{"id":1445,"date":"2016-02-26T13:10:49","date_gmt":"2016-02-26T12:10:49","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuell.dpg.hamburg\/?p=1445"},"modified":"2016-02-26T13:11:37","modified_gmt":"2016-02-26T12:11:37","slug":"tagung-staedtepartnerschaften-baustein-fuer-nachhaltige-kooperation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/Beitr\u00e4ge\/fremdbeitrag\/tagung-staedtepartnerschaften-baustein-fuer-nachhaltige-kooperation\/","title":{"rendered":"Tagung St\u00e4dtepartnerschaften &#8211; Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation"},"content":{"rendered":"<p>Tagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit<br \/>\ndem Ministerium der Justiz und f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz<br \/>\nGef\u00f6rdert von der Brandenburgischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 2<br \/>\nInhalt Seite<br \/>\n1. Vorwort 3<br \/>\n2. Programm 4<br \/>\n3. Ergebnisse<br \/>\nA. Kinder- und Jugendaustausch<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe 6<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion 7<br \/>\nB. Zusammenarbeit im zivilgesellschaftlichen<br \/>\nund kulturellen Bereich<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe 10<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion 13<br \/>\nC. Zusammenarbeit auf politischer und<br \/>\nVerwaltungsebene<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe 15<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion 17<br \/>\nD. Zusammenarbeit in der Wirtschaft<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppen 19<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion 20<br \/>\n4. Wie geht es weiter? 22<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 3<br \/>\nVorwort<br \/>\nAus eigener Erfahrung und als Ergebnis zahlreicher Gespr\u00e4che gelangten wir zu der<br \/>\n\u00dcberzeugung, dass sich in einer nicht geringen Zahl von Partnerschaften zwischen<br \/>\nbrandenburgischen und polnischen Kommunen etwas \u00e4ndern sollte, wenn sie dauerhaft<br \/>\nstabile Verbindungen zwischen den Zivilgesellschaften erhalten wollen. Auch<br \/>\njahrzehntelange Beziehungen sind kein Garant daf\u00fcr, dass es immer so weitergeht,<br \/>\ndenn die Gesellschaften entwickeln sich und h\u00e4ufig unterschiedlich.<br \/>\nIn einer eint\u00e4gigen Veranstaltung in der brandenburgischen Landesvertretung Berlin ist<br \/>\nAnfang Dezember 2015 anhand von konkreten Beispielen und Erfahrungen er\u00f6rtert<br \/>\nworden, wie die Partnerschaften zwischen St\u00e4dten oder Gemeinden in Brandenburg<br \/>\nund Polen intensiviert und zu einem tieferen gegenseitigen Verst\u00e4ndnis sowie<br \/>\ngemeinsamen politischen Zielsetzungen und Aktionen genutzt werden k\u00f6nnen. Dabei<br \/>\nwurden die Bereiche Kinder- und Jugendaustausch, Zusammenarbeit in Politik und<br \/>\nVerwaltung, Zusammenarbeit in der Wirtschaft sowie Zusammenarbeit von<br \/>\nZivilgesellschaft und Kultur in den Fokus genommen. Es ging darum, sowohl Probleme<br \/>\nund L\u00f6sungsm\u00f6glichkeiten als auch noch brachliegende Potenziale im Gespr\u00e4ch der<br \/>\nTr\u00e4ger der Partnerschaften miteinander und mit politischen Entscheidungstr\u00e4gern aus<br \/>\nBrandenburg und Polen sowie Expertinnen und Experten von Organisationen der<br \/>\ndeutsch-polnischen Zusammenarbeit (u.a. Stiftung f\u00fcr Deutsch-Polnische<br \/>\nZusammenarbeit, Deutsch-Polnisches Jugendwerk, Euroregionen) sowie Vertretern der<br \/>\nWirtschaft zu identifizieren. Die rund 50 TeilnehmerInnen diskutierten verschiedene<br \/>\nM\u00f6glichkeiten, die St\u00e4dtepartnerschaften in der Kommunalpolitik, Verwaltung,<br \/>\nZivilgesellschaft und Wirtschaft zu verankern, \u00fcber strategische Ans\u00e4tze und deren<br \/>\nm\u00f6gliche Umsetzung. Die Arbeit fand in zwei Phasen statt: Zun\u00e4chst tagten vier<br \/>\nthematische Arbeitsgruppen, die moderiert wurden. Deren Ergebnisse wurden dann<br \/>\ndem Plenum zur Kenntnis gegeben und bildeten die Grundlage f\u00fcr zwei ebenfalls<br \/>\nmoderierte Paneldiskussionen mit Experten. Die Inhalte und Ergebnisse werden im<br \/>\nFolgenden dargestellt.<br \/>\nEine Tagesveranstaltung reicht nicht aus, um alle Facetten ausreichend zu behandeln.<br \/>\nAber es war ein aus unserer Sicht gelungener Anfang und die meisten Teilnehmer<br \/>\nbest\u00e4tigen das. Sie haben vorgeschlagen, eine solche Tagung zu wiederholen und<br \/>\nauch schon Themen identifiziert. Den TeilnehmerInnen soll diese Dokumentation<br \/>\nerm\u00f6glichen, die Diskussionen und Ergebnisse der vier Arbeitsgruppen noch einmal<br \/>\nnach zu vollziehen und vielleicht neue Anregungen zu entdecken. Und diejenigen, die<br \/>\nnicht in Berlin dabei sein konnten, haben die Chance nachzulesen, was sie vers\u00e4umt<br \/>\nhaben. Beiden Gruppen w\u00fcnschen wir, dass sie die Lekt\u00fcre interessant finden und<br \/>\nGewinn daraus ziehen k\u00f6nnen.<br \/>\nFrank Kupferschmidt Martin Kujawa Alexander Finger<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 4<br \/>\nProgramm<br \/>\n09:30 &#8211; 10:00 Ankunft der TeilnehmerInnen<br \/>\n10:00 &#8211; 10:10 Begr\u00fc\u00dfung der TeilnehmerInnen durch Staatssekret\u00e4r Thomas<br \/>\nKralinski, Bevollm\u00e4chtigter des Landes Brandenburg beim Bund<br \/>\n10:10 &#8211; 10:20 Begr\u00fc\u00dfung der TeilnehmerInnen durch die DPG Brandenburg und<br \/>\nVorstellung des Tagungsprogramms<br \/>\n10:30 &#8211; 12:00 Diskussion in thematischen Arbeitsgruppen<br \/>\n12:00 &#8211; 13:00 Mittagspause im Foyer<br \/>\n13:00 &#8211; 14:30 Podiumsdiskussion zu den Arbeitsgruppen A und B<br \/>\n\u2022 Anne Quart, Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz,<br \/>\nMinisterium der Justiz und f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz des<br \/>\nLandes Brandenburg<br \/>\n\u2022 Christiane Brandau, Stiftung f\u00fcr Deutsch-polnische Zusammenarbeit<br \/>\n\u2022 Anke Papenbrook, Deutsch-Polnisches Jugendwerk<br \/>\n\u2022 Christine Wingert, Deutsche Kontaktstelle \u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und<br \/>\nB\u00fcrger\u201c<br \/>\n\u2022 Moderation: Katrin Schr\u00f6der (Freie Journalistin, u.a. f\u00fcr den \u201eDialog\u201c<br \/>\nzur Grenzregion)<br \/>\nAblauf<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Podiumsg\u00e4ste<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe A<br \/>\n\u2022 Diskussion mit den Podiumsg\u00e4sten und dem Publikum<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe B<br \/>\n\u2022 Diskussion mit den Podiumsg\u00e4sten und dem Publikum<br \/>\n14:30 &#8211; 15:00 Kaffeepause<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 5<br \/>\n15:00 &#8211; 16:30 Podiumsdiskussion zu den Arbeitsgruppen C und D<br \/>\n\u2022 Andrzej Lazowski, Marschallamt Zachdniopomorskie (Westpommern),<br \/>\nAbteilung f\u00fcr territoriale Zusammenarbeit<br \/>\n\u2022 Bianka Petereit, St\u00e4dte- und Gemeindebund Brandenburg<br \/>\n\u2022 Andrzej Kotula, Verein der Polnischen Gemeinden der Euroregion<br \/>\nPomerania<br \/>\n\u2022 Bogdan Kostyra, Euroregion Viadrina<br \/>\n\u2022 Moderation: Philipp Kubicki, Vorsitzender des Frankfurt-Stubice-<br \/>\nNetzwerks<br \/>\nAblauf<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Podiumsg\u00e4ste<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe C<br \/>\n\u2022 Diskussion mit den Podiumsg\u00e4ste und dem Publikum<br \/>\n\u2022 Vorstellung der Ergebnisse aus der Arbeitsgruppe D<br \/>\n\u2022 Diskussion mit den Podiumsg\u00e4sten und dem Publikum<br \/>\n16:30 &#8211; 17:00 Ausblick &#8211; Wie geht es weiter?<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 6<br \/>\nA<br \/>\nKinder und Jugendaustausch<br \/>\nGruppenmoderator: Karl Fisher, Deutsch-Polnischer Verein Cottbus (Fotos: Adrian Fiedler)<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe (Bericht von Karl Fisher)<br \/>\nDie Grenzregion kann einen gut funktionierenden Jugendaustausch im schulischen<br \/>\nBereich vorweisen. Jedoch wurde im Laufe der Gruppendiskussion deutlich, dass in<br \/>\nanderen Bereichen noch Handlungsbedarf besteht. So stellt sich beispielsweise die<br \/>\nFrage, wie man \u00fcber den schulischen Rahmen hinaus Austausche im Kinder- und<br \/>\nJugendbereich verankern kann. Im Gegensatz zu schulisch organisierten Projekten<br \/>\nerfordert Austausch im Freizeitbereich deutlich h\u00f6heres Engagement der Beteiligten.