{"id":220,"date":"1997-07-05T10:22:29","date_gmt":"1997-07-05T08:22:29","guid":{"rendered":"http:\/\/aktuell.dpg.hamburg\/?p=220"},"modified":"2018-01-08T17:45:00","modified_gmt":"2018-01-08T16:45:00","slug":"festschrift-zum-25-jubilaeum-der-dpg-hamburg","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/Beitr\u00e4ge\/dpg-hamburg\/festschrift-zum-25-jubilaeum-der-dpg-hamburg\/","title":{"rendered":"Festschrift zum 25. Jubil\u00e4um der DPG Hamburg 1972-1997"},"content":{"rendered":"<p>DPG-Geschichte-Jochimsen<br \/>\nDeutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg<br \/>\n&#8211; eine ganz pers\u00f6nliche R\u00fcckschau<\/p>\n<p>Autor: Hanno Jochimsen<\/p>\n<p>1. D\u00e4nen und Polen &#8211; 1972<br \/>\n2. \u00dcberparteilich 1972\/3<br \/>\n3. Sprachlosigkeit 1973<br \/>\n4. Wo ankn\u00fcpfen? 1973\/4<br \/>\n5. Erster Besuch in Warschau 1974<br \/>\n6. Hilfreicher Gespr\u00e4chspartner 1974<br \/>\n7. Zusammenarbeit 1974\/5<br \/>\n8. &#8220;Die Wacht am Rhein&#8221; 1974\/8<br \/>\n9. \u00dcberraschendes Angebot 1974<br \/>\n10. Gro\u00dfe Verhandlungsrunde 1974<br \/>\n11. Das polnische Konzept 1975<br \/>\n12. Blitzreise nach Danzig 1975<br \/>\n13. Aufgaben f\u00fcr die Mitglieder 1975<br \/>\n14. Drei Gespr\u00e4che 1975<br \/>\n15. Mediensperre 1975<br \/>\n16. Besuch beim alten Partner 1976<br \/>\n17. Hamburg keine Partnerin 1976<br \/>\n18. Gespr\u00e4che in Danzig 1976\/7<br \/>\n19. Schwieriges Verhandeln 1977<br \/>\n20. Erlebnisse in Danzig 1977<br \/>\n21. Kein Ansatzpunkt danach 1977\/9<br \/>\n22. Suche nach Kontakten 1978\/9<br \/>\n23. Unerwartetes Gespr\u00e4ch 1979<br \/>\n24. Ein Jugendwerk 1979\/80<br \/>\n25. Besuch aus Polen 1979\/80<br \/>\n26. Forum in Darmstadt 1980<br \/>\n27. &#8220;Polnischer Herbst &#8217;81&#8221; 1981<br \/>\n28. Kriegsrecht 1981\/3<br \/>\n29. Erneut in Warschau 1983<br \/>\n30. Langsamer Wandel 1984<br \/>\n31. Forum in Krakau 1985<br \/>\n32. &#8220;Dialog&#8221; 1985\/6<br \/>\n33. Einzelg\u00e4nger 1985\/9<br \/>\n34. Durchbruch 1988<br \/>\n35. Gedenktag 1989<br \/>\n36. Besuch bei Walesa 1989<br \/>\n37. Die Wende 1989<br \/>\n38. Sitzung in Stettin 1991<br \/>\n39. Lohnte sich die Arbeit?<\/p>\n<p>1. D\u00e4nen und Polen<br \/>\nIm Januar 1971 &#8211; wenige Wochen nach der Unterzeichnung des Warschauer Vertrags vom Dezember 1970 &#8211; standen ganz unangemeldet Gerd Hoffmann und Friedrich Riethm\u00fcller in meinem Zimmer im Rathaus und erkl\u00e4rten,\u00a0 soeben h\u00e4tte der damalige Zweite B\u00fcrgermeister und Schulsenator Peter Schulz die Schirmherrschaft \u00fcber die bald zu veranstaltenden &#8220;Polnischen Tage&#8221; \u00fcbernommen. Es sei nun meine Pflicht als stellvertretender Pressesprecher,\u00a0 ihnen bei der Pressearbeit zu helfen.<br \/>\nEs war der Anfang einer wechselvollen gemeinschaftlichen Friedensarbeit. Irgendwie entstand ein Vertrauen zwischen uns. Gerade unsere so unterschiedlichen pers\u00f6nlichen Hintergr\u00fcnde lie\u00dfen die Zusammenarbeit fruchtbar werden. Als Grenzlandbewohner im Landesteil Schleswig &#8211; und Angeh\u00f6riger des ersten &#8220;wei\u00dfen&#8221; Jahrgangs 1930 &#8211; f\u00fchlte ich mich fr\u00fch in die deutsch-d\u00e4nischen Grenzauseinandersetzungen der ersten Nachkriegsjahre einbezogen. Ihnen fehlten &#8211; Gott sei Dank &#8211; die Sch\u00e4rfe der deutsch-polnischen Auseinandersetzungen vor 1939. Schlie\u00dflich gen\u00fcgte es, beim Aufeinanderprallen von zwei Demonstrationsz\u00fcgen in Flensburg im September 1948 eine Schaufensterscheibe einzuschlagen, um die Polizei zu rufen, die den ganzen Spuk in wenigen Sekunden hinwegzauberte.<br \/>\nDas Krachen der Scheibe, das mich als Signal der Gewaltt\u00e4tigkeit erschrecken lie\u00df, mu\u00df auch in Kopenhagen geh\u00f6rt worden sein. Knapp zwei Jahre sp\u00e4ter wurde ich von Mellemfolkeligt Samvirke, Kopenhagen, zu einem deutsch-d\u00e4nischen Jugendlager in Kiel eingeladen. Es war der &#8220;Zwischenv\u00f6lkischen Zusammenarbeit&#8221; gelungen, viele &#8220;Streith\u00e4hne&#8221; beider Nationalit\u00e4ten von jeweils beiden Seiten der Grenze zu gemeinsamer Arbeit und<br \/>\ngemeinsamen Diskussionen f\u00fcr einen ganzen Monat zu versammeln. Hier lernte ich, Frieden \u00fcber die Grenze zu schlie\u00dfen &#8211; ein Erlebnis, das ich schlie\u00dflich in meiner Dissertation aufarbeitete &#8211; und das mich noch immer besch\u00e4ftigt.<br \/>\nGeschichtlich waren die Auseinandersetzungen in Schleswig um die Jahrhundertwende nur aus der preu\u00dfischen Politik gegen\u00fcber den Polen in Schlesien und Posen zu verstehen. Schlie\u00dflich waren D\u00e4nen und Polen die beiden Minderheiten, die den Gebietsstand Preu\u00dfensangriffen und gegen die es sich wehrte.<br \/>\nDas Begehren der beiden, die in mein Zimmer getreten waren, traf bei mir also auf einiges historisches Wissen \u00fcber deutsch-polnische Zusammenh\u00e4nge und auf den Wunsch, nun nicht nur gegen\u00fcber dem Nachbarn im Norden, sondern auch gegen\u00fcber dem im Osten die Grenzen abzubauen. Jahrelange Verst\u00e4ndigungsarbeit zwischen den Nationen in den USA und an Bord von Fl\u00fcchtlingsschiffen auf dem Atlantik hatten einen Erfahrungsschatz geschaffen, auf dem ich ebenfalls vertrauen konnte. Schlie\u00dflich wu\u00dfte ich, da\u00df Nationen nicht weggezaubert werden k\u00f6nnen, wie die vor uns lebende Generation wohl gemeint haben mu\u00df und dabei V\u00f6lkermord als<br \/>\nselbstverst\u00e4ndlich ansah &#8211; da\u00df die Polen also immer Nachbarn der Deutschen und die Deutschen selber nur eine begrenzte &#8211; wenn auch unbestimmte &#8211; Zeit geteilt sein w\u00fcrden.<br \/>\nDie Polnischen Tage in Hamburg 1971 hatten Appetit auf das Land gemacht. Meine damalige Frau und ich beschlossen, so bald wie m\u00f6glich nach Polen zu reisen. Das Land hatte ich bereits zweimal aus dienstlichen Gr\u00fcnden besucht. Im Jahre 1962 die Posener Messe und 1963 die Hafenstadt Danzig. Es waren aber immer nur kurze Reisen gewesen. Nach der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages &#8211; aber vor seiner Ratifizierung &#8211; waren f\u00fcr Deutsche Gruppenreisen m\u00f6glich. F\u00fcr die Polen war es eine Zeit der vorsichtigen Ann\u00e4herung: Gruppen ja, Einzelne nein. So schlossen wir uns &#8220;Dr. Tigges&#8221; an und fuhren vierundzwanzig Tage mit dem Bus durch das ganze Land. Es wurde eine Fahrt ohne jeden Stress. Sp\u00e4ter ist mir nie mehr m\u00f6glich gewesen, so ohne jeden Termindruck und ohne Verpflichtungen durch das Land zu fahren. Wir genossen die K\u00fcche &#8211; damals waren Lebensmittel anscheinend noch nicht knapp. Wir bewunderten die kulturellen Sch\u00e4tze, die die Kriegswirren \u00fcberlebt hatten. Wir waren von dem Ausma\u00df an k\u00fcnstlerischer Freiheit beeindruckt. Wenn man zuvor intensiv die Sowjet-Union bereist hatte, war man verbl\u00fcfft \u00fcber den polnischen &#8220;sozialistischen Realismus&#8221;, der sich &#8211; zumindest &#8211; vor