscheiden, was in Deutschland \u00fcber Polen geredet und geschrieben wird.<\/p>\n<p>Mittlerweile lasse ich auch pers\u00f6nliche Kommentare einflie\u00dfen oder steuere eigene Erlebnisse und Eindr\u00fccke bei, die die Berichte aus den Internetportalen erg\u00e4nzen bzw. veranschaulichen sollen. Ein Extremfall in dieser Hinsicht, war der Absturz des Pr\u00e4sidentenflugzeugs bei Smolensk im April 2010. Da mir \u2013 wie sicher auch vielen anderen \u2013 dieses Ereignis pers\u00f6nlich nahe ging, verzichtete ich damals g\u00e4nzlich auf Links zu deutschen Internetportalen und belie\u00df es bei einem l\u00e4ngeren Kommentar. Besonders freue ich mich immer \u00fcber Reaktionen der Empf\u00e4nger von \u201eNeues aus Polen\u201c. Lob wie Kritik (z. B. an meinen Kommentaren) verstehe ich als W\u00fcrdigung des zeitlichen Einsatzes von durchschnittlich einer Stunde pro Woche und sind f\u00fcr mich Ansporn. Und mittlerweile gibt es in der DPG-HH mit Rainer Krizak sogar eine \u201eUr\u00aclaubsvertretung\u201c \u2013 daf\u00fcr an dieser Stelle herzlichen Dank.<\/p>\n<p>Alles hat seine Zeit und so lasse ich lieber offen, wie lange ich \u201eNeues aus Polen\u201c noch betreibe. In Zeiten von Twitter, Facebook, ACTA-Diskussion und einer sich st\u00e4ndig wandelnden Medienlandschaft kann niemand vorhersagen, wie lange dieser Service in seiner jetzigen Form aufrecht zu erhalten ist. Solange er aber unkompliziert zu betreiben ist und allen Beteiligten Spa\u00df macht, geht\u2019s weiter. Bis zum n\u00e4chsten Mal.<\/p>\n<p>Einige Kommentare:<\/p>\n<p>11.04.2010<br \/>\n(\u2026) Ich habe in den letzten 24 Stunden vorwiegend polnische Medien verfolgt und am Abend auch einige private Mails aus Polen erhalten. Danach befindet sich das Land in einer Art Schock-Starre &#8211; Politiker, die vor laufender Kamera in Tr\u00e4nen ausbrechen, Journalisten, die offen bekennen, dass sie ihren Interviewpartnern keine sinnvolle Frage stellen k\u00f6nnen &#8230; Das ist alles nur zu verst\u00e4ndlich, kannten doch die beteiligten Kommentatoren viele der Opfer pers\u00f6nlich.<\/p>\n<p>Dadurch dass in der deutschen Berichterstattung der Tod des Pr\u00e4sidenten Lech Kaczy\u0144ski im Vordergrund steht, ger\u00e4t die tats\u00e4chliche Tragweite des Ungl\u00fccks f\u00fcr Polen leider etwas aus dem Blick. Das Land verliert neben seinem Staatsoberhaupt zahlreiche wichtige Personen des \u00f6ffentlichen Lebens und der Verwaltung. Auf der Passagierliste standen neben dem Pr\u00e4sidenten, dem Begleitpersonal, sowie kirchlichen Vertretern auch fast die gesamte milit\u00e4rische F\u00fchrung, drei stellvertretende Parlamentspr\u00e4sidenten (darunter der Pr\u00e4sidentschaftskandidat der Linksallianz), der nationale Sicherheitschef, der Chef der Pr\u00e4sidialkanzlei, der stv. Au\u00dfenminister und langj\u00e4hrige polnische Generalkonsul in Hamburg, Andrzej Kremer, der Nationalbankchef, der Leiter der polnischen Stasi-Unterlagenbeh\u00f6rde, der B\u00fcrgerrechtsbeauftragte, der Vorsitzende des Nationalen Olympischen Komitees, eine Reihe von bekannten Parlamentariern (darunter ehemalige Regierungsmitglieder und die Fraktionsvorsitzende der gr\u00f6\u00dften Oppositionspartei), der letzte polnische Exilpr\u00e4sident, die Solidarno\u015b\u0107-Legende Anna Walentynowicz, eine Reihe von hochrangigen Ministerialbeamten (der Chef des protokollarischen Dienstes im Au\u00dfenministerium, sowie Staatssekret\u00e4re des Verteidigungs- und des Kulturministeriums, des Pr\u00e4sidialamtes) und viele andere. Das ist neben dem menschlichen Schicksal vor allem ein gro\u00dfer Kompetenzverlust, wie es Janusz Reiter gestern zutreffend formulierte.<\/p>\n<p>Es ist also keineswegs der Tod des Pr\u00e4sidenten allein, der die Menschen in Polen so schockiert. Es ist die gro\u00dfe Zahl prominenter Gesichter, die im politischen und gesellschaftlichen Leben wichtige Rollen gespielt haben und bis zuletzt in der \u00d6ffentlichkeit standen. F\u00fcr mich am verst\u00e4ndlichsten ausgedr\u00fcckt hat es ein polnischer Freund, der mir gestern schrieb: &#8220;Die meisten von ihnen waren bekannt und man verband sie mit etwas Bestimmtem. Es ist also so, als wenn pl\u00f6tzlich alle Nachbarn aus der Stra\u00dfe gestorben w\u00e4ren.&#8221;<\/p>\n<p>Daneben ist es vor allem der historische Kontext des Ungl\u00fccks, der Polen in den emotionalen Ausnahmezustand versetzt hat. Obwohl das Land in Friedenszeiten noch nie so viele Funktions- und Leistungstr\u00e4ger gleichzeitig verloren hat, wiederholt sich in gewisser Weise f\u00fcr viele Polen hier auf bittere Weise Geschichte. An einem Ort, an dem vor 70 Jahren wichtige Milit\u00e4rf\u00fchrer und andere Vertreter der Intelligenz des Landes ermordet wurden, verliert Polen durch ein tragisches Ungl\u00fcck wieder zahlreiche wichtige Menschen &#8211; ausgerechnet bei der Anreise zur Gedenkfeier f\u00fcr die damaligen Opfer des Stalinismus. Besonders tragisch ist dabei aber auch, dass eine Reihe von Funktionstr\u00e4gern auf ihren Platz im Flugzeug verzichtet hatte, um Angeh\u00f6rigen der Opfer von Katy\u0144 eine Teilnahme an der Gedenkfeier zu erm\u00f6glichen. Sie kamen nun fast an der gleichen Stelle ums Leben wie ihre Lieben.<\/p>\n<p>Nach diesem gesellschaftlichen und politischen Erdbeben muss das Land erst einmal wieder zu sich finden. Neben all der Trauer und den Untersuchungen zur Aufkl\u00e4rung des Ungl\u00fccks sind die vielen pl\u00f6tzlich vakanten Positionen neu zu besetzen. Der Sejm-Marschall Bronis\u0142aw Komorowski hat gem\u00e4\u00df Verfassung die Amtsgesch\u00e4fte \u00fcbernommen und sich in einer kurzen Fernsehansprache gestern Abend an die Polen gewendet. Die Verfassung sieht vor, dass er innerhalb von zwei Wochen Neuwahlen ausrufen muss, die innerhalb von 60 Tagen nach Ausrufung stattfinden m\u00fcssen. Wie das alles im Einzelnen abl\u00e4uft kann heute noch niemand sagen. Gestern angedeutete Mutma\u00dfungen in einzelnen deutschen Medien, dass der Zwillingsbruder des get\u00f6teten Pr\u00e4sidenten kandidieren k\u00f6nnte, sind zum jetzigen Zeitpunkt wenig piet\u00e4tvoll und m.E. unsinnige Spekulationen. Das ist zwar nicht auszuschlie\u00dfen, aber wer Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski gestern beim Besuch der Ungl\u00fccksstelle gesehen hat, wei\u00df, dass er jetzt sicherlich ganz anderes im Kopf hat.<\/p>\n<p>Wenn in dieser Situation \u00fcberhaupt irgendetwas hoffnungsvoll stimmen kann, so ist es die Anteilnahme und Hilfe Russlands nach dem Ungl\u00fcck. Hoffen wir, dass sich zumindest dies positiv auf das k\u00fcnftige Verh\u00e4ltnis der beiden L\u00e4nder auswirkt und sich nicht Misstrauen oder irgendwelche Verschw\u00f6rungstheorien Bahn brechen.<\/p>\n<p>18.04.2010<br \/>\nEine sehr bewegende Woche liegt hinter den Polen. W\u00e4hrend sich die deutschen Medien sp\u00e4testens ab Wochenmitte wieder auf die Missbrauchsf\u00e4lle in der katholischen Kirche, die Situation in Afghanistan und den Vulkanausbruch in Island konzentrierten, befasste sich Polen fast die gesamte Zeit mit dem tragischen Unfall von Smolensk. Die eindringlichen und nachdenklichen Bilder werden &#8211; zumindest f\u00fcr die Polen &#8211; sicherlich noch lange in Erinnerung bleiben: die langen Schlangen, in denen die Menschen vor dem Pr\u00e4sidentenpalast z.T. weit \u00fcber zehn Stunden anstanden, um f\u00fcr einige wenige Sekunden vor den S\u00e4rgen des toten Pr\u00e4sidentenpaars zu knien, die Totenwache durch s\u00e4mtliche Regierungsmitglieder, die Gedenkfeier im Sejm mit dem einsamen Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski in der vordersten Bank der PiS-Fraktion (seine beiden Sitznachbarn kamen bei dem Ungl\u00fcck ums Leben &#8211; auf ihren Pl\u00e4tzen im Parlament lagen Blumen) und dem verzweifelten, tr\u00e4nen\u00fcberstr\u00f6mtem Gesicht des Linksabgeordneten Ryszard Kalisz, die Feier auf dem Warschauer Flughafen Ok\u0119cie am Donnerstag als nacheinander 34 (!) S\u00e4rge aus dem Flugzeug getragen wurden. (\u2026) Bei der Untersuchung der Unfallstelle in Smolensk wurde \u00fcbrigens der nahezu unbesch\u00e4digte Kranz gefunden, den Pr\u00e4sident Lech Kaczynski bei der Feier in Katy\u0144 niederlegen wollte&#8230;An diesem Wochenende fanden dann die Trauerfeiern in Warschau und Krakau statt \u00fcber die dann auch wieder in deutschen Medien berichtet wurde und wird. Damit ist es dann aber f\u00fcr Polen noch nicht vorbei, denn die Bestattungsfeiern der \u00fcbrigen Passagiere werden noch in den n\u00e4chsten Tagen und Wochen folgen. Dieses Ereignis wird das Land sicher noch lange \u00fcber das Ende der Staatstrauer hinaus begleiten.<\/p>\n<p>10.07.2010<br \/>\n(\u2026)Ein denkw\u00fcrdiger Tag war der vergangene Donnerstag. Die etwas komplizierte verfassungsrechtliche Konstellation sorgte in der politischen Praxis f\u00fcr seltsame Konsequenzen: an diesem Tag hatte Polen drei verschiedene Pr\u00e4sidenten! Bevor jetzt jemand meint, dass mir das Wetter zu Kopfe gestiegen sei, will ich das kurz vorrechnen: Bronis\u0142aw Komorowski ist zwar seit vergangenem Sonntag gew\u00e4hlter Pr\u00e4sident (&#8220;prezydent elekt&#8221;), aber er ist noch nicht ernannt, nicht vereidigt und damit auch noch nicht im Amt. Bis Donnerstagmorgen \u00fcbte er allerdings als Parlamentspr\u00e4sident gem\u00e4\u00df Verfassung noch die Amtsgesch\u00e4fte aus (seit dem Flugzeugabsturz von Smolensk). Da der polnische Pr\u00e4sident aber keine anderen politischen \u00c4mter aus\u00fcben darf, musste Komorowski nun am Donnerstag von seinem Posten als Vorsitzender des Sejm zun\u00e4chst zur\u00fccktreten, um nach der Wahl zum Staatspr\u00e4sidenten ernannt werden zu k\u00f6nnen. Nach seinem R\u00fccktritt gingen die Amtsgesch\u00e4fte gem\u00e4\u00df Verfassung auf Bogdan Borusewicz, den Vorsitzenden des Senats (zweite Kammer), \u00fcber. Dieser \u00fcbte das Amt jedoch nur f\u00fcr wenige Stunden aus, bis am Nachmittag der neue Sejm-Marschall, Grzegorz Schetyna, gew\u00e4hlt wurde. Nach seiner Wahl ist Schetyna als neuer Sejm-Marschall zzt. auch amtierender polnischer Pr\u00e4sident. Komorowski wird Anfang August vereidigt und ist erst dann (in Wahlen bestimmter) Pr\u00e4sident. Ganz sch\u00f6n kompliziert alles&#8230;<\/p>\n<p>14.08.2010<br \/>\nNicht nur in Pakistan leiden die Menschen unter den Folgen einer Hochwasserkatastrophe. Auch die polnische Stadt Bogatynia im \u00e4u\u00dfersten S\u00fcdwesten des Landes und ihre Umgebung k\u00e4mpften immer noch mit den Verw\u00fcstungen, die der Bruch des Witka-Staudamms vor einer Woche angerichtet hat. Ungef\u00e4hr 1000 Menschen sind dabei obdachlos geworden. Zwar sind mittlerweile ausreichend Lebensmittel und Trinkwasser in der Region eingetroffen, aber es werden immer noch R\u00e4umger\u00e4t, Werkzeug und Reinigungsmittel ben\u00f6tigt. Die Fernsehberichte, die ich gesehen habe, zeigten sehr verzweifelte Einwohner. Am Donnerstag dieser Woche trat das polnische Parlament zu einer au\u00dferordentlichen Sitzung zusammen, um die Flutopferhilfe aufzustocken. Die aus den Ferien zur\u00fcckgekehrten Abgeordneten tagten in der provisorisch hergerichteten Lobby des Sejms, weil der Plenarsaal zzt. renoviert wird.<br \/>\nDie Bargteheider Partnerstadt \u017bmigr\u00f3d (40km n\u00f6rdlich von Breslau gelegen) hatte einen Hilfstransport ins Krisengebiet geschickt.<\/p>\n<p>Weitere wichtige Themen der letzten zwei Wochen waren nat\u00fcrlich die Amtseinf\u00fchrung von Pr\u00e4sident Komorowski (Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski blieb der Veranstaltung fern) und der Streit um die Verlegung des provisorischen Holzkreuzes vor dem Pr\u00e4sidentenpalast, das Pfadfinder unter dem Eindruck der Katastrophe von Smolensk dort aufgestellt hatten. Der neue Pr\u00e4sident Komorowski hatte sich mit Kirche und Pfadfinderorganisationen bereits auf die Verlegung des Kreuzes in die nahe gelegene St.-Anna-Kirche verst\u00e4ndigt. Hier\u00fcber hat sich nun eine gro\u00dfe Diskussion zwischen Kreuz-Bef\u00fcrwortern und -gegnern entsponnen. Diese Ereignisse zeigen, wie tief gespalten die polnische Gesellschaft vier Monate nach der Trag\u00f6die von Smolensk immer noch bzw. schon wieder ist.<\/p>\n<p>22.02.2011<br \/>\nF\u00fcr gro\u00dfe Aufregung in der polnischen Presse hat die Diskussion um den 5. August gesorgt, der in Deutschland als weiterer nationaler Gedenktag eingef\u00fchrt werden soll. Am 5. August 1950 wurde die \u201cCharta der Heimatvertriebenen\u201c unterschrieben. Leider hat die lokale Presse kaum dar\u00fcber geschrieben.<\/p>\n<p>16.04.2011<br \/>\nNun hat Polen den ersten Jahrestag der Smolensk-Trag\u00f6die &#8211; man muss fast sagen &#8211; \u00fcberstanden. Dieses Ereignis, das das Land vor einem Jahr f\u00fcr ein paar kurze Momente einte, spaltet es heute mehr denn je. Dies machte eben jener letzte Sonntag deutlich, an dem der 96 Toten des Ungl\u00fccks gedacht wurde. Es war ein seltsames &#8220;Parallel-Gedenken&#8221;, das die polnischen Medien vermittelten. Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski und seine PiS-Anh\u00e4nger tauchten zu Kranzniederlegungen und Ansprachen konsequent dort auf, wo die Vertreter des Regierungslagers gerade nicht waren &#8211; oft auch zeitnah zu anderen Gedenkveranstaltungen. Bei seinen Reden zeigte sich Kaczynski mit unvers\u00f6hnlichem, dramatisch-konfrontativem Tonfall. Nach meinem pers\u00f6nlichen Eindruck wird Kaczynskis Verhalten jedoch nicht so sehr von berechnender Demagogie bestimmt, obwohl der bevorstehende Wahlkampf auch eine Rolle spielen mag. Ich nehme bei diesem Mann vielmehr Wut, Schmerz und Einsamkeit wahr. Auf den Punkt brachte es f\u00fcr mich am Montag Grzegorz Napieralski, der Sprecher der polnischen Linksallianz SLD, der fast mitleidig, wenn auch etwas n\u00fcchtern feststellte, Jaros\u0142aw Kaczy\u0144ski sei das 97. Opfer von Smolensk.<\/p>\n<p>4.12.2011<br \/>\n&#8220;Aufreger der Woche&#8221; war dieses Mal die Rede zur Euro-Krise, die Polens Au\u00dfenminister in Berlin gehalten hat. Vielfach wurde sie auf das Zitat &#8220;Ich f\u00fcrchte mich weniger vor Deutschlands Macht, sondern beginne mich mehr vor Deutschlands Unt\u00e4tigkeit zu f\u00fcrchten.&#8221; reduziert wurde. Die Aufforderung an Deutschland zu mehr F\u00fchrung in Europa f\u00fchrte im Lager der polnischen Opposition freilich zu teils heftiger Emp\u00f6rung.<\/p>\n<p>11.12.2011<br \/>\n(\u2026) Ein wichtiges (deutsch-)polnisches Ereignis der kommenden Tage d\u00fcrfte wohl der 30. Jahrestag der Einf\u00fchrung des Kriegsrechts in Polen am 13. Dezember sein. Erfreulich, dass dies auch einige Medien zum Anlass nehmen, um an die vielen Hilfsaktionen zu erinnern, die damals in Deutschland gestartet wurden und von einer Sympathie-Stimmung f\u00fcr Polen getragen waren. In den Neunziger Jahren, als Polen-Witze in Deutschland Hochkonjunktur hatten, schien das zwischenzeitlich alles fast in Vergessenheit geraten zu sein.<\/p>\n<p>2.02.2012<br \/>\nHeute wurde bekannt, dass die gro\u00dfe polnische Poetin Wis\u0142awa Szymborska am Mittwochabend im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Szymborska war 1996 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet worden.<\/p>\n<p>7.02.2012<br \/>\nIn den letzten beiden Wochen war wieder sehr sch\u00f6n zu sehen, wie unterschiedlich doch die mediale Wahrnehmung ist. Eines der wichtigsten Themen in Polen war n\u00e4mlich der Widerstand gegen das internationale Handelsabkommen ACTA. Ein Vertragswerk, von dem in deutschen Medien kaum die Rede war. Es kam zu energischen Protesten in Polen, die von Attacken auf Websites der Regierung und z.T. w\u00fctenden Stra\u00dfen-Demonstrationen getragen waren. Manch einer war erstaunt, wie leicht Internetseiten der Beh\u00f6rden lahmzulegen waren. Die Proteste hatten schlie\u00dflich eine derartige Wucht, dass sich die Tusk-Regierung (die das Abkommen zun\u00e4chst verteidigt hatte) schlie\u00dflich dazu gezwungen sah, sich das Wetter zunutze zu machen und die Ratifizierung kurzerhand buchst\u00e4blich auf Eis zu legen. Nun erst weckte das Thema auch das Interesse in den deutschen Nachrichten und schaffte es sogar ins deutsche Fernsehen. Wo wir schon beim Wetter sind &#8211; die derzeitigen Temperaturen mit bis zu 30 Grad unter null in Ostpolen sind freilich alles andere als spa\u00dfig. Das Land hat wegen des starken Frosts bereits \u00fcber 50 Todesopfer zu beklagen. Wegen Rohrbr\u00fcchen mussten viele Menschen zeitweise ohne Wasser ausharren. (Christof Leidner)<\/p>\n<p>Der Pressespiegel von Christof Leidner wird in dieser Form zu einem reflektierten Bericht \u00fcber die aktuelle Situation in Polen.<\/p>\n<p>6.6 Mein \u201eGoldenes Buch\u201c<br \/>\n(Ein pers\u00f6nliches Bild der Geschichte der DPG Hamburg aus Sicht unseres Ehrenmitglieds Jan Dolny)<\/p>\n<p>Unser Ehrenmitglied Jan Dolny f\u00fchrt schon seit \u00fcber vier Jahrzehnte ein \u201eGoldenes Buch\/Z\u0142ota Ksi\u0119ga\u201c, in das sich G\u00e4ste unserer Gesellschaft und anderer Institutionen und Organisationen bei ihren Besuchen in Hamburg \u201everewigen\u201c durften. Da es viele dieser G\u00e4ste in ihrer pers\u00f6nlichen Entwicklung weit gebracht haben, geht Jan Dolny davon aus, dass von seinem G\u00e4stebuch eine positive, ja eine geradezu magische Wirkung ausgehen w\u00fcrde. Hier einige Ausz\u00fcge aus seinem \u201eZ\u0142ota Ksi\u0119ga\u201c:<br \/>\nDer deutsche Dichter Jean Paul (1763-1825) schrieb \u201eDie Erinnerung ist das einzige Paradies, aus dem wir nicht vertrieben werden k\u00f6nnen.\u201c Ich dagegen halte es mehr mit dem \u00f6sterreichischen Schauspieler Paul H\u00f6rbiger (1894-1981), der, als ob f\u00fcr mich bestimmt, einst zum Besten gab: \u201eF\u00fcr angenehme Erinnerungen muss man im Voraus sorgen!\u201c<\/p>\n<p>Es begab sich etwa zu der Zeit, als in Hamburg verantwortungsbewusste B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger eine Deutsch-Polnische Gesellschaft gr\u00fcndeten, dass ich auf einer Polenreise in der wundersch\u00f6nen Stadt \u0141owicz, (Das weltweit bekannte Volksensemble \u201eMazowsze\u201c, besang damals (wie heute) die wundersch\u00f6nen M\u00e4dchen dieser Stadt in ihren prachtvollen Volkstrachten ) f\u00fcr die Erweiterung meines privaten \u201eHeimatmuseums\u201c nach geschnitzten Teufeln suchte. Es gab zwar volle Regale mit Heiligen und himmlischen Gestalten, aber f\u00fcr einen schlichten Teufel war die Zeit damals wohl noch nicht reif. Es war wohl ein Wink des Schicksals, als ich beim Hinausgehen des kunstvoll in Kupferblech eingefassten \u201eGoldenen Buches\u201c, meiner \u201eZ\u0142ota Ksi\u0119ga\u201c eben, ansichtig wurde.<\/p>\n<p>Meine Sammlung pr\u00e4chtiger Holzfiguren hat sich in den Jahrzehnten beachtlich vermehrt (auch Teufel haben reichlich Einzug gehalten). Mein \u201eGoldenes Buch\u201c, inzwischen mit \u201ehistorisch\u201c angereichertem Inhalt, ist f\u00fcr mich jedoch einzigartig geblieben. Auch f\u00fcr die vielen lieben Menschen, die sich mit ein paar netten Zeilen f\u00fcr mich zur Erinnerung an unsere Begegnung darin verewigt haben, wird es eine Besonderheit bleiben. Sie ahnen es nur nicht! Denn, wie k\u00f6nnten sich aber auch die weit \u00fcber 1200 Menschen, verschiedenen Nationen angeh\u00f6rend, die sich mit einem Namenszug, meist unter einigen sehr freundlichen. Zeilen platziert, darin verewigt haben, nach fast vier Jahrzehnten glaubhaft an diesen Augenblick erinnern. An den Tag vor sehr langer Zeit, da ich der Deutsch-Polnischen Gesellschaft half, ihnen den Aufenthalt in der Hansestadt so angenehm wie m\u00f6glich zu gestalten. Doch ich bin mir sicher, dass die meisten von ihnen den Augenblick, in dem sie sich in meinem \u201eGoldenen Buch\u201c verewigt haben, vergessen haben. An dieser Stelle d\u00fcrfen Sie schon ein wenig schmunzeln. Ja bitte! Doch gew\u00e4hren Sie mir dennoch freundlicherweise den Versuch einer augenzwinkernden Begr\u00fcndung, warum ich, an die, leider nur von mir erkannte, \u201emagischen Wirkung\u201c des \u201eGoldenen Buches\u201c, unbedingt glauben m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Im September 1975 stellte sich in unserer Wohnung die Equipe der polnischen Radrennfahrer zum Kaffeetrinken ein. Der letzte Tag ihres Trainingsaufenthaltes in der Sportschule \u201eSachsenwald\u201c in Wentorf war gekommen, und sie meinten, es w\u00e4re an der Zeit, dem \u201e Polenfreund\u201c, der sie w\u00e4hrend der zwei Wochen betreute, und seiner Familie ein Dankesch\u00f6n zu sagen. Denn ihr absoluter Star in der Equipe war immerhin der Bahnradweltmeister Jan Kierzkowski. Mir fiel schon damals besonders der bescheidene und mannschaftsdienlich agierende Czeslaw Lang auf. Darf ich sein Autogramm wiederum als Vorzeichen f\u00fcr seine sp\u00e4teren Erfolge werten? Nach einer langen, von Erfolgen gekr\u00f6nten Karriere als Amateur- und Profirennfahrer, organisiert er heute das gr\u00f6\u00dfte Radsportspektakel in Polen: die \u201eTour de Pologne\u201c. Auch in diesem Jahr werden die besten Radrennfahrer der Welt daran teilnehmen, und die Strecke wird durch meine Heimatstadt Neustadt\/Prudnik f\u00fchren. Sp\u00e4testens dort werde ich Czes\u0142aw Lang mit seinem \u201eGl\u00fccksbringer\u201c wieder konfrontieren.