<br \/>\nAls besondere Herausforderung sind diejenigen Kinder und Jugendlichen zu sehen, die<br \/>\nvon sich aus weniger Motivation und Interesse f\u00fcr das Nachbarland mitbringen. Diese<br \/>\nGruppe darf jedoch nicht \u00fcbergangen werden. Ganz im Gegenteil: Hier m\u00fcssen neue<br \/>\nAnimationsstrategien entwickelt werden. Konkret hei\u00dft das, den Austausch mit dem<br \/>\nNachbarland zun\u00e4chst dort zu verankern, wo die Zielgruppe von vorneherein mit<br \/>\ngr\u00f6\u00dferem Eigenengagement aktiv ist, beispielsweise in Sportvereinen, bei der<br \/>\nFreiwilligen Feuerwehr oder in Jugendfreizeitzentren.<br \/>\nDie Ann\u00e4herung von deutschen und polnischen Jugendlichen ist dabei kein<br \/>\nSelbstzweck und soll auch nicht allein das abstrakte Ziel der wachsenden V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung<br \/>\nerf\u00fcllen, sondern die Beteiligten auf pers\u00f6nlicher Ebene bereichern. Sie<br \/>\nsoll zum gegenseitigen Verst\u00e4ndnis beitragen, indem schon fr\u00fchzeitig die Kultur, die<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 7<br \/>\nLebensweise und vielleicht sogar die Sprache des Nachbarn vermittelt werden. Dabei<br \/>\nk\u00f6nnen die TeilnehmerInnen auch \u00fcber sich selbst etwas erfahren, die eigene kulturelle<br \/>\nPers\u00f6nlichkeit im Vergleich mit der des Nachbarn reflektieren und ihre Horizonte<br \/>\nerweitern.<br \/>\nZentrales Element zur Erschlie\u00dfung der Kultur des Nachbarlandes ist die \u00dcberwindung<br \/>\nder Sprachbarriere. Sprache ist die Grundlage der Verst\u00e4ndigung. Obwohl oder<br \/>\nvielleicht gerade weil auf der polnischen Seite viele Beteiligten bereits Deutschkenntnisse<br \/>\nmitbringen, steht auf deutscher Seite der Wunsch im Raum, diesen<br \/>\nVorsprung aufzuholen; nicht nur aus Respekt vor dem Partner und seiner Sprache,<br \/>\nsondern aus dem Bed\u00fcrfnis heraus, die fremde Kultur besser zu verstehen. Beim<br \/>\nThema Spracherwerb wurde im Rahmen der Gruppendiskussion besonders die<br \/>\nfehlende Unterst\u00fctzung seitens der Landesregierung und kommunaler Tr\u00e4ger moniert.<br \/>\nZwar sind schulische und weiterf\u00fchrende Lernangebote im Ansatz vorhanden, diese<br \/>\njedoch zu nutzen und auszubauen ist immer noch viel zu kompliziert. Schon vor einigen<br \/>\nJahren unternahm die DPG in R\u00fccksprache mit dem Bildungsministerium den Vorsto\u00df,<br \/>\ndie Einf\u00fchrung des Schulfachs Polnisch zu erleichtern und regte die Einrichtung von<br \/>\nModellschulen an. Mehrere Minister und Staatssekret\u00e4re signalisierten ihre Bereitschaft<br \/>\nund sagten f\u00fcnf Modellschulen zu, umgesetzt wurde davon jedoch bisher nur eine<br \/>\neinzige.<br \/>\nDaran wird deutlich, dass die Intensivierung des deutsch-polnischen Austausches an<br \/>\nbestimmte Gelingensbedingungen gebunden ist, die \u00fcber den blo\u00dfen politischen Willen<br \/>\nhinausgehen. Zu den Gelingensbedingungen f\u00fcr die Intensivierung der Partnerschaften<br \/>\ngeh\u00f6ren auch infrastrukturellen Vorgaben. So ist es zum Beispiel wichtig, dass bereits<br \/>\nandere zweisprachige Bildungsangeboten existieren, dass es die M\u00f6glichkeit gibt, sich<br \/>\nan einen Ansprechpartner zu wenden und dass finanzielle Mittel bereitgestellt werden.<br \/>\nDiese infrastrukturellen Vorgaben ersetzen jedoch nicht die ebenso wichtigen<br \/>\nBedingungen wie das Bem\u00fchen und das Engagement von Einzelpersonen, deren<br \/>\ngemeinsamer Einsatz Hindernisse in der Verwaltung \u00fcberspringen und F\u00f6rderungen<br \/>\nerreichen kann.<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion<br \/>\nZu den Ergebnissen der Arbeitsgruppe A diskutierten:<br \/>\n\u2022 Anne Quart, Staatssekret\u00e4rin f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz, Ministerium<br \/>\nder Justiz und f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz des Landes Brandenburg<br \/>\n\u2022 Anke Papenbrock, Deutsch-Polnisches Jugendwerk<br \/>\n\u2022 Christine Wingert, Deutsche Kontaktstelle \u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und<br \/>\nB\u00fcrger\u201c<br \/>\n\u2022 Christiane Brandau, Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit<br \/>\n\u2022 Moderation: Katrin Schr\u00f6der, freie Journalistin, u.a. f\u00fcr den \u201eDialog\u201c zur<br \/>\nGrenzregion<br \/>\nDie Bedeutung der St\u00e4dtepartnerschaften vor dem Hintergrund des politischen<br \/>\nAnspruchs, ein Europa der B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger zu schaffen, wurde von<br \/>\nStaatssekret\u00e4rin Anne Quart nochmals unterstrichen. Es wurde auch deutlich, dass der<br \/>\neurop\u00e4ische Einigungsprozess nur funktionieren kann, wenn Europa auch jenseits des<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 8<br \/>\nBinnenmarktes und der politischen Integration von unten w\u00e4chst. Dieses Wachstum, so<br \/>\nder Konsens, steht und f\u00e4llt mit dem b\u00fcrgerschaftlichen Engagement, wozu die<br \/>\nPartnerschaften von St\u00e4dten und Gemeinden eines der Schl\u00fcsselelemente sind.<br \/>\nDeshalb ist die Landesregierung an deren Unterst\u00fctzung interessiert, ganz besonders,<br \/>\nweil die privilegierten Beziehungen zwischen Brandenburg und Polen auch in der<br \/>\nVerfassung des Landes und dem Koalitionsvertrag festgeschrieben sind. Zwar nimmt<br \/>\ndie Landesregierung keinen direkten Einfluss auf St\u00e4dtepartnerschaften, unterst\u00fctzt sie<br \/>\njedoch indirekt durch finanzielle F\u00f6rderung. J\u00e4hrlich werden j\u00e4hrlich 95.000 Euro vom<br \/>\nBildungsministerium f\u00fcr den internationalen Schulaustausch zur Verf\u00fcgung gestellt.<br \/>\nWeitere 100.000 EUR stehen 2016 im MBJS f\u00fcr Gedenkst\u00e4ttenreisen bereit. W\u00e4hrend<br \/>\nauf Seiten von B\u00fcrgern ein Mangel an Lehrangeboten der polnischen Sprache gesehen<br \/>\nwird, konstatiert die Landesregierung eher einen Mangel an Nachfrage. Die Landesregierung<br \/>\nstrebt aber weiterhin eine F\u00f6rderung des Erlernens der Nachbarsprache,<br \/>\nbeginnend im Kindergarten an.<br \/>\nFortschritte sind im Bereich der Projektf\u00f6rderung zu verzeichnen. So hat das Verh\u00e4ltnis<br \/>\nzu Polen mittels verst\u00e4rkter F\u00f6rderung durch den INTERREG-Fonds eine bedeutende<br \/>\nAufwertung erfahren. Auch die Verankerung Polen-bezogener Themen bei der Stiftung<br \/>\nGenshagen tr\u00e4gt zu dieser Aufwertung bei. Projekte wie die \u201eerste grenz\u00fcberschreitende<br \/>\nFairtrade-Stadt Europas Frankfurt-S\u0142ubice\u201c reihen sich in diesen Trend ein.<br \/>\nEinen wichtigen Beitrag zur Intensivierung der deutsch-polnischen Beziehungen im<br \/>\nBereich Kinder und Jugendliche leistet das Deutsch-Polnische Jugendwerk, das weit<br \/>\n\u00fcber 3000 Projekte j\u00e4hrlich f\u00f6rdert; davon jedoch macht der Bereich der<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften den geringsten Anteil (1-2%) aus, wie Anke Papenbrock zu<br \/>\nbedenken gibt. Angesichts einer dreistelligen Zahl von deutsch-polnischen<br \/>\nKommunalpartnerschaften im gesamten Bundesgebiet ergibt sich hier Handlungsbedarf.<br \/>\nEin Vorsto\u00df des DPJW besteht in einem St\u00e4dtepartner-Forum unter dem Titel<br \/>\nRathaus meets Ratusz, zu dem gezielt Akteure aus dem Bereich der St\u00e4dtepartnerschaften<br \/>\neingeladen werden. Das Forum m\u00f6chte diese Partnerschaften von klassischen<br \/>\nFormaten wie B\u00fcrgermeisterInnenbesuchen und Delegationsreisen abgrenzen und<br \/>\nstrebt themenorientierte, inhaltsreichere Begegnungen von B\u00fcrgerInnen an. Ein Ziel<br \/>\ndes Forums ist es, Vereine in Kontakt sowie Erfahrungsaustausch und Kooperation in<br \/>\nGang zu bringen. Die Zielgruppe Kinder und Jugendliche ist dabei am leichtesten zu<br \/>\ngewinnen. Nach einer \u201eInitialz\u00fcndung\u201c verselbst\u00e4ndigt sich das Interesse der j\u00fcngeren<br \/>\nTeilnehmerInnen n\u00e4mlich oft und f\u00fchrt zu einer nachhaltigen Kontaktpflege. So ist zu<br \/>\nbeobachten, dass viele AntragstellerInnen ihre Projekte wiederholen.