unseren Augen verbarg. Wir erlebten ein gro\u00dfes Ausma\u00df an k\u00fcnstlerischer und individueller Freiheit. Hinzukam eine Offenheit und Herzlichkeit bei den Menschen, die uns begneten, f\u00fcr die ein Beispiel stehen mag: Die Hamburger Veranstaltung im Jahre 1971 hatte f\u00fcr die polnische Agentur INTERPRESS, eine staatliche oder<br \/>\nhalbstaatliche Organisation, deren damaliger Chefredakteur Henryk Tycner betreut. Wir waren \u00fcbereingekommen, da\u00df, wenn ich einmal nach Polen k\u00e4me, ich ihm doch Nachricht geben solle. Vor Abfahrt nach Polen schrieb ich also eine Postkarte, da\u00df wir an einem bestimmten Tage Warschau besuchen w\u00fcrden. Da ich nichts geh\u00f6rt hatte, meinte ich die Sache auf sich beruhen lassen zu sollen. Aber es kam anders. Als wir nach einer Besichtigung des Schlosses Wilan\u00f3w in der &#8220;Schmiede&#8221; einem bekannten Restaurant sa\u00dfen, erschien Henryk Tycner mit Irena Poszajska, ebenfalls von INTERPRESS, voller Vorw\u00fcrfe, da\u00df man uns nicht vorher gefunden h\u00e4tte und dabei h\u00e4tte man doch alle Grenzstationen telefonisch abgefragt. Nur der Tatsache, da\u00df das Sammelvisum f\u00fcr alle vierundzwanzig Businsassen aus einem r\u00e4tselhaften Grund in meinem Pa\u00df eingetragen war, hatten wir es also den mitt\u00e4glichen Besuch zu verdanken. Wir haben anschlie\u00dfend Stunden und Stunden im Gespr\u00e4ch miteinander verbracht. Es endete schlie\u00dflich um vier Uhr morgens in der Bar des Hotel Europejski. So intensive Gespr\u00e4che waren wir aus Deutschland nicht mehr gew\u00f6hnt. &#8211; Heute begegne ich ab und zu dem Sohn, Janusz Tycner. Die Erinnerung an diese Begegnung ist immer noch lebendig und gegenw\u00e4rtig.<br \/>\nVerst\u00e4ndigung mit Polen suchen, wollte ich nicht nur, weil ich dieses Land, seine Kultur und seine Menschen sch\u00e4tzen gelernt hatte, sondern auch, um dem eigenen Land zu helfen. Ohne den Frieden mit Polen war kein dauerhafter Frieden f\u00fcr die Deutschen zu erwarten und eine Wiederholung der Ereignisse der letzten zwei Jahrhunderte &#8211; von den Teilungen Polens bis zum Vernichtungsangriff 1939 &#8211; nicht auszuschlie\u00dfen. Sodann konnte man beim Aufbau der Beziehungen zu Polen langfristig und in historischer Sicht etwas sinnvolles gegen die Teilung des eigenen Landes tun. Das hat zu jener Zeit kaum jemand gesehen &#8211; auch nicht der Erste B\u00fcrgermeister Peter Schulz &#8211; als er vom Vorstand der Gesellschaft Oswald Beck, den leider inzwischen verstorbenen fr\u00fcheren CDU-B\u00fcrgerschaftsabgeordneten, Friedrich Riethm\u00fcller sowie Gerd Hoffmann &#8211; beide SPD &#8211; und mich &#8211; damals F.D.P. &#8211; im Rathausehrenhof traf und fragte: &#8220;Was ist dies f\u00fcr eine seltsame Koalition?&#8221; Und als ich bei etwas sp\u00e4terer Gelegenheit vom gemeinsamen Engagement f\u00fcr den Frieden mit Polen sprach, antwortete er etwas leise: &#8220;Es sind doch alles Bolschewisten &#8211; was wollen Sie da?&#8221;<\/p>\n<p>2. \u00dcberparteilich<br \/>\nDa aber hatten wir schon unsere ersten Schritte gemacht und sahen eine Perspektive. Zun\u00e4chst war es darum gegangen, den moralisch-ethischen Anspruch unserer Gesellschaft zu formulieren. &#8220;Wir rufen auf zum Frieden mit Polen!&#8221; entstand in der Wohnung von Annaliese Wulf, die zusammen mit Gerd Hoffmann Motor des Deutsch-Polnischen Arbeitskreises &#8211; dem Vorg\u00e4nger unserer Gesellschaft &#8211; gewesen war (abgedruckt im Anhang). Dort haben wir um die richtigen Worte hart gerungen, zugleich aber auch gemerkt, wie weitgehend wir &#8211; trotz ganz unterschiedlicher politischer Hintergr\u00fcnde &#8211; \u00fcbereinstimmten. Leider verlie\u00df Annaliese Wulf, die als Reiseschriftstellerin f\u00fcr den Frieden zwischen Deutschen und Polen Feuer gefangen hatte, sehr bald Hamburg und trat bei der Wahl des ersten regul\u00e4ren Vorstandes auch nicht mehr an. Diese aber endete mit einer \u00dcberraschung und verbreiterte die Basis der Gesellschaft ganz erheblich. Im Verlaufe der Versammlung kritisierte Oswald Beck die f\u00fcr ihn einseitige politische Zusammensetzung des Gr\u00fcndungsvorstandes. Der Verweis auf<\/p>\n<p>mich, der ich inzwischen mitgearbeitet h\u00e4tte, vermochte ihn ebenfalls nicht zu beruhigen, weil ich doch zum Koalitionspartner in Bonn und Hamburg z\u00e4hlte. Die Versammlung begriff die Chance, eine wichtige politische Gruppe zu integrieren und w\u00e4hlte ihn in den Vorstand. Wir haben harmonisch \u00fcber die Parteigrenzen zusammengearbeitet, wenn wir auch niemals Beschl\u00fcsse gefa\u00dft haben, die die Schmerzgrenze bei einem von uns angetastet h\u00e4tte.<br \/>\nVorgef\u00fchrt, solche Beschl\u00fcsse zu fassen, wurden wir h\u00e4ufig genug, sowohl aus DKP beeinflu\u00dften deutschen als auch aus polnischen Ecken. Das hat manchmal Ungeduld unter den Mitgliedern geschaffen. Der gegen\u00fcber galt es aber standzuhalten, denn unsere breite Basis war und ist das wichtigste Gut f\u00fcr das Handeln der Gesellschaft und bewahrte sie vor innerpolitischen Angriffen. Zudem war die Zusammenarbeit mit dem aus Bielitz (Bielsko-Biaa)<br \/>\nstammenden Oswald Beck, der sich \u00fcber polnische Familienangeh\u00f6rige emp\u00f6rt hatte, deshalb vertrieben wurde, aber nun den pers\u00f6nlichen Frieden suchte, au\u00dfergew\u00f6hnlich fruchtbar. Er kannte die polnische Psyche. Von ihm haben wir viel gelernt.<\/p>\n<p>3. Sprachlosigkeit<br \/>\nKurze Zeit nach meiner Wahl zum Vorsitzenden erreichte mich die Bitte eines mir bis dahin unbekannten Jan Dolny, ihm bei der Ausrichtung einer deutsch-polnischen Veranstaltung in der katholischen Kirche in Hamburg-Hamm zu helfen. Ich bot ihm einen Vortrag mit Dias an, die ich w\u00e4hrend einer der ersten Polenreisen mit &#8220;Dr.Tigges&#8221; im Juni 1971 aufgenommen hatte. Es war eine der ersten in das Nachbarland \u00fcberhaupt gewesen, und Dias \u00fcber<br \/>\nPolen hatten Seltenheitswert. Was ich jedoch in Hamm antraf, hat mich tief ersch\u00fcttert: Der erst 1957 und nach seiner polnischen Schulausbildung aus Schlesien ausgesiedelte Schiffbauer Jan hatte es aus eigener Berufung \u00fcbernommen, die neuen Generationen von ausgesiedelten Jugendlichen zu betreuen, die im Aufnahmelager Finkenwerder lebten. Nun waren sie f\u00fcr einen Nachmittag nach Hamm gekommen und hatten in einem Kellerraum der Kirche eine Ausstellung von Postkarten arrangiert. F\u00fcr jede der damaligen Wojwodschaften war eine kleine Kabine geschaffen worden, in der die nur polnisch sprechenden Deutschen jeweils &#8220;ihre&#8221; Wojwodschaft mit Postkarten dargestellt hatten. Auf der anderen Seite des Kellergangs machten sich der polnischen Minderheit angeh\u00f6rende &#8211; und unter sich nur deutsch sprechende &#8211; Jugendliche f\u00fcr einen Volkstanzauftritt mit ihrer Billstedter Gruppe &#8220;Krakowiak&#8221; fertig. \u00dcber den Kellergang fanden keine Gespr\u00e4che statt. Die Atmosph\u00e4re war voller Ha\u00df. Man h\u00f6rte Warnungen vor einander &#8211; in deutsch vor den Deutschen, in polnisch vor den Polen. Eine seltsame Welt, die jedoch die Beziehungen zu Jan Dolny auf der einen Seite &#8211; der bald ein Mitstreiter in der Gesellschaft wurde &#8211; und zur polnischen Minderheit andererseits wachsen lie\u00df. Das Erlebnis zeigte, welche Aufgaben uns in Hamburg erwarteten.