<\/p>\n<p>Im August 1976 hatte ich das gro\u00dfe Gl\u00fcck, im Namen unserer Gesellschaft die Mannschaft und Studenten des Segelschiffes \u201eDar Pomorza\u201c eine Woche lang in Hamburg betreuen zu d\u00fcrfen. Als Mitarbeiter der Werft Blohm &amp; Voss, von dessen Helgen der Stolz der polnischen Handelsmarine als \u201ePrinzess Eitel Friedrich\u201c im Fr\u00fchjahr 1910 in die Elbfluten hinab glitt, f\u00fcr diese Zeit freigestellt, erlebte ich mit den gestandenen und angehenden Seeb\u00e4ren gar manches denkw\u00fcrdige Abenteuer. Kleine Kostprobe: Als das vorgesehene finanzielle Budget, vor allem f\u00fcr Getr\u00e4nke, in dem Restaurant auf dem Kiekeberg ausgesch\u00f6pft war, und wir immer noch Durst versp\u00fcrten, stellte ich kurz entschlossen einen\u201e Shanty Chor\u201c der \u201eDar Pomorza\u201c zusammen. Offiziell gab es so einen Chor selbstverst\u00e4ndlich (noch) nicht. Der Erfolg war ebenso \u00fcberraschend wie \u00fcberw\u00e4ltigend. Der Wirt spendierte uns diverse Runden, mit der Bitte, unser \u201eKonzert\u201c doch fortzusetzen. Auch die zahlreich anwesenden G\u00e4ste baten lautstark um Zugaben, nat\u00fcrlich durch fl\u00fcssige Naturalien bekr\u00e4ftigt. Die Folge war: nur im allerletzten Augenblick konnten wir uns ersch\u00f6pft auf dem Rasen von \u201ePlanten und Blomen\u201c niederlassen, um die einmalig sch\u00f6nen, musikalisch unterlegten Wasserlichtspiele zu bewundern. Die Freundschaftsbeteuerungen seitens meiner Seeb\u00e4ren, waren noch nach Wochen als blaue Flecke auf meinem R\u00fccken auszumachen. Sie fragen sich nun, was diese Begebenheit mit den angeblichen magischen Kr\u00e4ften meines \u201eGoldenen Buches\u201c gemeinsam hat?<\/p>\n<p>Mein Freund, der damalige Ausbilder Kapit\u00e4n Josef Kwiatkowski, schickte mir vor kurzem ein Buch, in welchem er sich mit Freude an die sch\u00f6nen Tage in Hamburg erinnert. Dass, aus dem damals so sang-trinkfreudigen Seekadettenjahrgang, allesamt t\u00fcchtige Kapit\u00e4ne wurden, sei nur am Rande vermerkt. Sein Sohn Bogdan Kwiatkowski besuchte uns einige Jahre sp\u00e4ter, selbst bereit schon Kapit\u00e4n und Ausbilder f\u00fcr den Seemannsnachwuchs auf der \u201eDar M\u0142odzie\u017cy\u201c. Nur wenige Seiten in meinem \u201eGoldenen Buch\u201c trennen Vater und Sohn. Als mich Bogdan mit seiner Familie im Jahr 2008 in Hamburg erneut besuchte, wollte er sich partout wieder in das von ihm w\u00f6rtlich genannte \u201eGl\u00fccksbuch\u201c eintragen. Leider musste er schon mit einem \u201e Nachfolger\u201c des Gl\u00fccksbringers vorlieb nehmen.<\/p>\n<p>An einem frostigen Februarmorgen 1976 wurde ich von der Gesch\u00e4ftsstelle des HSV telefonisch gefragt, ob ich f\u00fcr einen Tag die sprachliche Betreuung der Fu\u00dfballmannschaft von \u201eStal Mielec\u201c \u00fcbernehmen k\u00f6nnte. Was f\u00fcr eine Frage! Leider hat mein Gl\u00fccksbuch den Fu\u00dfballern aus Mielec damals kein Gl\u00fcck gebracht. Sie verloren das Spiel gegen den HSV haushoch. Doch wage ich die k\u00fchne Behauptung, dass f\u00fcr einen St\u00fcrmer dieser Mannschaft seine Widmung in meinem Buch ein wichtiger Schritt zu einer gro\u00dfen Weltkarriere gewesen ist. Dieser Sportler war Grzegorz Lato. Nach dem 3. Platz 1974 bei der WM in Deutschland konnte er den Erfolg 1982 mit der polnischen Elf in Spanien wiederholen. An einem traumhaft sch\u00f6nen Abend am Mittelmeer durfte ich mit meiner Familie und sogar einigen spanischen Freunden den Sieg der polnischen Elf \u00fcber Frankreich als G\u00e4ste des polnischen Fu\u00dfballverbandes in Alicante miterleben. Wir sa\u00dfen auf der Trib\u00fcne neben unserem Warschauer Freund Andrzej Bialkowski. Andrzej, seines Zeichens Chefkoch des damals bekanntesten Hotels in Warschau \u201eVictoria\u201c, war anl\u00e4sslich der Ausstellung \u201eDu und Deine Welt\u201c im Jahre 1981 von HEIN GAS (Hamburger Gaswerke) eingeladen worden, den Hamburgerinnen und Hamburgern polnische Spezialit\u00e4ten schmackhaft zu machen. Da er damals von mir betreut wurde, kochte er nat\u00fcrlich auch f\u00fcr uns privat und trug sich bei dieser Gelegenheit selbstverst\u00e4ndlich in das \u201eGoldene Buch\u201c ein. Das Gl\u00fcck lie\u00df nicht lange auf sich warten! Schon kurz nach seiner R\u00fcck-kehr nach Warschau schrieb er uns voller Stolz, dass man ihn zum Chefkoch der polnischen Fu\u00dfballnationalmannschaft berufen hat. Und Grzegorz Lato? Nun, er bekleidet heute den Posten des Pr\u00e4sidenten des Polnischen Fu\u00dfballverbandes und war f\u00fcr die Organisation der Fu\u00dfball-Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine mitverantwortlich.<\/p>\n<p>Und wenn wir schon beim Fu\u00dfball sind; so stand am 17. M\u00e4rz 1978 ein gewisser Wojtek Lazarek vor unserer Wohnungst\u00fcr und zeigte mir ein Schreiben des damaligen Nationaltrainers Jacek Gmoch. Darin las ich, dass er am 18. M\u00e4rz 1978 (also schon am n\u00e4chsten Morgen) f\u00fcr zwei Wochen beim HSV hospitieren sollte. Und man m\u00f6ge ihm in jeder Hinsicht behilflich sein. Noch heute ist mir nicht klar, wie er ausgerechnet den Weg zu mir gefunden hat. Ich durfte ihn nun fast t\u00e4glich zum Rothenbaum\u2013Stadion begleiten und hatte somit das Gl\u00fcck, die damaligen Stars des HSV Kevin Keegan, Iwan Buljan, aber auch den Sportchef G\u00fcnther Netzer pers\u00f6nlich kennen zu lernen. Mit der zum L\u00e4nderspiel Deutschland gegen Brasilien angereisten polnischen Delegation konnte ich das Spiel aus der Ehrenloge verfolgen. Nat\u00fcrlich ziert auch die Widmung meines sp\u00e4teren Freundes Wojtek Lazarek mein \u201eGoldenes Buch\u201c, und es er\u00fcbrigt sich, zu betonen, das Wojtek sp\u00e4ter Cheftrainer der polnischen Fu\u00dfballnationalmannschaft geworden ist.<\/p>\n<p>Um bei den \u201eBallsportarten\u201c zu verweilen, bei denen sich polnische Mannschaften in Hamburg pr\u00e4sentierten, und ich die Gelegenheit hatte, mich um die sympathischen jungen Menschen ein wenig \u201ek\u00fcmmern\u201c zu d\u00fcrfen. Eigentlich waren sie es damals, die \u201e sportlichen Vorboten\u201c Polens in Hamburg, an die ich gerne erinnern m\u00f6chte. Denn bis dahin gab es kaum Kontakte, geschweige sportliche Begegnungen mit Sportlern aus unserem Nachbarsland hinter dem \u201e Eisernen Vorhang<\/p>\n<p>Wie stolz schaut mich mein Konterfei auf den Seiten der Jahre 1985 und 1986 an. Nicht zu Unrecht! In der Vorweihnachtszeit beider Jahre, weilten die weltbesten Volleyballspieler zu einem hochrangigen, internationalen Volleyballturnier in Hamburg. Und die Besten waren damals die \u201eJungs\u201c aus Polen. Dass ich als deren Betreuer voll in die Mannschaft integriert wurde, muss ich nicht besonders erw\u00e4hnen. Als 1985 das Turnier, mit einem Sieg gegen Kuba, souver\u00e4n gewonnen wurde, musste ich mir, das f\u00fcr mich etwas zu gro\u00df geratene Trikot mit der Nummer 1 von Zbigniew Zielinski, des damals weltbesten Volleyballers, \u00fcberstreifen, mit der Ma\u00dfgabe, diesen Gl\u00fccksbringer auch im n\u00e4chsten Jahr zu tragen. Nat\u00fcrlich waren die Jungs auch im n\u00e4chsten Jahr wieder erfolgreich, was sie \u201enat\u00fcrlich\u201c auf mein Trikot mit der Nr. 1 zur\u00fcckf\u00fchrten. Ich bin mir dagegen jedoch sicher, dass ihre Namen in meinem \u201eGoldenen Buch\u201c einen gr\u00f6\u00dferen Anteil an den sportlichen Erfolgen hatten.<\/p>\n<p>Auf einer der Seiten meines \u201eGoldenen Buches\u201c mit dem April des Jahres 1992 beginnend, dr\u00fccken mir die jungen Handballer aus Rzeszow, den herzlichen Dank f\u00fcr meine f\u00fcrsorgliche Betreuung w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes in Hamburg, beim \u201e Bramfeld Cup\u201c aus. Als ob sich die Jungs bedanken m\u00fcssten! Ich f\u00fchlte mich damals eigentlich zum Dank verpflichtet. Durch diese Begegnung begann zwischen Hamburg und Rzesz\u00f3w &#8211; sp\u00e4ter ist noch Krakau\/Krak\u00f3w dazu gekommen &#8211; der Jugendaustausch, welcher viele Jahre andauerte und hunderte (!) von jungen Menschen aus Polen und Hamburg zusammengebracht hat. Mit meinem Freund Marian Sikora als Rzeszower Partner haben wir damals Neuland beschritten und dadurch unverwischbare Spuren hinterlassen! Bereits im Herbst desselben Jahres durfte ich die netten Jungs aus Krakau\/Krak\u00f3w und Rzeszow wieder durch unser Hamburg f\u00fchren. Diverse Hamburger Vereine hatten damals meine Telefonnummer fest eingespeichert; denn f\u00fcr eine Jugendhandballmannschaft aus Polen war ich f\u00fcr sie stets der richtige Ansprechpartner. Doch \u00fcber die noch bestehende Einbahnstra\u00dfe von Polen nach Hamburg waren sowohl Marian Sikora als auch ich nicht besonders gl\u00fccklich.<\/p>\n<p>Man kann sich daher unsere Freude vorstellen, als wir im Mai 1993 mit je einer M\u00e4dchen \u2013 und Jungenmannschaft des HT16 zu einem Turnier nach Rzesz\u00f3w und Krakau\/Krak\u00f3w fahren konnten. Es war eine ebenso abenteuerliche wie spannende Reise, die wir in zwei Minibussen eines polnischen Reiseunternehmens angetreten haben. Nicht zu glauben, aber wahr: damals weigerten sich deutsche Autovermieter Fahrzeuge f\u00fcr eine Fahrt nach Polen zu vermieten! Dank der Unbek\u00fcmmertheit und Lebensfreude der jungen Hamburger und ihrem Interesse an Land und Leuten, vor allem aber durch die Hilfe meiner Familie: unsere Tochter Alexandra hat als Trainerin der Hamburger Jungen und der M\u00e4dchen diese Fahrt nicht nur mitgemacht, sondern auch f\u00fcr gute Laune gesorgt; Sohn Sven war mir als Co- Trainer und Spieler unentbehrlich, hat diese \u201eSportreise\u201c erheblich zur Erweiterung des \u201eEuropahorizonts\u201c meiner Sch\u00fctzlinge beigetragen. Denn niemand von ihnen hatte jemals zuvor Polen besucht. Doch was w\u00e4ren meine Erinnerungen, wenn ich nicht an dieser Stelle die einmalige Gastfreundschaft unserer polnischen Freunde in Krak\u00f3w und Rzesz\u00f3w erw\u00e4hnen w\u00fcrde. Ob in den mit Sch\u00fclern vollbesetzten Sporthallen in Krak\u00f3w und Rzesz\u00f3w, bei den durch die polnische Presse und in der Bev\u00f6lkerung viel beachteten Turnieren oder w\u00e4hrend der gemeinsamen Freizeiten, \u00fcberall versp\u00fcrte ich den Funken f\u00fcr ein k\u00fcnftiges, gemeinsames Zusammenleben in einem vereinigten Europa. Dieser Jugendaustausch hatte die Folge, dass die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg im Oktober 1994 ein internationales Handballturnier veranstaltete, bei dem unsere bew\u00e4hrten Sportfreunde aus Rzesz\u00f3w und Krak\u00f3w nat\u00fcrlich nicht fehlen durften, um mit gleichaltrigen Hamburger Mannschaften um einen von unserer Gesellschaft gestifteten Pokal zu wetteifern. Wie gerne h\u00e4tte ich den t\u00fcchtigen Polen den Sieg geg\u00f6nnt. Leider brachten ihnen ihre bereits seit dem vergangenen Jahr in meinem \u201eGoldenen Buch\u201c existierenden Widmungen nicht den erhofften Erfolg.<\/p>\n<p>Doch halt&#8230; die jungen polnischen G\u00e4ste und ihre Betreuer \u2013 auch unser Rzeszower Freund Wojtek Furman hat die weite Sportreise mitgemacht- verlebten in der Hansestadt eine wunderbare Zeit, zu der viele Menschen beigetragen haben. Stellvertretend f\u00fcr alle m\u00f6chte ich an dieser Stelle meinen verstorbenen Freund Wilhelm Bartels erw\u00e4hnen. F\u00fcr mich pers\u00f6nlich war es ein besonderer Gl\u00fcckfall Willi Bartels bei der Betreuung polnischer G\u00e4ste stets an meiner Seite zu wissen. Er hat die Jugendlichen nicht nur durch seine bescheidene Art und gro\u00dfe Pers\u00f6nlichkeit fasziniert. Und wenn ich schon meine damaligen \u201eMitstreiter\u201c in Sachen Polen erw\u00e4hne, so darf ich die verantwortlichen Herren des Hamburger Marinest\u00fctzpunktes nicht unerw\u00e4hnt lassen. Nicht nur die \u201epreiswerte\u201c Unterbringung w\u00e4hrend ihres Aufenthaltes war der Grund daf\u00fcr, dass sich \u201emeine\u201c Polen in Hamburg ausgesprochen wohl gef\u00fchlt haben. Die menschliche W\u00e4rme, die ihnen vom einfachen Marinesoldaten bis zum Kommandanten des Marinest\u00fctzpunktes entgegengebracht wurde, war der Hauptgrund daf\u00fcr. Als \u201eflankierende Unterst\u00fctzung\u201c f\u00fcr meine Unternehmungen wusste ich immer das polnische Generalkonsulat in Hamburg an meiner Seite. Gern denke ich an die tolle Zusammenarbeit mit Konsul Stanis\u0142aw Cie\u015bla.<\/p>\n<p>Dem von unserer Gesellschaft so aktiv betriebenen Jugendaustausch wollten sich schon bald auch andere Hamburger Sportvereine anschlie\u00dfen. Bereits in den Hamburger Herbstferien 1995 reiste ich daher wiederum mit M\u00e4dchen und Jungen der Handballabteilung der SG Eidelstedt\/Niendorf, alle im Alter von 13 \u2013 15 Jahren zu unseren polnischen Freunden. Diesmal begleitet von unseren Freunden Gisela und Willi Bartels und Kurt Schubert, fuhren wir auf direktem Weg mit der Bundesbahn nach Krakau\/Krak\u00f3w. Auch einige M\u00fctter der Jugendlichen hatten sich als Betreuer \u2013 unter ihnen unsere sp\u00e4tere Schatzmeisterin Rosi Beeck \u2013 auf diese Reise begeben. Seitens unseres Vorstandes stand mir Alexander Wolf Kuspiel hilfreich zur Seite. Ich denke auch diese Begegnungen sind allen Beteiligten noch lange in guter Erinnerung geblieben. Wohl auch aus dem Grund dass unser Handballturnier die \u201eWoche der deutschen Kultur\u201e in Rzesz\u00f3w einl\u00e4utete! Unsere polnischen Freunde, allen voran Jacek Wzorek und Andrzej Giemza aus Krakau\/Krak\u00f3w, haben uns einen unvergesslichen Aufenthalt beschert. Gemeinsame Streifz\u00fcge der \u201egemischten\u201c deutsch-polnischen Gruppe durch beide St\u00e4dte, ein Ausflug nach Le\u017cajsk und \u0141ancut sowie der Besuch einer Schule, in der die gro\u00dfartige Volksk\u00fcnstlerin W\u0142adys\u0142awa Prucnal uns an ihrem Unterricht bei der plastischen Erdtonverarbeitung teilnehmen lie\u00df, haben gewiss dazu beigetragen, die Menschen in Polen als wahre Freunde zu sehen. Und als \u201esch\u00f6nes Nebenprodukt\u201c dieser sportlichen Begegnungen d\u00fcrfen wir den Beginn der Schulpartnerschaft zwischen dem Gymnasium Finkenwerder und dem Lyzeum No. 2 in Krakau\/Krak\u00f3w sehen.<\/p>\n<p>Mit dem Besuch der jungen Sportler aus Polen im Herbst des Jahres 1996 zum Gegenbesuch in Hamburg verlasse ich das Terrain der sportlichen deutsch\u2013polnischen Jugendbegegnungen. Beim Sportfest des Polnischen Generalkonsulates im Hammer Park konnten einige der jungen Polen aus den H\u00e4nden von Generalkonsul Mieczys\u0142aw Soko\u0142owski sogar Siegerpokale in der Leichtathletik entgegennehmen. Und eigentlich waren weitere Begegnungen f\u00fcr das Jahr 1997 fest eingeplant&#8230;, doch die \u201eGro\u00dfe Flut\u201c die als Jahrhundert-Katastrophe insbesondere den S\u00fcden und S\u00fcdwesten Polens betroffen hat, hatte sich nicht auf den Seiten meines \u201eGoldenen Buches\u201c angek\u00fcndigt\u2026<\/p>\n<p>Es ist f\u00fcr mich ein ganz besonderes Vergn\u00fcgen die Seiten aufzuschlagen, auf denen sich meine kernigen Segler-Freunde mit netten Spr\u00fcchen verewigt haben. Diesem Ereignis, ging die Ankunft des im Segelsport zur Ber\u00fchmtheit gelangten Kapit\u00e4n Kazimierz \u201eKuba\u201c Jaworski in Hamburg voraus. Nach seinem zweiten Platz in der Transatlantikregatta der Einhandsegler im Jahr 1976 bereiteten ihm seine Stettiner Seglerfreunde in Hamburg einen herzlichen Empfang. Ich durfte seitens der DPG Hamburg viele angenehme Stunden mit der Crew an Bord der an der \u00dcberseebr\u00fccke liegenden Segelyacht \u201eTRIGLAW\u201c verbringen. Eine langj\u00e4hrige Freundschaft begann. Wo sind aber die Einfl\u00fcsse meines Gl\u00fccksbringers f\u00fcr die Zukunft meiner segelnden Freunde? Im Jahr 1979 erhielt ich eine Ansichtskarte von der Isle of Wright in S\u00fcden Englands. \u00dcbergl\u00fccklich schrieben mir damals meine Freunde, dass sie und ihre \u201eTRIGLAW\u201c, den in diesem Jahr so \u201em\u00f6rderischen Fastnet Race\u201c vor Cowes, zum Gl\u00fcck heil \u00fcberstanden h\u00e4tten. Zahlreiche Segelyachten gingen unter und 20 Menschen verloren damals in der st\u00fcrmischen See ihr Leben.<\/p>\n<p>Sehr gl\u00fccklich bin ich \u00fcber die herzlichen Worte, mit denen sich Danuta Dworakowska und ihr Mann Wojciech J\u0119drzejczak in mein \u201eGoldenes Buch\u201c, zugleich auch in meinem Herzen verewigt haben. Es war der 5. Dezember 1981. Nur wenige Tage vor dem Beginn des Kriegszustandes in Polen. Auf meine Initiative hin, die vor allem dank der Unterst\u00fctzung von Dr. Hanno Jochimsen Erfolg hatte, lud unsere Gesellschaft, die polnische Pianistin als Gast im Rahmen unserer Veranstaltungsreihe \u201ePolnischer Herbst 81\u201c ein. Zwei Tage zuvor, holte ich bei str\u00f6mendem Regen die polnischen G\u00e4ste am Hamburger Hauptbahnhof ab. Nach einem, noch am gleichen Abend in der Kaufmannsdiele des Museum f\u00fcr Hamburgische Geschichte stattgefundenen, viel umjubelten Konzert, teilte mir die K\u00fcnstlerin jedoch bek\u00fcmmert mit, dass ihr erst seit einigen Tagen angetrauter Ehemann w\u00e4hrend der hastigen Verladung ihrer zahlreichen Koffer in meinen Wagen seinen Ehering verloren hatte. Wahrlich kein gl\u00fccklicher Start in einen neuen Lebensabschnitt! Denn beide wollten damals ihre Heimat Polen f\u00fcr immer verlassen. An diesem f\u00fcr alle Beteiligten denkw\u00fcrdigen Tag, als ich Danuta und Wojciech nach ihrem Besuch bei uns, wo nat\u00fcrlich die obligatorische Eintragung in mein Buch erfolgte, wieder in ihre vorl\u00e4ufige Hamburger Bleibe bei Juliane und Amitabha Chakrabarti, der Tochter und dem Schwiegersohn, der f\u00fcr unsere Hamburger Gesellschaft so verdienstvollen Rosemarie und Wolfgang Zi\u00f3\u0142kowski gebracht hatte, lie\u00df mich die Trauer der Beiden \u00fcber den Verlust des goldenen Reifs nicht ruhen. Noch am selben Abend untersuchte ich den Kofferraum meines Wagens noch einmal aufs Penibelste. Ich habe selten so gl\u00fcckliche Menschen gesehen wie damals Danuta und Wojciech, als ich ihnen den Ehering zur\u00fcckgeben konnte.<\/p>\n<p>Der \u201eWettergott\u201c meinte es zun\u00e4chst nicht gut mit uns, als Gerd Hoffmann und ich an einem Freitagnachmittag Ende Februar 1986 bei bitterster K\u00e4lte mit einem von der Firma Raffay kostenlos zur Verf\u00fcgung gestellten VW-Bus &#8211; vollgeladen mit Medikamenten f\u00fcr das Krankenhaus Nr. 1 in Rzesz\u00f3w &#8211; nach Zielona G\u00f3ra\/Gr\u00fcnberg aufbrachen, um dort Kunsthandwerker aus der Region Rzesz\u00f3w f\u00fcr eine wunderbare Ausstellung polnischer Volkskunst abzuholen und dabei gleichzeitig die Medikamentenspende zu \u00fcbergeben. Es verblieben uns nur wenige Stunden, um uns von der anstrengenden Fahrt \u00fcber vereiste polnische Landstra\u00dfen zu erholen. Noch im Morgengrauen erblickten wir durch das Hotelzimmerfenster eine kleine Gruppe, die vor unserem VW-Bus wartete. Es waren, wie eine Hamburger Zeitung am 8. M\u00e4rz 1986 schrieb: \u201eSieben namhafte polnische Volksk\u00fcnstler, die ihre Arbeiten im Kundenzentrum von \u201eHEIN GAS\u201c (Hamburger Gaswerke) in der Spitalerstrasse pr\u00e4sentieren sollten. Und der Redakteur schrieb weiter, was Gerd und ich w\u00e4hrend der ganzen R\u00fcckreise nach Hamburg hautnah erleben durften. \u201eDie sieben Polinnen und Polen sind einfache, liebenswerte Menschen. Ihre H\u00e4nde sind verarbeitet, haben Schwielen. Tagein, tagaus leisten sie schwerste Arbeit auf dem Feld, in der Werkstatt, auf dem Hof.\u201c Am Feierabend wurden diese H\u00e4nde jedoch sch\u00f6pferisch und Czes\u0142awa Drewniak, Stanis\u0142awa Prucnal, Salomea Misztal, Maria Stelczyk, Andrzej Gombos und Grzegorz Buciak brachten mit Keramik, Kupferblech, bemalten Eiern, Stoffen und Holzschnitzereien wundervolle Unikate zustande. Jeder hatte seinen pers\u00f6nlichen Stil entwickelt. Ihre Lehrmeister waren harte Arbeit, Lebenserfahrung und eine besondere Liebe zur der regionalen Tradition der Volkskunst. Betreut wurden sie von der Germanistikdozentin Janina Pietrek, mit der wir \u00fcber 20 Jahre engagiert zusammengearbeitet haben. Gemeinsam mit dem Kulturattach\u00e9 der Botschaft der Volksrepublik Polen Ryszard Kr\u00f3l er\u00f6ffnete die damalige Kultursenatorin Helga Schuchardt diese gro\u00dfartige Ausstellung.