<br \/>\nEbenfalls auf die Zielgruppe Kinder und Jugendliche ist das Projekt Polenmobil<br \/>\nzugeschnitten \u2013 ein Modellvorhaben, das von der DPG Brandenburg, dem Deutschen<br \/>\nPoleninstitut und der Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit organisiert wird.<br \/>\nBei den Besuchen des Polenmobils an Schulen soll f\u00fcr das Erlernen der polnischen<br \/>\nSprache geworben und Interesse an der Kultur des Nachbarlandes geweckt werden.<br \/>\nDie Resonanz ist so gro\u00df, dass das Polenmobil bis zum Ende des Schuljahres<br \/>\nausgebucht ist. Gerade beim Beherrschen der Nachbarsprache gibt es auf deutscher<br \/>\nSeite noch Nachholbedarf. Doch es geht nicht um die blo\u00dfe Einf\u00fchrung des Faches<br \/>\nPolnisch, sondern auch um den Stellenwert dieser Sprache. Polnisch soll keine der<br \/>\nbisher unterrichteten Fremdsprachen ersetzen, sondern zus\u00e4tzlich angeboten werden,<br \/>\njedoch nicht als blo\u00dfe Arbeitsgemeinschaft ein Randdasein im Stundenplan fristen,<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 9<br \/>\nsondern eine Sonderrolle als Zusatzsprache spielen, deren Erlernen durch Vergabe von<br \/>\nNoten honoriert wird. Andererseits k\u00f6nnte der damit verbundene Leistungsdruck, die<br \/>\nAttraktivit\u00e4t des Schulfachs Polnisch senken.<br \/>\nDer Sorbisch-Unterricht, wie er schon seit Jahren an mehreren Schulen im<br \/>\nBrandenburger S\u00fcden durchgef\u00fchrt wird, kann hierf\u00fcr als Vorbild dienen. So<br \/>\nselbstverst\u00e4ndlich wie das Sorbische gelehrt wird, so selbstverst\u00e4ndlich funktioniert<br \/>\nauch die Kommunikation zwischen Sorbisch-Kundigen und Polen. Diese Erkenntnis<br \/>\nmuss noch an die Mehrheit der Schulen vordringen, denn oft fehlt dort, wo Interesse bei<br \/>\nden Sch\u00fclerInnen besteht, das Lehrangebot. Dar\u00fcber sollte nicht vergessen werden,<br \/>\ndass das Erlernen der Nachbarsprache schon viel fr\u00fcher beginnen kann, n\u00e4mlich im<br \/>\nKindergarten. Kommt ein Kind mit Grundkenntnissen aus dem Kindergarten, ist die<br \/>\nMotivation auch auf Seiten der Eltern h\u00f6her, diese auszubauen. In Frankfurt (Oder)<br \/>\nverfolgen 7 von 30 Kitas ein bilinguales Erziehungsmodell. Ein n\u00e4chster Schritt ist die<br \/>\nEinrichtung einer bilingualen Grundschule mit Fachunterricht in der Fremdsprache.<br \/>\nZielgruppe sind dabei Kinder, die aus deutsch-polnischen Familien kommen und in<br \/>\nihren beiden Muttersprachen beschult werden sollen; die Schule soll aber auch offen f\u00fcr<br \/>\ndeutsche Kinder ohne polnischen Hintergrund sein.<br \/>\nAngesichts der fortschreitenden \u00dcberalterung der Aktiven in den St\u00e4dtepartnerschaften<br \/>\nscheint der Ausbau des Polnischunterrichts an Schulen noch n\u00f6tiger, wenn die<br \/>\nNachhaltigkeit der Beziehungen der Zivilgesellschaften miteinander gesichert werden<br \/>\nsoll. Zumeist fehlt noch der Grundkonsens, dass Polnisch neben Lesen, Rechnen und<br \/>\nSchreiben zu den Grundfertigkeiten eines brandenburgischen Sch\u00fclers geh\u00f6ren sollte,<br \/>\nwodurch sich eine Perspektive zum Nachbarn er\u00f6ffnet und Kooperationskompetenz<br \/>\nerworben wird. Bisher fehlt eine breite \u00d6ffentlichkeit und relevante politische<br \/>\nKommunikation, die auf die Chancen und die Notwendigkeiten der Zusammenarbeit mit<br \/>\ndem Nachbarn hinweisen. Die Nachwuchsprobleme sind aber nicht nur der<br \/>\nSprachbarriere geschuldet, sondern auch den Inhalten, die st\u00e4rker nach den Belangen<br \/>\nund Interessen einer j\u00fcngeren Zielgruppe ausgerichtet werden sollten.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 10<br \/>\nB<br \/>\nZusammenarbeit im zivilgesellschaftlichen und kulturellen Bereich<br \/>\nGruppenmoderator Martin Schr\u00f6ter, Nowa Amerika e.V.<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe (Bericht Martin Schr\u00f6ter)<br \/>\nTeil 1 Einf\u00fchrung<br \/>\nZu Beginn der Arbeitsgruppe stellte der Moderator ein \u00fcberregionales, b\u00fcrgerschaftliches<br \/>\nNetzwerk vor, welches in \u00fcber 5 Jahren seines Bestehens viele NGO&#8217;s und<br \/>\nAkteure in der gesamten polnisch-deutschen Grenzregion vereint: Nowa Amerika \u2013<br \/>\nWirklichkeitskonstruktion, durch die es gelungen ist, einen neuen Raum beiderseits von<br \/>\nOder und Nei\u00dfe zu gewinnen. Die Idee dazu geht auf Friedrich den Gro\u00dfen zur\u00fcck, der<br \/>\nim M\u00fcndungsgebiet der Warthe S\u00fcmpfe trockenlegen lie\u00df und das Warthebruch schuf.<br \/>\nEr siedelte dort Landwirte an, schenkte ihnen Haus, Hof und Land. Der gewonnene<br \/>\nLandstrich erhielt den Namen Neu-Amerika. Diese ungew\u00f6hnliche Geschichte<br \/>\ninspirierte die Gr\u00fcndung von Nowa Amerika, das durch die Staatsgrenze nicht getrennt<br \/>\nsondern vernetzt wird; ein Land der Pioniere, die einen neuen Raum b\u00fcrgergesellschaftlich<br \/>\ngemeinsam gestalten wollen.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 11<br \/>\nTeil 2 Beitr\u00e4ge und Verlauf der Diskussion<br \/>\nZu Beginn meldeten sich die Teilnehmer der IG Seniorenarbeit R\u00fcdnitz zu Wort und<br \/>\ntrugen vor, wie eine Gebietsreform einer lebendigen St\u00e4dtepartnerschaft entgegenwirken<br \/>\nkann. In ihrem Fall wurde R\u00fcdnitz einer amtsf\u00fchrenden Gemeinde zugeordnet,<br \/>\ndie bereits eine Partnerschaft nach Polen unterh\u00e4lt. Diese soll, obwohl in einer Distanz<br \/>\nvon \u00fcber 300 km liegend, weitergepflegt werden. Dagegen wurde dem Begehren der<br \/>\nR\u00fcdnitzer um Unterst\u00fctzung f\u00fcr die eigene Partnerschaftspflege mit einem Ort in 20 km<br \/>\nLuftlinien-Entfernung durch das Amt strikte Ablehnung zuteil. Au\u00dferdem mache die<br \/>\nTatsache, dass man keinen Verein gr\u00fcnden wolle, die M\u00f6glichkeiten \u00f6ffentlicher<br \/>\nF\u00f6rderung unm\u00f6glich.<br \/>\nDie Vertreter aus dem sorbischen Dorf Drehnow berichteten sehr detailgenau von ihrer<br \/>\nlangj\u00e4hrigen intensiven Freundschaft und dem gelungenen Austausch mit den<br \/>\npolnischen Nachbarn, was von Seiten des B\u00fcrgermeisters von Peitz unterst\u00fctzt wurde.<br \/>\nDabei wurde sehr deutlich, dass der Stolz auf des Erreichte sich mit der zunehmenden<br \/>\nSorge mischt, dass mit dem altersbedingten Ausscheiden der Initiatoren und<br \/>\nmotivierenden Akteure eine schleichende Erosion bereits eingesetzt hat. Wenngleich<br \/>\ndie heimatverbundenen Sorben es sprachlich relativ leicht haben, mit Polen zu<br \/>\nkommunizieren, ist es hier doch nicht gelungen ein nachhaltiges, generations\u00fcbergreifendes<br \/>\nNetzwerkmodell zu entwickeln. Es gibt noch einige gemeinsame<br \/>\npolnisch-deutsche Aktivit\u00e4ten, aber es wird weniger.<br \/>\nDem Vertreter aus Wandlitz gelang mit einem anderen Blickwinkel der<br \/>\nPerspektivwechsel. Er beschrieb die Erfolgsgeschichte seiner Gemeinde, die sich nach<br \/>\nder Wende aus einem Pool je eine Partnergemeinde aus Frankreich und Polen gesucht<br \/>\nund zu diesen vertragliche Beziehungen auf kommunaler Ebene geschlossen hatte.<br \/>\nDaraus entwickelte sich eine sehr aktive deutsch-franz\u00f6sisch-polnische Partnerschaft<br \/>\nmit einem regelm\u00e4\u00dfigen Sch\u00fcleraustausch zwischen allen Beteiligten. Das Fundament<br \/>\ndieses Modells bilden die verbindlichen Vereinbarungen zwischen den \u00f6ffentlichen<br \/>\nPartnern. Was auf b\u00fcrgerschaftlich Engagierte zuerst etwas h\u00f6lzern wirkte, wurde hier<br \/>\naber von einer Pers\u00f6nlichkeit mit europ\u00e4ischen Grund\u00fcberzeugungen so engagiert<br \/>\nvorgetragen, dass an der Lebendigkeit der Partnerschaftspflege kein Zweifel<br \/>\naufkommen konnte. Dieses gute Beispiel griff Frau Wingert auf. Als Beraterin der EU<br \/>\nInitiative \u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c stellte sie klar, dass es genau diese<br \/>\nStrukturen auf Verwaltungsebene sind, die von der Europ\u00e4ischen Union mit<br \/>\nebendiesem Programm gef\u00f6rdert werden sollen.