<\/p>\n<p>4. Wo ankn\u00fcpfen?<br \/>\nWas tut man aber nun mit einer Gesellschaft, die Beziehungen zu Polen will, wenn es keinen Ansatz gibt, im &#8211; durch den Kordon der DDR abgeschirmten &#8211; Nachbarland \u00fcberhaupt geh\u00f6rt zu werden? Nach den 25 Jahren des Schweigens von 1945 bis 1970 zwischen beiden V\u00f6lkern, der &#8220;Hallstein-Doktrin&#8221;, dem gegenseitigen Mi\u00dftrauen und den Unterschieden in den Gesellschaftsordnungen, gab es keine eingefahrenen Wege, auf denen sich so einfach Kontakte kn\u00fcpfen lie\u00dfen. Der neue Vorstand &#8211; allen voran sein unerm\u00fcdlicher Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Gerd Hoffmann &#8211; machte sich daran, zu jeder Gruppe aus Polen, die Hamburg besuchte, Kontakt aufzunehmen und sie zu einem Gespr\u00e4ch bei bescheidenem<br \/>\nKaffee und trockenem Kuchen einzuladen und dabei die Gesellschaft vorzustellen. Dieses Vorgehen trug nach einiger Zeit Fr\u00fcchte. Irgendwie hatte es sich wohl in Polen herumgesprochen, da\u00df es da in Hamburg eine bemerkenswerte Gruppe gab.<br \/>\nAnkn\u00fcpfen konnten wir dabei au\u00dferdem an die Kontakte, die Otto Wagner als Stellvertretender Leiter des Studienseminars und sp\u00e4teren Instituts f\u00fcr Lehrerfortbildung geschaffen hatte. Mit der polnischen Lehrergewerkschaft war der j\u00e4hrliche Austausch von Reisegruppen schon gegen 1964 vereinbart worden. Wir gaben f\u00fcr die polnische Reisegruppe einen Empfang. Den ersten, aus dem sich eine jahrelange Tradition entwickelte. Lehrer sind schlie\u00dflich f\u00fcr das Verh\u00e4ltnis zwischen V\u00f6lkern ganz besondere Multiplikatoren.<br \/>\nGeholfen hat uns ebenfalls die Katholische Akademie Hamburg mit ihrem Direktor G\u00fcnter Gorschenek, der uns oft einlud, wenn er polnische G\u00e4ste hatte. Die Akademie war &#8211; wie wir bald herausfanden &#8211; der Anlaufpunkt f\u00fcr den nach oder \u00fcber Hamburg reisenden polnischen Klerus. Unter den G\u00e4sten waren ebenfalls h\u00e4ufig Professoren der Katholischen Universit\u00e4t Lublin, unter ihnen Professor Nossol, der heutige Erzbischof von Oppeln. Voller Abenteuer waren die Erlebnisse, die sich aus der Bitte einer Hamburger Galerie ergaben, in die Ausstellung der polnischen K\u00fcnstlerin Alicja Wahl einzuf\u00fchren. Nach einem langen Gespr\u00e4ch mit der K\u00fcnstlerin \u00fcberraschte die Vernisage. Sie war zu einem Treffen der von Kopenhagen bis nach Paris verstreuten j\u00fcdischen Exilanten geworden, die Polen 1968 \/69 verlassen mu\u00dften und nun Wiedersehen mit ihrer Freundin feierten.<br \/>\nEin anderer Ansatzpunkt, die Aufgaben der Gesellschaft zu erf\u00fcllen, war, die Hamburger mit dem Nachbarland, seinen Menschen, seinen Problemen, seiner Geschichte und ebenfalls den erschreckenden Hinterlassenschaften des Nazi-Terrors vertraut zu machen.<br \/>\nDazu wollten wir Reisen organisieren. Alle waren wir begeistert von Fahrten nach Polen zur\u00fcckgekommen, fasziniert von der Feinf\u00fchligkeit, mit der man uns begegnet war, bereichert von der Kreativit\u00e4t in allen k\u00fcnstlerischen Bereichen und etwas benommen von der trotz widriger Umst\u00e4nde sp\u00fcrbaren Lebensfreude und Gastfreundschaft dieses Volkes.<br \/>\nDas Projekt einer gemeinsamen Busreise nach Polen wurde sofort begonnen. Im politischen Bereich wurde diskutiert, da\u00df es nicht nur Reisen des damaligen Kuratoriums f\u00fcr politische Bildung nach Israel, sondern auch solche nach Polen geben sollte. Schlie\u00dflich w\u00fcrden sich die dortigen Verh\u00e4ltnisse im gleichen Ma\u00dfe auf die innerhamburgische Politik auswirken wie die in Israel. Das Kuratorium beschlo\u00df deshalb, sich mit einem ansehnlichen Kontingent von Teilnehmern und Teilnehmerinnen an der Fahrt zu beteiligen &#8211; schon um Erfahrungen f\u00fcr k\u00fcnftige Reisen zu sammeln.<br \/>\nDa das Kuratorium selbstverst\u00e4ndlich alle politischen Gruppierungen in der Stadt zu ber\u00fccksichtigen hatte, waren diese auch im Autobus vertreten, mit dem wir &#8211; die S\u00fcdroute &#8211; \u00fcber Breslau und Krakau nach Warschau und \u00fcber Posen zur\u00fcck fuhren. Auf welch Widerst\u00e4nde ich als Reiseleiter stie\u00df, zeigte sich beim ersten politischen Treffen in Czstochowa \/Tschenstochau:<br \/>\nWer die Volksrepublik Polen etwas kannte, wu\u00dfte, da\u00df hier die damals einzige Opposition sa\u00df, mit der man sprechen konnte, wenn man denn in die Klausur des Klosters eingelassen wurde. Vorbereiten lie\u00df sich ein solcher Besuch nicht, denn die Telefone wurden selbstverst\u00e4ndlich abgeh\u00f6rt. In das Programm konnte ein solcher Besuch auch nicht aufgenommen werden, weil man nicht wu\u00dfte, ob das Kloster einen aufnehmen w\u00fcrde, und weil ein<br \/>\nsolcher Programmeintrag die Gespr\u00e4chspartner gef\u00e4hrdet h\u00e4tte.<br \/>\nBemerkenswert war, wie leicht wir vor dem Klausurbesuch den polnischen Begleiter unter einem fadenscheinigen Vorwurf los wurden, und wie schwer es war, einige der eigenen Teilnehmer zu beruhigen. Aus grunds\u00e4tzlichen Gr\u00fcnden lehnten sie jede Art von Weihrauch und Ber\u00fchrung mit der katholischen Kirche ab und empfanden es als eine Zumutung, mit dem konfessionsneutralen Kuratorium in ein Kloster verschleppt zu werden. Wer jedoch<br \/>\nteilnahm, erfuhr etwas \u00fcber die Akzeptanz &#8211; oder besser die Nichtakzeptanz &#8211; des Regimes durch die Bev\u00f6lkerung, denn das Kloster verf\u00fcgte \u00fcber eine effiziente soziologische Forschungsabteilung. Bei ihren Befragungen konnte sie auf alle Kirchengemeinden des Landes zur\u00fcckgreifen. Mehr und mehr best\u00fcrzt von dem, was sie w\u00e4hrend der Fahrt erlebten, war das Ehepaar Lisi und Adolf Vogel. Sie hatte schon seit einiger Zeit vergeblich versucht, f\u00fcr die Hamburger Frauenverb\u00e4nde eine Fahrt nach Polen zu organisieren, was ihr aber stets von der K\u00f6lner Botschaft abgelehnt wurde. Er, der Historiker, erfuhr, wie sehr die gemeinsame Geschichte, das Deutschlandbild der Polen pr\u00e4gte, und wie wenig \u00fcber die polnische Geschichte von seiner Generation gelehrt worden war. Beide haben sich danach der Arbeit der Gesellschaft gewidmet &#8211; sie immer einsatzbereit im Vorstand und er mit Vortragszyklen zur polnischdeutschen Geschichte.