<\/p>\n<p>Was w\u00e4re mein \u201eGoldenes Buch\u201c, wenn sich darin nicht Widmungen von zauberhaften Damen und temperamentvollen Herren zahlreicher polnischen Folkloreensembles bef\u00e4nden, welche im Laufe von Jahrzehnten, die B\u00fcrger der Hansestadt zu wahren Begeisterungsst\u00fcrmen haben hinrei\u00dfen lassen. Aus jeder Seite meines \u201eGoldenen Buches\u201c h\u00f6re ich die gro\u00dfartigen Stimmen heraus, mit denen die Sch\u00e4tze des polnischen Liedgutes den Ohren des Hamburger Publikums schmeichelten, und die fast schon akrobatisch anmutenden Bewegungen der in wundersch\u00f6ne Trachten gewandeten Tanzpaare die Augen verkl\u00e4rten. Es ist gewiss keine k\u00fcnstlerische Wertung meinerseits, wenn ich meinen bunten Reigen mit unserem Lieblingsensemble \u201eResovia Saltans\u201c er\u00f6ffne. Auch erlaube ich mir, den Rzeszower Freunden, die unsere Gesellschaft fast seit Anbeginn unserer Arbeit aktiv und freundschaftlich begleiten, f\u00fcr ihre Treue an dieser Stelle ganz herzlich zu danken. Ob im Rathaus oder bei Volksfesten in fast allen Hamburger Stadtteilen, haben unsere Freunde von Resovia Saltans unz\u00e4hlige Menschen \u201eso richtig gl\u00fccklich gemacht!\u201c (diese Worte einer \u00e4lteren Hamburgerin auf einem in den 80-er Jahren stattgefundenen Volksfest im Eichtalpark klingen mir noch heute im Ohr, als sie mich damals bat, ihren Dank den jungen K\u00fcnstlern zu \u00fcbermitteln). Unvergessen bleibt zwar ihr Auftritt im Rathaus anl\u00e4sslich des \u201e Polnischen Herbstes\u201c im November 1981, doch geradezu sensationell \u201eheizten\u201c sie uns w\u00e4hrend ihres Auftrittes zum 25 j\u00e4hrigen Jubil\u00e4um unserer Gesellschaft am 28. August 1997 ein. Allein dieser G\u00e4ste wegen lohnt es sich in diesem Jahr das \u201e40 J\u00e4hrige\u201c zu feiern!<\/p>\n<p>Wie ein bunter Reigen zieht sich die polnische Folklore durch die Seiten meines \u201eGoldenen Buches\u201c. Mit dem weltber\u00fchmten Tanz- und Gesangsensemble \u201eMazowsze\u201c sind auch die absoluten Stars der polnischen Folklore in meinem G\u00e4stebuch vertreten. Noch vor ihrem Galaauftritt in der Musikhalle, pr\u00e4sentierte sich das Ensemble am 20. M\u00e4rz 2003 mit einem Kurzprogramm im Hamburger Rathaus. Ein langj\u00e4hriger Weggef\u00e4hrte in der Bezirksversammlung und damals Fraktionsvorsitzender der PRO\u2013Partei in der B\u00fcrgerschaft Norbert Fr\u00fchauf erinnerte sich meiner vielf\u00e4ltigen Kontakte nach Polen und bat mich um Unterst\u00fctzung. Mit dem Erfolg, dass ich nicht nur zu diesem Kurzauftritt im Festsaal des Rathauses beitragen konnte, sondern auch die Begr\u00fc\u00dfungsrede f\u00fcr die damalige Kultursenatorin Dana Horakova, einer geb\u00fcrtigen Tschechin, in Polnisch formulierte, welche sie mit Bravour vortrug und damit die gro\u00dfartigen K\u00fcnstler zu einem wahren Feuerwerk polnischer Folklore animierte. Bei dieser Gelegenheit genehmigte ich mir einige Drinks gemeinsam mit dem \u201clegend\u00e4ren Fuhrmann\u201c, Stasiu Jopek, was zu einer langen Freundschaft werden sollte. Noch heute bewundere ich ihn daf\u00fcr, dass man ihm unser \u201eAufw\u00e4rmtraining\u201c bei der Galavorstellung nur einige Stunden sp\u00e4ter in der Musikhalle absolut nicht anmerkte. Mit dem im Dezember 1988 in Hamburg weilenden Kirchenchor \u201ePallotti\u201c aus Posen\/Pozna\u0144 zog ich einige Tage singend durch die Hamburger Innenstadt. Bei wahrlich winterlichen Temperaturen &#8220;heizten\u201c sie den Hamburgern mit ihrem internationalen Liedgut so richtig ein. Unvergessen bleiben mir die gl\u00fccklichen Augen der Menschen in Altenheimen, in denen unsere polnischen Freunde auftraten. Als Botschafter der polnischen Kultur titulierten mich die Musiker und S\u00e4nger aus dem Dorf Albigowa im Jahr 1992. Ich revanchierte mich damit, dass ich sie in meinem Hamburger Stadtteil Hamm die traditionelle \u201ePolnische Weihnacht\u201c in einem Kulturladen zelebrieren lie\u00df. Die polnischen Speisen und die Weihnachtslieder begeisterten meine Mitb\u00fcrger und weckten damit das Interesse f\u00fcr Polen. Das Tanz- und Gesangsensemble \u201eBielsko\u201c riet mir 1995 in meinem \u201eGoldenen Buch\u201c, alles Unwichtige zu vergessen, nur ihre sch\u00f6nen M\u00e4dchen nicht. Wie k\u00f6nnte ich!<\/p>\n<p>Nicht vergessen werden meine ehemaligen Kollegen von Blohm &amp; Voss, die bezaubernden S\u00e4ngerinnen des \u201eWiwat\u201c-M\u00e4dchenchores aus Warszawa. Still wurde es in der Werftkantine, als hier &#8211; nur wenige Tage vor dem Weihnachtsfest 2002 &#8211; die wundersch\u00f6nen Stimmen des von unserer Freundin Alicja Mossakowska geleiteten Chores ert\u00f6nten.<\/p>\n<p>Die musikalische \u201eAbteilung\u201c m\u00f6chte ich mit zwei K\u00fcnstlerinnen beenden, die mir besonders am Herzen liegen. Als mir 1990 die Auszeichnung \u201eDie goldene Sirene (Z\u0142ota Syrena)\u201c vom B\u00fcrgermeister von Warschau -Mitte verliehen wurde, hatte ich \u201eeinen Wunsch frei\u201c. Ich nahm die Gelegenheit wahr, mir meinen langj\u00e4hrigen Wunsch, die Begegnung mit meiner Lieblingss\u00e4ngerin S\u0142awa Przybylska, endlich in Erf\u00fcllung gehen zu lassen. Mit zwei Duzend roter Rosen im Arm, stand ich mit klopfendem Herzen vor ihrer Wohnungst\u00fcr. Es war eine so unvergessliche Begegnung, die zu einer, bis zum heutigen Tage andauernde Freundschaft zu S\u0142awa und ihrem Mann Jan Krzy\u017canowski f\u00fchrte! Wie gl\u00fccklich war ich, als wir die beiden anl\u00e4sslich ihres begeisternden Konzertes in Hamburg in unserer Wohnung begr\u00fc\u00dfen durften. Es war der 2. November 2001 \u2013 der Geburtstag von S\u0142awa!<\/p>\n<p>Es hat lange gedauert, bis es mir gelungen ist, im Namen unserer Gesellschaft Irena Sleszy\u0144ska-Borowiec zu einem Konzert nach Hamburg einzuladen. Bei dieser Gelegenheit m\u00f6chte ich auch an den damaligen Direktor des polnischen Reiseb\u00fcros ORBIS in Hamburg Mieczys\u0142aw Cherek erinnern, mit dem wir dieses Konzert in der Reihe \u201ePolnische Kunst und Kultur in Hamburg\u201c im Oktober 1987 gemeinsam veranstalteten. Auf einer Tournee, auf der ich Irena als ihr \u201eImpresario\u201c zu einigen DPG-en im Norden Deutschlands begleiten durfte, sowie auf zahlreichen Veranstaltungen in Hamburgs Stadtteilkulturl\u00e4den, konnte die K\u00fcnstlerin aus Posen\/Pozna\u0144 das Interesse f\u00fcr Polen und ich f\u00fcr unsere Gesellschaft wecken.<\/p>\n<p>1987 schrieb die bekannte Theaterregisseurin Izabella Cywi\u0144ska in mein Buch: \u201cDem teuren Jan Dolny, der mir in der RFN (Bundesrepublik) das Gef\u00fchl vermittelte (&#8230;) endlich frei zu sein!\u201c Izabella hat mit ihrem Posener Theater \u201eNowy\u201c an dem Sommerfestival in der Kampnagelfabrik teilgenommen. Bei der Vernissage der Ausstellung \u201eHamburg in Farben\u201c, die ich gemeinsam mit dem langj\u00e4hrigen Freund unserer Gesellschaft, dem Warschauer Journalisten Kazimierz Boli\u0144ski, f\u00fcr den Hamburger K\u00fcnstler und Mitglied unserer Gesellschaft Hubert Piske im Oktober 1989 organisiert hatte, begr\u00fc\u00dfte mich Izabella schon als guten Bekannten. Sie war inzwischen Ministerin f\u00fcr Kunst und Kultur im Kabinett von Tadeusz Mazowiecki, dem ersten frei gew\u00e4hlten Ministerpr\u00e4sidenten nach der demokratischen Wende! Da sage noch einer, mein Gl\u00fccksbuch w\u00e4re nicht \u201ekarrieref\u00f6rdernd\u201c! Viele interessierte Warschauer haben den von mir \u00fcbersetzten Gru\u00dfworten des Ersten B\u00fcrgermeisters der Freien und Hansestadt Henning Voscherau mit gr\u00f6\u00dfter Aufmerksamkeit und Hoffnung auf eine m\u00f6gliche Partnerschaft zugeh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich haben zahlreiche polnische Politiker und Diplomaten die Gelegenheit wahrgenommen, durch ihre Widmung auf den Seiten meines Buches f\u00fcr einen \u201e Karriereschub\u201c zu sorgen. Ob jedoch Dr. Marek Prawda, als er Ende August 1997 seine freundliche Widmung mit den Worten schloss: \u201e(\u2026) F\u00fcr Janek, von dem ich erfahren habe, was es bedeutet: Mehr sein als Schein\u201c, schon geahnt hatte, dass er bald Botschafter der Republik Polen in Deutschland sein w\u00fcrde?<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des durch unsere Gesellschaft organisierten Gedenktages zur Erinnerung an den 50. Jahrestag des Kriegsbeginns am 1. September 1989 befand sich in der polnischen Delegation neben dem Danziger Weihbischof Zygmunt Paw\u0142owicz auch J\u00f3zef Borzyszkowski, damals Vorsitzender der Kaschubischen Gesellschaft. W\u00e4hrend der Weihbischof am sp\u00e4ten Abend seine wohlverdiente Ruhe suchte, habe ich den polnischen G\u00e4sten unser Hamburg bei Nacht gezeigt. Mit launigen Zeilen erinnert Borzyszkowski an die netten Stunden. Na und, fragen Sie. Nun, er wurde bereits ein halbes Jahr sp\u00e4ter Vizewoiwode der Region Danzig und im Jahr 1991 in den polnischen Senat gew\u00e4hlt. Wieder nur ein Zufall? Aber klar!<\/p>\n<p>An dieser Stelle sollte ich aber die mich so bewegenden Begegnungen mit ehemaligen polnischen Zwangsarbeitern erw\u00e4hnen. Unvergessen bleibt mir &#8211; sicher auch unseren polnischen G\u00e4sten &#8211; die Veranstaltung im Mai 2005, die im ehemaligen Konzentrationslager Neuengamme stattfand. Beim Abschied von ihnen flossen Tr\u00e4nen. Auch aus den Augen derer, die so viel Leid in unserer Stadt erlebt hatten. W\u00e4hrend der Betreuung der inzwischen erwachsenen Kinder ehemaliger KZ-H\u00e4ftlinge im Jahre 2010 ist mir bewusst geworden, dass die Eltern dieser von mir nun betreuten Menschen in fast allen Teilen unserer Stadt unter grausamsten Umst\u00e4nden gefangen gehalten und gequ\u00e4lt wurden. Auch in der N\u00e4he unsrer Wohnung. Diese bittere Erkenntnis versuche ich heute meinen Enkeln zu vermitteln.<\/p>\n<p>Zum Ende meiner doch sehr umfangreich gewordenen Huldigung einer nicht allt\u00e4glichen Erinnerungssammlung m\u00f6chte ich noch ein Beispiel \u201eanbringen\u201c, das vielleicht doch f\u00fcr meine Marotte, das Buch sei ein \u201eGl\u00fccksbringer\u201c, spricht. Als sich im April 1990 eine hochrangige Delegation aus Warschau-Mitte auf Einladung unserer Gesellschaft und der Bezirksversammlung Hamburg-Mitte nach Hamburg aufmachte, um f\u00fcr eine Partnerschaft zwischen unseren Bezirken zu werben, schien es, als w\u00fcrde diese sinnvolle partnerschaftliche Initiative ein Selbstg\u00e4nger werden. Alles auf unserer Seite war daf\u00fcr bestens vorbereitet. Die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte, der ich damals angeh\u00f6rte, stand ebenso geschlossen hinter dieser Idee unserer Gesellschaft wie auch die Landesdelegierten der Hamburger SPD, die meinen Antrag einstimmig gebilligt hatten. Leider entschied sich der damalige B\u00fcrgermeister Henning Voscherau gegen unsere v\u00f6lkerverbindende Idee, und zwar mit der Begr\u00fcndung, dass nur der Senat Entscheidungen \u00fcber st\u00e4dtepartnerschaftliche Verbindungen treffen k\u00f6nne und er keine solchen Verbindungen von Bezirken w\u00fcnsche. Vielleicht h\u00e4tte ich auch ihn vorher bitten sollen, sich in mein \u201eGoldenes Buch\u201c einzutragen. Mit Hilfe des Buches w\u00e4re es bestimmt gelungen! Naja&#8230;vielleicht.<\/p>\n<p>Beim Betrachten der Seiten, auf denen die Namen mir lieb gewonnener Menschen zu lesen sind, kommen in mir immer neue Erinnerungen und Episoden hoch. Mit Freunden von der Deutschen Hilfsgemeinschaft in Hamburg haben wir so viele gemeinsame Jugendbegegnungen durchgef\u00fchrt. Deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer G\u00fcnther Eggers bin ich besonders f\u00fcr die engagierte Zusammenarbeit mit Warschau sehr dankbar. Ebenso danke ich dem ehemaligen Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Deutschen Kriegsgr\u00e4berf\u00fcrsorge Hamburg R\u00fcdiger Tittel, der auch mehrere Jahre mit mir gemeinsam Vorstandsmitglied der DPG Hamburg war. In Zusammenarbeit mit unserer Gesellschaft hat die Grabpflege f\u00fcr die Kriegsopfer beider Weltkriege in Hamburg und Polen &#8211; durchgef\u00fchrt mit internationalen Jugendcamps &#8211; eigentlich erst begonnen. Mein besonderer Dank gilt jedoch vor allem dem polnischen Generalkonsulat mit seinen Mitarbeitern, von denen mir stets alle erdenkliche Unterst\u00fctzung gew\u00e4hrt wurde.<\/p>\n<p>Weit \u00fcber 1200 Namensz\u00fcge bereichern mein \u201eGoldenes Buch\u201c, durch welches ich mich jederzeit in die \u201eVergangenheit\u201c hineinversetzen kann. Jeder Namenszug ist mir wichtig. Ich hoffe mit meiner \u201eMarotte\u201c konnte ich einigen Menschen, f\u00fcr die diese Namensz\u00fcge stehen, Gl\u00fcck bringen. Das w\u00fcrde ich jedenfalls heute gerne glauben wollen und \u201eGlaube versetzt bekanntlich Berge\u201c! F\u00fcr mich ist es jedenfalls ein aufregender und interessanter Zeitabschnitt meines Lebens gewesen, f\u00fcr den ich vielen Menschen, vor allem der Deutsch\u2013Polnischen Gesellschaft Hamburg ganz aufrichtig danken m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Schlie\u00dfen m\u00f6chte ich meine Erinnerungen mit dem Gedenken an zwei Menschen, denen ich mich in gro\u00dfer Dankbarkeit verbunden f\u00fchle. Oft und gerne erinnere ich mich an die Freundschaft zu unserem langj\u00e4hrigen Vorsitzenden und Ehrenvorsitzenden Dr. Hanno Jochimsen und danke ihm auf diesem Wege f\u00fcr die mich stets aufmunternden und aufbauenden Gespr\u00e4che. Von seiner menschlichen Betrachtung gar manch kompliziert erscheinender Probleme und deren L\u00f6sung habe ich in meinem Leben sehr profitiert. Danke Hanno!<\/p>\n<p>Erst in den letzten Tagen vor seinem Abschied als polnischer Generalkonsul in Hamburg hatte ich Gelegenheit, sehr pers\u00f6nliche Gespr\u00e4che mit Dr. Andrzej Kremer f\u00fchren zu k\u00f6nnen. Seine sehr einf\u00fchlsamen Zeilen in meinem \u201e Goldenen Buch\u201c enden mit einer pers\u00f6nlichen Einladung nach Polen: \u201e(\u2026) Ich hoffe, Sie besuchen mich einmal in Krak\u00f3w (\u2026).\u201c Das tragische Flugzeugungl\u00fcck von Smolensk hat nicht nur unser beider Hoffnung j\u00e4h zerst\u00f6rt! Warum nur &#8211; hat uns mein vermeintlicher \u201eGl\u00fccksbringer\u201c im Stich gelassen?<\/p>\n<p>6.7 Besondere Ehrungen unserer Mitglieder<\/p>\n<p>Am 18.12.1989 beschloss der Stadtrat der polnischen Hauptstadt Warschau, den stellvertretenden Vorsitzenden unserer Gesellschaft, Jan Dolny, als ersten Ausl\u00e4nder mit der Auszeichnung \u201eGoldene Sirene\u201c zu ehren. Mit ihr werden die \u201everdienten B\u00fcrger Warschaus\u201c ausgezeichnet. Die Medaille bekam er f\u00fcr die Bem\u00fchungen um eine partnerschaftliche Verbindung zuerst zwischen Hamburg und Warschau, und als das nicht gelang war, zwischen den Innenstadtbezirken Warschaus und Hamburgs. Au\u00dferdem wurden die erfolgreichen deutsch-polnischen Schulpartnerschaften und der Jugendaustausch gew\u00fcrdigt. Am 2. Juli 1990 schrieb Dr. Henning Voscherau, Erster B\u00fcrgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg, an den Preistr\u00e4ger: \u201eIch werte diese Auszeichnung nicht nur als eine W\u00fcrdigung Ihrer pers\u00f6nlichen Verdienste in dem Bem\u00fchen um die Verst\u00e4ndigung zwischen Deutschen und Polen, sondern auch als ein Zeichen daf\u00fcr, dass in Warschau die von Hamburg schon sehr fr\u00fchzeitig betriebene Politik der \u00d6ffnung nach Osten anerkannt wird.\u201c<\/p>\n<p>Die zweite wichtige Auszeichnung bekam Jan Dolny in seiner oberschlesischen Heimatstadt Neustadt\/Prudnik, in der ihm der Stadtrat am 31. Januar 2001 den Ehrentitel \u201eVerdienter f\u00fcr Stadt und Gemeinde\u201c verlieh. Die Einwohner der Stadt w\u00e4hlten ihn einige Jahre sp\u00e4ter zum Menschen des Jahres 2006. Am 28.September 2007 wurde dem \u201eHamburger aus Schlesien\u201c, wie er sich stets bezeichnet, die von der Zeitung \u201eTygodnik Prudnicki\u201c gestiftete Skulptur des historischen Wogendrosselturmes in einer feierlichen Veranstaltung verliehen. Die Auszeichnungen bekam er vor allem f\u00fcr sein Engagement f\u00fcr schwerbehinderten Kinder und Jugendliche in Prudnik.<\/p>\n<p>Jan Dolny bei der Preisverleihung in Prudnik<\/p>\n<p>6.7.1 Verdienstorden der Republik Polen verliehen an Mitglieder der DPG Hamburg<\/p>\n<p>In Hamburg ist es eher ungew\u00f6hnlich, f\u00fcr Polen aber eine aufmerksame Wertsch\u00e4tzung f\u00fcr eine langj\u00e4hrige und intensive Verst\u00e4ndigungsarbeit von Hamburgerinnen und Hamburgern im deutsch-polnischen Dialog: Wir sind stolz darauf, dass neun Mitglieder unserer Gesellschaft durch polnische Staatspr\u00e4sidenten f\u00fcr ihre Arbeit und ihr Engagement mit Verdienstorden der Republik Polen geehrt wurden und damit Respekt und Anerkennung f\u00fcr ihr langj\u00e4hriges Engagement f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung zwischen Polen und Deutschland erhielten:<\/p>\n<p>\u2022 Hanno Jochimsen (Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 1999) f\u00fcr seine langj\u00e4hrige Arbeit als Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg (1973- 1991) und seine T\u00e4tigkeit als Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft f\u00fcr Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung auf Bundesebene (1991-1995).<\/p>\n<p>\u2022 Gerd Hoffmann (Offizierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2001) f\u00fcr sein jahrzehntelanges Engagement f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung vom Ende der 60er-Jahre bis ins neue Jahrtausend, insbesondere f\u00fcr die Initiative zur Gr\u00fcndung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg 1972 und seine langj\u00e4hrige Arbeit im Vorstand der Gesellschaft und im Vorstand des Bundesverbandes.<\/p>\n<p>\u2022 G\u00fcnter Filter (Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 1997) f\u00fcr seine langj\u00e4hrige publizistische Arbeit im Interesse der Vers\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Polen, insbesondere f\u00fcr den Aufbau des deutsch-polnischen Magazins DIALOG, deren Chefredakteur von 1987 bis 1999 gewesen ist.<\/p>\n<p>\u2022 Jan Dolny (Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2001) f\u00fcr sein langj\u00e4hriges Engagement im Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, insbesondere im Jugend- und Sportbereich.<\/p>\n<p>\u2022 Heidi und Wilhelm Holzapfel (jeweils das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2003) f\u00fcr ihr langj\u00e4hriges privates Engagement polnische und deutsche Studentinnen und Studenten zu Studienaufenthalten in Hamburg und Solec an der Weichsel einzuladen, um ihnen Gelegenheit zu geben, das Nachbarland kennen zu lernen.<\/p>\n<p>\u2022 Aleksandra Jeszke-Zillmer und Hartwig Zillmer (jeweils das Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2003) f\u00fcr ihre Arbeit im Vorstand der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg, insbesondere f\u00fcr ihre Initiativen im Bereich Umwelt und \u00d6kologie sowie im Bildungsbereich.<\/p>\n<p>\u2022 Robert Szec\u00f3wka ROBS (Kavalierskreuz des Verdienstordens der Republik Polen, 2010) f\u00fcr sein langj\u00e4hriges, k\u00fcnstlerisches Schaffen und sein Engagement f\u00fcr die Hamburger \u201ePolonia\u201c. Mit seinen nachdenklichen und intelligenten Cartoons gelingt es ROBS immer wieder nicht nur Polen und Deutschen \u201eihren Spiegel vorzuhalten\u201c und damit zur Verst\u00e4ndigung zwischen den Menschen beider V\u00f6lkern beizutragen. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>6.7.2 Matthiae-Mahl 2009<\/p>\n<p>Bereits seit 1356 laden die Regierenden der Hansestadt am 24. Februar zum Matthiae-Mahl ein, dem \u00e4ltesten noch begangenen Festmahl der Welt. Der Name geht auf den Matthiae-Tag, den 24. Februar, zur\u00fcck. Der Senat l\u00e4dt traditionell einmal im Jahr, einen ausl\u00e4ndischen und einen deutschen Ehrengast, 400 Repr\u00e4sentanten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur sowie das gesamte Konsularische Korps ins Rathaus ein. Am 27. Februar 2009 sprachen der polnische Ministerpr\u00e4sident Donald Tusk, und die Bundeskanzlerin Angela Merkel als Ehreng\u00e4ste zum Thema: &#8220;Dynamische Ostseeregion &#8211; 20 Jahre Partner in Europa&#8221;. In seiner Begr\u00fc\u00dfungsrede betonte der Erste B\u00fcrgermeister Ole von Beust, dass \u201ePolen und Deutschland sich heute als Nachbarn, Verb\u00fcndete und Freunde im gemeinsamen Europa\u201c begegnen. Zu den geladenen G\u00e4sten in diesem Jahr geh\u00f6rten auch einige engagierte Mitglieder der DPG Hamburg: die verdienstvollen Heidi und Wilhelm Holzapfel, der Ehrenvorsitzender Gerd Hoffmann mit Ehefrau, die Vorstandsmitglieder Aleksandra und Hartwig Zillmer und die Vorsitzende Dr. Viola Krizak mit Ehemann.<\/p>\n<p>Traditionell wurde ein Tag nach dem Empfang, am 1.03.2009, im Hamburger Abendblatt \u00fcber das Ereignis ausf\u00fchrlich berichtet: \u201e(\u2026) Dort wurde sie (die Bundeskanzlerin Angela Merkel) von Ole von Beust herzlich begr\u00fc\u00dft, Minuten sp\u00e4ter k\u00fcsste sie &#8211; allen Querelen zum Trotz &#8211; Polens Ministerpr\u00e4sidenten Donald Tusk auf beide Wangen. Mit ihm verbindet sie eine lange Freundschaft (\u2026).\u201c Auch die Vorsitzende der DPG wurde erw\u00e4hnt: \u201eViola Krizak, Vorsitzende der deutsch-polnischen Gesellschaft, kam mit ihrem Mann Hans-Rainer: &#8220;Wir sind das erste Mal hier, f\u00fcr uns ist die Einladung Ehre und Anerkennung, ein wahrer H\u00f6hepunkt&#8221;.