<br \/>\nDar\u00fcber entstand eine lebhafte Diskussion.<br \/>\nDer Nachfrage der Moderatorin, dass der Titel \u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c den<br \/>\nhoffnungsvollen Eindruck suggeriere, das neue Programm k\u00f6nne sich direkter an die<br \/>\nB\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger als die bisherigen komplizierten F\u00f6rderinstrumente wenden<br \/>\nund sich an b\u00fcrgernahem Bedarf ausrichten, erteilte Frau Wingert eine Absage. Das<br \/>\nProgramm diene vielmehr der Unterst\u00fctzung \u00f6ffentlicher Verwaltungen und der<br \/>\nVerkn\u00fcpfung kommunaler Strukturen. Auf die Feststellung, dann h\u00e4tte das Programm<br \/>\ndoch besser Europa f\u00fcr Verwaltungen hei\u00dfen sollen, folgte der Hinweis, dass auch in<br \/>\nVerwaltungen B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger arbeiteten.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 12<br \/>\nTeil 3 Handlungsoptionen<br \/>\nAn dieser Stelle wurde deutlich, dass die \u201eb\u00fcrgerschaftliche Zivilgesellschaft\u201c f\u00fcr die<br \/>\nEurop\u00e4ische Kommission wie auch f\u00fcr f\u00f6rdernde Stiftungen eine schwer zu fassende<br \/>\nZielgruppe ist. Netzwerke sind organisch wachsende Graswurzelbewegungen und nicht<br \/>\nselten bilden sie sich als Interessenkonstellationen mit einer Halbwertzeit, deren Dauer<br \/>\nmeist st\u00e4rker vom Durchhalteverm\u00f6gen einzelner Aktiver abh\u00e4ngt, als von der finalen<br \/>\nErreichung ihrer Ziele. Obwohl man auf allen politischen Ebenen nicht m\u00fcde wird, die<br \/>\nWichtigkeit und Alternativlosigkeit von intakten Netzwerken und b\u00fcrgerschaftlichem<br \/>\nDenken und Handeln zu betonen, kann man diese erst dann finanziell f\u00f6rdern, wenn sie<br \/>\nals K\u00f6rperschaft<br \/>\n\u2022 anerkannt strukturiert<br \/>\n\u2022 amtlich aktenkundig<br \/>\n\u2022 gerichtlich eingetragen und<br \/>\n\u2022 best\u00e4tigt gemeinn\u00fctzig sind.<br \/>\nErst wenn das \u201ewilde\u201c B\u00fcrger-Engagement in die Fassung einer juristischen Person, mit<br \/>\nden Regeln und den Hierarchien einer kleinen Verwaltung gegossen und der Satzungszweck<br \/>\nmit der Norm der staatlichen Steuerprivilegien auf Deckungsgleichheit gebracht<br \/>\nwurde, erst wenn F\u00f6rderrichtlinien nachweislich verinnerlicht und Querschnittsziele<br \/>\nbedacht, erst wenn alle Prozesse formalisiert wurden, erst dann tritt ein Netzwerk<br \/>\ngesellschaftlich akzeptabel in Erscheinung. Als idealer und beliebter Archetyp gilt<br \/>\ndeshalb bei F\u00f6rderinstanzen der uniformierte B\u00fcrger in seiner organisierten Form als<br \/>\nFreiwillige Feuerwehr. Hier sind alle Kriterien der F\u00f6rderw\u00fcrdigkeit und dem Wesen<br \/>\nnach beispielhaft erf\u00fcllt.<br \/>\nAber selbst ein mehrj\u00e4hrig sehr erfolgreiches b\u00fcrgerschaftliches Netzwerk mit hoher<br \/>\ngesellschaftlicher Anerkennung und glaubhafter W\u00fcrdigung seines wirksamen<br \/>\nEngagements mit den integren Zielen einer wirkungsvollen grenz\u00fcberschreitenden<br \/>\nKulturarbeit, der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und der europ\u00e4ischen Demokratiepflege h\u00e4tte<br \/>\nkeine M\u00f6glichkeiten, von dem Programm \u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c<br \/>\nunterst\u00fctzt zu werden.<br \/>\nDie vier Euroregionen an der deutsch-polnischen Grenze markieren zu den<br \/>\nbestehenden Nationalgrenzen zus\u00e4tzlich neue \u201eF\u00f6rdergebietsgrenzen\u201c, aus denen sich<br \/>\nin der Realit\u00e4t acht neue \u201eTeilstaaten\u201c ergeben, in welchen die Akteure untereinander in<br \/>\n\u201egrenz\u00fcberschreitender\u201c Anordnung keine gemeinsamen Projekte durchf\u00fchren d\u00fcrfen.<br \/>\nSo ist es Personen aus dem \u201eKleinstaat\u201c Pro Europa Viadrina verwehrt, offiziell an<br \/>\nProjekten im \u201eKleinstaat\u201c Pomerania teilzunehmen. Die Aktiven im Land Brandenburg<br \/>\nsind mit drei Euroregionen von dieser realen Absurdit\u00e4t besonders betroffen.<br \/>\nNach den j\u00fcngsten politischen Ver\u00e4nderungen in Polen, die auf die St\u00e4rkung der<br \/>\nSouver\u00e4nit\u00e4t und Durchsetzung nationaler Interessen unter Inkaufnahme von<br \/>\nAbstrichen bei Rechtsstaatlichkeit und europ\u00e4ischer Integration abzielen (Stichwort:<br \/>\nstarker Staat), wird es k\u00fcnftig mehr denn je auf belastbare gute Beziehungen der<br \/>\nB\u00fcrgerInnen untereinander und ihrer transnationalen Netzwerke ankommen. Nur viele<br \/>\npers\u00f6nliche Freundschaften, Vertraut- und Verbundenheit zwischen den B\u00fcrgergesellschaften<br \/>\nk\u00f6nnen eine dauerhafte Wirkung gegen aufkeimende Intoleranz und<br \/>\nNationalismus entfalten und damit f\u00fcr ein stabiles Klima \u00fcber die Grenze hinweg<br \/>\nsorgen. Kaum etwas Anderes wirkt in dieser Zeit zuverl\u00e4ssiger f\u00fcr die Kontinuit\u00e4t des<br \/>\nFriedens in Europa. Enge vertrauensvolle Beziehungen sind deshalb ein hohes Gut.<br \/>\nVerwaltungen reagieren unterschiedlich, je nach politischer Lage. Gut vernetzte<br \/>\nFreunde lassen sich nur schwer gegeneinander in Stellung bringen.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 13<br \/>\nEs ist h\u00f6chste Zeit, die elit\u00e4re Betrachtungsweise der EU-Beh\u00f6rden und von<br \/>\nRegierungen zu beenden und eine Reform der F\u00f6rderstrukturen f\u00fcr eine lebendige<br \/>\nb\u00fcrgerschaftliche Gesellschaft im deutsch-polnischen Grenzraum einzuleiten und<br \/>\numzusetzen. Eine professionelle EU-Mittel-Verwalterin gab den TeilnehmerInnen des<br \/>\nWorkshops zu verstehen: Reformen der EU w\u00fcrden nicht Erleichterungen f\u00fcr<br \/>\nB\u00fcrgerInnen und B\u00fcrokratieabbau bedeuten. Aber gerade Vereinfachungen, zeitliche<br \/>\nVerk\u00fcrzungen und Flexibilit\u00e4t seien jetzt gefordert.<br \/>\nUm eine dauerhaft tragf\u00e4hige und dennoch lebendige Freundschaft zwischen unseren<br \/>\nGesellschaften zu entfalten, bedarf es der besonderen Zuwendung gegen\u00fcber Kindern<br \/>\nund Jugendlichen. Dazu geh\u00f6ren offene, gestaltbare und wandlungsf\u00e4hige Netzwerkstrukturen,<br \/>\ndie sich mit Leichtigkeit und Humor, Ernsthaftigkeit und Kreativit\u00e4t sowie<br \/>\nSpiel, Spa\u00df, Studien und Erforschung mit hohem Freizeitwert den Themen Sprache,<br \/>\nZukunft, Geschichten, Sport, Kunst, Alltagskultur und Alltagserlebnis widmen.<br \/>\nNormalit\u00e4t und Offenheit sind gefragte Parameter, Investitionen in K\u00f6pfe sind wichtiger<br \/>\nals Investitionen in Beton.<br \/>\n\u201eEine starke Zivilgesellschaft ist unsere Vision und Motivation zugleich.\u201c So formulierte<br \/>\nes der Journalist und Mitbegr\u00fcnder der Euroregion Pomerania Andrzej Kotula in der<br \/>\nArbeitsgruppe. Er selbst sei durch die praktizierte F\u00f6rderkultur inzwischen<br \/>\ndesillusioniert.<br \/>\nZwei Fragestellungen blieben am Ende am Flipchart stehen:<br \/>\nWie oft stehen in der Realit\u00e4t Politik und Verwaltung gegen NGO&#8217;s ?<br \/>\nSind amtliche St\u00e4dtepartnerschaften h\u00e4ufig Ebenen mit erstarrten Ritualen ohne Tiefe?<br \/>\nFazit:<br \/>\nNur eine starke Zivilgesellschaft bildet einen dauerhaften und wirksamen Gegenpol zu<br \/>\nExtremismus. Lebendige Freundschaften zwischen polnischen und deutschen<br \/>\nEinwohnern sind die Basis f\u00fcr die Entwicklung und Kontinuit\u00e4t einer nachbarschaftlichen<br \/>\nZivilgesellschaft. Partnerschaftliche Vertr\u00e4ge und St\u00e4dtepartnerschaften<br \/>\nk\u00f6nnen dabei hilfreich sein. Die \u00f6ffentliche F\u00f6rderung der Zivilgesellschaft ist derzeit<br \/>\nstrukturell und methodisch ungen\u00fcgend. Mit dem Prozess zur Ver\u00e4nderung und<br \/>\nVerbesserung sollte zeitnah und mit vereinten (vernetzten) Kr\u00e4ften begonnen werden.