<\/p>\n<p>5. Erster Besuch in Warschau<br \/>\nIn Warschau wurde die Gruppe im Au\u00dfenministerium empfangen, wo der zust\u00e4ndigen Abteilungsleiter einen Vortrag \u00fcber die polnische Deutschlandpolitik hielt. Verbl\u00fcfft war ich, als er von drei Objekten dieser Politik sprach, n\u00e4mlich der DDR, der\u00a0 Bundesrepublik und &#8220;Deutschland als Ganzem&#8221;, ein Begriff, der im Osten eigentlich verp\u00f6nt war. Irgendwie mu\u00df der Diplomat seiner Zeit zu weit voraus gewesen sein, denn kurze Zeit sp\u00e4ter erfuhren wir, da\u00df er als Botschafter nach Tunis gegangen sei. Besuche im polnischen Au\u00dfenministerium sollten in den n\u00e4chsten zehn Jahren an der Tagesordnung bleiben. Schlie\u00dflich wurde dort bestimmt, ob und zu welchen Zwecken wir einreisen durften. Ein Visa zu erhalten, war keine Selbstverst\u00e4ndlichkeit. Regelm\u00e4\u00dfig haben wir aber auch immer die Botschaft der Bundesrepublik im Stadtteil Praga besucht &#8211; schon um zu informieren und keinen Verdacht im eigenen Land aufkommen zu lassen. W\u00e4hrend dieser ersten Reise trafen wir auf den jungen Legationsrat Frank Elbe, damals II. Sekret\u00e4r an der Botschaft, der es heute bis zu den h\u00f6chsten Positionen im Ausw\u00e4rtigen Amt geschafft hat. Im kleinen Kreis sagte er damals: Sie werden es schwer haben, Gespr\u00e4chspartner in diesem Land zu finden. Ein Satz, der mir sehr Erinnerung geblieben ist, weil er nicht nur unsere Situation, sondern in jener krisenhaften Zeit &#8211; Helsinki mit dem Gierek-Schmidt-Abkommen war noch fern &#8211; ebenfalls die Botschaft betraf. In den n\u00e4chsten Jahren haben wir immer wieder daf\u00fcr gesorgt &#8211; sehr zum Leidwesen unserer oft frustrierten polnischen Partner -, da\u00df Vertreter der Botschaft an unseren Gespr\u00e4chen teilnahmen.<\/p>\n<p>6. Hilfreicher Gespr\u00e4chspartner<br \/>\nIm April 1974 tauchte mit Jozef Dubiel, dem damaligen Generalsekret\u00e4r von INTERPRESS in Warschau, ein sehr kompetenter Gespr\u00e4chspartner auf. Er war nach Hamburg als Gast von Internationes e.V., Bonn, gekommen, einem Verein im Einflu\u00dfbereich des Ausw\u00e4rtigen Amtes. Und Interpress erf\u00fcllte teilweise die gleichen Aufgaben auf polnischer Seite. Dubiel kam wie viele von der Bundesregierung eingeladene journalistische G\u00e4ste damals zu mir in die Staatliche Pressestelle ins Rathaus. Er wu\u00dfte aber genau, da\u00df er ebenfalls den Vorsitzenden der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg vor sich hatte.<br \/>\nWir sprachen \u00fcber das Projekt &#8220;Polnische Tage in Hamburg&#8221;, das kurz zuvor im Namen einer anderen Deutsch-Polnischen Gesellschaft von einer D\u00fcsseldorfer Werbeagentur an die Senatskanzlei herangetragen worden war.<br \/>\nDie Senatskanzlei hatte aber uns zum Gespr\u00e4ch hinzugezogen und darauf bestanden, es nur mit der heimischen Gesellschaft durchf\u00fchren zu wollen. Nun war es irgendwie liegen geblieben.<br \/>\nNach dem Besuch begleitete ich Dubiel &#8211; um besonders h\u00f6flich zu sein &#8211; zu seinem n\u00e4chsten Termin im Spiegelhaus. Mitten auf einer Stra\u00dfenkreuzung auf &#8220;gr\u00fcn&#8221; wartend und im gro\u00dfen L\u00e4rm fragte er mich, ob ich denn die &#8220;Polnischen Tage in Hamburg&#8221; wolle. Was ich bejahte, worauf er mir andeutete, da\u00df ich aus Polen h\u00f6ren w\u00fcrde. Unmittelbar kamen mir die \u00e4u\u00dferen Umst\u00e4nde dieses Frage- und Antwortspiels seltsam vor. Heute scheint es mir so, als ob es irgendwie &#8220;abh\u00f6rsicher&#8221; sein sollte. In der Tat hat mich unser Verfassungsschutz in den n\u00e4chsten Jahren immer wieder vor dem &#8220;Geheimdienstler&#8221; Dubiel gewarnt. Eingedenk der Aussage, wir w\u00fcrden es schwer haben, \u00fcberhaupt Gespr\u00e4chspartner in der Volksrepublik Polen zu finden, hielt ich &#8211; und mit mir der Vorstand &#8211; den Arbeitskontakt mit Jozef Dubiel \u00fcber l\u00e4ngere Zeit aufrecht.<br \/>\nDas war ein Balancieren in mehrfacher Hinsicht. Dem Vorstand &#8211; und erst recht den Mitgliedern &#8211; konnte ich nichts von den Warnungen des Verfassungsschutzes sagen, denn der hatte sich nat\u00fcrlich Diskretion erbeten. Auf der anderen Seite war dies der einzige reale Gespr\u00e4chspartner, die man sich damals bekanntlich in Polen nicht aussuchen konnte. In meiner Entscheidung f\u00fchlte ich mich best\u00e4rkt, weil ich bei Jozef Dubiel sp\u00fcrte, da\u00df er aus ganz pers\u00f6nlichen Gr\u00fcnden zur Verst\u00e4ndigung zwischen Polen und Deutschen beitragen wollte und wir uns in unseren Motiven trafen. Sp\u00e4ter erfuhr ich dann, da\u00df er unter der ersten polnischen Regierung nach dem Krieg Staatssekret\u00e4r f\u00fcr die West- und Nordgebiete gewesen war und ganz offensichtlich eine Rolle bei der Vertreibung gespielt hatte. Mir schien, als wollte er wohl irgendetwas wiedergutmachen. Dieses Gef\u00fchl vermittelte sich mir jedenfalls. Nach au\u00dfen hin lie\u00df er sich allerdings nichts anmerken. Er bef\u00f6rderte unsere gemeinsamen Projekte auf eine bemerkenswerte Art und Weise gegen viele innerpolnische Widerst\u00e4nde. Andererseits hat er uns nie geheimdienstlich angesprochen &#8211; ja, manchmal ahnte ich, da\u00df er uns vor solchen Angriffen anderer besch\u00fctzte. INTERPRESS blieb durch viele Jahre Ansprechpartnerin f\u00fcr unsere Gesellschaft. Dieses Verh\u00e4ltnis blieb immer zwiesp\u00e4ltig, schon weil wir die Verquickungen dieses Instituts und seiner Personen mit Staat und Partei nicht \u00fcberblicken konnten. Aber selbst wenn man hiervon absah, kann ein dauerhaftes Gespr\u00e4ch zwischen ehrenamtlich engagierten B\u00fcrgern einerseits und Beamten andererseits nicht Bestand haben. Aber so hatten wir wenigstens einen Ansprechpartner in Warschau &#8211; wenn er auch durchaus nicht unproblematisch war, was wir den Mitgliedern &#8211; begreiflicherweise &#8211; jedoch nicht offenbaren konnten.<\/p>\n<p>7. Zusammenarbeit<br \/>\nUnser Schicksal, Schwierigkeiten beim Aufbau von Beziehungen nach Polen zu haben, teilten wir mit den in Norddeutschland existierenden Gesellschaften gleichen Namens. Es gab au\u00dfer uns deutschpolnische Gesellschaften in Kiel, L\u00fcbeck und Bad Segeberg. Einige ihrer Vorstandsmitglieder hatten uns auf unserer ersten Reise begleitet, so da\u00df eine Atmosph\u00e4re des Vertrauens entstanden war. Sehr bald nach der R\u00fcckkehr hatten wir beschlossen, uns regelm\u00e4\u00dfig zu treffen, um uns gegenseitig \u00fcber unsere Kontakte nach Polen zu unterrichten und um eventuelle polnische G\u00e4ste von Gesellschaft zu Gesellschaft weiterzureichen &#8211; also so etwas wie einen Ersatz f\u00fcr fehlende Verbindungen zu Polen. Es entstand der Segeberger Arbeitskreis &#8211; benannt nach seinem st\u00e4ndigen Tagungsort &#8211; die nachherige Arbeitsgemeinschaft norddeutscher<br \/>\nDeutsch-Polnischer Gesellschaften, als Gesellschaften unter anderem in Bremen, G\u00f6ttingen und Hannover gegr\u00fcndet worden waren. Die viertelj\u00e4hrlichen Sitzungen taten \u00fcber die Jahre der innerst\u00e4dtischen Zusammenarbeit gut, bereicherten das Programm aller Gesellschaften und halfen, alle Initiativen in Polen bekanntzumachen. Bereits im ersten Jahr wurde das Verh\u00e4ltnis zur Deutsch-Polnischen Gesellschaft e.V. mit Sitz in D\u00fcsseldorf hei\u00df diskutiert. Beinahe alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten eine Zusammenarbeit mit dieser Gesellschaft sondiert, sie aber aus Furcht vor \u00dcberfremdung ihrer lokalen Interessen verworfen. Dabei hatte eine Steuerung dieser Gesellschaft durch DKP-nahe Kader durchaus eine Rolle gespielt. Sehr bald lag eine Einladung zu einem Gespr\u00e4ch anl\u00e4\u00dflich der Gr\u00fcndung einer Gesellschaft in Bielefeld auf dem Tisch. Die Sprecher der Norddeutschen kamen dort mit den D\u00fcsseldorfern \u00fcberein, sich gegenseitig zu informieren und gemeinsame Gespr\u00e4chsrunden mit dem Ausw\u00e4rtigen Amt in Bonn und der Polnischen Botschaft in K\u00f6ln zu arrangieren, wobei die Norddeutschen f\u00fcr die Kontakte zum Ausw\u00e4rtigen Amt und die D\u00fcsseldorfer zu denen der Botschaft verantwortlich sein sollten.