<\/p>\n<p>7. Aktivit\u00e4ten der DPG Hamburg<\/p>\n<p>7.1 Aktivit\u00e4ten im Bildungsbereich<\/p>\n<p>Einer der Schwerpunkte der Arbeit der Gesellschaft in ihrer Anfangsphase bis in die Gegenwart war die Unterst\u00fctzung der deutsch-polnischen Aktivit\u00e4ten im Bildungsbereich, die insbesondere von Vorstandsmitgliedern getragen wurden, die als Lehrer und Elternratsmitglieder, die Kontakte nach Polen zu intensivieren suchten. Herausragendes Beispiel dieser Aktivit\u00e4ten waren die Studienfahrten des Hamburger Instituts f\u00fcr Lehrerfortbildung, die schon Anfang der 60er Jahre von Otto Wagner durchgef\u00fchrt und Anfang der 70er Jahre von Landesschulrat Wolfgang Neckel und Harri Rusch in Studienreisen auf Gegenseitigkeit weiter entwickelt wurden. Die DPG Hamburg unterst\u00fctzte dar\u00fcber hinaus tatkr\u00e4ftig die Organisation von Sch\u00fclerwettbewerben, Sch\u00fcleraustauschen, Lehrerseminaren und Schulpartnerschaften.<\/p>\n<p>7.1.1 Sch\u00fcleraustausch<\/p>\n<p>Im Jahre 1978 besuchten die ersten Sch\u00fclergruppen aus Tarn\u00f3w und Pozna\u0144 Hamburger Schulen. 1981 wurde in Lublin und Hamburg ein Sch\u00fclerwettbewerb ausgeschrieben. Ein Jahr darauf reisten rund sechzig Hamburger Wettbewerbssieger mit ihren Lehrern nach Polen, etwa ebenso viele polnische Preistr\u00e4ger kamen zum Gegenbesuch nach Hamburg.<\/p>\n<p>1997 waren rund 25 Hamburger Schulen an Kontakten mit Polen beteiligt. Sie betreuten u.a. polnische Kollegen oder Studenten bei mehrw\u00f6chigen Hospitationsbesuchen. \u00dcber zw\u00f6lf Schulen hatten regelm\u00e4\u00dfigen Sch\u00fcleraustausch mit polnischen Partnerschulen, vor allem in Warschau\/Warszawa, aber auch in Krakau\/Krak\u00f3w, Rzesz\u00f3w, Stettin\/Szczecin und im Raum Danzig\/ Gda\u0144sk.<\/p>\n<p>Aus der Zusammenarbeit mit der Bildungsverwaltung in Stettin\/Szczecin ist nach einer dortigen Idee bereits 1994 eine \u201ethemenbezogene Zusammenarbeit&#8221; zwischen dem Stettiner Gymnasium am Marienplatz und dem Friedrich-Ebert-Gymnasium in Hamburg entstanden, in der die Projekte &#8220;B\u00fcrgerrechte&#8221; sowie &#8220;Hamburg und Stettin in der Hanse&#8221; bearbeitet wurden.<\/p>\n<p>Zu den beispielhaften Projekten geh\u00f6rte der Sch\u00fcleraustausch zwischen dem Gymnasium Hamm und dem Stefan-Batory-Lyzeum in Warschau. Bereits im April 1991 stellten Mitglieder unserer Gesellschaft die ersten Kontakte zwischen den Schulen her und eine Hamburger Delegation begab sich zur Vertragsunterzeichnung nach Warschau. In einer herzlichen Atmosph\u00e4re wurden die freundschaftlichen Vertr\u00e4ge zwischen den Hamburger Schulvertretern und der Direktorin der k\u00fcnftigen Partnerschule unterschrieben.<\/p>\n<p>Das damalige Vorstandsmitglied der DPG, Jan Dolny, der die erste Reise der Hamburger Sch\u00fcler nach Warschau begleitete, berichtete: \u201eNein, bange war es den 30 Jungen und M\u00e4dchen im Alter von 14- 18 Jahre, Sch\u00fcler des Gymnasiums Hamm, \u00fcberhaupt nicht, als sie ihre erste, lange Bahnreise nach Polen antraten. Es war der 21. Oktober 1991 und in wenigen Stunden sollten sie von ihren gleichaltrigen &#8211; noch unbekannten &#8211; Schulfreunden aus dem \u201eLiceum Ogolnokszta\u0142c\u0105ce im. Stefana Batorego\u201c in Warschau auf dem Bahnhof der polnischen Hauptstadt begr\u00fc\u00dft werden. Nur die polnische Aussprache bereitete ihnen noch etwas Probleme. Obwohl es f\u00fcr sie die erste Reise nach Polen war, waren sie \u00fcber ihre k\u00fcnftigen \u201epolnischen Partner\u201c bestens informiert. Daf\u00fcr hatte der sie begleitenden Lehrer und Vorstandsmitglied der DPG Hamburg Dr. J\u00fcrgen Ruben gesorgt. Er war ma\u00dfgeblich an dem Zustandekommen der Schulpartnerschaft beteiligt.\u201c<\/p>\n<p>1992 wurden die Warschauer Freunde mit einem riesigen Transparent auf dem Hamburger Hauptbahnhof herzlich begr\u00fc\u00dft. Eine Partnerschaft, deren Motto lautete: \u201eMan darf die Vergangenheit nicht verharmlosen \u2013 aber trotzdem sollte man mehr \u00fcber eine gemeinsame Zukunft reden\u201c nahm ihren Verlauf. Die Zusammenarbeit mit der Warschauer Schule wird im Comenius-Programm der EU fortgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Ein ehemaliger Sch\u00fcler des Gymnasiums Hamm absolvierte sein freiwilliges Jahr in einer sozialen Einrichtung in der polnischen Hauptstadt. Als Anerkennung der jahrelangen Zusammenarbeit mit der polnischen Schule besuchte der polnische Generalkonsul Andrzej Osiak als Ehrengast in der Europawoche im Mai 2012 das Gymnasium Hamm. (Jan Dolny)<\/p>\n<p>Wie steht es heute um die Hamburg-Polen Beziehungen? Nicht besonders gut \u2013 ehrlich gesagt. Jedenfalls was schulische Kontakte, den Sch\u00fcleraustausch und Jugendkontakte mit Polen betrifft. Waren es vor etwa zehn Jahren noch fast zwei Dutzend Schulpartnerschaften, so sind es zur Zeit noch nicht einmal eine Hand voll. Es gibt viele Gr\u00fcnde f\u00fcr diese unerfreuliche Abnahme der Kontakte, doch es gibt keine Alternativen zum Jugend- und Schulaustausch und dem Kennenlernen unseres tollen und gro\u00dfen Nachbarn Polen.<br \/>\nJeder kann und soll seinen Beitrag zu einem Neuanfang leisten:<br \/>\n\u2022 Wir rufen junge Kolleginnen und Kollegen auf, sich mutiger und offener dem deutsch-polnischen Dialog, der Schulpartnerschaft mit einer polnischen Schule und dem Kennenlernen Polens zu widmen<br \/>\n\u2022 Senat und B\u00fcrgerschaft m\u00fcssen dem Thema \u201eAustausch\u201c wieder eine gr\u00f6\u00dfere, angemessene und finanziell gesicherte Bedeutung geben;<br \/>\n\u2022 Schulbeh\u00f6rde und insbesondere das Lehrerbildungsinstitut (LI) sollten Beratungs- und Fortbildungsangebote zum Thema internationale Austausche f\u00fcr interessierte, neugierige und motivierte Kolleginnen und Kollegen bereit halten;<br \/>\n\u2022 Schulleitungen sollen junge Kolleginnen\/Kollegen intensiver und kontinuierlicher motivieren, sich der \u201einterkulturellen Kompetenz\u201c und dem Austausch als einem Schulziel\/Schulprofil st\u00e4rker zuzuwenden. Daf\u00fcr werden sie mit \u201eWochenarbeitszeiten\u201c bzw. Funktionsstunden honoriert und entlastet;<br \/>\n\u2022 Finanzielle Mittel sind dank der \u201eSelbstbewirtschaftung\u201c der Schulen vorhanden.<br \/>\n\u2022 Stiftungen und Sponsoren aus Handel und Wirtschaft k\u00f6nnen ebenfalls einen positiven, z.B. finanziellen Beitrag zu einer notwendigen Belebung der Hamburg-Polen Beziehungen in diesem Bereich leisten.<br \/>\nAber 20.000 Menschen mit polnischem Pass leben in Hamburg. Noch viel mehr Menschen sprechen polnisch. Sollte es da nicht m\u00f6glich sein, in einigen Schulen in ausgew\u00e4hlten Stadtteilen polnisch als Muttersprache oder sogar als Fremdsprache anzubieten? Auch daran arbeiten wir gemeinsam mit dem polnischen Generalkonsulat und der Beh\u00f6rde f\u00fcr Schule und Berufsbildung (BSB). (Hartwig Zillmer)<\/p>\n<p>7.1.2 Lehrerstudienfahrten des Instituts f\u00fcr Lehrerfortbildung (IfL)<\/p>\n<p>Lange vor anderen Institutionen und Organisationen und noch w\u00e4hrend der Zeit des \u201eKalten Krieges\u201c fuhren von Anfang der 60-er Jahre j\u00e4hrlich Gruppen Hamburger Lehrer auf Einladung des polnischen Lehrerverbandes Zwi\u0105zek Nauczycielstwa Polskiego (ZNP) nach Polen. Verantwortlich auf deutscher Seite war das Institut f\u00fcr Lehrerfortbildung (IfB) Hamburg; die Leitung hatte Otto Wagner (ab 1971 Harri Rusch). Von 1973 an bestand noch engere Zusammenarbeit mit Studienfahrten auf Gegenseitigkeit, die weiter vom Institut f\u00fcr Lehrerfortbildung und vom ZNP auf der Basis devisenfreien Austausches organisiert wurden. Programmpunkte waren Informationen \u00fcber Schulwesen, Wirtschaft, Politik, Besuche in Schulen, Institutionen, Ministerien, Gespr\u00e4che mit Kolleginnen und Kollegen. Ausdruck der engen Zusammenarbeit zwischen dem Institut f\u00fcr Lehrerfortbildung und der Deutsch- Polnischen Gesellschaft Hamburg waren die Empf\u00e4nge, die die Gesellschaft durch all die Jahre f\u00fcr die polnischen Lehrergruppen ausgerichtet hat. Sie waren f\u00fcr die Mitglieder stets Begegnungsabende \u00fcber die man noch l\u00e4nger sprach. Die polnischen G\u00e4ste haben sich stets \u00fcber die dort geschaffenen Kontakte gefreut. Die polnischen Gruppen fuhren &#8211; immer mit eigenem Autobus &#8211; nach einer Woche in Hamburg w\u00e4hrend der zweiten \u00fcber Bremen nach Bonn, durch das Rheintal, nach Rothenburg ob der Tauber, M\u00fcnchen und zur\u00fcck \u00fcber Hof. In Hamburg wurden sie immer von den Mitgliedern der DPG Hamburg intensiv betreut. Die Hamburger lernten bei ihrem vierzehnt\u00e4gigen Aufenthalt nach einigen Tagen in Warschau den s\u00fcdlichen oder n\u00f6rdlichen Teil Polens kennen (zum Beispiel \u0141\u00f3d\u017a, Katowice, O\u015bwi\u0119cim, Krak\u00f3w, Lublin, Rzesz\u00f3w, Kielce, Radom oder Toru\u0144, Bydgoszcz, Gda\u0144sk, Gdynia, Sopot, Malbork, Frombork, Mr\u0105gowo).<\/p>\n<p>Seit der \u201eWende&#8221; 1989 in Polen sind Reisen von dort aus wirtschaftlichen Gr\u00fcnden nicht mehr zustande gekommen, wohl aber einige von Hamburg aus. Der polnische Lehrerverband war sehr interessiert, diese Aktivit\u00e4t wieder zu beleben, allerdings ohne konkretes Ergebnis. Der H\u00f6hepunkt war allerdings die vierzehnt\u00e4gige Studienreise Hamburger Lehrerinnen und Lehrer durch das s\u00fcdliche Polen und nach Warschau w\u00e4hrend der Herbstferien 1995. Sie stand ganz im Zeichen des drei\u00dfigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums der Zusammenarbeit zwischen dem polnischen Lehrerverband und Hamburg. Die Begegnungen mit Kolleginnen und Kollegen der \u00f6rtlichen Vorst\u00e4nde waren wie bei jedem Aufenthalt intensiv, sehr informativ und gepr\u00e4gt von herzlicher Gastfreundschaft. In Warschau wurde die Reisegruppe vom Pr\u00e4ses begr\u00fc\u00dft und besuchte, von ZNP-Abgeordneten begleitet, das Parlamentsgeb\u00e4ude, in dem Sejm und Senat tagte. (Peter Krup)<\/p>\n<p>7.1.3 Fortbildung f\u00fcr Deutschlehrer<\/p>\n<p>W\u00e4hrend eines Aufenthalts des DPG-Vorstands in Stettin\/Szczecin Anfang 1991 gab es ein Wiedersehen mit Frau Dr. Teresa Toby-Tereszy\u0144ska, emeritierte Lektorin f\u00fcr Germanistik an der dortigen Universit\u00e4t und durch ihre vormalige T\u00e4tigkeit an der P\u00e4dagogischen Hochschule Rzesz\u00f3w gut bekannt. Ihre Frage: K\u00f6nnte die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg behilflich bei einem f\u00fcr Juli 1991 geplanten Deutsch-Intensivkursus sein? Polnische Lehrer mit unterschiedlichen Kenntnissen der deutschen Sprache sollten in drei Gruppen mit unterschiedlichen Anforderungen zehn bis zw\u00f6lf Tage vormittags im Lehrerzentrum Stettin unter fachkundiger Anleitung durch zwei oder drei schulpraktisch und methodisch erfahrene Dozenten arbeiten.<\/p>\n<p>In Hamburg gelangte dieser Wunsch in das Amt f\u00fcr Schule. Von dort fuhren Harald Becker und G\u00fcnther Mehl tats\u00e4chlich im Juli 1991 nach Stettin zum ersten Kursus in den R\u00e4umen des Weiterbildungsinstituts f\u00fcr Lehrer. Weitere Kurse folgten; sie dauerten jeweils f\u00fcnf Tage und wurden anfangs \u00fcberwiegend haupts\u00e4chlich von Kolleginnen und Kollegen besucht, die f\u00fcr das damals kaum noch nachgesuchte Fach Russisch ausgebildet waren. Alle kamen aus Stettin\/Szczecin und entfernter gelegenen Orten an der Ostsee oder im Binnenland. Manche mussten unbequeme und stundenlange Hin- und R\u00fcckfahrtzeiten auf sich nehmen. Besonders motivierend, belebend und trotz des hohen Arbeitsaufwands beliebt waren Projekte zur Geschichte und Geographie Pommerns und der Stadt, veranschaulicht bei vielen \u201eLehrspazierg\u00e4ngen\u201c in Stettin oder gar beim Besuch des Pommern-Archivs.<\/p>\n<p>Die Schulverwaltung der Wojewodschaft unterst\u00fctzte die Veranstaltung tatkr\u00e4ftig &#8211; organisatorisch, materiell sowie mit audiovisuellem Ger\u00e4t. Der deutsche Generalkonsul Gregor Koebel begr\u00fc\u00dfte mehrmals Kursteilnehmer und Dozenten und hospitierte in den Gruppen. Diese Sommerkurse &#8211; zuletzt mit \u00fcber drei\u00dfig Teilnehmern \u2013 gingen 1996 zu Ende, jeweils betreut von vier oder sechs Hamburger Kollegen [darunter Susanne Schmidt (in S\u0142ubice), Walter Otto Schmidt (Stettin), Anneliese &amp; Hans-J\u00fcrgen Staegemann, Harald Becker, Martina Becker, Uwe Kloevekorn, Dr. Jutta Opitz, J\u00fcrgen Thiel, Nicoline und Peter Krup].<\/p>\n<p>Ab Sommer 1996 bot der Polnische Lehrerverband ZNP erstmals &#8220;Deutsch im Urlaub&#8221; f\u00fcr polnische Deutschlehrerinnen und -lehrer an. Die Konzeption der auf zwei Wochen angelegten Veranstaltung wurde vom polnischen Bildungsministerium als Fortbildungsma\u00dfnahme anerkannt: Kurssprache Deutsch, Vorkenntnisse in der deutschen Sprache erforderlich, aber kein Germanistik-Studium, t\u00e4glich drei bis vier Doppelstunden Sprach-\u201eUnterricht\u201c in Gruppen mit unterschiedlichen Anforderungen; fakultative Ausfl\u00fcge und Abendveranstaltungen (Vortrag, Film, Gemeinschaftstanz, Diskussion, darstellendes Spiel). Hamburger Schulen steuerten \u00fcberz\u00e4hlige Lernb\u00fccher bei; die Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung sorgte regelm\u00e4\u00dfig f\u00fcr neueste Brosch\u00fcren, Karten und Diskussionsunterlagen.<\/p>\n<p>Der erste Kursus im Bieszczady-Gebirge mit einer Handvoll Teilnehmern fand unter Anleitung von Renate Meyer (Gymnasium Farmsen) und Achim Steinke (IfL) statt. Insgesamt fanden von 1996 bis 2005 unter der Leitung von Peter Krup und Achim Steinke zehn Fortbildungsveranstaltungen, davon neun in Polen und eine in Hamburg statt. Ein polnischer Teilnehmer der kombinierten Sprach- und Bildungsreisen schrieb: \u201eHerzlichen Dank (\u2026) f\u00fcr die vorbildhafte Vorbereitung unseres Aufenthalts in Hamburg, das gro\u00dfe pers\u00f6nliche Engagement und die gro\u00dfe organisatorische M\u00fche. Ein Dankesch\u00f6n f\u00fcr alle deutschen Dozenten, die immer bereit waren, unsere Sprachkenntnisse zu vertiefen und unseren Aufenthalt in Hamburg auch sprachlich zu bereichern. Ein besonderes Dankesch\u00f6n f\u00fcr unsere lieben Hamburger Gastfamilien, die nette Aufnahme und die erwiesene Gastfreundschaft. (Peter Krup)<\/p>\n<p>7.1.4 Gemeinsame Lehrerseminare<\/p>\n<p>Nicht zuletzt den z\u00e4hen Bem\u00fchungen des damaligen Landesschulrats und Mitglieds unserer Gesellschaft Wolfgang Neckel war die Einrichtung des ersten deutsch-polnischen Lehrerseminars &#8220;Friedenserziehung&#8221; mit je sechzehn Teilnehmern aus Warschau und Hamburg zuzuschreiben. Zwar war man auf der polnischen Seite guten Willens, doch mussten in der ersten H\u00e4lfte der achtziger Jahre zun\u00e4chst politische Bedenken \u00fcberwunden werden. Schlie\u00dflich teilte das polnische Ministerium f\u00fcr Bildung und Erziehung im April 1985 mit, dass es &#8220;eine entsprechende Genehmigung&#8221; erteilt hatte. Das Dokument trug die Unterschrift von Dr. Marek Rzeszotarski, dem sp\u00e4teren Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg (1991-1995).<\/p>\n<p>Das Seminar &#8220;Friedenserziehung&#8221; wurde getragen vom Amt f\u00fcr Schule Hamburg und der Warschauer Bildungsverwaltung mit tatkr\u00e4ftiger organisatorischer Hilfe des Polnischen Lehrerverbandes, und zwar in j\u00e4hrlichem Wechsel jeweils eine Woche lang in Deutschland &#8211; Hamburg und Emsen &#8211; oder in Polen &#8211; Warschau, Kazimierz Dolny, Suwa\u0142ki oder August\u00f3w. Als Ergebnis der Hospitationen und der Diskussionen wurde im Januar 1989 eine zweisprachige Unterrichtsanleitung als Brosch\u00fcre mit Unterrichtsbeispielen zum Thema &#8220;Friedenserziehung&#8221; aus beiden St\u00e4dten in Warschau und Hamburg vorgestellt. Beide Schulverwaltungen kamen nach der erfolgreichen Pr\u00e4sentation der Brosch\u00fcre \u00fcberein, nicht nur die gemeinsame Seminararbeit fortzusetzen, sondern auch den Sch\u00fcleraustausch und die Studienfahrten weiter zu f\u00f6rdern. Laut Vereinbarung wurde in den weiteren gemeinsamen Lehrerseminaren eine Unterrichtsanleitung zum Thema \u201eUmwelterziehung&#8221; geplant. Es begann 1989 in Warschau. Danach gab es durch die \u201eWende&#8221; in Polen bei den teilweise neuen Partnern kurzfristige Irritationen, nach deren Kl\u00e4rung die Tagungen in Hamburg (1990 und 1991) und Warschau (1992) ebenso sachlich und freundschaftlich kollegial wie vorher verliefen. Wie beim ersten Seminar wurden ausgew\u00e4hlte Unterrichtsbeispiele aus Warschauer und Hamburger Schulen in einer zweiten zweisprachigen Brosch\u00fcre \u201eUmwelterziehung\u201c zusammengefasst, die im Februar 1993 im Hamburger Rathaus vorgestellt wurde.<\/p>\n<p>Das Thema des dritten gemeinsamen Lehrerseminars wurde im Mai 1993 festgelegt: \u201ePolen und Deutschland in Europa&#8221;. In dessen Verlauf wurden gegenwarts- und zukunftsbezogene Themen mit Sch\u00fclern beider St\u00e4dte bearbeitet, anschlie\u00dfend diskutiert und f\u00fcr eine weitere Brosch\u00fcre ausgew\u00e4hlt. Diese wurde hergestellt im \u201eZachodniopomorskie Centrum Edukacyjne&#8221; (Westpommersches Bildungszentrum), Stettin\/Szczecin, und im April 1996 in Hamburg vorgestellt. Anwesend war dabei eine neue Teilnehmergruppe aus Warschau, mit der die Arbeit unter dem bisherigen Motto fortgesetzt wurde. Nach einer weiteren (sechsten) Seminarwoche dazu (September 1996, Warschau) wurde ab 1997 ein neuer Schwerpunkt angestrebt.<\/p>\n<p>Im Januar 1997 er\u00f6rterten die Leiter der Schulverwaltungen Hamburgs und Warschaus die bisherige Zusammenarbeit und entschieden \u00fcber weitere Pl\u00e4ne. Nach Vorbereitung durch Fachvertreter beider Seiten im April 1997 in Warschau begann das Seminar \u201eMedienerziehung&#8221; im Herbst 1997 in Warschau und wurde in Hamburg fortgesetzt. Ergebnisse des Seminars \u201eMedienerziehung\u201c wurden &#8211; entgegen der Gepflogenheit &#8211; nicht in einer Brosch\u00fcre zusammengefasst, sondern in aktueller Form \u00fcber das Internet ausgetauscht.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste Thema griff ein aktuell diskutiertes, offensichtlich schwer zu l\u00f6sendes Problem auf: \u201eSchulqualit\u00e4t\u201c. Die Seminarwochen in Hamburg (Oktober 2000) und Warschau (September 2001) wurden 2002 in einer Brosch\u00fcre &#8211; leider nur fragmentarisch &#8211; dokumentiert. Auch das Thema \u201eEvaluation als Bestandteil der Schulentwicklung\u201c des 2002 folgenden Seminars war in voller Absicht eher f\u00fcr Fachleute der Bildungsplanung als f\u00fcr die praktizierenden Schullehrer bestimmt (Hamburg: April, Warschau: September). \u2013 Konsequent hie\u00df es danach \u201eSchl\u00fcsselkompetenzen und Standards der Lehrerausbildung im Kontext zu PISA\u201c (Hamburg: September 2003) oder ein wenig modifiziert \u201eStandards der Lehrerbildung und Lehrerfortbildung als Weg zur Professionalisierung des Lehrerberufs\u201c (Warschau: April 2004).<br \/>\n(Peter Krup)<\/p>\n<p>7.2 Sportbegegnungen<\/p>\n<p>Im Rahmen der Arbeit der Gesellschaft war es f\u00fcr den Vorstand immer ein besonderes Anliegen, sportliche Begegnungen zwischen Hamburger und polnischen Vereinen und Verb\u00e4nden aufzubauen und zu f\u00f6rdern. Ausgehend von den \u201ePolnischen Tagen \u201975\u201c in Hamburg und den \u201eHamburger Tagen \u201977\u201c in Gda\u0144sk\/Danzig entstanden \u2013 unterst\u00fctzt vom Hamburger Sportbund und seinen Verb\u00e4nden &#8211; eine Vielzahl von sportlichen Kontakten, die teilweise bis in unsere Zeit fort dauern oder aber nur \u201eEintagsfliegen\u201c waren.<\/p>\n<p>Besonders hervorzuheben ist die Zusammenarbeit zwischen dem Hamburger und Krakauer Handballverband, die in den 70-er Jahren begann und von Adolf Boremski, der bis zu seinem viel zu fr\u00fchen Tod auch Mitglied unserer Gesellschaft war, in beispielhafter Weise gepflegt wurde. Im Rahmen dieser vorbildlichen Zusammenarbeit wurde im Oktober 1991 eine Sportaustauschvereinbarung f\u00fcr Jugendmannschaften geschlossen, in deren Rahmen 1992 zwei Krakauer Mannschaften am \u201eBramfeld-Cup\u201c teilnahmen, die von Mitgliedern unserer Gesellschaften betreut wurden.<br \/>\nHier ein Auszug aus dem Bericht unseres damaligen stellvertretenden. Vorsitzenden Jan Dolny:<br \/>\nIm Mai 1993 begaben sich M\u00e4dchen &#8211; und Jungenmannschaften des HT 16 auf eine abenteuerliche, doch bis heute unvergessene Reise nach Krakau\/Krak\u00f3w und Rzesz\u00f3w. Keine Hamburger Autoverleihfirma war damals bereit, f\u00fcr eine Polenfahrt einen Kleinbus auszuleihen. Als Grund wurde die Angst vor einem Fahrzeugdiebstahl in Polen genannt. Mit zwei Kleinbussen eines polnischen Reiseunternehmens gelangten die jungen Hamburger zum ersten Mal nach Polen. Nach einer Stadtbesichtigung brachten die polnischen Gastgeber die bereits restlos begeisterten Hamburger M\u00e4dchen und Jungen zun\u00e4chst zu einem Turnier in Krakau\/Krak\u00f3w und anschlie\u00dfend nach Rzesz\u00f3w. Nat\u00fcrlich wurde sportlich fair um die Siegerpokale gek\u00e4mpft. Der Wille der Gleichaltrigen beider L\u00e4nder, sich besser kennen zu lernen, und der Wunsch nach der Fortsetzung dieser Beziehungen sollten f\u00fcr viele Jahre nicht mehr verl\u00f6schen. Dazu trug die herzliche Betreuung durch die polnischen Sportfreunde bei.