<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion<br \/>\nPanelzusammensetzung unver\u00e4ndert<br \/>\nVon besonderem Interesse war im Laufe der Diskussion die Frage nach<br \/>\nF\u00f6rderm\u00f6glichkeiten deutsch-polnischer Projekte. Die Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische<br \/>\nZusammenarbeit bietet hier ein breites Spektrum. So werden besonders Projekte in den<br \/>\nBereichen Kultur, Bildung und Wissenschaft, Medien und \u00d6ffentlichkeit, Gesellschaft\/<br \/>\nWirtschaft\/Umwelt gef\u00f6rdert. Gerade im letzten Bereich kann institutionelle Zusammenarbeit<br \/>\nauf Ebene der St\u00e4dtepartnerschaften gef\u00f6rdert werden. Gut durchdachte Projekte<br \/>\nzu relevanten Themen, bei denen die Verbesserung der deutsch-polnischen Beziehungen<br \/>\nnicht das Hauptziel, sondern ein positiver Nebeneffekt ist, haben gute Chancen<br \/>\nbewilligt zu werden. Diese Projekte sollten vor allem Menschen zusammenf\u00fchren, die<br \/>\nnicht nur Interesse am Nachbarland haben, sondern zu einem bestimmten Thema in<br \/>\neinen Austausch mit Fachleuten aus diesem treten wollen. Dabei m\u00fcssen die Themen<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 14<br \/>\nan sich nicht unbedingt das Verh\u00e4ltnis beider V\u00f6lker zum Inhalt haben, der Mehrwert<br \/>\nder Begegnung wird viel mehr aus dem Zusammenwirken von Vertretern beider L\u00e4nder<br \/>\ngezogen. Anl\u00e4sslich des 25j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des deutsch-polnischen<br \/>\nNachbarschaftsvertrages wird die Stiftung f\u00fcr Deutsch-Polnische Zusammenarbeit<br \/>\nzus\u00e4tzliche F\u00f6rdermittel zur Verf\u00fcgung stellen. Dieses Angebot richtet sich ausdr\u00fccklich<br \/>\nauch an kleine zivilgesellschaftliche Initiativen.<br \/>\nDabei ist die Bandbreite der Themen kaum einzugrenzen. Besonders vor dem<br \/>\nHintergrund der aktuellen Fl\u00fcchtlingsdebatte gewinnt die Bewahrung europ\u00e4ischer<br \/>\nWerte zunehmend an Bedeutung, nicht zuletzt da Deutsche und Polen mit fremden<br \/>\nKulturen nichteurop\u00e4ischer Drittl\u00e4nder konfrontiert werden. Auf Verwaltungsebene<br \/>\nbesteht schon seit Jahren enge Zusammenarbeit, zum Beispiel in der Tierseuchenbek\u00e4mpfung<br \/>\nund im Katastrophenschutz. Beh\u00f6rdenmitarbeiter machen sogar<br \/>\ngemeinsame \u00dcbungen.<br \/>\nAuf ziviler Ebene sind vor allem kulturelle und geschichtliche Schwerpunkte<br \/>\nangesiedelt, obwohl die Bew\u00e4ltigung der gemeinsamen Vergangenheit immer weiter in<br \/>\nden Hintergrund tritt. Diese Entwicklung ist als Signal f\u00fcr mehr Normalit\u00e4t zu werten und<br \/>\ndas Ergebnis von 70 Jahren friedlichen und erfolgreichen Zusammenlebens. Parallel<br \/>\ndazu weitet sich der Begriff von V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und geht immer mehr \u00fcber<br \/>\nVergangenheitsbew\u00e4ltigung hinaus.<br \/>\nDass sich das Verh\u00e4ltnis zwischen den beiden V\u00f6lkern immer weiter normalisiert, f\u00fchrt<br \/>\ntrotzdem nicht zu einer Banalisierung von bi-nationaler Begegnung. Ganz im Gegenteil.<br \/>\nDie Neugier auf den Nachbarn w\u00e4chst weiter, sodass beispielsweise das DPJW schon<br \/>\neine Warteliste einrichten musste, da mehr F\u00f6rderantr\u00e4ge gestellt wurden, als -mittel<br \/>\nzur Verf\u00fcgung stehen. Dennoch ist gemeinsame Vergangenheit immer noch ein<br \/>\nwichtiger Aspekt deutsch-polnischer Begegnungen. Negativ wurde bemerkt, dass das<br \/>\nFach Geschichte als solches immer weiter vom Lehrplan verdr\u00e4ngt wird und der<br \/>\nGeschichtsunterricht zu einseitig auf konflikt\u00fcberschattete Epochen deutsch-polnischen<br \/>\nZusammenlebens fokussiert ist, die letzten 70 Jahre friedlichen Miteinanders viel zu<br \/>\nwenig beleuchtet.<br \/>\nUmso wichtiger ist das Projekt eines deutsch-polnischen Geschichtsbuches, das einen<br \/>\nwahren Quantensprung darstellt. Es erscheint im Februar und erm\u00f6glicht eine<br \/>\ngemeinsame Perspektive auf gemeinsame Geschichte statt einer rein nationalen<br \/>\nSichtweise.<br \/>\nNeben finanziellen Unterst\u00fctzungen von Seiten des Landes wird die Arbeit<br \/>\nzivilgesellschaftlicher Initiativen durch entsprechende Preise gew\u00fcrdigt. L\u00e4nder und<br \/>\nWoiwodschaften stiften beispielsweise den Deutsch-Polnischen Journalistenpreis &#8211; seit<br \/>\nkurzem auch in der Kategorie \u201eJournalismus in der Grenzregion\u201c. Auch die Verleihung<br \/>\nder Europaurkunde ist beispielhafter Ausdruck dieser Wertsch\u00e4tzung.<br \/>\nEinen besonderen Mehrwert bietet b\u00fcrgerschaftliches Engagement auch deshalb, weil<br \/>\nes \u00fcber Legislaturperioden hinausreicht. W\u00e4hrend Akteure der Politik und Verwaltung<br \/>\nregelm\u00e4\u00dfig wechseln, wahren zivilgesellschaftliche Initiativen und Vereinst\u00e4tigkeiten die<br \/>\nKontinuit\u00e4t des Austauschs.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 15<br \/>\nC<br \/>\nZusammenarbeit auf politischer und Verwaltungsebene<br \/>\nGruppenmoderatorin Katrin Becker,Frankfurt-S\u0142ubicer Kooperationszentrum<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe (Bericht von Katrin Becker)<br \/>\nFrage nach Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit den Partnerst\u00e4dten<br \/>\n\u2022 Welche Erfahrungen haben Sie in der Zusammenarbeit mit polnischen Partnern<br \/>\ngemacht?<br \/>\n\u2022 Was ist besonders gut gelaufen?<br \/>\n\u2022 Wo sehen Sie Defizite, wo gibt es Probleme, Herausforderungen?<br \/>\nDie TeilnehmerInnen konnten viele gute Beispiele der Zusammenarbeit schildern. So<br \/>\ngibt es Austausch und enge Kooperationen von Schulen, Vereinen und der Feuerwehr.<br \/>\nHier ist das Engagement vieler Ehrenamtlicher besonders hervorzuheben, die die<br \/>\nZusammenarbeit am Leben erhalten. Bew\u00e4hrt hat sich auch, mit \u201eExpertinnen und<br \/>\nExperten\u201c zusammenzuarbeiten, um eine gute Qualit\u00e4t der Projekte zu gew\u00e4hrleisten,<br \/>\nzum Beispiel mit Schloss Trebnitz, das Jugendprojekte in M\u00fcncheberg umsetzt.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 16<br \/>\nGut funktioniert die Partnerschaft, wenn es gemeinsame Interessen und Themen gibt,<br \/>\nbei denen die St\u00e4dte zusammenarbeiten k\u00f6nnen. Positiv hervorzuheben ist zudem,<br \/>\ndass die Verwaltungsstrukturen zwischen Deutschland und Polen im Hinblick auf<br \/>\nGemeinden\/St\u00e4dte und Landkreise sehr \u00e4hnlich sind, hier gibt es eine vergleichbare<br \/>\nKompetenzverteilung (im Gegensatz zu Bundesland\/Woiwodschaft). Zur Finanzierung<br \/>\nder Partnerschaft gibt es einerseits zahlreiche gute F\u00f6rderprogramme, wie zum Beispiel<br \/>\nEU-F\u00f6rderung \u00fcber die INTERREG f\u00fcr die grenznahen Gebiete und das Programm<br \/>\n\u201eEuropa f\u00fcr B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger\u201c sowie bi-nationale Institutionen wie das Deutsch-<br \/>\nPolnische Jugendwerk und die Stiftung f\u00fcr deutsch-polnische Zusammenarbeit.<br \/>\nBeispielsweise hat die Euroregion Pro Europa Viadrina ca. 485 kleine Projekte in der<br \/>\nletzten EU-F\u00f6rderperiode gef\u00f6rdert. Andererseits z\u00e4hlen die St\u00e4dtepartnerschaften zu<br \/>\nden freiwilligen Aufgaben der Kommunen, sodass dieser Bereich h\u00e4ufig von Sparma\u00dfnahmen<br \/>\nbetroffen ist und &#8211; neben zum Teil begrenzten personellen Kapazit\u00e4ten &#8211; auch<br \/>\ndie Aufbringung der geforderten Eigenanteile bereits eine Herausforderung darstellen<br \/>\nkann. Weitere Hindernisse stellen ein in Politik, Verwaltung und \u00d6ffentlichkeit verbreitetes<br \/>\nmangelndes Interesse an der Zusammenarbeit mit polnischen Partnern (im<br \/>\nGegensatz zu vermeintlich \u201eattraktiveren\u201c L\u00e4ndern) sowie die Sprachbarriere dar.<br \/>\nFrage nach Voraussetzungen f\u00fcr gelungene Partnerschaften<br \/>\n\u2022 Was sind die Voraussetzungen f\u00fcr gelungene Partnerschaften, welche Felder<br \/>\nk\u00f6nnen f\u00fcr St\u00e4dtepartnerschaften erschlossen werden?