<br \/>\nEs ist einmal zu einer solchen Gespr\u00e4chsrunde gekommen. Nur einmal, weil die zust\u00e4ndige Abteilungsleiterin im Ausw\u00e4rtigen Amt den Vorsitzenden der D\u00fcsseldorfer mit den Worten beschied, sie halte ihn &#8220;f\u00fcr das Sprachrohr des polnischen Gegenst\u00fccks zum Presse- und Informationsamt der Bundesregierung&#8221;. Etwaiges Vertrauen war ebenfalls zerst\u00f6rt, weil die D\u00fcsseldorfer sich unter dem Eindruck des Bielefelder Treffens einen neuen Namen mit \u00fcbergreifendem Anspruch gegeben hatten. Sie hie\u00dfen nun: &#8220;Deutsch-Polnische Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland&#8221;. Sie wollten die Dachgesellschaft sein und wurden in diesem Anspruch von der Botschaft der Volksrepublik Polen unterst\u00fctzt. Das Verh\u00e4ltnis zu den &#8220;D\u00fcsseldorfern&#8221; hat auf Jahre die Gespr\u00e4che im Arbeitskreis beherrscht. Es tauchten dort und in den einzelnen Gesellschaften agents provocateurs auf, denen, weil sie verdeckt auftraten, auch nur verdeckt entgegengetreten werden konnte, was in Mitgliederversammlungen nicht immer einfach war. Konsens war jedoch, da\u00df man sich nicht fremdbestimmen lassen wollte und der Kreis der Mitarbeitenden \u00f6rtlich \u00fcberschaubar sein sollte. Die &#8220;Norddeutschen&#8221; sahen keinen Grund f\u00fcr einen Dachverband und sagten, wenn ein solcher angemahnt wurde: Wir kennen das Alphabet und wissen deshalb, welche Gesellschaft einl\u00e4dt, den Vorsitz hat und die Butterbrote bezahlt. &#8211; Au\u00dferdem fragten uns die deutschen Stellen immer wieder, ob wir zu &#8220;diesen&#8221; oder &#8220;jenen&#8221; geh\u00f6ren w\u00fcrden.<\/p>\n<p>8. &#8220;Die Wacht am Rhein&#8221;<br \/>\nDie Beziehungen zur Botschaft der Volksrepublik unter Botschafter Waclaw Piatkowski gestalteten sich &#8211; wie schon angedeutet &#8211; nicht einfach. Sie war schlie\u00dflich von den immer zahlreicheren autonomen Gr\u00fcndungen in den St\u00e4dten \u00fcberrumpelt worden. Nach dem sowjetischen Vorbild, das mir eindrucksvoll im Jahre 1973 im Hause &#8220;Druschba&#8221; an der Kremlmauer in Moskau vorgef\u00fchrt worden war, h\u00e4tten solche Gr\u00fcndungen zentral gesteuert und immer den eigenen Einflu\u00df wahrend vorgenommen werden m\u00fcssen.<br \/>\nNun versuchte die Botschaft, verlorenen Boden wiedergutzumachen, indem sie auf die &#8220;D\u00fcsseldorfer&#8221; Dachgesellschaft hinwies. Der Botschafter selber hat nach seiner R\u00fcckkehr nach Warschau die Beweggr\u00fcnde seines Handelns in einem Buch mit dem programmatischen Titel &#8220;Die Wacht am Rhein&#8221; ver\u00f6ffentlicht. Ausz\u00fcge hat die Friedrich-Ebert-Stiftung \u00fcbersetzen lassen. Er sah es als seine Hauptaufgabe an, zu verhindern, da\u00df westliche Einfl\u00fcsse auf die Volksrepublik Polen \u00fcbergriffen. Und genau dies wollten wir doch aber.<br \/>\nNun verhandelt man nicht t\u00e4glich mit dem Botschafter. F\u00fcr die Gesellschaften waren nat\u00fcrlich Referenten in der Botschaft t\u00e4tig. Wie ich dann sp\u00e4ter erfuhr, waren &#8220;unsere&#8221; Referenten gleichzeitig aber auch f\u00fcr die DKP zust\u00e4ndig.<br \/>\nWelch Wunder, da\u00df sie immer wieder versuchten, ihre beiden Arbeitsgebiete zusammenzubringen.<br \/>\nIn der Atmosph\u00e4re stimmte etwas nicht. Es \u00fcberraschte uns bei den unterschiedlichen Gesellschaftsordnungen auch nicht. Wir waren jedoch auf die Botschaft angewiesen, wenn wir nach Polen wollten. Wir nutzten deshalb jede Gelegenheit, das Gespr\u00e4ch zu suchen und &#8211; wenn es auch schwer fiel &#8211; Termine in K\u00f6ln wahrzunehmen. Regelm\u00e4\u00dfig wurden wir zum damaligen Nationalfeiertag der Volksrepublik eingeladen. So auch am 22. Juli 1974. Hier erfuhren wir zu unserer gr\u00f6\u00dften Verbl\u00fcffung, da\u00df f\u00fcr uns eine Reise nach Polen unmittelbar bevorst\u00e4nde.<\/p>\n<p>9. \u00dcberraschendes Angebot<br \/>\nTats\u00e4chlich kam wenige Tage danach die Aufforderung, die P\u00e4\u00dfe zum Visieren einzusenden. Man erwarte uns in Warschau vom 7. bis zum 10. August. Wie aber nun die Reise arrangieren? Um die vier Pl\u00e4tze in meinem Auto zu nutzen, luden wir Werner Gra\u00dfmann vom Abaton-Kino, damals Vorsitzender der AG Kino e.V., zur Mitfahrt ein, hoffend, es w\u00fcrde ihm in Warschau gelingen, polnische Filme f\u00fcr das Abaton und die westdeutschen Programmkinos \u00fcberhaupt aufzutun. Oswald Beck wollte aus prinzipiellen Gr\u00fcnden nicht durch die DDR fahren. Alle hatten wir M\u00fche, uns w\u00e4hrend der allgemeinen Urlaubszeit von unseren Arbeitspl\u00e4tzen zu l\u00f6sen. Zum Gl\u00fcck war damals gerade eine F\u00e4hrverbindung zwischen L\u00fcbeck und Swinem\u00fcnde eingerichtet worden und die Verbindung war auch einigerma\u00dfen passend.<br \/>\nKaum hatte der Senat getagt, sprang ich mit den anderen ins Auto und ab ging die Fahrt nach L\u00fcbeck, wo wir die F\u00e4hre gerade noch erwischten. Am n\u00e4chsten Morgen dann der Start zu einer langen erm\u00fcdenden Fahrt vom nordwestlichsten Zipfel Polens nach Warschau, wo INTERPRESS f\u00fcr uns Quartier gemacht hatte.<br \/>\nAm darauf folgenden Tag der erste Besuch bei Jozef Dubiel und INTERPRESS, die damals noch an der Bagatela residierte &#8211; nicht weit vom Au\u00dfenministerium entfernt, unserer n\u00e4chsten Besuchsstation. Dort wurde uns vom zust\u00e4ndigen Abteilungsleiter in franz\u00f6sischer Sprache er\u00f6ffnet, da\u00df man Hamburg bitten w\u00fcrde, im n\u00e4chsten Jahr &#8220;Polnische Tage&#8221; zu veranstalten und man der Freien und Hansestadt im Gegenzug anbieten w\u00fcrde, in Danzig eine vergleichbare Veranstaltung zu organisieren.Nun wurde klar, warum Jozef Dubiel so sehr darauf bestanden hatte, da\u00df wir nicht schon nach f\u00fcnf Tagen wieder abreisen sollten, sondern erst nach sieben. Wir sollten noch Danzig besuchen: &#8220;Sie wissen schon warum..&#8221;, sagte er. In der Tat war bekannt, da\u00df einer CDU-Delegation im Fr\u00fchjahr in Danzig der Vorschlag f\u00fcr eine Partnerschaft zwischen Hamburg und Danzig \u00fcbergeben worden war und da\u00df dieser Brief noch immer unbeantwortet in der Senatskanzlei lag.