<\/p>\n<p>Im Oktober 1994 erreichten die sportlichen Jugendbegegnungen mit dem Turnier um einen Pokal einen vorl\u00e4ufigen H\u00f6hepunkt. Au\u00dfer den Handballmannschaften aus Rzesz\u00f3w und Krakau\/Krak\u00f3w, nahmen vier Hamburger Vereine daran teil. Auch Vertreter der \u201ePolonia\u201c in Hamburg waren unter den zahlreichen Zuschauern in der Jahnhalle des HT16. Den begeisternden Spielen folgte ein gemeinsames Besichtigungsprogramm in Hamburg. Auf dem Programm standen die obligatorische Hafenrundfahrt, eine Fahrt nach L\u00fcbeck und an die Ostsee sowie die Besichtigung des ehemaligen KZ\u00b4s in Neuengamme. Die jungen Polen besuchten auch das polnische Generalkonsulat.<\/p>\n<p>Im Rahmen der Veranstaltung \u201eDeutsche Kultur\u201c in Rzesz\u00f3w k\u00e4mpften die jungen Hamburgerinnen und Hamburger zun\u00e4chst erfolgreich um den Pokal des Stadtpr\u00e4sidenten von Rzesz\u00f3w und sp\u00e4ter um den von unserer Gesellschaft gestifteten in Krakau\/Krak\u00f3w, um sich dann von der sprichw\u00f6rtlichen polnischen Gastfreundschaft verw\u00f6hnen zu lassen. Die jungen Leute sollten auch Land und Leute kennenlernen. Sie besichtigten alle Sehensw\u00fcrdigkeiten in Krakau\/Krak\u00f3w und Rzesz\u00f3w sowie das Schloss in \u0141ancut.<\/p>\n<p>Marian Sikora aus Rzesz\u00f3w und Andrzej Giemza aus Krakau\/Krak\u00f3w, unsere Partner und Freunde, brachten im Jahr 1996 eine Mannschaft eines kleinen Dorfvereines aus Szklary mit nach Hamburg. Die Hamburger Lokalpresse versah einen Bericht \u00fcber diese Jugendbegegnung mit der aussagekr\u00e4ftigen \u00dcberschrift: \u201e Handballer gewannen neue Freunde aus Polen!\u201c. Der Artikel endete mit den S\u00e4tzen: \u201eMit einem gro\u00dfen Abschiedsfest am Grill im Jugendpark Langenhorn wurde die deutsch-polnische Freundschaft besiegelt. Schon jetzt steht fest, dass es 1997 ein Wiedersehen in Polen geben wird.<\/p>\n<p>Die Jahrtausendflut 1997 in Polen unterbrach leider die Zusammenarbeit mit Krakau. (Jan Dolny)<\/p>\n<p>7. 3 Aktivit\u00e4ten im Kulturbereich<\/p>\n<p>Die Zahl der Veranstaltungen der DPG Hamburg in den vergangenen 38 Jahren ist Legende, wie Michael Joho in seinem Buch \u201ePolnisches Leben in Hamburg\u201c vermerkt hat. Einige Hundert Mal lud die Gesellschaft zu Ausstellungen, Autorenlesungen, Konzerten, Informationsabenden und Diskussionen ein. (Michael Joho, 2011, 119) Seitdem sind noch einige dazu gekommen.<\/p>\n<p>7.3.1 Ausstellungen (exemplarische Beispiele)<\/p>\n<p>Da Kunst keine Sprachkenntnisse voraussetzt und keiner besonderen Worte bedarf sondern mit einer eigenen Sprache \u00fcberzeugt, lud die Gesellschaft zahlreiche K\u00fcnstler aus Polen ein, die ihre Arbeiten dem Hamburger Publikum zeigten und es von der vorz\u00fcglichen Qualit\u00e4t \u00fcberzeugten. In den vier Jahrzehnten ihres erfolgreichen Wirkens f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit haben immer wieder Ausstellungen die \u00f6ffentliche Arbeit der Gesellschaft gepr\u00e4gt. Schon in der Zeit vor der Gr\u00fcndung und bis vor wenigen Jahren wurden Ausstellungen im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel organisiert, die weit \u00fcber den Bezirk hinaus Beachtung fanden. Von Robert Szec\u00f3wka \u2013 ROBS mit seinen Karikaturen und Bildern von Warschauer K\u00fcnstler\/innen \u00fcber Dokumentarfotos vom Warschauer Aufstand 1944 und k\u00fcnstlerischen Fotos von Tadeusz Rolke bis hin zu Arbeiten von drei Rzeszower K\u00fcnstlern wurde ein unterschiedliches k\u00fcnstlerisches und zeitgeschichtliches Spektrum pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p>Schon 1967 wurde eine Initiative gegr\u00fcndet, die aus zahlreichen Hamburger Institutionen und Vereinen, u.a. Deutscher Freidenker-Verband, GEDOK, Gemeinschaft der K\u00fcnstlerinnen und Kunstfreunde Hamburg, Hamburger K\u00fcnstlerclub \u201edie Insel\u201c, Theater im Zimmer, bestand. In der Stadt wurden einige Ausstellungen organisiert, die die Initiatoren f\u00fcr typisch oder wichtig f\u00fcr Polen empfanden. In der Galerie UHU wurde \u201eNaive Kunst aus Polen\u201c und im Haus der Jugend &#8211; Bramfeld Kinderb\u00fccher aus polnischen Verlagen und Kunsthandwerk gezeigt. Auch die Ausstellung \u201eNeue Plakate aus Polen\u201c in der William-Wilkens-Werbeagentur fand eine gro\u00dfe Beachtung beim Hamburger Publikum.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der polnischen Tagen 1971 wurde ein breites Spektrum an polnischen Kunstwerken pr\u00e4sentiert. In den \u201eHamburger Gaswerken\u201c fand eine Ausstellung polnischer Grafik, in der \u201eInternationale Buchhandlung\u201c in der Johnsallee polnischer Plakate, B\u00fccher und Schallplatten, in der Artoma-Galerie polnischer Medaillons, Gedenkm\u00fcnzen und Plaketten statt. In die Inter-Galerie wurden politische Plakate aus Polen \u00fcber NS-Konzentrationslager, den antifaschistischen Widerstand und die sozialistische Gesellschaft nach Hamburg geholt und so eine Konfrontation mit der Vergangenheit erm\u00f6glicht. \u201eDie Welt\u201c vom 26.03.71 berichtet \u00fcber eine andere Ausstellung: \u201eZugleich mit der offiziellen Er\u00f6ffnung der Polnischen Tage wurde im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel die Ausstellung \u201e25 Jahre Polens West- und Nordgebiete\u201c f\u00fcr die \u00d6ffentlichkeit freigegeben.<\/p>\n<p>Sechs Jahre sp\u00e4ter war das Spektrum der polnischen Kunst in Hamburg viel umfangreicher. In Zusammenarbeit mit einem der besten Museen in Polen, mit dem Nationalmuseum in Krakau, wurde eine Auswahl polnischer Portr\u00e4ts in der Hamburger Kunsthalle gezeigt. Das Kunsthaus Hamburg stellte die \u201ePolnische Kunst der Gegenwart\u201c und der Kunstverein \u201eAsinus\u201c \u201eKunst der Siebziger Jahre aus der Volksrepublik Polen\u201c vor. Das Angebot wurde um eine Fotoausstellung \u201eWiederaufbau Gdansk\u201c im Vestib\u00fcl der Handelskammer und \u201ePolen heute\u201c in der Dresdner Bank sowie eine Grafikausstellung in der Galerie L. Elisabeth Henning erweitert.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Interesse wurde die polnische Volkskunst betrachtet: Sie \u201e(\u2026) spiegelt Seele und Empfindsamkeit der Nation\u201c, wie es in der Einladung zur ersten Ausstellung 1986 hie\u00df. Sie wurde in der Zusammenarbeit mit den Hamburger Gaswerken organisiert. Die polnische Volkskunst kennzeichnen auch heute noch Urspr\u00fcnglichkeit und Empfindsamkeit. In ihr spiegeln sich liebevolle, erdverbundene Figuren und Formen sowie die tiefe Fr\u00f6mmigkeit und leidvolle Erfahrung des Volkes wider. Die Aussagekraft der autodidaktischen K\u00fcnstler ist nicht durch Schulen oder Stilvorgaben eingeschr\u00e4nkt, sondern durch pers\u00f6nliche Lebenserfahrung und handwerklichen Umgang mit Material und Werkzeug gepr\u00e4gt. Bei der Er\u00f6ffnung waren Helga Schuchardt, Senatorin der Freien und Hansestadt Hamburg und der Kulturattach\u00e9 der Botschaft der Volksrepublik Polen anwesend.<\/p>\n<p>Die Organisation der Ausstellung \u201eVier Grafiker aus Rzesz\u00f3w\u201c 1991, mit den K\u00fcnstlern Adolf Jakubowicz, Krzysztof Pisarek, Jadwiga Szmyd-Sikora und Zbigniew Huebsch, verwickelte unseren damaligen stellvertretenden Vorsitzenden Gerd Hoffmann in ein Zollstrafverfahren, da er die Exponate bei der R\u00fcckreise aus Rzesz\u00f3w mit seinem privaten PKW ohne Anmeldung beim Zoll nach Hamburg brachte. Die Zollfahndung vernahm ihn unter Verdacht der illegalen Einf\u00fchrung von Kunstwerken in seinem Dienstzimmer. Nur mit Hilfe eines Anwalts und nach R\u00fcckf\u00fchrung unter Vorlage der Bilder mit entsprechender Liste beim Grenzzollamt in Forst\/Lausitz konnte das Verfahren nach mehreren Monaten ohne Folgen beendet werden.<\/p>\n<p>Auch mit der Katholischen Akademie Hamburg ergab sich \u00fcber die Jahre eine \u00e4u\u00dferst fruchtbare Zusammenarbeit wie beispielsweise im Jahr 1981 die repr\u00e4sentative Werkschau des Plakatk\u00fcnstlers und Filmemachers Jan Lenica oder im Jahr 1996 die Ausstellung polnischer Kinderb\u00fccher.<\/p>\n<p>1994 fand die Ausstellung \u201eProfessionelle und kindliche Kunst aus Warschau\u201c statt, die die Gesellschaft in Zusammenarbeit mit der Bildungsverwaltung (Kuratorium O\u015bwiaty) in Warschau organisierte. Neben den Gem\u00e4lden von Gabriela Milowska gab die Ausstellung einen Einblick in die Arbeit der Kinder und Jugendlichen im Kulturhaus Muran\u00f3w, Stadtteil von Warschau. Es war eine Dokumentation kindlicher Darstellungsfreude, vorsichtig gelenkt mit behutsamen p\u00e4dagogischen Hinweisen auf handwerkliche und k\u00fcnstlerische Gestaltungsm\u00f6glichkeiten, vielf\u00e4ltig in der Thematik, jedes Bild farbenfroh, spontan oder bewusst komponiert, jedes beeindruckend, jedes ein kleines Kunstwerk, wie unser Vorstandsmitglied Peter Krup bei der Einf\u00fchrung feststellte.<\/p>\n<p>Anl\u00e4sslich des 50. Jahrestages des Warschauer Aufstandes wurde 1994 im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel eine Fotoausstellung organisiert, die vom Historischen Museum in Warschau zur Verf\u00fcgung gestellt wurde. Sie zeigte Originalfotos aus der Zeit des Aufstandes und ihr Ziel war, das allt\u00e4gliche Leben in Warschau im August und September 1944 zu zeigen. Die Fotos wurden mit einfachsten fotografischen Apparaten unter schwersten Bedingungen, sogar Lebensgefahr schon in den ersten Okkupationstagen aufgenommen. Nordwestzeitung; Ausstellung &#8220;Kunst in Polen &#8211; eigenst\u00e4ndig&#8221;, 1995<\/p>\n<p>Die wenigen, kleinen vergilbten Fotos, die im Inferno der letzten Tage in Warschau erhalten geblieben sind, haben einen gro\u00dfen historischen und dokumentarischen Wert und sind in der Lage von die Sinnlosigkeit des Krieges zu zeugen.<\/p>\n<p>\u201eSuchen nach verlorener Farbe \u2013 eine Probe von Ablehnung der Distanz zur Welt. Das Gegenseitige Durchdringen der Materie und des Geistes, des Universums und der Individualit\u00e4t, das sind Probleme, die unser Schaffen anregen. Der moderne Mensch berauscht sich oft mit einfacher Sinnlichkeit, er verehrt die Natur, lehnt das Sacrum ab. Metaphorisch k\u00f6nnte man sagen: er hat die Farbe verloren. Unsere Ausstellung erz\u00e4hlt \u00fcber Proben, in den wir versuchen, die volle geistige Einheit mit der Welt zu finden.\u201c(Text aus der Einladung)<\/p>\n<p>An der am 8. Oktober 1996 vom Konsul Dr. Stanis\u0142aw Cie\u015bla er\u00f6ffneten Ausstellung konnte die K\u00fcnstlerin Maria Gra\u017cyna Gdowiak nicht teilnehmen. Ein tragischer Unfall beendete wenige Wochen vor ihrer ersten Auslandsausstellung ihr so hoffnungsvolles K\u00fcnstlerleben. Jolanta Czernecka, die mit dem Bruder von Gra\u017cyna Maria Gdowik, Wladyslaw, als unsere G\u00e4ste in der Hansestadt weilten, schrieb in Andenken an ihre Freundin: \u201eIch verdr\u00e4nge die schmerzhafte Abwesenheit von Maria. Wir m\u00fcssen damit leben. Es bleibt mir nur noch die Freude an Ihren Bildern, und dass viele Menschen ihre Werke werden betrachten k\u00f6nnen.\u201c Die Ausstellung fand im Hamburg-Haus Eimsb\u00fcttel statt.<br \/>\nIm Februar 2002 wurden in der Finanzbeh\u00f6rde am G\u00e4nsemarkt einige Karikaturen deutscher und polnischer K\u00fcnstler gezeigt. Anlass und Sinn der Ausstellung waren offenkundig: Vorurteile sollten in aller schonungslosen Offenheit beim Namen genannt werden, damit sie \u2013 das ist damit verbundene Hoffnung, als solche blo\u00dfgestellt \u2013 der L\u00e4cherlichkeit preisgegeben und ausgerottet werden. Wer k\u00f6nnte es besser als die Karikatur, die in der kritischen \u00dcberzeichnung den ber\u00fchmten Nagel auf dem Brett trifft, mit dem der Kopf so manches Zeitgenossen vernagelt zu sein scheint. Ein gro\u00dfer Teil der Karikaturen widmet sich den ganz banalen, dabei tief verwurzelten Vorurteilen, die in den beiden L\u00e4ndern gewachsen sind. Sie wollen die Ursachen untersuchen, wie die Angst der Polen vor den Folgen des EU-Beitritts und die Furcht der deutschen Nachbarn vor dem Verlust von Arbeitspl\u00e4tzen. (Dieter Burkamp, Einf\u00fchrung)<\/p>\n<p>Zwei Jahre sp\u00e4ter organisierte die DPG in den R\u00e4umen der Finanzbeh\u00f6rde nach dem Beitritt der zehn L\u00e4nder in die Europ\u00e4ische Union die Ausstellung \u201eZehn `Neue` f\u00fcr Europa\u201c. \u201eDas Karikaturenprojekt richtet sich an alle, die neugierig sind und sich selbst ein Bild von unseren k\u00fcnftigen EU-Mitgliedern machen m\u00f6chten. Diesmal geht es um die politische Karikatur, um ein Medium also, das keine Sprachbarriere kennt und keiner \u00dcbersetzung bedarf. (\u2026) Viele Arbeiten enth\u00fcllen, durchaus mit Stolz, die enormen Anstrengungen, die notwendig waren, um den hohen EU-Erwartungen zu gen\u00fcgen und verraten gleichwohl die Sorge, dass sich all die M\u00fchen als vergeblich erweisen k\u00f6nnten.\u201c (G\u00fcnter Verheugen, Ohne Wenn und Aber, Einf\u00fchrung, Katalog).<\/p>\n<p>Die Gesellschaft organisierte 2008 in der Handwerkskammer die Ausstellung \u201eDanziger B\u00fcrgerh\u00e4user\u201c, die vom Uphagenhaus\/Dom Uphagena in Zusammenarbeit mit dem Herder-Institut Marburg erstellt wurde. In der Ausstellung wurde die wechselvolle Entwicklung weitgehend zerst\u00f6rter und aufwendig restaurierter bzw. rekonstruierter Danziger B\u00fcrgerh\u00e4user vom Mittelalter bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorgestellt. Sie zeigte auch einige ausgew\u00e4hlte Funktionsaspekte eines B\u00fcrgerhauses, u.a. die Bebauung des Grundst\u00fccks, Durchfahrten, die eine Verkehrsverbindung mit dem Hof erm\u00f6glichen, Beischl\u00e4ge, Erker und Treppent\u00fcrme, Terrassen und Aussichtst\u00fcrme In einem gesonderten Teil der Ausstellung wurden die Innenr\u00e4ume der B\u00fcrgerh\u00e4user gezeigt. Auf 60 Bild- und Texttafeln wurden mit zahlreichen unbekannten Fotografien und Baupl\u00e4nen die Entwicklungsstufen der B\u00fcrgerh\u00e4user in den verschiedenen Epochen baugeschichtlich aufgezeichnet und dokumentiert. Sie stammen aus der nie ver\u00f6ffentlichten Dissertationsschrift Otto Rollenhagens, die vor 1945 entstanden ist. Diese Quelle hat schon deshalb eine gro\u00dfe Bedeutung, weil die meisten dort beschriebenen Geb\u00e4ude im M\u00e4rz 1945 v\u00f6llig zerst\u00f6rt wurden.<\/p>\n<p>2010 organisierte die DPG die Ausstellung der K\u00fcnstler der Hamburger Aquarellwerkstatt in den R\u00e4umen der VHS-Hamburg Ost (Farmsen). Zum ersten Mal gelang es uns, in der VHS Farmsen R\u00e4ume f\u00fcr eine von uns organisierte Ausstellung zu erhalten. Die 15 ausstellenden K\u00fcnstler hatten \u00fcber eine Woche in Masuren Bilder gemalt, die die besondere Stimmung dieser einzigartigen Landschaft wiedergeben. Der bekannte Schriftsteller und Mitglied unserer Gesellschaft Arno Surminski f\u00fchrte die G\u00e4ste in die Besonderheit der Landschaft ein: \u201eMan muss lange hinschauen, um die masurischen Eigenarten auszumachen. Als erstes f\u00e4llt das viele Wasser auf, die Seen und Teiche, die \u00fcber das Land getupft sind, die Fl\u00fcsschen, die die Landschaft gem\u00e4chlich durchziehen, als w\u00fcssten sie nicht wohin. Man muss einen Sonnenaufgang und einen Sonnenuntergang erlebt haben, um zu erkennen, dass die Wolkenbildung hier eine andere ist und der Wind nicht nur m\u00e4\u00dfiger weht, sondern auch andere Ger\u00fcche \u00fcber das Land tr\u00e4gt. Kopfweiden an Feldwegen und Dorfstra\u00dfen pr\u00e4gen Masuren, die Alleen nicht zu vergessen, die Schattenb\u00e4nder durch den Sommer ziehen. Neben ihnen die rot-wei\u00df-blauen Felder mit Mohn, wilder Kamille und Kornblumen.\u201c (Einf\u00fchrung zum Katalog \u201eHamburger Aquarellwerkstatt Masuren). F\u00fcr die besondere Untermalung dieser Stimmung sorgte die Gitarren-Musik von David Kova.<br \/>\n7.3.2 Lesungen<\/p>\n<p>Die zweite, wichtige Form der kulturellen Aktivit\u00e4ten der Gesellschaft, die regelm\u00e4\u00dfig organisiert werden, sind Lesungen mit bekannten Schriftstellern, oder mit deutschsprachigen Autoren, die sich mit der deutsch-polnischen Realit\u00e4t oder der gemeinsamen Vergangenheit auseinandersetzen. Unsere Gesellschaft kann es sich hoch anrechnen, manchem\/r polnischen Schriftsteller\/-in schon ein Forum geboten zu haben, bevor er oder sie \u201eber\u00fchmt wurden\u201c. Dazu z\u00e4hlt u.a. auch Andrzej Szczypiorski, den wir schon Ende der 70-er Jahre zu einer Lesung in die R\u00e4ume der Neuen Gesellschaft, unserer \u201eHeimat\u201c von 1972 bis 1992 in der Rothenbaumchaussee 19, eingeladen hatten. Erst Mitte\/Ende der 80-er Jahre wurde Andrzej Szczypiorski mit seinem Roman \u201eDie sch\u00f6ne Frau Seidemann\u201c und anderen Werken einer breiteren \u00d6ffentlichkeit bei uns bekannt. Zu unseren G\u00e4sten aus diesem Genre geh\u00f6rten ebenso wie aus dem Kreis von Pers\u00f6nlichkeiten des \u00f6ffentlichen Lebens und der Publizistik u. a. Prof. W\u0142adys\u0142aw Bartoszewski, Erzbischof Alfons Nossol, Radek Sikorski (gegenw\u00e4rtig Au\u00dfenminister der Republik Polen), Bremer B\u00fcrgermeister a. D. Hans Koschnick, Adam Krzemi\u0144ski, Helga Hirsch, J\u00fcrgen Haese, Martin Graf, Artur Becker, Friedrich-Wilhelm Kramer, Matthias Kneip, Reinhold Vetter, Mieczys\u0142aw Tomala, Wilhelm Szewczyk, Arno Surminski. Auch f\u00fcr diese Veranstaltungen fanden wir in der Regel Partner, mit denen wir den deutsch-polnischen Dialog angeregt haben.<\/p>\n<p>Einige Beispiele:<br \/>\n2009 las Ingelene Rodewald aus ihrem Buch \u201e\u2026und auf dem Schulhof stand ein Apfelbaum. Meine Zeit in Polen 1942-1944\u201c. Ihre Briefe und Tagebuch-Aufzeichnungen spiegeln die Kriegserlebnisse wider und zeigen, wie tief der Krieg in das vorher friedliche Leben der Menschen eingegriffen hat.<\/p>\n<p>2011 stellte Reinhold Vetter, der im August 1980 w\u00e4hrend des historischen Streiks auf der Danziger Lenin-Werft war, sein Buch \u201ePolens eigensinniger Held. Wie Lech Walesa die Kommunisten \u00fcberlistete\u201c vor. Es ist die erste, wissenschaftlich fundierte Biographie des ber\u00fchmten Arbeiterf\u00fchrers Lech Walesa im deutschsprachigen Raum..<\/p>\n<p>Artur Becker las 2011 aus seinem Buch \u201eDer Lippenstift meiner Mutter\u201c, in dem er seine Heimat Warmia\/ Ermland und Masuren und deren Bewohnerinnen und Bewohner beschreibt. Dabei sp\u00fcrt er auch der Vergangenheit dieser Region nach. W\u00e4hrend der Lesung erinnerte Artur Becker auch an den 100. Geburtstag des polnischen Nobelpreistr\u00e4gers von 1980, Czeslaw Milosz (1911-2004). Dabei trug er einige der von ihm ins Deutsche \u00fcbersetzten Gedichte vor. Polen widmete Milosz 2011 ein Gedenkjahr. Artur Becker ist ein Kenner Miloszs Literatur und seine Lesung war unser Beitrag f\u00fcr das Milosz-Jahr.<\/p>\n<p>Im Jubil\u00e4umsjahr 2012 stellte Wioletta Wei\u00df ihr Buch \u201eWir sind nur noch wenige &#8211; Erinnerungen aus einem Schtetl (\u201ePozostalo nas tak niewielu &#8211; Wspomnienia z miasteczka polsko-\u017cydowskiego\u201c)\u201c vor. Der Band basiert auf Zeitzeugenberichten, die eindrucksvoll und nuanciert die polnisch-j\u00fcdische Geschichte von Zarki, einer polnischen Kleinstadt im Krakauer Jura, wiederspiegeln, die wie viele andere im besetzten Polen von der Walze des Holocaust zerst\u00f6rt wurde. Auf authentische Weise wird das Leben (und Sterben) in einem St\u00e4dtchen aus polnischer und j\u00fcdischer Perspektive erz\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Die Fu\u00dfball Europameisterschaft in Polen und in der Ukraine war einer der sportlichen H\u00f6hepunkte des Jahres 2012 und lenkte verst\u00e4rkt das Interesse der Deutschen auf Polen. Deshalb luden wir den Osteuropa &#8211; Korrespondenten der S\u00fcddeutschen Zeitung Thomas Urban ein, der aus seinem neuen Buch \u201eSchwarzer Adler &#8211; Wei\u00dfer Adler\u201c las. Vor allem mit dem polnischen Nachbarland verbindet Deutschland eine ganz besondere Fu\u00dfballbeziehung. An spannenden Einzelf\u00e4llen schilderte Thomas Urban wie die politische Geschichte beider L\u00e4nder in den Fu\u00dfball hineingewirkt hat. Dabei r\u00e4umte er unter anderem mit dem Klischee des \u00bbPolackenclubs\u00ab Schalke 04 auf und berichtete \u00fcber Ernst Willimowski, der zwischen 1934 und 1942 sowohl in der polnischen als auch deutschen Nationalmannschaft spielte. Auch die heutige Nationalmannschaft dr\u00fcckt diese besondere Fu\u00dfballverwandtschaft aus: Zwei ihrer Stars, Miroslav Klose und Lukas Podolski, wurden in Polen geboren. Bei der Europameisterschaft 2012 traten sie in Polen f\u00fcr Deutschland an \u2013 eine R\u00fcckkehr, der sie auf ganz unterschiedliche Weise entgegensahen.