<br \/>\n\u2022 Was sind die Rahmenbedingungen f\u00fcr eine gelungene Partnerschaft, wie<br \/>\nkann diese umgesetzt werden?<br \/>\n\u2022 Wie lassen sich St\u00e4dtepartnerschaften nachhaltig und zukunftsfest gestalten?<br \/>\nDie relevanten Themen und Bereiche, die eine Partnerschaft betreffen, h\u00e4ngen sehr<br \/>\nvon den jeweiligen St\u00e4dten ab. St\u00e4dten wie Guben oder Frankfurt (Oder) erschlie\u00dfen<br \/>\nsich aufgrund ihrer direkten Grenzlage andere Handlungsfelder und -optionen als<br \/>\nsolchen, die weiter entfernt von ihren Partnerst\u00e4dten liegen. Partnerst\u00e4dte sollten<br \/>\neruieren, in welchen Bereichen es gemeinsame Herausforderungen oder Problemlagen<br \/>\ngibt, die durch eine Kooperation verbessert werden k\u00f6nnen. Als Beispiele<br \/>\nnannten die TeilnehmerInnen den Stra\u00dfenbau, die Bildung, Umwelt und Energie,<br \/>\nGrenzkriminalit\u00e4t und Tourismus. Es kann sich anbieten, aus den unterschiedlichen<br \/>\nErfahrungen in beiden L\u00e4ndern zu lernen und somit bestm\u00f6gliche L\u00f6sungen zu finden<br \/>\n(Wissenstransfer, Best-Practice). Auch kann es sinnvoll sein, Netzwerke aufzubauen,<br \/>\ndie die unterschiedlichen Akteure aus einem Bereich zusammenbringen (z.B. Netzwerke<br \/>\nzur Bek\u00e4mpfung von Jugendarbeitslosigkeit, f\u00fcr Toleranz etc.). Die Zusammenarbeit<br \/>\nin Projekten erfordert konkrete Zielsetzungen und kann die Finanzierung<br \/>\nsicherstellen. Damit sind F\u00f6rderprogramme wie INTERREG auch ein wichtiges<br \/>\nInstrument der Regionalentwicklung zwischen St\u00e4dten und Gemeinden. Eine langfristige<br \/>\nZusammenarbeit wird geschaffen, wenn gemeinsame Strukturen aufgebaut<br \/>\nwerden. Hierzu z\u00e4hlt z.B. die kommunale Daseinsvorsorge, bei der Dienstleistungen<br \/>\nwie Energieversorgung, \u00f6ffentlicher Personennahverkehr etc. miteinander verbunden<br \/>\nwerden (z.B. Fernw\u00e4rmeversorgung zwischen Frankfurt (Oder) und S\u0142ubice).<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 17<br \/>\nEine besondere Form stellt der Europ\u00e4ische Verbund f\u00fcr Territoriale Zusammenarbeit<br \/>\n(EVTZ) dar, eine gemeinsame rechtliche Form f\u00fcr die Zusammenarbeit, zum Beispiel<br \/>\nder in der Gr\u00fcndung befindliche EVTZ zur Ostbahn (u.a. Strausberg, M\u00fcncheberg).<br \/>\nGelungene Partnerschaften erfordern eine gute Kommunikation. Einerseits muss der<br \/>\nInformationsfluss in beide Richtungen gew\u00e4hrleistet sein, d.h. die Partnerst\u00e4dte m\u00fcssen<br \/>\ngegenseitig \u00fcber Geschehnisse und Interessen informiert sein. Andererseits basiert die<br \/>\nPartnerschaft auch auf pers\u00f6nlichen Kontakten, es muss ein Vertrauensverh\u00e4ltnis<br \/>\ngeben und den Willen zur Zusammenarbeit in Politik und Verwaltung. Die Fach\u00e4mter<br \/>\nsollten je nach Themenbereich in gemeinsame Projekte eingebunden werden, um das<br \/>\nFachwissen nutzen zu k\u00f6nnen und die Partnerschaft gleichzeitig nachhaltig in der<br \/>\nVerwaltung zu verankern. Au\u00dferdem ist es sinnvoll, die Kommunalpolitiker regelm\u00e4\u00dfig<br \/>\n\u00fcber die Aktivit\u00e4ten zu informieren und einzubeziehen. Denn letztendlich entscheiden<br \/>\ndie Politiker \u00fcber die Priorit\u00e4ten der st\u00e4dtischen Politik und \u00fcber die Finanzierung der<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaft. Je nach Themenbereich kann es sinnvoll sein, gemeinsame<br \/>\nAusschusssitzungen oder eine gemeinsame Stadtverordnetensitzung abzuhalten.<br \/>\nDar\u00fcber hinaus kann es sich anbieten, die Ziele und die Gestaltung der Zusammenarbeit<br \/>\nin kommunale Strategiepapiere aufzunehmen, zum Beispiel in das Integrierte<br \/>\nStadtentwicklungskonzept (INSEK) oder einen Handlungsplan mit konkreten zu realisierenden<br \/>\nMa\u00dfnahmen.<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussion<br \/>\nZu den Ergebnissen der Arbeitsgruppe C diskutierten:<br \/>\n\u2022 Andrzej Lazowski, Marschallamt Zachdniopomorskie (Westpommern), Abteilung<br \/>\nf\u00fcr territoriale Zusammenarbeit<br \/>\n\u2022 Bianka Petereit, St\u00e4dte- und Gemeindebund Brandenburg<br \/>\n\u2022 Andrzej Kotula, Verein der Polnischen Gemeinden der Euroregion Pomerania<br \/>\n\u2022 Bogdan Kostyra, Euroregion Viadrina<br \/>\n\u2022 Moderation: Philipp Kubicki, Vorsitzender des Frankfurt-Stubice-Netzwerks<br \/>\nDie Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden im Rahmen der Paneldiskussion vertiefend<br \/>\naufgegriffen. Dabei wurde beispielsweise die Frage diskutiert, ob die Zusammenarbeit<br \/>\nvon der Finanzierung existenziell abh\u00e4ngig ist. Tats\u00e4chlich sind Akteure und<br \/>\nAkteurinnen in der institutionellen Zusammenarbeit und Vereine vielfach auf eine<br \/>\ndauerhafte Unterst\u00fctzung angewiesen, doch gesicherte Finanzierung allein ist kein<br \/>\nGarant f\u00fcr die Aufrechterhaltung grenz\u00fcberschreitender Kooperation, wenn auch ein<br \/>\nbeg\u00fcnstigender Faktor. Bem\u00e4ngelt wurde von mehreren TagungsteilnehmerInnen, dass<br \/>\ndas Thema St\u00e4dtepartnerschaft im Etat der Kommunen oft nicht genug ber\u00fccksichtigt<br \/>\nwird. Dar\u00fcber darf nicht vergessen werden, dass viele Kommunalverwaltungen mit<br \/>\nHerausforderungen wie der Rettung von Schulstandorten und ihrem Anschluss an das<br \/>\nBahnnetz sowie aktuell der Bew\u00e4ltigung der Fl\u00fcchtlingsproblematik \u00fcberlastet sind,<br \/>\nw\u00e4hrend die Pflege von st\u00e4dtepartnerschaftlichen Beziehungen subjektiv oft weniger<br \/>\nDringlichkeit hat und \u201ehinten runter f\u00e4llt\u201c.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 18<br \/>\nNeben der Frage der gesicherten Finanzierung ist das kontinuierliche Engagement von<br \/>\nSeiten der Partnergemeinden ein weiteres Schl\u00fcsselelement f\u00fcr das Gelingen der<br \/>\nPartnerschaft. So kann ein noch so gut finanziertes Projekt \u201ek\u00fcnstlich\u201c und konstruiert<br \/>\nbleiben, wenn die Partnerschaft nicht aus dem Interesse der beteiligten Gemeinden<br \/>\nheraus am Leben gehalten wird. Hier k\u00f6nnte Polen noch von Deutschland lernen, wo<br \/>\ngrenz\u00fcberschreitender Austausch ma\u00dfgeblich von Vereinen mitgetragen wird, w\u00e4hrend<br \/>\ndie polnische Vereinskultur deutlich weniger ausgepr\u00e4gt ist. Hervorgehoben wurde in<br \/>\ndiesem Zusammenhang das Engagement von deutschen Vertriebenen, die die<br \/>\nZusammenarbeit mit ihren Heimatst\u00e4dten suchen. In diesem Fall ist die Kontaktpflege<br \/>\nkein abstrakter Auftrag der V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, sondern ein konkretes Bed\u00fcrfnis. Je<br \/>\nausgepr\u00e4gter dieses ist, mit umso weniger Finanzmitteln kommt die Zusammenarbeit<br \/>\naus. Diese l\u00e4uft ma\u00dfgeblich mehr \u00fcber Organisationen und B\u00fcrgervereine als \u00fcber<br \/>\nVerwaltungen, die absurden Vorschriften geschuldet nur wenig Spielr\u00e4ume zur<br \/>\nVerf\u00fcgung haben sich selbst einzubringen. Dabei hat die Verwaltung eine Schl\u00fcsselfunktion<br \/>\nf\u00fcr die Koordination des Austausches, beispielsweise bei der lokalen Daseinsvorsorge.<br \/>\nAn dieser Stelle k\u00f6nnen Verwaltungen auch voneinander profitieren, indem<br \/>\nsie vom Anderen lernen.<br \/>\nThemen wie Abwanderung, Energiewende, Abfallentsorgung, Friedhofsverwaltung,<br \/>\nUmsetzung von Europarecht auf kommunaler Ebene und viele weitere stehen dabei im<br \/>\nMittelpunkt. 60% dessen was an Gesetzen auf lokaler Ebene umgesetzt werden muss,<br \/>\nkommt aus Br\u00fcssel und ist somit gleicherma\u00dfen eine Herausforderung f\u00fcr die<br \/>\nKommunen in Polen und Deutschland. St\u00e4dtepartnerschaften k\u00f6nnen dabei helfen, die<br \/>\nZusammenarbeit der Verwaltungen zu erleichtern. Im Rahmen der Gruppendiskussion<br \/>\nwurde auch der Vorschlag vorgebracht, eine Karte der Grenzregion zu entwerfen, auf<br \/>\nder alle Partnergemeinden eingezeichnet sind, um diese auch untereinander vernetzen<br \/>\nzu k\u00f6nnen.