<br \/>\nSelbst wenn wir es gewollt h\u00e4tten, w\u00e4re es nicht m\u00f6glich gewesen, unseren Polenaufenthalt zu verl\u00e4ngern, dazu waren alle zu sehr verpflichtet, am vorgesehenen Tag wieder in Hamburg zu sein. In der Rathauspressestelle hatte ich beispielsweise Stallwache und hatte mir bei meinem amtierenden Vorgesetzten Urlaub gegen das feste Versprechen geholt, am n\u00e4chsten Montagmorgen wieder da zu sein. &#8211; In Danzig hat man uns die Absage sehr \u00fcbel genommen &#8211; mit der Konsequenz, da\u00df es zur Partnerschaft mit Bremen kam.<br \/>\nDamals blieb uns nur \u00fcbrig, uns zu entschuldigen &#8211; auch auf den dr\u00e4ngenden Hinweis, der Danziger Stadtpr\u00e4sident h\u00e4tte sich gerade diese zwei Tage Zeit genommen, um mit uns zu sprechen. Eins konnten wir jedoch tun: die v\u00f6llig verbl\u00fcffte Botschaft von dem Angebot einer Veranstaltung auf Gegenseitigkeit zu unterrichten.<br \/>\nWerner Gra\u00dfmanns und meine Kontakte zu Film Polski hatten gl\u00fccklicherweise Erfolg. Es wurde nach Gro\u00dfbritannien der zweite st\u00e4ndige Auslandskontakt f\u00fcr die AG Kino. Folgende Filme konnten f\u00fcr das westdeutsche und das Hamburger Publikum beschafft werden: EIFERSUCHT UND MEDIZIN von Janusz Majewski, DER KREUZRITTER von Aleksander Ford und DAS SALZ DER SCHWARZEN ERDE von Kazimierz Kutz \u00fcber den oberschlesischen Aufstand von 1920 &#8211; die letzten beiden interessante Reflektionen des Deutschenbildes der Polen.<\/p>\n<p>10. Gro\u00dfe Verhandlungsrunde<br \/>\nErste Einzelheiten sollten im Zusammenhang mit der im Herbst in Essen stattfindenden &#8220;Polnischen Nationalausstellung&#8221; besprochen werden. Dort werden wichtige Leute zugegen sein, meinte Dubiel. Da zwischendurch in Hamburg auftauchende polnische Gespr\u00e4chspartner sich gegen\u00fcber der angek\u00fcndigten Gegenseitigkeit sehr zur\u00fcckhaltend verhielten, war die Reise nach Essen sehr wichtig. Es war beinahe das ganze INTERPRESS-B\u00fcro vor<\/p>\n<p>Ort. Man hatte es gerade geschafft, die Ausstellung aufzubauen und war noch immer dar\u00fcber emp\u00f6rt, da\u00df die Eisenbahnz\u00fcge mit dem Ausstellungsgut \u00fcber drei Wochen in der DDR verschollen waren. Angeblich wu\u00dfte dort niemand, auf welchem Abstellgleis die Waggons standen. Unser Gespr\u00e4ch \u00fcber die beiden Veranstaltungen fand in einem gro\u00dfen Kreis statt. Den vier Hamburgern sa\u00dfen etwa 40-50 Polen gegen\u00fcber &#8211; uns nur zum Teil bekannt. Wortf\u00fchrer war auf polnischer Seite der in der K\u00f6lner Botschaft f\u00fcr Kulturfragen zust\u00e4ndige Wodzimircz Gierowski. Dies war auch v\u00f6llig unproblematisch, solange es um den Fahrplan f\u00fcr die Veranstaltung in Hamburg ging. F\u00fcr die Polnischen Tage in Hamburg legten wir die haupts\u00e4chlich infrage kommenden Bereiche fest. Dabei half uns der stellvertretenden Hamburger Protokollchef Hans-Henrich D\u00f6rmer, der uns auch sp\u00e4ter bei vielen Gespr\u00e4chen in Warschau und Danzig engagiert begleitete.<br \/>\nInhaltlich schlugen wir vor, Aspekte der polnischen Kultur in den Mittelpunkt zu stellen, die den Westdeutschen bis dahin v\u00f6llig unbekannt geblieben waren und die uns bei den Besuchen aufs \u00c4u\u00dferste fasziniert hatten. Die Krakauer Sezession oder der Krakauer Jugendstil mit dem Dramatiker, Dichter und Maler Stanisaw Wyspiaski als zentraler Figur. Insbesondere die Auff\u00fchrung seiner &#8220;Novembernacht&#8221; im Krakauer Alten Theater hatte es mir angetan. Aus der Mitte der anwesenden Sejmabgeordneten regte sich aber sofort Widerspruch, gegen dieses St\u00fcck, das dem polnischen Widerstand und Volksaufstand gegen Ru\u00dfland im Jahre 1831 gewidmet ist. &#8211; Es sei politisch ungeeignet.<br \/>\nAls wir dann die Gegenveranstaltung in Danzig ansprachen, stockte Gierowski und sah sich hilfesuchend nach einem jungen Mann unter den Zuh\u00f6rern um. Nach einiger Zeit erhob er sich und leitete von da an, das Gespr\u00e4ch. Es war Jan Grzelak, zust\u00e4ndig im ZK der polnischen Arbeiterpartei f\u00fcr Propaganda und Ideologie. Und wir bekamen zum ersten Mal einen Einblick in die damals in allen kommunistischen L\u00e4ndern vorhandene &#8220;Arbeitsteilung&#8221;: Sichtbar war f\u00fcr die Verhandelnden nur eine Gruppe von Beamten, die denen entsprachen, die man aus westlichen L\u00e4ndern kannte. Hinter ihnen sa\u00dfen &#8211; im Regelfall unsichtbar &#8211; die Parteibeamten, denen sie zu berichten hatten und die alle ihre Schritte kontrollierten.<br \/>\nDie Gegenseitigkeit war offensichtlich ein so hei\u00dfes Eisen, da\u00df die sonst Zust\u00e4ndigen es nicht in ihre H\u00e4nde nehmen wollten. Grzelak wand sich deshalb zun\u00e4chst, meinte dann aber, wenn die Gegenseitigkeit angek\u00fcndigt sei, dann w\u00fcrde sie auch stattfinden. Auf polnischer Seite \u00fcberlege man nur zur Zeit, ob nicht Stettin ein viel g\u00fcnstigerer Ort sei. Ein Wechsel von Danzig nach Stettin stie\u00df jedoch auf unsere einm\u00fctige Ablehnung. Wir vereinbarten, die Gespr\u00e4che Anfang des n\u00e4chsten Jahres in Hamburg fortzusetzen, wo dann alles weitere zu vereinbaren sei. Bei mir blieb jedoch der Verdacht, da\u00df die Gegenseitigkeit doch nicht so gesichert war, wie ich es zun\u00e4chst angenommen hatte.<br \/>\nUnmittelbar nach dieser Verhandlungsrunde hatten wir ein denkw\u00fcrdiges Erlebnis. Wir nahmen teil am Empfang des polnischen Botschafters zum Abschlu\u00df der Essener Veranstaltung &#8211; dies war der eigentliche protokollarische Anla\u00df unserer Reise. Ehrenpl\u00e4tze hatten viele Teilnehmer, darunter ganz besonders herausragend nat\u00fcrlich die Botschafter der L\u00e4nder des sozialistischen Lagers, zu denen ebenfalls die DKP-F\u00fchrung z\u00e4hlte. Bei soviel Protokoll war es dann doch seltsam, da\u00df der Mensch, den wir soeben als den eigentlich M\u00e4chtigen erlebt hatten, sich still in den Saal schlich und auf einer der hinteren Reihen Platz nahm &#8211; ganz inkognito.<\/p>\n<p>11. Das polnische Konzept<br \/>\nNoch vor Fr\u00fchjahrsbeginn 1975 traf die zehnk\u00f6pfige polnische Delegation ein, an der Spitze Grzelak und Dubiel sowie die exzellent deutsch sprechende Oberministerialr\u00e4tin aus dem Ministerium f\u00fcr Kultur und Kunst Barbara Wojciul-Stokowska. F\u00fcr die K\u00fcnstleragentur PAGART &#8211; den kaufm\u00e4nnisch handelnden Teil der polnischen Seite &#8211; erschien Barbara Sliwiska, die uns dann durch viele Jahre immer wieder begegnete.<br \/>\nDie B\u00fcrgerschaft hatte inzwischen 400.000 DM f\u00fcr die Polnischen Tage bewilligt und dies ausdr\u00fccklich im Hinblick auf die angek\u00fcndigte Gegenseitigkeit. Das Geld war f\u00fcr die Arbeitsgemeinschaft Hamburg-Information (AHI) vorgesehen, die die Veranstaltung mit unserer ideellen und tatkr\u00e4ftigen Hilfe durchf\u00fchren sollte.