<\/p>\n<p>7.3.3 Musikveranstaltungen<\/p>\n<p>Das Spektrum unserer Aktivit\u00e4ten im musischen Bereich ist weit gespannt und geht von der Pr\u00e4sentation des Folkpop-Ensembles NO TO CO mit Piotr Janczerski noch zu Zeiten des Arbeitskreises Polen 1971 \u00fcber die Jazzformation HAGAW, Folklore- und Gospelgruppen, Ch\u00f6ren bis hin zu Kammermusikensembles und Instrumentalsolisten.<\/p>\n<p>Seit 1980 besucht regelm\u00e4\u00dfig das Ensemble \u201eResovia Saltans\u201c auf Einladung unserer Gesellschaft Hamburg. Anfangs jedes Jahr, sp\u00e4ter alle zwei Jahre werden Konzerte in Hamburg und in Norddeutschland (Kiel, Bad Segeberg, Flensburg, Tostedt) organisiert. (siehe Kapitel 4.8)<\/p>\n<p>F\u00fcr die traditionellen Weihnachtsm\u00e4rkte in der Innenstadt schlugen in 1987, 1988 und 1995 die f\u00fcr die verantwortlichen \u00c4mter und Institutionen etwas besonders vor. Das Ensemble \u201eBrzozowiacy\u201c aus der Rzeszower Region sang und tanzte mehrmals mit Eleganz, Grazie, Schwung und Temperament am Jungfernstieg, vor dem Rathaus und auf dem G\u00e4nsemarkt. Das Ensemble \u201cBielsko\u201c aus Bielsko-Bia\u0142a beendete dann in der Weihnachtszeit des Jahres 1995 die \u00c4ra der polnischen Folklore in der Hamburger City. Es waren Vorweihnachtszeiten, an die sich gewiss noch viele Hamburger und deren unz\u00e4hligen G\u00e4ste aus der Umgebung mit Freude und Wehmut erinnern.<\/p>\n<p>Auch die Bewohner zahlreicher Altenheime Hamburgs betrachteten die jungen Menschen aus Polen als Vorboten der herannahenden Weihnachtszeit. Ihre abgearbeiteten H\u00e4nde dankten den \u201epolnischen Engeln\u201c mit st\u00fcrmischem Applaus.<\/p>\n<p>Die polnischen G\u00e4ste wurden immer im Inter- Rast Hotel beherbergt. Diese gro\u00dfz\u00fcgige Geste verdankten wir dem in Hamburg bekannten Wilhelm, \u201eWilli\u201c Bartels und seiner Frau Gisela. Der Gesang und T\u00e4nze der polnischen K\u00fcnstler bereicherten auch oft das bunte Treiben auf dem benachbarten traditionellen \u201eHamburger Dom.\u201c (Jan Dolny)<\/p>\n<p>F\u00fcr den 1. September 1989, dem 50. Jahrestag des Kriegsbeginns, plante unsere Gesellschaft eine gro\u00dfe Veranstaltung. Um von ihr eine m\u00f6glichst intensive und sch\u00f6ne Friedensbotschaft ausgehen zu lassen, wollten wir eine Teilnahme polnischer und deutscher Kinder erreichen. Durch die guten Beziehungen nach Stettin lie\u00df sich die Idee sehr gut und erfolgreich realisieren: Der Knabenchor &#8220;Stettiner Nachtigallen&#8221; wurde eingeladen, an der Veranstaltung zusammen mit dem Knabenchor St. Nicolai, Hamburg, teilzunehmen. Dar\u00fcber hinaus gelang es, einen Austausch zwischen den beiden Ch\u00f6ren zu arrangieren. Der Besuch des Stettiner Knabenchores in Hamburg wurde zu einer Erfolgsreise der jungen S\u00e4nger: Sie nahmen am \u00d6kumenischen Gedenken zum 1. September 1939 in der Hauptkirche St. Petri teil, sie haben an der westdeutschen Erstauff\u00fchrung des Oratoriums &#8220;Deutsches Miserere&#8221; von Paul Dessau und Bertold Brecht in der Musikhalle am 1. September 1989 mitgewirkt, sie haben in der Radio-Livesendung &#8220;Sonntakte&#8221; unter dem Motto &#8220;Europa singt&#8221; polnische Volkslieder vorgestellt.<\/p>\n<p>Das Vorstandsmitglied, Teresa Lemke, brachte den Elternchor des Albert-Schweitzer Gymnasiums mit einem der Stettiner Ch\u00f6re, dem \u201eCollegium Maiorum\u201c, zusammen. Dieser Kontakt bestand \u00fcber einige Jahre, die S\u00e4nger besuchten sich gegenseitig, konzertierten gemeinsam gesungen und hatten dabei sehr viel Freude. Das letzte gemeinsame Konzert fand im Dezember 1992 in der Hauptkirche St. Nicolai statt. Der Chor \u201eCollegium Maiorum\u201c wurde zuvor zur Weihnachtsfeier 1991 der Gesellschaft eingeladen. Sowohl die Mitglieder als auch das allgemeine Hamburger Publikum in den anderen Konzerten sowie die Fernsehzuschauer des Hamburger Journals waren von dem K\u00f6nnen und dem breiten Repertoire der Stettiner begeistert. (Teresa Lemke, 1997)<\/p>\n<p>2009 gastierte \u201eCollegium Maiorum\u201c unter der Leitung des Dirigenten und Chorleiters Pawe\u0142 Osuchowski wieder in Hamburg. Der Chor trat mit 38 Personen auf. Der junge Chorleiter und Dirigent nahm auf interessante Weise den ganzen Kirchenraum als Resonanzk\u00f6rper f\u00fcr seine S\u00e4nger in Anspruch, was die Zuschauer mit gro\u00dfer Begeisterung begr\u00fc\u00dften. Er lieferte ein Portr\u00e4t der polnischen Musik im Laufe der letzten Jahrhunderte. Das Schlusswort vom Chorleiter hie\u00df: \u201eWer von Ihnen mir glaubt, soll zuh\u00f6ren, wer zuh\u00f6rt, soll begeistert sein, und wer begeistert ist, soll nach Polen kommen.\u201c Es war eine charmante und geschickte Werbung f\u00fcr Polen!<br \/>\nVor wenigen Jahren unternahmen wir den Versuch, das Hamburger Orchester \u201eHamburger Camerata\u201c mit der \u201eCapella Gedanensis\u201c aus Danzig\/Gda\u0144sk dauerhaft zu verbinden. Au\u00dfer drei Konzerten des Danziger Orchesters in Hamburg und einem Konzert der Camerata in Danzig unter Schirmherrschaft von Pr\u00e4sident Pawe\u0142 Adamowicz und B\u00fcrgermeister Ole von Beust sowie finanzieller Unterst\u00fctzung der Firmen FROSTA (Herr Ahlers) und DARBOVEN (Addi Darboven) ist es uns leider nicht gelungen, eine dauerhafte partnerschaftlichen Verbindung zwischen beiden Orchestern herzustellen. Mit unserer Hilfe ist es allerdings gegl\u00fcckt, die Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit in Warschau zu gewinnen, der \u201eCapella Gedanensis\u201c finanzielle Mittel zur Verf\u00fcgung zu stellen, um in der Reihe \u201eMusiksch\u00e4tze des alten Danzigs\u201c eine CD mit Kantaten des Barockkomponisten Johann Theodor Roemhildt herzustellen.<\/p>\n<p>Sehr erfolgreich verl\u00e4uft seit 2002 die Zusammenarbeit zwischen dem Warschauer M\u00e4dchenchor \u201eWiwat\u201c und unserer Gesellschaft. \u00dcber die Jahre hat uns \u201eWiwat\u201c mit seinem vielseitigen Programm bereits mit mehreren Konzerten begeistert. Leiterin und Chordirigentin ist Alicja Mossakowska, f\u00fcr die musikalische Begleitung sorgen Anna Cygielska und Wlodzimierz Tyl. Dar\u00fcber hinaus ist es uns gelungen, eine Zusammenarbeit mit der Bramfelder Kantorei unter der Leitung von Werner Lamm und dem JONA-Jugendchor sowie der Trittauer Kantorei, beide unter der Leitung von Barbara Fischer, aufzubauen. \u201eWiwat\u201c wird Ende November 2012 wieder in Hamburg und Trittau zu Gast sein und uns mit seinem Advents- und Weihnachtsliederprogramm erfreuen.<\/p>\n<p>Als unseren Beitrag zum Chopin-Jahr 2010 organisierten wir ein Konzert mit den bekannten polnischen Pianisten Michal Bia\u0142k und Cezary Kwapisz, die f\u00fcr uns im Lichtwark-Saal der Carl-T\u00f6pfer-Stiftung in der Neustadt Werke von Chopin, Liszt und Paderewski spielten. Die technisch perfekte und mit vielen Emotionen geladene Musik hat die Zuschauer begeistert und Applauswellen ausgel\u00f6st. Die temperamentvolle Interpretation einiger Werke klang so wunderbar, dass die beiden Pianisten den Saal ohne Zugabe nicht verlassen durften. 2012 konnten wir die beiden Pianisten erneut in Hamburg begr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n<p>Mitte 2011 trat das Klezmer-Trio aus Krakau in der Irena-Sendler-Schule auf, das zu den bekanntesten Gruppen beim allj\u00e4hrlichen Klezmer-Festival im j\u00fcdischer Viertel seiner Heimatstadt geh\u00f6rt. \u201eDie drei Musiker entfachten bei rasantem Spieltempo ein musikalisches Feuerwerk der Spitzenklasse. Sie reisen auf der Suche nach Spuren und Wurzeln des Klezmers.\u201c berichtete die Stadtteilzeitung \u201eDer Markt\u201c.<\/p>\n<p>8. Im Netzwerk der DPG<br \/>\n8.1 Der Ost-West-Kreis<\/p>\n<p>Der evangelische Arbeitskreis f\u00fcr Ost-West-Fragen (OWK) gratuliert der DPG Hamburg herzlich zum 40. Jahr ihrer Gr\u00fcndung. Er verbindet seine Gratulation mit gro\u00dfem Dank an die DPG Hamburg f\u00fcr die enge Zusammenarbeit seit nunmehr 10 Jahren. Er w\u00fcnscht der DPG Hamburg weiter die gro\u00dfen Erfolge, die sie in der freundschaftlichen Verbindung zu Polen seit den vergangenen 40 Jahren entwickelt und erreicht hat.<\/p>\n<p>Der OWK wird n\u00e4chstes Jahr 60 Jahre alt. Sein auf dem Kirchentag in Hamburg 1953 gestecktes Ziel war von Anbeginn, den Kontakt zu den Menschen in der damaligen DDR nicht abrei\u00dfen zu lassen. Jedes Jahr haben sich die im OWK zusammengeschlossenen Menschen aus Ost- und Westdeutschland in gemeinsamen Seminaren zu jeweils zeitaktuellen Themen hier und dort getroffen. Der OWK hat Kirchengemeinden in der DDR materiell geholfen und Familien von in der DDR inhaftierten Kirchenmitarbeitern unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Nach der Wende &#8211; im 50-sten Jahr nach seiner Gr\u00fcndung &#8211; fand der OWK auf Vermittlung der DPG Hamburg neue, nunmehr gemeinsame Impulse seiner Ost-West-Arbeit in der \u00d6ffnung nach Polen. Einige Mitglieder des OWK waren und sind zugleich Mitglieder der DPG Hamburg. Deren engen Kontakt zum Germanistikbereich der Fachhochschule in Jas\u0142o\/Krosno nutzt der OWK nunmehr bereits im 9. Jahr zu gemeinsamen Seminaren mit den Dozentinnen und Dozenten sowie Studierenden dieser Fachhochschule. Inzwischen verbindet den OWK auch eine enge Zusammenarbeit mit der auf Anregung der DPG Hamburg gegr\u00fcndeten Polnisch-Deutschen Gesellschaft in Rzesz\u00f3w und mit Dozentinnen und Dozenten der dortigen Universit\u00e4t.<\/p>\n<p>Zu Themen wie \u201ePolen und Deutsche in der EU &#8211; beschwerte Vergangenheit &#8211; unbeschwerte Zukunft\u201c (2004), \u201eDie gesellschaftliche Werteentwicklung in Polen und Deutschland in den letzten 40 Jahren\u201c (2007), \u201eDie Entwicklung der Demokratie in Polen und Deutschland\u201c (2008) \u201eToleranz und Kompromiss als Wege zur Verst\u00e4ndigung\u201c (2009) oder \u201eGemeinsamer Kulturraum links und rechts der Grenze am Stettiner Haff \u2013 Zalew Szczeci\u0144ski\u201c (2011) haben polnische Studentinnen, Dozentinnen und Dozenten &#8211; auf Deutsch! &#8211; sowie Mitglieder des OWK Referate gehalten. In diesem Jahr (2012) steht das Seminar unter dem von polnischen Studierenden angeregten Thema \u201eZeugen der Kriegszeit. Erz\u00e4hlte Erfahrungen\u201c. W\u00e4hrend dieser Seminare sind Freundschaften zwischen polnischen und deutschen Teilnehmern entstanden. Sie haben unter anderem dazu gef\u00fchrt, dass 2 Studentinnen aus Jas\u0142o ein jeweils dreimonatiges, EU-gef\u00f6rdertes Praktikum in der Hamburger evangelischen Markus Kirchengemeinde Hohenhorst, Rahlstedt-Ost, absolviert und w\u00e4hrend dieser Zeit an den monatlichen Treffen der Hamburger OWK-Mitglieder teilgenommen haben.<\/p>\n<p>Inzwischen nehmen eine Reihe von Gasteltern aus dieser Gemeinde polnische Studierende aus Jas\u0142o\/Krosno bei sich auf, die auf Einladung der DPG Hamburg jeweils eine mit spezifischen Programmpunkten gef\u00fcllte Woche in Hamburg verbringen, um ihre Sprachkenntnisse durch den Aufenthalt in deutschen Gastfamilien zu vervollkommnen. Diese Verkn\u00fcpfungen zwischen OWK, Kirchengemeinde, Gasteltern, der Fachhochschule in Jas\u0142o\/Krosno, der Universit\u00e4t Rzesz\u00f3w und den daraus entstandenen Freundschaften zwischen Polen und Deutschen sind das Ergebnis der unerm\u00fcdlichen Arbeit der DPG Hamburg. Sie erf\u00fcllt als Kern solcher durch ihren Einfluss entstandenen Netzwerke vorbildlich den \u201eVertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit\u201c von 1991; sie l\u00e4sst diesen Vertrag durch ihre nicht nachlassende und erfolgreiche Suche nach weiteren Netzwerkbeteiligten auch von andern in gleicher Weise erf\u00fcllen. Sie ist seit 40 Jahren ein wichtiger Motor, um Vorurteile abzubauen und das freundschaftliche Klima zu unseren Nachbarn im Osten immer weiter zu verbessern. Neben der Gratulation zu 40 Jahren dieser erfolgreichen Arbeit w\u00fcnscht der OWK der DPG Hamburg, dass sie in vielen weiteren Jahren immer Menschen findet, die diese zwischen unseren L\u00e4ndern friedenstiftende wertvolle Arbeit auf dem von der DPG Hamburg eingeschlagenen Weg fortsetzen. (Wolfgang Madlung)<\/p>\n<p>8.2 \u201eWer seinen Nachbarn kennt, kann auf Vorurteile verzichten\u201c<\/p>\n<p>Ohne Vorurteile k\u00f6nnen Menschen offensichtlich nicht leben. Wohl auch deshalb formuliert Luther zum 1.Gebot: \u201eDu sollst Dir kein Bildnis, noch irgendein Gleichnis machen. (&#8230;)\u201c. Aber wir brauchen Orientierungen; haben jedoch die F\u00e4higkeit, unsere Vorurteile zu \u00fcberpr\u00fcfen und k\u00f6nnen sie dann ggf. \u00e4ndern!<\/p>\n<p>Im Sommer 1982 hatten wir eine ungew\u00f6hnliche Begegnung mit einem jungen Studenten aus Warschau. Dort herrschte Kriegsrecht. Polen lag f\u00fcr uns weit weg, weit hinter dem \u201eEisernen Vorhang\u201c, und jetzt auf einmal ganz nah. Wir lernten viel \u00fcber dieses Land und fuhren noch im selben Jahr mit unseren T\u00f6chtern nach Warschau. Wir mussten zwei mit Soldaten, Mauern und Stacheldraht bewehrte Grenzen \u00fcberschreiten \u2013 und den Versuch unternehmen, Menschen zu gewinnen, die einst im Untergrund gegen den Naziterror t\u00e4tig gewesen waren. Es gelang, und es ist bis heute die tiefgehendste seelische Erfahrung, die wir je gemacht haben. Fortan fuhren wir allj\u00e4hrlich nach Polen und ab 1986 mit Musizierfreunden zu Konzertreisen, die uns 2007 durchs ganze Land f\u00fchrten. Das schafft N\u00e4he zu Land (Mit Dank f\u00fcr die herzliche Gastfreundschaft) und Leuten!<\/p>\n<p>Ab 1983 begannen wir Polnisch zu lernen. Von 1993 bis Ende 1995 haben wir beide in Warschau f\u00fcr ein Hamburger Unternehmen gearbeitet. In all diesen Jahren erfuhren wir, wie viele Vorurteile in unserem Lande gegen\u00fcber Polen bestanden, Vorurteile, die im 3. Reich ihren absurdesten H\u00f6hepunkt erreichten, aber sich schon im 18. und 19. Jahrhundert entwickelt hatten. Und es gibt auch Vorurteile in Polen gegen\u00fcber Deutschland. Das wollten wir versuchen, mit unseren Mitteln und M\u00f6glichkeiten zu \u00e4ndern und gr\u00fcndeten ein einw\u00f6chiges Seminar unter dem Titel: \u201eWer seinen Nachbarn kennt, kann auf Vorurteile verzichten.\u201c Wir starteten mit acht polnischen Studenten im Februar 1997 und im Sommer 1997 in unserem Haus in Solec nad Wis\u0142\u0105 (an der Weichsel) mit 8 deutschen Studenten. Wir zeigten das jeweils andere Land durch Vortr\u00e4ge \u00fcber Geschichte, Wirtschaft, Kirche, Aufbau des Staates, Bildungsstruktur (Schule bis Universit\u00e4t). Dabei halfen uns namhafte Professoren, Pr\u00e4sidenten der Hamburger B\u00fcrgerschaft, Schulleiter und Lehrer, Bankdirektoren und Diplomaten beider Staaten.<\/p>\n<p>Es gab Gespr\u00e4che mit Politikern und Journalisten, Berichte von Zeitzeugen, wir besuchten Theaterauff\u00fchrungen in der jeweils anderen Sprache, da uns einst ein Theaterst\u00fcck in Warschau so beeindruckt hatte, weil durch das mangelnde Verst\u00e4ndnis der Sprache alle anderen Sinne herausgefordert werden, den Sinn der Darstellung zu erfassen. Und schlie\u00dflich machten wir Rundreisen: Von Hamburg aus nach Stade, wo uns auf eindrucksvolle Weise die erfolgreichen Bem\u00fchungen um die Sicherung einer wirtschaftlichen Basis f\u00fcr die verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig kleine Stadt und ihr Umfeld vor den Toren der Metropole Hamburg vorgestellt wurden.<\/p>\n<p>In Polen fuhren wir umgekehrt, von Solec nach Warschau und Krakau, vom Dorf in die Metropolen, aber auch in die kulturell beeindruckende n\u00e4here Umgebung, nach Kazimierz Dolny und Sandomierz, nach Lublin, Zamo\u015b\u0107 und Krzy\u017ctop\u00f3r.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend des Seminars gab es Empf\u00e4nge in unserem Haus in Hamburg, und in Solec, zu denen wir Menschen aus Wirtschaft. Politik, Kultur, Schulen, Kirchen, und Freunde &#8211; eine bunte Mischung &#8211; einluden. Zum Programm geh\u00f6rte stets ein Abend mit \u201eJungen Leuten\u201c. Die Studenten, die gerade ein Seminar bei uns besucht hatten, luden die Studenten des n\u00e4chsten Seminars zu einem gemeinsamen Abend ein, also die Polen die Deutschen und die Deutschen die Polen, ohne unser Beisein. In 14 Seminaren haben wir \u00fcber 200 Studenten kennenlernen k\u00f6nnen. Warum haben wir Studenten gew\u00e4hlt? Erstens, in diesem Stadium ist man geistig gut trainiert, zweitens, wir gehen davon aus, dass Menschen mit einem Studium zu den Meinungstr\u00e4gern in der Gesellschaft z\u00e4hlen. Heute sind \u201eunsere Studenten\u201c Lehrer, die mit ihren Sch\u00fclern den deutsch-polnischen Austausch pflegen, Historiker, die sich um die bilaterale Verst\u00e4ndigung bem\u00fchen. Ein Arzt betreut die Marinesoldaten auf ihren Seereisen. Eine polnische K\u00fcnstlerin hat sich in Hamburg niedergelassen. In beiden L\u00e4ndern gibt es Berater in F\u00fchrungspositionen, Dozenten, \u00c4rztinnen, die als Studenten eines unserer Seminare besucht haben.<\/p>\n<p>Im Februar 2010 haben wir das 14. Seminar in Folge f\u00fcr polnische Studenten veranstaltet; im Sommer 2012 folgte das 14. f\u00fcr Deutsche in Polen. Damit endete unser langj\u00e4hriges Projekt.<br \/>\nEs war eine wunderbare, manchmal auch anstrengende Arbeit, bei der wir viel zur\u00fcckbekamen. Wir glauben, dazu beigetragen zu haben, dass f\u00fcr einige Menschen Deutschland und Polen ein wenig n\u00e4her ger\u00fcckt sind. (Heidi und Wilhelm Holzapfel)<br \/>\nZwei Berichte aus 14 Jahren:<br \/>\nPi\u0119\u0107 lat temu bra\u0142em udzia\u0142 w prywatnym seminarium Heidi i Wilhelma Holzapfel &#8220;Kto pozna swojego s\u0105siada, pozb\u0119dzie si\u0119 uprzedze\u0144&#8221; w Hamburgu. Nie by\u0142em uprzedzony do Niemc\u00f3w, ale s\u0105siednie spo\u0142ecze\u0144stwa s\u0105 po prostu ciekawe, bo inne. R\u00f3\u017cnice mi\u0119dzy nami warto pozna\u0107 cho\u0107by po to, \u017ceby zobaczy\u0107, co mo\u017cna robi\u0107 inaczej. Na przyk\u0142ad \u017ce kobieta mo\u017ce odprawia\u0107 nabo\u017ce\u0144stwo, \u017ce parafianie mog\u0105 by\u0107 bardziej ni\u017c w Polsce odpowiedzialni za wsp\u00f3lnot\u0119, \u017ce mo\u017cna inaczej. (&#8230;) Heidi i Wilhelm prowadzili nas do niemieckich medi\u00f3w &#8211; Deutsche Presse-Agentur czy Norddeutscher Rundfunk (NDR). Dzi\u015b jestem dziennikarzem. Dzi\u0119ki tamtemu niemieckiemu do\u015bwiadczeniu lepiej i pewniej si\u0119 czuj\u0119 w zawodzie. Pozna\u0142em kilka niemieckich instytucji, kt\u00f3re dzia\u0142aj\u0105 w Warszawie i jestem z nimi w kontakcie. Mam w\u015br\u00f3d znajomych osoby, kt\u00f3re pozna\u0142em przez Heidi i Wilhelma.<\/p>\n<p>Obecnie &#8211; tak jak Heidi i Wilhelm &#8211; sam organizuj\u0119 wymian\u0119 m\u0142odzie\u017cy. Jest to wymiana nie polsko-niemiecka, ale polsko-litewska. Dialog Polski z Niemcami jest rozwini\u0119ty. Umiej\u0119tno\u015bci wyniesione z dialogu z Niemcami Polacy musz\u0119 teraz wykorzysta\u0107 do zbli\u017cenia z Litw\u0105. Polacy i Litwini maj\u0105 przed sob\u0105 wiele do zrobienia. Na szcz\u0119\u015bcie mamy dobre wzory dzia\u0142ania.<\/p>\n<p>Vor f\u00fcnf Jahren nahm ich an einem privaten Seminar, mit dem Titel: \u201eWer seinen Nachbarn kennt, kann auf Vorurteile verzichten\u201c von Heidi und Wilhelm in Hamburg teil. Ich hatte keine Vorurteile den Deutschen gegen\u00fcber, aber die Nachbarn sind einfach interessant, weil sie anders sind. Es lohnt sich die Unterschiede kennenzulernen, um zu sehen, was man anders machen k\u00f6nnte, z.B. dass eine Frau einen Gottesdienst abhalten darf, dass Gemeindemitglieder viel st\u00e4rker f\u00fcr die Gemeinde verantwortlich sind als in Polen, und das es auch anders geht(\u2026). Heidi und Wilhelm f\u00fchrten uns in die Landschaft der deutschen Medien &#8211; die Deutsche Presse-Agentur und der Norddeutsche Rundfunk &#8211; ein. Heute bin ich Journalist. Dank der deutschen Erfahrungen f\u00fchle ich mich in meinem Beruf sicherer. Ich habe einige deutsche Institutionen kennengelernt, mit denen ich immer noch Kontakt habe. In meinem Bekanntenkreis sind immer noch Personen, die ich bei Heidi und Wilhelm kennengelernt habe. Jetzt organisiere ich &#8211; wie Heidi und Wilhelm &#8211; einen Jugendaustausch. Es ist kein deutsch-polnischer sondern polnisch-litauischer Jugendaustausch. Der Dialog mit Deutschland ist schon sehr weit entwickelt. Die Erfahrungen aus dem deutsch-polnischen Dialog kann ich f\u00fcr die Ann\u00e4herung mit Litauen einsetzen. Die Polen und die Litauer haben noch viel zum Nachholen. Zum Gl\u00fcck haben wir positive Handlungsmuster. ( Jakub Halcewicz-Pleskaczewski, geb. 1984, Journalist, wohnt und arbeitet in Warschau, \u00dcbersetzung Viola Krizak)<\/p>\n<p>Sascha W\u00f6llert aus Hamburg<br \/>\nAls mich im Winter 1999 Frau Prof. Barbara Vogel fragte, ob ich an einer privat organisierten Studienfahrt nach Polen teilnehmen wollte, war ich skeptisch \u2026 Polen? Da wollte \u201eman\u201c eigentlich nicht unbedingt hin. Die Farben Mausgrau, Betongrau. Staubgrau waren die, die mir in den Sinn kamen (\u2026). Aus heutiger Sicht muss ich kritisch zugeben, dass ich auch f\u00fcr \u201edamalige Verh\u00e4ltnisse\u201c noch einigerma\u00dfen ungebildet war, was den Kulturreichtum und die Sch\u00f6nheit dieses Landes betraf. Heidi und Wilhelm Holzapfel zeigten mir dann das Polen, das ich nicht kannte \u2013 das so ganz anders war als das, was ich zu kennen glaubte! Ein Polen architektonischer, k\u00fcnstlerischer, intellektueller und musikalischer Pracht. Nie werde ich meine Eindr\u00fccke von Lublin, Sandomierz, Kazimierz Dolny, Krakau vergessen! Dieser Reichtum an Renaissance-Architektur! Diese Pracht der Kirchen! Dieses Bewusstsein f\u00fcr das eigene kulturelle Erbe! Diese Farben, Orgelkl\u00e4nge, D\u00fcfte deftigen Essens, diese Lebensfreude der Warschauer Studenten!