<br \/>\nEin weiteres Ziel ist, die deutsch-polnischen Beziehungen geschickter zu vermarkten,<br \/>\nso wie es viele St\u00e4dte selbst in ihrer Presse- und \u00d6ffentlichkeitsarbeit bereits tun. Dazu<br \/>\ngeh\u00f6rt auch eine klare Positionierung der brandenburgischen Staatskanzlei; ein<br \/>\nBekenntnis auf Landesebene zum Mehrwert der St\u00e4dtepartnerschaften. Immerhin ist<br \/>\nBrandenburg mit 67 polnischen Partnergemeinden Spitzenreiter unter den deutschen<br \/>\nBundesl\u00e4ndern mit St\u00e4dtepartnerschaften im polnischen Nachbarland.<br \/>\nPositiv bemerkt wurde im Rahmen der Diskussion die Entscheidung des Landkreises<br \/>\nOberhavel, der eine Planstelle schuf und somit als einziger Landkreis einen hauptamtlich<br \/>\nZust\u00e4ndigen f\u00fcr st\u00e4dtepartnerschaftlichen Austausch mit Polen hat. So ist eine viel<br \/>\nbreitere Zusammenarbeit der Partnergemeinden vor allem unter Einbeziehung der<br \/>\nBereiche Kultur, Theater, Landfrauen, Museen, Feuerwehr auf Kreisebene m\u00f6glich<br \/>\ngeworden, die die Kooperation auf kommunaler Ebene erg\u00e4nzt.<br \/>\nDiesem Beispiel folgend k\u00f6nnten auch andere Landkreise das \u00fcbernehmen, was die<br \/>\nGemeinden nicht schaffen. Denn bisher, wurde moniert, sei es leider g\u00e4ngige Praxis,<br \/>\nden Aufgabenbereich St\u00e4dtepartnerschaft innerhalb der Verwaltungen dorthin zu<br \/>\n\u201eschieben\u201c, wo er am ehesten \u201ereinpasst\u201c. So koordinieren viele Verwaltungsmitarbeiter<br \/>\nin den Bereichen Kultur, Bildung oder Wirtschaft zus\u00e4tzlich st\u00e4dtepartnerschaftliche<br \/>\nZusammenarbeit, die deshalb oft zu kurz kommt. Allein in der Stadtverwaltung<br \/>\nNeuruppin gibt es (noch) eine eigene Stelle, f\u00fcr die Pflege und Koordinierung des<br \/>\nAustausches und der Zusammenarbeit mit den Partnerst\u00e4dten.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 19<br \/>\nD<br \/>\nZusammenarbeit in der Wirtschaft<br \/>\nGruppenmoderator Guido Noack, IHK Ostbrandenburg<br \/>\nErgebnisse der Arbeitsgruppe (Bericht von Guido Noack)<br \/>\nDie TeilnehmerInnen der vierten Arbeitsgruppe widmeten sich der Frage, wie<br \/>\nst\u00e4dtepartnerschaftlicher Austausch im wirtschaftlichen Bereich gestaltet werden kann.<br \/>\nIm Verlauf der Diskussion wurde deutlich, wie eng eine solide Wirtschaft mit der<br \/>\nPartnerschaftsf\u00e4higkeit einer Gemeinde zusammenh\u00e4ngt. Dabei spielen Einnahmen der<br \/>\nGemeinden durch Gewerbesteuer und der Finanzhaushalt an sich eine eher<br \/>\nuntergeordnete Rolle. Vielmehr geht der Aufrechterhaltung einer St\u00e4dtepartnerschaft<br \/>\ndas Vorhandensein eines vielf\u00e4ltigen Gemeindelebens voraus. Dieses ist von einer<br \/>\nlokalen Wirtschaft abh\u00e4ngig, die die Verkehrsanbindung und die demografische<br \/>\nSituation mitbestimmt, welche wiederum an die Verf\u00fcgbarkeit von Arbeitspl\u00e4tzen vor Ort<br \/>\ngekoppelt sind. Nur in Gemeinden, die ihren Einwohnern eine Lebensgrundlage bieten,<br \/>\nkann sich dar\u00fcber hinaus gesellschaftliches und eben st\u00e4dtepartnerschaftliches<br \/>\nEngagement entwickeln. Als besonders problematisch stellte sich hierbei heraus, dass<br \/>\ndie Generation der 20- bis 40-J\u00e4hrigen in strukturschwachen Gegenden unterrepr\u00e4sentiert<br \/>\nist. Die seit der Wende anhaltende Abwanderung erfasst auch diejenigen,<br \/>\ndie in der Region zwar eine Perspektive h\u00e4tten, diese jedoch nicht wahrnehmen. So<br \/>\nbleiben zunehmend vorhandene Azubi-Stellen unbesetzt, was sich wiederum negativ<br \/>\nauf den Nachwuchs der Unternehmen im l\u00e4ndlichen Raum auswirkt.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 20<br \/>\nSinkende Einwohnerzahlen beantworten die Verkehrsunternehmen mit Taktausd\u00fcnnungen<br \/>\noder Stilllegung ganzer Strecken, wodurch die Attraktivit\u00e4t l\u00e4ndlicher<br \/>\nRegionen weiter sinkt und sich eine Art Teufelskreis entwickelt. Auch die drohende<br \/>\nHerabstufung von Wasserstra\u00dfen zu touristischen Nebenstrecken senkt die<br \/>\nWirtschaftskraft der Grenzregion.<br \/>\nDabei sollte die geografische Randlage der Grenzregion nicht als Standortnachteil<br \/>\nhingenommen werden, sondern durch die Erschlie\u00dfung des benachbarten Wirtschaftsraums<br \/>\nzu einem Standortvorteil werden. Dazu geh\u00f6rt vor allem auf deutscher Seite die<br \/>\nAusweitung des Polnischunterrichts, die im Idealfall zu besseren Berufsperspektiven in<br \/>\nder Heimatregion beitragen kann. Auch wirtschaftliche Unternehmen k\u00f6nnen von einer<br \/>\nst\u00e4rkeren Hinwendung zum Nachbarn und ganz besonders durch engere Zusammenarbeit<br \/>\nmit Unternehmen in der jeweiligen Partnerstadt profitieren und sich gegenseitig<br \/>\nerg\u00e4nzen, besonders dann, wenn potentielle Partner im eigenen Land in deutlich<br \/>\nweiterer Entfernung angesiedelt sind als polnische Nachbarunternehmen. Hierzu muss<br \/>\njedoch an der Infrastruktur nachgebessert werden. An erster Stelle stehen der Ausbau<br \/>\nvon (grenz\u00fcberschreitenden) Verkehrsverbindungen, die Errichtung von Br\u00fccken \u00fcber<br \/>\ndie Grenzfl\u00fcsse und wie erw\u00e4hnt bessere Sprachlernangebote um wirtschaftlichen<br \/>\nAustausch und Arbeitsmigration innerhalb der Grenzregion zu f\u00f6rdern und somit<br \/>\nweiterer Abwanderung vorzubeugen.<br \/>\nVor allem Berlin-nahe Gemeinden, die zwar wirtschaftlich und verkehrstechnisch besser<br \/>\ngestellt sein m\u00f6gen, sind von zunehmender Verarmung des Gemeindelebens betroffen.<br \/>\nSo entwickeln sich Gemeinden im Berliner Speckg\u00fcrtel zunehmend zu reinen Pendleroder<br \/>\nSchlafst\u00e4dten, mit denen sich die Einwohner nur schwerlich identifizieren k\u00f6nnen<br \/>\nund wo sie sich umso weniger einbringen. Mit dem \u00dcberangebot an Einkaufsm\u00f6glichkeiten<br \/>\nund Kulturveranstaltungen der benachbarten Gro\u00dfstadt k\u00f6nnen es nur wenige<br \/>\nGemeinden des Speckg\u00fcrtels aufnehmen, was zu einer Ver\u00f6dung des Einzelhandels<br \/>\nund einer \u00dcberalterung des Vereinslebens f\u00fchrt. Auch wenn Berlin-ferne Gemeinden<br \/>\ndeutlich weniger vom Zuzug aus der Gro\u00dfstadt profitieren, ist ihr Gemeindeleben oft<br \/>\nbesser aufgestellt: Sport- und Sch\u00fctzen-, Feuerwehr- und Kulturvereine tragen viel zur<br \/>\nVerwirklichung von St\u00e4dtepartnerschaften bei; zumindest dort wo eine solide Wirtschaft<br \/>\nden B\u00fcrgern eine Existenzgrundlage bietet. Als positiv f\u00fcr die lokale Wirtschaft und f\u00fcr<br \/>\ndie Au\u00dfendarstellung einer Gemeinde hat sich die Orientierung auf regional erzeugte<br \/>\nProdukte herausgestellt. Zu nennen sind herbei beispielsweise kleine (Kunst-<br \/>\n)Handwerksbetriebe, Hofl\u00e4den und Manufakturen (Seife, Textilien, Gebrauchsgegenst\u00e4nde<br \/>\naus Naturmaterialien&#8230;) mit Werkverkauf, Sch\u00fclerfirmen etc. Der Austausch von<br \/>\nlokal erzeugten Produkten st\u00e4rkt die regionale Identit\u00e4t und pr\u00e4gt den pers\u00f6nlichen<br \/>\nAustausch von Partnergemeinden.<br \/>\nErgebnisse der Paneldiskussionen<br \/>\nPanelzusammensetzung unver\u00e4ndert<br \/>\nDie Ideen der Arbeitsgruppe wurden in der Paneldiskussion aufgegriffen und weiter<br \/>\ngedacht. Besonderen Anklang fand die Idee, Unternehmer aus der Grenzregion<br \/>\nzusammenzubringen. Hier k\u00f6nnten die B\u00fcrgermeisterInnen, von denen viele<br \/>\nWirtschaftsstammtische organisieren, einen wichtigen Beitrag zur Vernetzung leisten.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 21<br \/>\nDoch auch so ist Deutschland bereits ein wichtiger Wirtschaftspartner f\u00fcr Polen,<br \/>\nzahlreiche Prozesse sind im Gang, sollten jedoch nicht einer zuf\u00e4lligen Entwicklung<br \/>\n\u00fcberlassen werden. Die Gestaltungsm\u00f6glichkeiten liegen ganz klar bei den<br \/>\nWirtschaftsunternehmen, die brach liegende Potentiale auf der jeweils andern Seite der<br \/>\nGrenze gewinnbringend nutzen k\u00f6nnen, w\u00e4hrend Gemeindevertreter oft deutlich<br \/>\nkleinere (finanzielle) Spielr\u00e4ume zum Ausbau der bi-nationalen Zusammenarbeit haben.