<br \/>\nDas mehrt\u00e4gige Verhandeln konnte also beginnen. Schnell stellte sich heraus, da\u00df Frau Stokowska von unserer Pr\u00e4sentation des Krakauer Jugendstil wenig hielt. Die Idee sei zwar faszinierend. Man m\u00fcsse aber doch das ganze Land darstellen. Unausgesprochen ging es ihr bei dieser Gro\u00dfveranstaltung darum, zu zeigen, wie tief die kulturellen Wurzeln der Polen im Westen verhaftet sind. Es ging ihr darum, den Hamburgern zu zeigen: &#8220;wir sind Euch gar nicht fremd!&#8221; &#8211; ein sch\u00f6ner, ganz in unserem Sinne liegender Ansatz.<br \/>\nDamit wollte die polnische Seite bewu\u00dft einen anderen Weg gehen als bei den Polnischen Tagen in Hamburg 1971. Wie mir Botschafter Pitkowski erkl\u00e4rt hatte, war ihm diese Veranstaltung f\u00fcr die Bedeutung seines Landes zu klein geraten und ihr deshalb nicht w\u00fcrdig gewesen. Sicherlich hatte er auf seine Weise Recht &#8211; nur \u00fcbersah er, da\u00df diese Form der &#8220;Tage&#8221; erhebliche lokale Initiativen ausgel\u00f6st hatte und in diesem Zusammenhang vielleicht gewichtiger als das nun zu planende Ereignis war.<br \/>\nDie aus Warschau eingeflogenen Spezialisten machten einer gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Beh\u00f6rden, AHI und Deutsch-Polnischer Gesellschaft Hamburg unter Vorsitz von Senatsdirektor Hans-Herbert Groothoff, dem Hamburger Protokollchef, ihre Angebote und nannten f\u00fcr die einzelnen Programmpunkte an die polnische Seite zu zahlende Preise, die zwar hoch zu sein schienen, die aber angesichts der angek\u00fcndigten Gegenseitigkeit akzeptabel waren. Die Einzelheiten der ellenlangen Vereinbarung, in der ebenfalls Tagegelder, Unterkunft, Verpflegung, Honorare etc. der polnischen Teilnehmer geregelt wurden, waren in meinen Augen nicht das Problem, \u00fcber das man sicht aufregen konnte. Es war vielmehr die in meinen Augen nur unvollkommen formulierte Gegenseitigkeit. Insbesondere waren keinerlei ins einzelne gehende Pflichten in Bezug auf die Hamburger Veranstaltung in Danzig festgelegt worden. Mein in Essen noch gewachsenes Mi\u00dftrauen in die Ernsthaftigkeit der Gegenseitigkeit schien sich zu best\u00e4tigen.<br \/>\nAngesichts meiner verschiedenen Rollen als Vorsitzender, stellvertretender Senatssprecher und F.D.P.-Politiker bef\u00fcrchtete ich, f\u00fcr eine unvollkommen ausgearbeitete gegenseitigkeitsvereinbarung politisch haftbar gemacht zu werden. Ich habe mich so bis an den Rand des Scheiterns der Verhandlungen insgesamt gegen eine weiche Formulierung gestr\u00e4ubt. Erst als alle anderen Hamburger Teilnehmer sie f\u00fcr annehmbar hielten, habe ich meinen Widerstand aufgegeben.<br \/>\nDer Abend dieses Verhandlungstages klang mit einem gemeinsamen Essen beider Delegationen aus. Bei ihm habe ich \u00fcbrigens den mir selbst geleisteten Schwur, nie wieder ein Bier zu trinken, gebrochen. Als mich Grzelak aufforderte, mit einem Bier auf unseren Verhandlungserfolg anzusto\u00dfen, wies ich zwar auf den Schwur hin, konnte an diesem Tag einen Wunsch angesichts der gehabten Auseinandersetzung nicht abschlagen.<\/p>\n<p>12. Blitzreise nach Danzig<br \/>\nDie endg\u00fcltige Unterschrift unter den vereinbarten Text war dennoch im letzten Augenblick gef\u00e4hrdet. Im Rathaus erreichte uns unmittelbar vor der Unterzeichnung die Nachricht, da\u00df der nach Danzig eingeladene Monteverdi-Chor der Universit\u00e4t pl\u00f6tzlich und ohne jede Vorwarnung ausgeladen worden sei und keine Visa bek\u00e4me. Auf die deutschen Partner wirkte dies wie eine beabsichtigte Provokation. Die polnische Delegation war ebenfalls wie vor den Kopf geschlagen.<br \/>\nGrzelak bem\u00fchte sich um einen telefonischen Kontakt mit Warschau und kam nach ziemlich langen Telefonaten mit der Nachricht zur\u00fcck, eine unzust\u00e4ndige Stelle h\u00e4tte die Sache zu veranworten. Der Monteverdi-Chor k\u00f6nne zur beabsichtigten Zeit fahren. Daraufhin wurde das Vereinbarte endlich unterschrieben. Eine schon lange geplante Englandfahrt mit meinem Sohn trat ich am n\u00e4chsten Tag an. Mit Gerd Hoffmann hatte ich telefonische Kontakte abgesprochen. Nach kurzer Zeit hatte er erfahren, da\u00df der Danziger Chorleiter den Hamburger Chor als Studentengruppe eingeladen hatte, was eine Unterbringung in Studentenheimen, Betreuung durch das polnische Studentenreiseb\u00fcro vorsah, aber dem Hamburger Chor nicht das Recht gab, in Polen Konzerte zu geben. Allein vom Preis her war dies jedoch ein sehr attraktives Angebot, das Grzelak mit einem Sonderukas nun doch durchgesetzt hatte.<br \/>\nGerd und mir war klar, da\u00df unser Chor von diesen Bedingungen sehr entt\u00e4uscht und unsere Gegenseitigkeitsprojekte \u00e4u\u00dferst gef\u00e4hrdet sein w\u00fcrden. Die Sache mu\u00dfte aufgefangen werden. Ich rief aus England Dieter Biallas, den Freund und Zweiten B\u00fcrgermeister an, ob er zu einer Spritztour nach Danzig bereit sei. Abenteuerlichem war er nie abgeneigt. Ich bat Gerd also, die Visa zu beschaffen, und eilte zur\u00fcck nach Deutschland.<br \/>\nAm Freitag starteten wir nachmittags mit einer Gruppe, die neben Biallas, Gerd und mir aus Oswald Beck und Hans Blank als Vertreter des Kulturamtes bestand. F\u00fcr zwei von ihnen sollte es zu einer schicksalstr\u00e4chtigen Reise werden, weil sie in der kurzen Zeit Menschen f\u00fcr ihr Leben begegneten.<br \/>\nIm Warschauer Hotel gab es beim Abendbrot, zu dem INTERPRESS die an den Verhandlungen Beteiligten eingeladen hatte, eine intensive und f\u00fcr Dieter Biallas eine kontroverse Diskussion zur Frage, wie weit die Geschichte in die Alltagsbeziehungen zwischen Deutsche und Polen hineinreicht. Am n\u00e4chsten Morgen ging es dann ganz fr\u00fch nach Danzig. Es war offensichtlich so fr\u00fch, da\u00df ein Autofahrer unser Taxi auf einer Kreuzung mit voller Fahrt fast \u00fcberfahren h\u00e4tte. Wir kamen mit dem Schrecken davon.<br \/>\nIn Danzig erwartete uns der Danziger Vertreter von INTERPRESS Alojzy Marchewicz. Er w\u00e4hnte die Gruppe auf einer Besichtigungsfahrt und hatte dementsprechend ein ins einzelne gehendes Touristikprogramm f\u00fcr uns vorgesehen. Wir hatten unsere liebe Not, ihm zu erkl\u00e4ren, da\u00df wir am Kontakt mit unserem irgendwo zwischen Danzig und Zoppot untergebrachten Chor interessiert seien und f\u00fcr diesen etwas erreichen wollten. Die protokollarisch wichtigen Termine wurden aber dennoch wahrgenommen, schon um unseren Partner nicht zu sehr blo\u00dfzustellen. Am Nachmittag waren wir schlie\u00dflich bei den Chormitgliedern gelandet, deren Stimmung &#8211; gelinde gesagt &#8211; sehr gereizt war. Schlie\u00dflich halfen aber unsere Erkl\u00e4rungen, der Appell, unsere Verhandlungsposition nicht noch schwieriger zu machen, und die Aussicht auf ein Konzert im Dom von Oliva, Sitz des Danziger Bischofs, die Gem\u00fcter zu beruhigen. Eine Einladung der Chormitglieder in das Grand Hotel Zoppot zu einem richtigen Abendessen, das von der Herbergskost ablenkte, trug ebenfalls zur Bes\u00e4nftigung bei. Der Abend endete nach ausgiebigem Tanzen mit einem langen Spaziergang am mondbeschienenen Strand, mit dem wir die Gruppe zu ihrem Quartier brachten.