<\/p>\n<p>Bis heute stehe ich in engem Kontakt mit einem der Studenten, die uns damals das pulsierende junge Warschau voller Zukunftslust und Tatendrang zeigten. Heute ist Warschau l\u00e4ngst eine DER Metropolen Europas! Voller Eindr\u00fccke und auch einer gewissen Scham bez\u00fcglich meiner Vorurteile war klar, dass ich dieses Geschenk des Ehepaares Holzapfel weitergeben muss. \u2026.<\/p>\n<p>Als Oberstudienrat an einem Gymnasium in Bad Nenndorf (GBN) konnte ich mich schnell in den Bereich der deutsch-polnischen Kontakte einbringen und heute ist die \u201eBednarska\u201c eine von 3 polnischen Partnerschulen! Das GBN und die \u201eBednarska\u201c arbeiten in einem Comenius-Projekt zum Thema \u201eTogether in Europe\u201c zusammen, ich werde mit meinem Seminarfach \u201eSport zwischen Kultur, Politik und Geschichte\u201c im Oktober 2012 die \u201eBednarska\u201c in Warschau besuchen. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler werden gemeinsam die Auswirkungen der Fu\u00dfball-EM in Polen und der Ukraine bez\u00fcglich der deutsch-polnischen Beziehungen untersuchen und den Fragen nachgehen, ob dieses Sportereignis Vorurteile abbauen oder aufbauen hilft. Au\u00dferdem geht es dann immer noch und wieder darum, Vorurteile gegen\u00fcber Polen abzubauen: \u201eSeminarfahrt nach Warschau? Da ist doch alles grau in grau&#8230;\u201c<br \/>\nL\u00e4chelnd und erinnernd versprach ich meinen Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern: \u201e Sie werden begeistert sein!\u201c (Sascha W\u00f6llert)<\/p>\n<p>8.3 Leben im Glas, Irena-Sendler-Schule<\/p>\n<p>Weitsicht, Mut und Toleranz. Daf\u00fcr steht der neue Name der ehemaligen Peter-Petersen-Gesamtschule: Die traditionsreiche Schule in Wellingsb\u00fcttel ist nun nach Irena Sendler benannt, der 2008 mit 98 Jahren verstorbenen polnischen Widerstandsk\u00e4mpferin, einer katholischen Sozialarbeiterin und Krankenschwester, die w\u00e4hrend der Nazi-Okkupation nicht nur unter der Verfolgung ihrer Landsleute litt, sondern tief betroffen vom Leiden der Menschen im Warschauer Ghetto war. Sie ahnte, dass deren weiteres Schicksal sie direkt in die Vernichtungslager der Nazis f\u00fchren w\u00fcrde. Als leitende Mitarbeiterin der (polnischen) Sozialbeh\u00f6rde verschaffte sich die damals kaum 30 Jahre alte Tochter eines Arztes Zugang zum Ghetto \u2013 unter dem offiziellen Vorwand, die Ausbreitung von Seuchen zu verhindern. Mit ihrer Widerstandsorganisation \u201eZegota\u201c schmuggelte sie bis 1943 etwa 2500 j\u00fcdische Kinder aus dem Warschauer Ghetto heraus, brachte sie in Waisenh\u00e4usern, Kl\u00f6stern und polnischen Familien unter und rettete ihnen so \u2013 t\u00e4glich unter eigenem Risiko, entdeckt zu werden \u2013 das Leben. Teilweise mit Schlafmitteln ruhig gestellt, brachte sie die \u201eSendlerowa\u201c \u00fcber die Kanalisation, in S\u00e4rgen, M\u00fclltonnen oder Sanit\u00e4tskoffern auf die \u201earische\u201c Seite Warschaus.<br \/>\nAuf einem Festakt am 7. November 2010 wurde die Umbenennung vor rund vierhundert G\u00e4sten mit einem anspruchsvollen Programm w\u00fcrdig gefeiert. Anwesend waren die Tochter von Irena Sendler, Frau Janina Zgrzembska sowie Anna Mieszkowska, die Autorin der Irena-Sendler-Biografie \u201eDie Mutter der Holocaust-Kinder\u201c und Piotr Zettinger, von Irena Sendler gerettetes Kind und somit \u00dcberlebender des Holocaust. Er war aus Stockholm angereist. In ihren Ansprachen brachten (die damalige) Schulsenatorin Christa Goetsch, Schulleiterin Ute Pape sowie der polnische Generalkonsul Andrzej Osiak ihre Anerkennung gegen\u00fcber der Lebensleistung Irena Sendlers zum Ausdruck. \u201eVon Irena Sendler kann man vieles lernen, was zu jeder Zeit, in jeder Gesellschaft und Gemeinschaft f\u00fcr den Zusammenhalt unabdingbar ist: Zivilcourage, Zuversicht, Weitsicht, Mut und Toleranz. Nehmen wir uns ein Beispiel an ihr\u201c, so die damalige Schulleiterin Ute Pape in ihrer Er\u00f6ffnungsrede. Im Rahmen des Festakts wurde vor dem Haupteingang der Schule symbolisch ein Apfelbaum gepflanzt, der daran erinnern soll, dass Irena Sendler jedes gerettete Kind in Listen mit dem Geburtsnamen und -datum, der Herkunft und dem falschen Namen eintrug und diese Listen seinerzeit in Einmachgl\u00e4ser steckte, die sie dann unter einem Apfelbaum vergrub; so konnten auch die Identit\u00e4ten der Geretteten \u00fcberleben. Selbst unter schwerster Gestapo-Folter verriet sie das Versteck nicht. Au\u00dferdem wurde das Wirken Irena Sendlers f\u00fcr die Zuschauer durch eine Auff\u00fchrung des Theaterst\u00fccks \u201eLeben im Glas\u201c erlebbar gemacht: Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Jahrg\u00e4nge 5 bis 13 erzeugten mit ihrem Nachspiel der dramatischen Trennungen der Kinder von ihren Eltern im Ghetto eine Atmosph\u00e4re der Betroffenheit und Ergriffenheit.<\/p>\n<p>\u201eVon 80.000 j\u00fcdischen Kindern aus dem Warschauer Ghetto haben vier- bis f\u00fcnftausend \u00fcberlebt. Dies ist ausnahmslos Helden zu verdanken, die ihr eigenes Leben riskierten und den Mut hatten, den zur Vernichtung verurteilten Kindern \u2013 wie mir \u2013 zu helfen\u201c, sagte Piotr Zettinger, der von Irena Sendler im Alter von vier Jahren aus dem Ghetto befreit und versteckt wurde. Er entkam mit seiner Cousine \u00fcber Abwasserkan\u00e4le aus dem Ghetto. \u201eWir wurden danach von Schwester Jolanta, so lautete ihr Deckname, empfangen und erst einmal gr\u00fcndlich abgeschrubbt. Denn wir m\u00fcssen f\u00fcrchterlich gestunken haben\u201c, erinnert sich Zettinger. \u201eSie hat sich selbst nicht als Heldin betrachtet\u201c, f\u00fcgte er hinzu, w\u00e4hrend anschlie\u00dfend Janina Zgrzembska, die Tochter Irena Sendlers, sagte: \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Anerkennung f\u00fcr Irena Sendler jedoch sind Schulen, die ihren Namen tragen.\u201c Dieses bedeute f\u00fcr eine Schule, \u201ederen Namensgeberin Irena Sendler ist, neben der Ehre auch Verpflichtung, (&#8230;) eine Atmosph\u00e4re der besonderen Wertsch\u00e4tzung zu schaffen\u201c, sagte Anna Mieszkowska, Autorin der Irena-Sendler-Biografie \u201eDie Mutter der Holocaust-Kinder\u201c.<\/p>\n<p>Wie kam es zu dieser Umbenennung? Die Schule hatte sich entschlossen, ihren bisherigen Namen abzulegen, nachdem der Erziehungswissenschaftler Benjamin Ortmeyer Aufs\u00e4tze von Petersen entdeckt hatte, die eine inakzeptable N\u00e4he zum Nationalsozialismus aufzeigten. Von der P\u00e4dagogik Petersens habe sich die Schule ja ohnehin schon Ende der 1960er Jahre weitgehend verabschiedet, vermerkte Ute Pape in diesem Zusammenhang. Am 1.Juli 2010, war es soweit: Die Schulkonferenz beschloss einstimmig den neuen Namen f\u00fcr die Schule \u2013 sie soll in Zukunft nach Irena Sendler benannt sein. Der Entscheidung waren Meinungsbefragungen in der Sch\u00fclerschaft, bei Eltern und Lehrerinnen und Lehrern voraus gegangen. 48 verschiedene Namen wurden vorgeschlagen. Daraus w\u00e4hlte die Schulkonferenz im April f\u00fcnf Namen aus. Am 28. Mai wurden diese allen Sch\u00fcler\/innen in der Aula pr\u00e4sentiert. Anschlie\u00dfend wurden alle schriftlich gefragt, welchen Namen sie sich f\u00fcr die Schule w\u00fcnschten. Da keiner der Vorschl\u00e4ge eine absolute Mehrheit erhalten hatte, gab es eine weitere Befragung zu den beiden Favoriten, an der sich knapp 1300 Personen beteiligten. Hier setzte sich Irena Sendler mit 53% durch.<\/p>\n<p>Nun also hei\u00dft die Stadtteilschule in Wellingsb\u00fcttel nicht mehr Peter-Petersen-, sondern Irena-Sendler-Schule. Welch ein wunderbarer Paradigmenwechsel: Von dem Namen eines begeisterten Nationalsozialisten zum Namen einer unerschrockenen Widerst\u00e4ndlerin. \u201eIrena Sendler ist das beste Beispiel f\u00fcr Zivilcourage\u201c, sagt der Elternratsvorsitzende Norbert Bauer. Doch anders als bei dem Deutschen Oskar Schindler, der ebenfalls viele Juden vor dem Tod bewahren konnte, ist die mutige Lebensleistung dieser Frau in Deutschland weitgehend unbekannt. Sie ist daf\u00fcr in der israelischen Gedenkst\u00e4tte Yad Vashem als \u201eGerechte unter den V\u00f6lkern\u201c geehrt, eine Sinfonie in Israel wurde nach ihr benannt und Sch\u00fcler in den USA haben ihr das Theaterst\u00fcck \u201eLeben im Glas\u201c gewidmet. \u201eMeine Mutter wollte nie eine Heldin genannt werden\u201c, sagt ihre Tochter Janina Zgrzembska. Es war ihr ein Bed\u00fcrfnis, Menschen unabh\u00e4ngig von ihrer Herkunft, Rasse oder Religion zu helfen. Irena Sendler sagte einmal: \u201eWir haben das getan, was ein jeder Mensch tun sollte. Und das ist es.\u201c<\/p>\n<p>In Hamburg tr\u00e4gt seit dem 7. November.2010 eine gro\u00dfe Schule den Namen von Irena Sendler, als erste staatliche Schule in Deutschland. Darauf k\u00f6nnen wir in Hamburg stolz sein. Und dass nun eine deutsche \u00f6ffentliche Schule diesen Namen tr\u00e4gt, das ist wohl eines der sch\u00f6nsten Ereignisse in den deutsch-polnischen Beziehungen. Die G\u00e4ste standen den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern in der Schule Rede und Antwort. Diese Stunden waren mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen, neugierigen Fragen und gro\u00dfer Sympathie f\u00fcr die G\u00e4ste angef\u00fcllt. (Hartwig Zillmer)<\/p>\n<p>Seit der Umbenennung der Schule arbeitet die Gesellschaft mit ihr eng zusammen. Z.B. die Studenten aus Krosno hospitierten im Unterricht mehrerer Klassen und es wurde im Mai 2011 f\u00fcr die Sch\u00fcler und die Eltern ein Konzert des \u201eKlezmer Trios\u201c aus Krakau organisiert. Anl\u00e4sslich dieser Veranstaltung sagte der stellvertretende Schulleiter Nobert Freitag, dass er in der Umbenennung der Schule eine \u201eWiederentdeckung der Deutsch-Polnischen Kontakte\u201c sieht. Der Austausch mit Polen sei ein Teil der schulischen Arbeit geworden. \u201eDie Sch\u00fcler sollen lernen, wie man in Europa zusammenlebt.\u201c<\/p>\n<p>9. Die Mitgliedschaft und die Vorstandsarbeit<br \/>\n9.1 Aufbauphase in den 70er Jahre<\/p>\n<p>Der Gr\u00fcndungsvorsitzende der DPG Hamburg, Pastor Hans Mohn, wurde in der ersten ordentlichen Mitgliederversammlung 1973 von Dr. Hanno Jochimsen abgel\u00f6st. Er war von 1973-1991 Vorsitzender und von 1991-2002 Ehrenvorsitzender der DPG Hamburg, von 1991 bis 1995 Vorsitzender des Dachverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften in der Bundesrepublik und 1996 bis zu seinem Tod im Juni 2002 Mitglied des Kuratoriums des Bundesverbandes der Deutsch-Polnischen Gesellschaften, das unter dem Pr\u00e4sidium von Bundestagspr\u00e4sidentin a.D. Prof. Dr. Rita S\u00fc\u00dfmuth, Bundesminister a.D. Hans-Dietrich Genscher und B\u00fcrgermeister a.D. Hans Koschnik stand. In den 70-er und Anfang der 80-er Jahre gab es h\u00e4ufigere Wechsel im Vorstand. Seit der Gr\u00fcndung einzige Konstante war \u00fcber Jahrzehnte unser heutiger Ehrenvorsitzende Gerd Hoffmann in den Funktionen als Beisitzer und gesch\u00e4ftsf\u00fchrendes Vorstandsmitglied und sp\u00e4ter als Vorsitzender. Nach mehrj\u00e4hriger Arbeit als stellvertretender Vorsitzender trat Oswald Beck (CDU) aus politischen Gr\u00fcnden zur\u00fcck. Er gewann aber mit Gunnar Uldall und Martin Willich eine Reihe seiner Freunde f\u00fcr die Gesellschaft und mit Norbert Thurow, Rainer Blumenthal und Manfred Dahlke auch f\u00fcr die Vorstandsarbeit. Ursula Wagner war Dorothea Wick als Schatzmeisterin nachgefolgt und blieb dann viele Jahre bis sie ihrerseits von Helga Sturm abgel\u00f6st wurde, die ebenfalls viele Jahre im Vorstand mitarbeitete.<\/p>\n<p>Was also tun, um dauerhafte Kontakte aufzubauen? Der Vorstand beschloss, m\u00f6glichst viele Beziehungen zwischen Vereinen in Hamburg und in Polen zu stiften, ein Netzwerk zu schaffen. Die Mitglieder arbeiteten ebenfalls mit an einem solchen Netzwerk. Ein Beispiel war die Bitte der damals noch neuen Mitglieder Aleksandra Jeszke-Zillmer und Hartwig Zillmer (heute Vorstandsmitglieder), die Gesellschaft m\u00f6ge doch die Schirmherrschaft \u00fcber eine im Sommer 1987 stattfindende Ausstellung eines polnischen Karikaturisten in der Galerie &#8220;Morgenland&#8221; in Eimsb\u00fcttel \u00fcbernehmen. Ergebnis dieser Schirmherrschaft war die Begegnung mit ROBS oder b\u00fcrgerlich: Robert Szec\u00f3wka, der seit 1986 in Hamburg lebt und die Karikaturen in beiden Jubil\u00e4umsfestschriften von 1997 und 2012 gezeichnet hat.<\/p>\n<p>Obwohl der Vorstand schon zu Beginn seiner T\u00e4tigkeit versuchte, Kontakte zu gesellschaftlichen Gespr\u00e4chspartnern in Polen aufzubauen, konnte dieses Anliegen erst nach der Wende, Ende der 80-er Jahre gelingen, auch wenn \u00fcber die Jahre viele dauerhafte Kontakte zu vielen polnischen Pers\u00f6nlichkeiten hergestellt und damit unseren Mitgliedern viele Vortr\u00e4ge und Diskussionen zu deutsch-polnischen Themen mit Referenten aus unserem Nachbarland geboten werden konnten.<\/p>\n<p>9.2 Konsolidierung und \u00c4nderungen in den 80er<\/p>\n<p>Anfang der 80-er Jahre begann sich die Gesellschaft langsam zu wandeln. War er bis dahin beinahe ausschlie\u00dflich von Deutschen bestimmt, die mehrheitlich wenige oder gar keine Beziehungen zum Land jenseits von Oder und Nei\u00dfe hatten und sich aus politischer \u00dcberzeugung f\u00fcr den Frieden zwischen Polen und Deutschen einsetzten, so traten jetzt mehr und mehr Menschen in den Vordergrund, die mit ihrer Person f\u00fcr einen Br\u00fcckenschlag standen, meistens Polinnen, die einen Deutschen geheiratet hatten. Der Wandel wurde besonders bei den Vorstandswahlen 1983 und 1985 deutlich, als zwei Frauen aus dieser Gruppe in den Vorstand gew\u00e4hlt wurden. Es waren Aleksandra Jeszke-Zillmer und Teresa Lemke. Sie brachten ihre Beziehungen zu Polen und ihren Erfahrungsschatz in die Arbeit der Gesellschaft ein, so dass trotz der widrigen Gro\u00dfwetterlage immer wieder kleine Fortschritte m\u00f6glich waren. \u201eObwohl uns manchmal der Mut verlie\u00df, ob wir denn schlie\u00dflich einen Durchbruch schaffen w\u00fcrden, ermunterte uns dennoch das entstehende Netzwerk der Beziehungen\u201c. (Gerd Hoffmann)<\/p>\n<p>Als Senatorin a. D. Irma Keilhack in der Mitgliederversammlung 1984 mit gewissem Recht feststellte, dass \u201e(\u2026) es angesichts der allgemeinen politischen Lage von der Gesellschaft doch gar nicht zu schaffen sei, best\u00e4ndige Verbindungen zu kn\u00fcpfen, sprach sie mir mit ihrem Verst\u00e4ndnis zwar aus dem Herzen und dennoch widersprach ich ihr, weil wir von unseren kleinen Schritten \u00fcberzeugt waren\u201c, berichtete Hanno Jochimsen. Die Arbeitsteilung im Vorstand begann sich immer deutlicher zu entwickeln, nachdem die medizinische und andere humanit\u00e4re Hilfe mit der Zeit in den Hintergrund trat. Gerd Hoffmann engagierte sich verst\u00e4rkt in Rzesz\u00f3w. Jan Dolny versuchte eine Partnerschaft zwischen den Bezirken Warschau-Mitte und Hamburg-Mitte aufzubauen, ein Vorhaben, das von seiner Bezirksversammlung, in der er Mitglied war, durchaus akzeptiert, von der Senatskanzlei dagegen abgelehnt wurde. Aleksandra Jeszke-Zillmer k\u00fcmmerte sich um die Beziehungen zu ihrer Heimatstadt Dirschau\/Tczew und sp\u00e4ter mit ihrem Mann Hartwig Zillmer, um \u00f6kologische Fragen im Verh\u00e4ltnis beider L\u00e4nder, w\u00e4hrend Teresa Lemke nach und nach das gesamte Stettiner Musikleben erfolgreich nach Hamburg holte.<\/p>\n<p>9.3 Ver\u00e4nderungen nach 1990<\/p>\n<p>Das Jahr 1990 brachte f\u00fcr Hartmut Reichardt, dem Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft der Deutsch-Polnischen Gesellschaften und seinem Vertreter Hanno Jochimsen berufliche Ver\u00e4nderungen. Immer h\u00e4ufiger musste Hanno Jochimsen die Arbeitsgemeinschaft Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung ehrenamtlich vertreten und war zugleich im erh\u00f6hten Ma\u00dfe beruflich beansprucht. Bald nach dem Jahreswechsel 1990\/91 kl\u00e4rte sich die Situation seiner Doppelbelastung. Er wurde zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft gew\u00e4hlt. Damit stand f\u00fcr ihn fest, dass er schon aus Gr\u00fcnden der bisherigen Erfahrungen mit der zeitlichen Beanspruchung nicht erneut f\u00fcr das Amt des Vorsitzenden der Hamburger Gesellschaft kandidieren w\u00fcrde. Gerd Hoffmann wurde zu seinem Nachfolger gew\u00e4hlt und \u00fcbte das Amt von 1991 bis 2008 aus. Kurz danach wurde er zum Ehrenvorsitzenden ernannt und ist als stellvertretender Vorsitzender im Bundesverband aktiv t\u00e4tig. Seit 2008 steht Dr. Viola Krizak an der Spitze des Vorstands. Ihre Stellvertreterinnen sind Aleksandra Jeszke-Zillmer und Alicja Sklodowska-Schulze.<\/p>\n<p>Am 15. Juni 2002 starb unser Ehrenvorsitzende Dr. Hanno Jochimsen. Es war ein gro\u00dfer Verlust f\u00fcr die Gesellschaft, weil seine beratende Funktion in der Vorstandsarbeit bei allen Mitgliedern sehr gesch\u00e4tzt wurde. In seinem Nachruf hie\u00df es: \u201e(\u2026) Hanno Jochimsen war einer der Wegbereiter der deutsch-polnischen Verst\u00e4ndigung. Er hat als Hamburger Vorsitzender (1973-91), als unser Ehrenvorsitzender (ab 1991), als Bundesvorsitzender (1990-95) und Kuratoriumsmitglied (1997) ma\u00dfgeblich die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft auf Landes- und Bundesebene bestimmt. Die Herausgabe des in Deutschland und Polen hoch angesehenen, zweisprachigen Magazins DIALOG und die j\u00e4hrlich im Wechsel in beiden L\u00e4ndern veranstalteten Kongresse \u201ePolen und Deutsche gemeinsam in Europa\u201c sind herausragende Beispiele f\u00fcr seine erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit. (\u2026) Hanno Jochimsen hat in kluger Voraussicht viel Entwicklungen im deutsch-polnischen Verh\u00e4ltnis schon in den Ans\u00e4tzen erkannt und fr\u00fchzeitig entscheidende Weichenstellungen f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigungsarbeit vorgenommen. Sein au\u00dfergew\u00f6hnliches Engagement f\u00fcr den Dialog zwischen beiden V\u00f6lkern in seiner europ\u00e4ischen Dimension wird uns unvergessen bleiben. Wir haben einen gro\u00dfen Freund und engagieren Weggef\u00e4hrten in der deutsch-polnischen Zusammenarbeit verloren.\u201c<\/p>\n<p>Der in Hamburg lebende polnische Journalist Tadeusz Knade, schrieb am 26. Juni 2002 in der polnischen Zeitschrift \u201eKurier\u201c: \u201eHeute, in den f\u00fcr uns alle so schweren Zeiten, verneigen wir uns vor Dr. Hanno Jochimsen, dem herausragenden Kenner der polnischen Nachkriegsgeschichte (\u2026) f\u00fcr alle seine Initiativen und die guten Taten, die er in sich vereinigte und mit den er Polen und Deutsche einigte, in Zeiten als \u00fcber die Einigung unserer Staaten im Rahmen der EU noch niemand dachte. Im Gegenteil, den Menschen, die sich f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung engagiert haben \u2013 sei es auf polnischer oder deutscher Seite \u2013 hat man keine Rosen auf diesem Weg gestreut. Im Ged\u00e4chtnis der Polinnen und Polen haben Sie einen festen Platz als ein gro\u00dfer Freund Polens. (\u2026) Wir verabschieden Dich teurer Dr. Hanno Jochimsen, Freund, des um seinen Platz auf der Karte eines vereinigten Europas k\u00e4mpfenden Polens, und aller in Deutschland lebenden Polen.\u201c<\/p>\n<p>Die Mitgliedschaft der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg spiegelt von Anfang an die gesellschaftliche Struktur der Freien und Hansestadt Hamburg wider. Ihr geh\u00f6ren geborene Hamburger\/innen ebenso wie Menschen aus den ehemals deutschen Ostgebieten und aus Polen an. Die Werbung neuer Mitglieder erfolgt in erster Linie bei den Veranstaltungen im Rahmen des Arbeitsprogramms der Gesellschaft. Besonders erfolgreich ist die Werbung \u00fcber die Studienfahrten, die die Gesellschaft regelm\u00e4\u00dfig organisiert. Als Werbematerial dient ein Flyer mit kurzer Darstellung der Arbeit der Gesellschaft.<\/p>\n<p>Die DPG informiert ihre Mitglieder und einen Kreis von Interessenten\/innen regelm\u00e4\u00dfig in Form von \u201eMitteilungen\u201c \u00fcber die eigenen Veranstaltungen und \u00fcber Veranstaltungen anderer Tr\u00e4ger zu den deutsch-polnischen Themen. Diese Mitteilungen erschienen viele Jahre etwa alle vier bis sechs Wochen. Da seit einigen Jahren andere Kommunikationsm\u00f6glichkeiten z. B. \u00fcber das Internet vorhanden sind, werden die Mitteilungen alle zwei Monate versandt. Die DPG ist mit einer eigenen Homepage unter www.info@dpg-hamburg.de im Internet vertreten. Unser Mitglied Ma\u0142gorzata Bryska richtete 2011 ein Facebook ein, das sie bis heute regelm\u00e4\u00dfig betreut. Auf diese Weise haben wir auch Zugang zur jungen Generation unserer B\u00fcrger, die wie wir die Notwendigkeit sieht, sich f\u00fcr das Nachbarland zu interessieren und ggfs. auch zu engagieren.