<br \/>\nDennoch liegt es in der Hand der B\u00fcrgermeisterInnen, wirtschaftliche Themen zu<br \/>\n\u201epushen\u201c und an Wirtschaftsstammtischen zwischen Unternehmen zu vermitteln und<br \/>\nsich gleichzeitig f\u00fcr die Attraktivit\u00e4t des Wirtschaftsstandorts Grenzregion einzusetzen.<br \/>\nHier k\u00f6nnten Vertreter von Partnergemeinden enger zusammenarbeiten und den<br \/>\nWirtschaftsraum Grenzregion gemeinsam st\u00e4rken. Denn f\u00fcr die Schaffung attraktiver<br \/>\nRahmenbedingungen f\u00fcr Unternehmen braucht es den R\u00fcckhalt der Politik, beispielsweise<br \/>\nbeim Ausbau von Verkehrswegen. Die drohende Herabstufung der Oder und des<br \/>\nOder-Spree-Kanals zu einer touristischen Ausflugsstrecke sollte insofern auf jeden Fall<br \/>\n\u00fcberdacht werden, da eine massive Schw\u00e4chung der Wirtschaft im ostbrandenburgischen<br \/>\nRaum zu erwarten ist. Hier sollte sich auch die polnische Seite zu Wort<br \/>\nmelden und auf die Entscheidungstr\u00e4ger einwirken. Zur Erhaltung vorhandener und<br \/>\nSchaffung neuer Verkehrswege haben die Kommunen eine Schl\u00fcsselrolle inne, der sie<br \/>\njedoch einzeln nicht gerecht werden k\u00f6nnen. Umso wichtiger ist das Auftreten im<br \/>\nVerbund, noch wichtiger die Beteiligung polnischer Interessenpartner, idealerweise<br \/>\nmittels R\u00fcckgriff auf bereits vorhandene Kooperationen zwischen Partnerst\u00e4dten. Auch<br \/>\nder EVTZ sollte verst\u00e4rkt in den Blick genommen werden.<br \/>\nDer EVTZ erm\u00f6glicht den Regionen n\u00e4mlich unabh\u00e4ngig vom Kurs der Landespolitik<br \/>\nund den Projekten der Euroregionen lokales grenz\u00fcberschreitendes Agieren. Als<br \/>\nerfolgversprechendes Beispiel ist hier die Wiederbelebung der Ostbahn, also der<br \/>\nEisenbahnverbindung von Berlin nach Gorz\u00f3w hervorzuheben,<br \/>\nDie Geburtenrate in Polen ist noch niedriger als die in Deutschland. Die Arbeitsmigration<br \/>\nRichtung Deutschland versch\u00e4rft das demografische Problem weiter, weshalb<br \/>\ndas Werben von Arbeitskr\u00e4ften und Azubis f\u00fcr den deutschen Ausbildungs- und<br \/>\nArbeitsmarkt bei unseren Nachbarn zunehmend kritisch wahrgenommen wird.<br \/>\nDamit stehen die Regionen vor gro\u00dfen wirtschaftlichen Herausforderungen, die die zur<br \/>\nVerf\u00fcgung stehenden Ressourcen zur Aufrechterhaltung von St\u00e4dtepartnerschaften<br \/>\nzwar gef\u00e4hrden, jedoch die Grenzregion insofern n\u00e4her zusammenbringen, als sich auf<br \/>\nbeiden Seiten der Oder \u00e4hnliche Entwicklungen vollziehen. Darin liegt eine Chance,<br \/>\ngemeinsame L\u00f6sungen f\u00fcr gemeinsam Probleme zu finden. Ein Netzwerk von<br \/>\nExpertinnen und Experten k\u00f6nnte dazu beitragen, dass Zukunftstendenzen fr\u00fchzeitig<br \/>\nsichtbar gemacht werden. Vorreiter der Erschlie\u00dfung eines grenz\u00fcberschreitenden<br \/>\nWirtschaftsraumes ist beispielsweise der monatlich in Szczecin\/Stettin stattfindende<br \/>\nDeutsch-Polnische Wirtschaftskreis der IHK Neubrandenburg.<br \/>\nUnabdingbar f\u00fcr den angestrebten gemeinsamen Arbeitsmarkt ist gemeinsame Bildung.<br \/>\nIn diesem Bereich nimmt Stettin eine Leuchtturmfunktion unter den St\u00e4dten der<br \/>\nGrenzregion ein, beispielsweise in der Ausbildung von \u00c4rzten. Zwar streben Stettiner<br \/>\nAbsolventinnen und Absolventen in zunehmendem Ma\u00dfe auf den norwegischen<br \/>\nArbeitsmarkt, dennoch werden auch die Deutschkurse an der Universit\u00e4t weiter<br \/>\nausgebaut.<br \/>\nSt\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr nachhaltige Kooperation Tagungsdokumentation 22<br \/>\nDer Gro\u00dfraum Stettin ist au\u00dferdem Schauplatz f\u00fcr einen deutsch-polnischen Austausch<br \/>\ndemografischer Art. So ist zwar ein stetiger R\u00fcckgang der Einwohnerzahl in Stettin zu<br \/>\nbeobachten, die deutsche Nachbargemeinde L\u00f6cknitz hingegen profitiert vom Zuzug<br \/>\npolnischer Pendler, die ihren Wohnsitz ins deutsche Umland verlegen. Auch wenn noch<br \/>\nnicht von einem Massenph\u00e4nomen gesprochen werden kann, so ziehen mehrere<br \/>\nGemeinden in Vorpommern und Brandenburg Gewinn aus der N\u00e4he zu Stettin \u00e4hnlich<br \/>\nwie die im Berliner Speckg\u00fcrtel. Auf diese Weise konnten Schulen, die wegen<br \/>\nr\u00fcckl\u00e4ufiger Sch\u00fclerzahlen zun\u00e4chst geschlossen werden sollten, doch weiter betrieben<br \/>\nsowie lange leerstehende Wohnh\u00e4user erhalten und Infrastruktur wiederbelebt werden.<br \/>\nGrenz\u00fcberschreitende Ph\u00e4nomene wie dieser \u201epositive Nebeneffekt\u201c des verst\u00e4rkten<br \/>\nZuzugs ins Stettiner Umland, sollten nicht allein dem Zufall \u00fcberlassen, sondern aktiv<br \/>\nmitgestaltet werden. Dazu sollten vorhandene St\u00e4dtepartnerschaften mit besonderem<br \/>\nAugenmerk auf die Wirtschaftsentwicklung in ihrer Region weiter ausgebaut werden<br \/>\nund auf regionaler, grenz\u00fcberschreitender Ebene verst\u00e4rkt f\u00fcr gemeinsame wirtschaftliche<br \/>\nInteressen eintreten.<br \/>\nWie geht es weiter?<br \/>\nIhre Anregungen werden wir aufgreifen, z.B. die Karte der St\u00e4dtepartnerschaften in der<br \/>\nGrenzregion, und versuchen, sie zu realisieren. Das damit angestrebte Ziel einer<br \/>\nst\u00e4rkeren Vernetzung und besseren Informationsaustauschs l\u00e4sst sich auch durch den<br \/>\nZugang zu Ihren Kontaktdaten unterst\u00fctzen. Wir werden Sie per Mail um Ihre<br \/>\nZustimmung bitten. Auch die Umsetzung des Vorschlags, eine weitere Tagung zu<br \/>\norganisieren und den Europabezug zu st\u00e4rken, werden wir pr\u00fcfen. Vorstellbar w\u00e4re<br \/>\neine tri-nationale Veranstaltung mit Deutschland, Polen und Frankreich zum Beispiel.<br \/>\nAllerdings sind die finanziellen H\u00fcrden bei einem solchen Vorhaben sehr hoch. Auch<br \/>\ndas angesprochene Netzwerk von Expertinnen und Experten, das Zukunftstendenzen<br \/>\nin der Grenzregion fr\u00fchzeitig bekannt machen soll, ist ein interessanter Vorschlag. Wie<br \/>\nnach der Tagung zu erfahren war, erarbeitet der Raumordnungsausschuss der<br \/>\nDeutsch-Polnische-Regierungskommission ein &#8220;Zukunftskonzept f\u00fcr den deutschpolnischen<br \/>\nVerflechtunqsraum 2030&#8221;. Dieses Raumordnungskonzept soll bis Ende<br \/>\n2016 vorliegen. Man darf gespannt sein, welche M\u00f6glichkeiten und konkreten<br \/>\nMa\u00dfnahmen sich daraus ergeben.<br \/>\nEin Thema ist in allen Arbeitsgruppen angesprochen wurden: das Erlernen der<br \/>\npolnischen Sprache. Hier wird die DPG weiter dran bleiben und daf\u00fcr werben, dass der<br \/>\nPolnischunterricht an mehr brandenburgischen Schulen erm\u00f6glicht wird.<br \/>\nZum Schluss eine Bitte: Bleiben oder werden Sie unsere Partner beim Erhalt und<br \/>\nAusbau der Kommunalpartnerschaften zwischen Brandenburg und Polen. Das ist eine<br \/>\nwichtige Aufgabe im Interesse der Zivilgesellschaften beider L\u00e4nder.<br \/>\nKontaktadresse: frank.kupferschmidt@dpg-brandenburg.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Tagung der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Brandenburg e.V. in Zusammenarbeit mit dem Ministerium der Justiz und f\u00fcr Europa und Verbraucherschutz Gef\u00f6rdert von der Brandenburgischen Landeszentrale f\u00fcr politische Bildung St\u00e4dtepartnerschaften \u2013 Baustein f\u00fcr [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[159,142],"tags":[],"class_list":["post-1445","post","type-post","status-publish","format-standard","category-dpg-brandenburg","category-fremdbeitrag","czr-hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1445","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1445"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1445\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1445"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1445"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1445"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}