<\/p>\n<p>Seit der Gr\u00fcndung unserer Gesellschaft genossen wir ein gro\u00dfz\u00fcgiges Gastrecht in den R\u00e4umen der Neuen Gesellschaft Hamburg in der Rothenbaumchaussee 19. Am 19. Juni 1993 konnten wir endlich eigene R\u00e4ume im Saling 9 beziehen. Als Ehreng\u00e4ste der Er\u00f6ffnungsfeier begr\u00fc\u00dften wir den Generalkonsul der Republik Polen in Hamburg Marek Rzeszotarski sowie den SPD-Bundestagsabgeordneten Freimut Duve und die stellvertretende Landesvorsitzende der CDU, Antje Blumenthal. Die guten W\u00fcnsche der zahlreich erschienenen Mitglieder und Vertreter vieler, mit uns befreundeten Hamburger Organisationen, begleiteten uns von diesem Tag an \u00fcber 13 Jahre bis in das Jahr 2006. Diese bescheidenen R\u00e4umlichkeiten waren eine wahre Deutsch-Polnische Begegnungsst\u00e4tte. In Hamburg lebende polnische K\u00fcnstler gestalteten mit gro\u00dfem Engagement unsere Er\u00f6ffnungsfeier und in den folgenden Jahren fanden viele polnische G\u00e4ste den Weg zu uns. Ihre freundlichen S\u00e4tze in unserem G\u00e4stebuch zeigen, besonders heute, da wir unser 40 j\u00e4hriges Jubil\u00e4um begehen, dass unsere Arbeit f\u00fcr die Vers\u00f6hnung und Freundschaft mit Polen wichtig und erfolgreich war und immer noch ist. Viele interessante Vortr\u00e4ge und gute Gespr\u00e4che fanden im Stadtteil Hamm statt. Doch auch f\u00fcr die praktische Arbeit unserer Gesellschaft eigneten sich die 60 qm hervorragend. Nicht nur als \u201eVerpflegungsbasis\u201c f\u00fcr hungrige Sportler, die in der benachbarten Sporthalle um den Handballpokal unserer Gesellschaft k\u00e4mpften, sondern auch als Vorbereitungsr\u00e4ume f\u00fcr die Zusammenstellung der so erfolgreichen Kunstausstellung des polnischen Karikaturisten Zygmunt Januszewski und als eine der Stationen im Rahmen der Rundfahrt zu St\u00e4tten polnischer Geschichte und Kultur in Hamburg. Die \u201eFeuerprobe\u201c des B\u00fcros in Rahmen unserer gesellschaftlichen Arbeit war die Lagerung unz\u00e4hliger Personal Computer, die wir als Spende einer Hamburger Krankenversicherung nach der \u201eJahrhundertflut\u201c in Polen an viele polnische Schulen in den Hochwassergebieten weiterleiteten. Die Trennung von den uns so vertrauten R\u00e4umen erfolgte 2006.<\/p>\n<p>Seit sechs Jahren haben wir im Souterrain in der Volkshochschule (VHS) Hamburg-Ost ein B\u00fcro, in dem u.a. die monatlichen Vorstandssitzungen stattfinden. Die Zusammenarbeit mit unseren Gastgebern verl\u00e4uft sehr harmonisch und die gegenseitige Unterst\u00fctzung erweitert unsere Handlungsm\u00f6glichkeiten. Im Juni 2012 organisierten wir gemeinsam die Veranstaltungsreihe \u201eSommer in\u2026Polen\u201c und haben auf diesem Weg vielen Hamburgern Polen n\u00e4her gebracht.<\/p>\n<p>9.4 Der Vorstand heute<\/p>\n<p>v.l.n.r. G. Hoffmann, W. Madlung, H. Stelter, H. Zillmer, Dr. V. Krizak, B. Ratajczak, B. Bornemann, M. Salwa,<br \/>\nA. Sk\u0142odowska-Schulze, A. Jeszke-Zillmer<\/p>\n<p>Der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern. Vorsitzende der Gesellschaft ist seit 2008 Dr. Viola Krizak, die von ihren beiden Stellvertreterinnen Aleksandra Jeszke-Zillmer und Alicja Sklodowska-Schulze unterst\u00fctzt wird. Eine weitgehende Arbeitsteilung erlaubt die Organisation des umfangreichen Programms, das seit vielen Jahren realisiert wird und bundesweite Anerkennung findet. Aleksandra Jeszke-Zillmer unterrichtet seit Jahren polnisch an der VHS und motiviert immer wieder ihre Sch\u00fcler, Mitglied in unserer Gesellschaft zu werden. Marian Salwa dient als \u201eFinanzminister\u201c und verwaltet die Vereinskasse. Hartwig Zillmer, seit einem Jahr Lehrer im Ruhestand, k\u00fcmmert sich seit vielen Jahren um Jugend- und Schulangelegenheiten. Beata Ratajczak, Lehrerin an der Irena-Sendler-Schule in Wellingsb\u00fcttel, arbeitet mit ihm zusammen. Hartwig Zillmer, der 1990 die \u201eArbeitsgemeinschaft Umwelt und \u00d6kologie\u201c gegr\u00fcndet hat, ist au\u00dferdem auch f\u00fcr diesen Bereich<\/p>\n<p>zust\u00e4ndig. Herbert Stelter organisiert die Konzertveranstaltungen, sorgt f\u00fcr Pressemitteilungen und die graphische Gestaltung der Vereinsberichte. Dr. Corinna Makowski protokolliert unsere Vorstandssitzungen. Wolfgang Madlung organisiert u.a. seit vielen Jahren den Aufenthalt der Germanistikstudenten aus Jas\u0142o\/Krosno. Barbara Bornemann unterst\u00fctzt uns bei der G\u00e4stebetreuung und bei Empf\u00e4ngen. Alicja Sklodowska-Schulze gestaltet und betreut zus\u00e4tzlich die Webseite der Gesellschaft. Bei allen Aktivit\u00e4ten k\u00f6nnen wir auf die Unterst\u00fctzung unseres Ehrenvorsitzenden Gerd Hoffmann rechnen.<\/p>\n<p>10. Lohnte sich die Arbeit?<\/p>\n<p>Mit dieser Frage endete auch der Beitrag von Hanno Jochimsen in der Festschrift aus Anlass des 25. Jubil\u00e4ums des DPG. Haben sich die jahrzehntelangen Bem\u00fchungen um die Verst\u00e4ndigung zwischen Deutschland und Polen trotz der mancher Entt\u00e4uschungen, R\u00fcckschl\u00e4ge und Frustrationen in den 70-er und 80-er Jahren gelohnt? Aus unserer subjektiven Sicht bejahen wir auch heute diese Frage ohne Einschr\u00e4nkungen.<\/p>\n<p>Wir brauchten f\u00fcr die Arbeit unserer Gesellschaften auf der gesellschaftlichen Ebene zur Entwicklung einer deutsch-polnischen Nachbarschaft und damit f\u00fcr die gro\u00dfe Aufgabe der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung einen langen Atem &#8211; und Gott sei Dank &#8211; wir hatten diesen langen Atem. Mit gro\u00dfer Geduld und der steten Hoffnung, dass unsere Arbeit sich letztendlich lohnen und die Menschen in Polen und Deutschland n\u00e4her zusammenbringen w\u00fcrde, haben wir gemeinsam \u00fcber vier Jahrzehnte gewirkt. Die Geschichte der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg und all unserer Partnergesellschaften im Bund ist daher ohne jeden Zweifel eine Erfolgsgeschichte. Wir sind der festen \u00dcberzeugung, dass unsere Arbeit wesentlich dazu beigetragen hat, dass das deutsch-polnische Verh\u00e4ltnis nach der Wende eine so eindeutig positive Entwicklung nehmen konnte, wie sie gerade in den letzten Wochen durch die gegenseitigen Besuche f\u00fchrender Repr\u00e4sentanten Deutschlands und Polens erneut deutlich geworden ist.<\/p>\n<p>Alle Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Deutschland und unter ihnen auch die Hamburger, finden bei den \u00f6ffentlichen Medien trotz gezielter Pressearbeit leider nur viel zu selten die notwendige Beachtung. Presse und die \u00fcbrigen Medien berichten \u00fcber ihre vielseitigen, V\u00f6lker verbindenden Aktivit\u00e4ten nur sporadisch. Trotzdem erzielten sie mit ihrer \u201eKleinarbeit\u201c einen allm\u00e4hlichen Wandel im Bewusstsein beider V\u00f6lker. Will man in Frieden mit seinen Nachbarn leben, kann man sich auf den Schlagzeilen produzierenden Dialog der Regierungen, Diplomaten und Eliten alleine nicht verlassen. Wir m\u00fcssen noch mehr Menschen motivieren, sich ohne Opportunismus f\u00fcr den Frieden zwischen den V\u00f6lkern zu engagieren, insofern hat unser Aufruf \u201eFriede mit Polen\u201c aus unserem Gr\u00fcndungsjahr f\u00fcr uns nach wie vor einen hohen Stellenwert.<\/p>\n<p>Die deutsch-polnischen Beziehungen brauchen unsere politische Aufmerksamkeit, unser b\u00fcrgerschaftliches Engagement und vor dem Hintergrund unserer gemeinsamen Geschichte immer auch ein geh\u00f6riges Ma\u00df deutscher Sensibilit\u00e4t im Umgang mit Polen. Dabei m\u00fcssen sich eine gute Zusammenarbeit und die Pflege freundschaftlicher Beziehungen zwischen den Menschen unserer beiden L\u00e4nder im t\u00e4glichen Leben immer wieder aufs Neue bew\u00e4hren. Die Arbeit unserer Gesellschaft mit ihrer vielf\u00e4ltigen Bandbreite von Informationsveranstaltungen \u00fcber Studienfahrten bis zu verst\u00e4rktem Austausch von Hamburger und polnischen Schulen sowie Arbeitsprogrammen f\u00fcr polnische Studentinnen und Studenten in Hamburg werden wir daher mit gleicher Intensit\u00e4t fortsetzen wie bisher.<\/p>\n<p>B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidentin Ute Pape wies in ihrer Rede zum 25. Jubil\u00e4um der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg 1997 auf das besondere Verh\u00e4ltnis zwischen Polen und Deutschen hin, dass sich trotz schwerer Belastung durch eine grausame Vergangenheit in den letzten Jahren und Jahrzehnten doch gut nachbarschaftlich, h\u00e4ufig auch freundschaftlich entwickelte. Sie unterstrich die Bedeutung der Arbeit unserer Gesellschaft mit den Worten \u201eWir werden die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg weiterhin brauchen, denn mit 25 Jahren ist sie stark und erfahren genug, um die deutsch-polnische Freundschaft weiter zu f\u00f6rdern und auszubauen!\u201c Wir sind noch st\u00e4rker und erfahrener geworden! In 40 Jahren unserer Arbeit hat sich viel ge\u00e4ndert. Wir werden in die deutsch-polnische Freundschaft weiterhin viel Kraft investieren und unsere Arbeit fortsetzen. Aber das geht nicht ohne Hilfe oder wie Helmut Schmidt es in seinem Gru\u00dfwort ausdr\u00fcckt:<\/p>\n<p>\u201e Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. verdient unsere Unterst\u00fctzung!\u201c<\/p>\n<p>GEDENKEN<\/p>\n<p>Wir gedenken der engagierten Hamburgerinnen und Hamburger, die sich in vier Jahrzehnten durch ihre Mitgliedschaft f\u00fcr die deutsch-polnische Vers\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit in der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg engagiert und unsere Arbeit unterst\u00fctzt haben. Stellvertretend f\u00fcr alle, die nicht mehr unter uns sind, nennen wir:<\/p>\n<p>&#8211; Oswald Beck, langj\u00e4hriger stellvertretender Vorsitzender<br \/>\n&#8211; Herbert Dau, B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sident<br \/>\n&#8211; Dr. Heinrich von der Goltz<br \/>\n&#8211; Dr. Hanno Jochimsen, langj\u00e4hriger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender<br \/>\n&#8211; Irma Keilhack, Senatorin<br \/>\n&#8211; Oskar Jan Langner<br \/>\n&#8211; Walter Lohmann, Gr\u00fcndungsmitglied<br \/>\n&#8211; Pastor Hans Mohn, Gr\u00fcndungsvorsitzender<br \/>\n&#8211; Elisabeth Ostermeier, Gr\u00fcndungsmitglied<br \/>\n&#8211; Arno Rattay<br \/>\n&#8211; Zygmunt Ratka<br \/>\n&#8211; Friedrich Riethm\u00fcller, Gr\u00fcndungsmitglied und lange Jahre stellvertretender Vorsitzender<br \/>\n&#8211; Hartwig Schr\u00f6der, Gr\u00fcndungsmitglied und langj\u00e4hriger Revisor<br \/>\n&#8211; Helga Sturm, Vorstandsmitglied, Schatzmeisterin<br \/>\n&#8211; Lisi und Adolf Vogel, Vorstandsmitglied bzw. Referent \u00fcber polnische Geschichte<br \/>\n&#8211; Dorothea Wick, Gr\u00fcndungsmitglied, Schatzmeisterin<br \/>\n&#8211; Prof. Wolfgang Zi\u00f3\u0142kowski<\/p>\n<p>AUTOREN<br \/>\nGrasela, Maria, Leiterin der Abteilung f\u00fcr Germanistik an der Fachhochschule Krosno<br \/>\nDolny, Jan, Ehrenmitglied der DPG Hamburg<br \/>\nFurman, Wojciech, Prof. Dr., Vorsitzender der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w<br \/>\nHalcewicz-Pleskaczewski, Jakub, Journalist, Warschau, Teilnehmer der Studienreise<br \/>\nvon Heidi und Wilhelm Holzapfel im 2010<br \/>\nHoffmann, Gerd, Ehrenvorsitzender der DPG Hamburg<br \/>\nHolzapfel, Heidi und Wilhelm, Mitglieder der DPG Hamburg<br \/>\nJakubowicz-Pisarek, Marta, Universit\u00e4tsdozentin, Vorstandsmitglied der Polnisch-Deutschen Gesellschaft Rzesz\u00f3w<br \/>\nJochimsen, Hanno, Dr., ehemaliger Vorsitzender der DPG Hamburg<br \/>\nKrizak, Viola, Dr., Vorsitzende der DPG Hamburg<br \/>\nKrup, Peter, langj\u00e4hriges Vorstandsmitglied der DPG Hamburg<br \/>\nLeidner, Christof, Mitglied der DPG Hamburg<br \/>\nMadlung, Wolfgang, Vorstandsmitglied der DPG Hamburg<br \/>\nPomianowski, Wojciech, Ausw\u00e4rtiges Amt, Berater f\u00fcr deutsch-polnische Angelegenheiten im B\u00fcro der Staatsministerin Cornelia Pieper<br \/>\nSzayna-Dec, Krystyna, Dr., Germanistik-Dozentin an der Fachhochschule Krosno<br \/>\nTumidajewicz, Katarzyna, Krosno, Studentin der Studienreise 2010, 4. Semester<br \/>\nWi\u0119cko, Maria, Leiterin der Fremdsprachenfakult\u00e4t an der Universit\u00e4t Rzesz\u00f3w<br \/>\nW\u00f6llert, Sascha, Teilnehmer der Studienreise von Heidi und Wilhelm Holzapfel<br \/>\nZillmer, Hartwig, Vorstandsmitglied der DPG Hamburg<\/p>\n<p>LITERATURLISTE<br \/>\nBrosch\u00fcre zum Deutsch-Polnischen Jahr 2005<br \/>\nBurkamp, Dieter, Zehn \u201eNeue\u201c f\u00fcr Europa, Bielefeld 2004<br \/>\nDialog der B\u00fcrger, Berlin 2005<br \/>\nJoho, Michael, Polnisches Leben in Hamburg, Hamburg 2011<br \/>\nKeim, Walter; Burkamp, Dieter, Nachbarn, Polnische Karikaturisten sehen Deutschland, Bielefeld 2001<br \/>\nKerski, Basil, in: \u201eDIALOG\u201c als Spiegel der Nachbarschaft zwischen Deutschen und Polen, Berlin 2007<br \/>\nPolen, Landeszentrale f\u00fcr die politische Bildung, Nr.311<br \/>\nRabe, Stefan, Polen Nachbar, Partner, Freund im Osten, Rapporte der Konrad-Adenauer-Stiftung, Nr. 17, 2010<br \/>\nWir riefen auf zum Frieden mit Polen, Herausgeber DPG Hamburg, Hamburg 1997<\/p>\n<p>ANHANG 1<\/p>\n<p>AUFRUF ZUM FRIEDEN MIT POLEN<\/p>\n<p>Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. wendet sich mit folgendem Aufruf an die Hamburger Bev\u00f6lkerung und l\u00e4dt diese zum Beitritt ein:<\/p>\n<p>Den Weg zu einem neuen Verh\u00e4ltnis zu Polen hat der Warschauer Vertrag geebnet; sein diplomatisches Ger\u00fcst aber muss von den Menschen in beiden L\u00e4ndern noch mit Leben erf\u00fcllt werden. Dreiunddrei\u00dfig Jahre nach Beginn des blutigen Krieges ist es an der Zeit, den Frieden mit den Nachbarn zu suchen. Diesen Frieden zu finden wird schwer sein, denn die Wunden sind tief. Gerade angesichts der von uns begangenen Gewalt sollten wir Deutschen aber die moralische Kraft aufbringen, den Weg zur Auss\u00f6hnung zu gehen. Wir brauchen den Frieden mit den Polen unseres eigenen moralischen Selbstverst\u00e4ndnisses wegen:<\/p>\n<p>\u2022 Wir m\u00fcssen uns lossagen von der in vielen Jahrzehnten gegen\u00fcber dem polnischen Volk ge\u00fcbten \u00dcberheblichkeit, die schon auf eine Zeit vor dem Nationalsozialismus zur\u00fcckgeht.<br \/>\n\u2022 Wir m\u00fcssen uns lossagen von der fadenscheinigen Selbstgerechtigkeit des Aufrechnens.<br \/>\n\u2022 Wir m\u00fcssen uns lossagen von der Bequemlichkeit, den polnischen Nachbarn wegen seines anderen Gesellschaftssystems \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis zu nehmen.<\/p>\n<p>Der zweite Weltkrieg begann in Polen; der Frieden in Europa wird schlie\u00dflich nur Wirklichkeit werden, wenn er mit Polen gewonnen wird.<\/p>\n<p>WIR RUFEN AUF ZUM FRIEDEN MIT POLEN!<\/p>\n<p>ANHANG 2<\/p>\n<p>Aufruf zur Arbeit der Stiftung Flucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung<\/p>\n<p>Angesichts der streitigen \u00f6ffentlichen Diskussion \u00fcber die Besetzung des Beirates der Stiftung \u201eFlucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c sieht sich die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg e.V. veranlasst, mit einem Aufruf an die \u00d6ffentlichkeit zu treten.<\/p>\n<p>Vor dem Hintergrund des Unrechts, dem das polnische Volk seit den polnischen Teilungen durch Preu\u00dfen, Russland und \u00d6sterreich Ende des 18. Jahrhunderts und insbesondere w\u00e4hrend der nationalsozialistischen Besetzung von 1939 bis 1945 von deutscher Seite ausgesetzt war, setzt sich die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg seit Jahrzehnten f\u00fcr die Vers\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung, Zusammenarbeit und Freundschaft zwischen den Menschen in Deutschland und Polen ein.<\/p>\n<p>Trotz vieler Widerst\u00e4nde w\u00e4hrend der kommunistischen Zeit in Polen, aber leider auch im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um den Warschauer Vertrag von deutscher Seite haben die in den Deutsch-Polnischen Gesellschaften t\u00e4tigen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger mit ihrer Arbeit dazu beigetragen, dass zwischen Deutschen und Polen, insbesondere nach der Wende eine freundschaftliche Zusammenarbeit auf der Grundlage eines gleichberechtigten und respektvollen Miteinanders m\u00f6glich wurde. Zahlreiche Partnerschaften auf kommunaler und regionaler Ebene sind ebenso entstanden wie polnisch-deutsche Gesellschaften in unserem Nachbarland und viele weitere partnerschaftliche Zusammenschl\u00fcsse auf allen Gebieten des gesellschaftlichen Lebens.<\/p>\n<p>Auf diesem fruchtbaren Boden haben Bundeskanzler Kohl und Ministerpr\u00e4sident Mazowiecki Anfang der 90-er Jahre aufbauen und mit den deutsch-polnischen Vertr\u00e4gen vom 14. November 1990 (Grenzvertrag) und 17. Juni 1991 (Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit) die Voraussetzungen f\u00fcr ein zukunftsorientiertes Miteinander in Frieden und Freundschaft in Mitteleuropa schaffen k\u00f6nnen, das bis heute trotz mancher Angriffe erfolgreich andauert.<\/p>\n<p>Eine solche positive Entwicklung war in Folge unserer j\u00fcngeren gemeinsamen Geschichte, die durch millionenfaches nationalsozialistisches Unrecht gepr\u00e4gt war, nicht zu erwarten. Kaum eine polnische Familie ist von diesen Unrechtshandlungen und Verbrechen im deutschen Namen verschont geblieben. Viele \u00e4ltere Polen, die als H\u00e4ftlinge in Konzentrationslagern unter unmenschlichen Umst\u00e4nden lebten oder als Zwangsarbeiter Sklavenarbeit leisten mussten, haben noch heute unter den Folgen dieser verbrecherischen Unrechtshandlungen zu leiden.<\/p>\n<p>Somit ist es mehr als verst\u00e4ndlich, dass viele Polen Tendenzen bei jenen Deutschen mit Miss-trauen und massiver Kritik begegnen,<\/p>\n<p>\u2022 die weiterhin in ihren Handlungen durch Wort und Tat diese belastende Geschichte nicht oder nicht ausreichend ber\u00fccksichtigen,<br \/>\n\u2022 die sich in der Vergangenheit permanent gegen die Verst\u00e4ndigung mit Polen gewandt haben, z. B. durch Ablehnung des Warschauer Vertrages von 1970, des Grenzvertrages von 1990 und des Vertrages \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit von 1991,<br \/>\n\u2022 die sich damit gegen die Anerkennung der durch den 2. Weltkrieg entstandenen Folgen ausgesprochen und<br \/>\n\u2022 die dar\u00fcber hinaus Polens Reife f\u00fcr den Beitritt zur Europ\u00e4ischen Union bezweifelt haben.<\/p>\n<p>Die Arbeit der Stiftung \u201eFlucht, Vertreibung, Vers\u00f6hnung\u201c hat zum Ziel, auch an das Leid deutscher Vertriebener zu erinnern und ihrer zu gedenken. Dabei gilt es, allen Versuchen zu widerstehen, die eigene Verantwortung f\u00fcr den Zweiten Weltkrieg und seine Folgen zu relativieren.<\/p>\n<p>Wir bitten um gro\u00dfe Sensibilit\u00e4t bei der Gestaltung und Pflege der deutsch-polnischen Beziehungen. Gerade sie brauchen gegenseitiges Vertrauen und die Verl\u00e4sslichkeit, dass verantwortungsbewusstes und politisches Handeln die Befindlichkeit und die Interessen der Nachbarn im Blick hat, was vor dem Hintergrund unserer Geschichte im \u00dcbrigen f\u00fcr alle Nachbarn Deutschlands gilt. Eine solche R\u00fccksichtnahme auf die Befindlichkeit der Nachbarn bedeutet keine Einschr\u00e4nkung der eigenen Entscheidungsfreiheit!<\/p>\n<p>Wir fordern daher, dass die Arbeit der Stiftung und das beabsichtigte \u201esichtbare Zeichen\u201c stark von der Kenntnis der polnischen Geschichte und Kultur geleitet werden. Deutschland ist dabei klug beraten, wenn es beim Gedenken an die eigenen Kriegsopfer den offenen und ehrlichen Dialog mit Polen sucht. Die Diskussion \u00fcber Polens Einstellung hierzu darf keine Diskussion \u00fcber Polen ohne polnische Beteiligung sein.<\/p>\n<p>Wir erwarten, dass die Stiftung durch eigene Veranstaltungen junge Menschen aus Deutschland, Polen und anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern in den Gestaltungsprozess einbezieht, um auch so dem Verdacht einer nationalen Geschichtsinterpretation entgegen zu wirken und das Denken der \u201eneuen\u201c Europ\u00e4er in ihre Arbeit aufzunehmen.<\/p>\n<p>Wir appellieren an alle verantwortlichen politischen Kr\u00e4fte, die Arbeit der Stiftung aus parteipolitischen Auseinandersetzungen heraus zu halten und nicht als Wahlkampfthema zu missbrauchen. Unser Appell soll dazu beitragen, keine neuen Ressentiments zu sch\u00fcren, um eine dauerhafte Besch\u00e4digung der deutsch-polnischen Beziehungen zu verhindern.<\/p>\n<p>Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg 6. April 2009<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Deutsch \u2013 Polnische Gesellschaft Hamburg 1972 \u2013 2012 Berichte und Erinnerungen aus vier Jahrzehnten Arbeit einer deutsch-polnischen B\u00fcrgerinitiative Viola Krizak (Hrsg.) 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