<br \/>\nMarchewicz und dem Danziger Chorleiter war es dann tats\u00e4chlich gelungen, f\u00fcr den Sonntag Nachmittag ein Konzert im Olivaer Dom durchzusetzen. Die Kirche war brechend voll, obwohl der Termin nur w\u00e4hrend der morgendlichen Gottesdienste bekannt gegeben worden war. Man sp\u00fcrte, wie sehr das Auftreten des Chors und nat\u00fcrlich sein Gesang die Menschen begeisterte. Der Chor war befriedet.<br \/>\nAm Abend war es dann nach Essen, Feiern, Tanzen und Strandspaziergang wieder so sp\u00e4t geworden, da\u00df wir am n\u00e4chsten Morgen nur mit M\u00fchen das Fr\u00fchflugzeug nach Warschau erreichten. Es war ein wichtiger kleiner Ausflug &#8211; wie so h\u00e4ufig in den Beziehungen zu Polen damals. Und nur Gierowski meinte: Tun Sie mir einen solchen kurzfristig avisierten Besuch eines hochrangigen Politikers nicht noch einmal an!<\/p>\n<p>13. Aufgaben f\u00fcr die Mitglieder<br \/>\nLangsam n\u00e4herte sich der Termin f\u00fcr die &#8220;Polnischen Tage in Hamburg&#8221;, die Ende August gleichzeitig mit der Messe &#8220;Du und Deine Welt&#8221; stattfinden sollten. Es fanden Gespr\u00e4che zu Detailfragen statt, wie etwa, wo soll der polnische Koch die polnische Kochkunst demonstrieren? Es trafen die ersten Fachleute ein, die St\u00e4nde aufbauten. Wir waren inzwischen als Arbeitsgruppe in die Arbeitsgemeinschaft Hamburg Information integriert, die zu ihrer Unterst\u00fctzung bei dieser Aufgabe Gisela Ahuis engagiert hatte.<br \/>\nAls Vorstand der Gesellschaft w\u00fcrden wir endlich unseren Mitgliedern &#8211; nach soviel &#8220;Geheim&#8221;diplomatie, \u00fcber die wir nicht \u00f6ffentlich sprechen konnten &#8211; Gelegenheit verschaffen, sich bei den vielf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4ten zu engagieren und viele Polen kennenzulernen. Das Aufgabenpensum war schier erdr\u00fcckend. Alle Beteiligten haben es aber bew\u00e4ltigt, ob sie nun G\u00e4ste oder Veranstaltungen betreuten oder auf dem Informationsstand bei gl\u00fchendhei\u00dfen Messetemperaturen Ausk\u00fcnfte \u00fcber unsere Arbeit gaben.<\/p>\n<p>14. Drei Gespr\u00e4che<br \/>\nDrei Gespr\u00e4che sind mir von diesen Tagen in besonderer Erinnerung geblieben: zwei, die mir sehr viel gegeben haben, und eins, das die politische Situation grell beleuchtet, in der die Veranstaltung stattfand:<br \/>\nMit Mieczysaw Rakowski, dem damaligen Chefredakteur von Polityka und sp\u00e4teren Ministerpr\u00e4sidenten, diskutierte ich im Haus Rissen unter der Moderation Von Theo Sommer von der ZEIT \u00fcber das, was ich als den sozialpsyhologischen Hintergrund der Konflikte zwischen Polen und Deutschen empfand. Als ich das Thema gegen\u00fcber Jozef Dubiel ins Gespr\u00e4ch gebracht hatte, ahnte ich nicht, da\u00df man Rakowski schicken w\u00fcrde. Es wurde eine fruchtbare Podiumsdiskussion, die nicht entlang der schon so oft breitgetretenen politischen Argumente verlief, sondern tiefenpsychologische Interpretationen aufdeckte.<br \/>\nTadeus R\u00f3ewicz begleitete ich auf dem R\u00fcckweg von der Premierenfeier im Thalia-Theater, wo es sein St\u00fcck &#8220;Auf allen Vieren&#8221; gegeben hatte, zum Hotel. Wir sprachen \u00fcber die Freiheit im allgemeinen und \u00fcber die des polnischen Dramatikers im besonderen. Das dritte Gespr\u00e4ch fand mit einem polnischen Diplomaten statt, der sich entschuldigen mu\u00dfte. Es war das erste und einzige Mal, das ich einen solchen diplomatischen Schritt hautnah erlebte. Die Harburger DKP hatte zu ihrer Feier zum 1.September damit geworben, da\u00df diese mit einer polnischen Musikgruppe im Rahmen der &#8220;Polnischen Tage&#8221; stattfinden w\u00fcrde. Wir hatten uns beschwert, weil eine solche Veranstaltung nicht zwischen uns abgesprochen war.<\/p>\n<p>15. Mediensperre<br \/>\nGro\u00dfe Schwierigkeiten hatten wir, mit den &#8220;Polnischen Tagen in Hamburg&#8221; die Medien zu erreichen. Die BILD-Zeitung nahm die Veranstaltung \u00fcberhaupt nicht zur Kenntnis. Das Hamburger Abendblatt tat sich in den ersten Tagen mit dem Berichten sehr schwer. Obwohl wir w\u00e4hrend der zehn Tage \u00fcber 320.000 Besucher und Besucherinnen gez\u00e4hlt haben, fanden wir einfach f\u00fcr diese beiden Zeitungen zun\u00e4chst gar nicht statt.<br \/>\nDa mu\u00dfte gegengesteuert werden. Mitglieder wurden animiert, bei den Redaktionen anzurufen, um dort nach den polnischen Veranstaltungen zu fragen. Gl\u00fccklicherweise gab es einen sehr gro\u00dfz\u00fcgigen Vertrag mit der Hamburger Au\u00dfenwerbung und sehr, sehr viele Plakate aus Polen. Es wurde geklebt und geklebt, so da\u00df zum Schlu\u00df \u00fcber 111.000 Plakate an Litfa\u00dfs\u00e4ulen und Stellw\u00e4nden hingen. Diese Flut scheint die damalige Redaktion des Abendblattes \u00fcberzeugt zu haben. W\u00e4hrend der zweiten H\u00e4lfte der &#8220;Tage&#8221; wurde so \u00fcber sie berichtet, wie es die elektronischen Medien schon von Anfang an taten. Die kritische Schwelle war \u00fcberschritten. Die Hamburger und die Umlandbewohner nahmen Kenntnis.<\/p>\n<p>16. Besuch beim alten Partner<br \/>\nDie Polnischen Tage in Hamburg hatten Interesse f\u00fcr die Gesellschaft sowohl in Polen als auch in Hamburg geweckt. Wir merkten es daran, da\u00df wir eine ganze Reihe von G\u00e4sten gewinnen konnten, an der Spitze damals Andrzej Szypiorski, der aus seinem Buch &#8220;&#8230;und sie\u00a0 gingen an Emmaus vorbei&#8221; las, das sp\u00e4ter unter dem Titel &#8220;Die sch\u00f6ne Frau Seidelmann&#8221; auf\u00a0 die deutsche Bestsellerliste kam. Unsere Veranstaltungen waren gut besucht.<br \/>\nEin Interesse f\u00fcr Polen zu haben, wurde zwar nach wie vor als etwas exotisch empfunden, aber aus diesem Grunde von manchen als irgendwie wichtig.<br \/>\nBeim Gespr\u00e4chspartner INTERPRESS folgte kurz nach der Hamburger Veranstaltung ein Wechsel in der F\u00fchrungsgruppe. Chefredakteur Janusz Moszczeski wurde Kommentator von Trybuna Ludu und sp\u00e4ter deren Korrespondent in Bonn, Jozef Dubiel wurde Korrespondent von INTERPRESS in Ost-Berlin. Ob dieser Wandel, den wir als Herabstufung empfanden, mit der Hamburger Veranstaltung zusammenhing, haben wir nie ergr\u00fcnden k\u00f6nnen.<br \/>\nAuf jeden Fall hatten wir unseren wichtigsten Gespr\u00e4chspartner in Warschau verloren und damit auch den Ankn\u00fcpfungspunkt f\u00fcr die versprochene Gegenveranstaltung in Danzig. In Ost-Berlin angekommen, lie\u00df uns Jozef Dubiel wissen, da\u00df er sich auch unter den ver\u00e4nderten Umst\u00e4nden als im Wort befindlich empf\u00e4nde. Schlie\u00dflich habe er in Warschau gen\u00fcgend Verbindungen und, falls es notwendig sein sollte, m\u00f6chten wir doch gerne Kontakt zu ihm aufnehmen.<br \/>\nIrgendwie empfanden wir die Notwendigkeit im Herbst 1976 aber auch das Bed\u00fcrfnis, den alten Partner wiederzusehen. Oswald Beck, Gerd Hoffmann und ich machten uns also auf den Weg, Dubiel in seiner Ostberliner Wohnung zu besuchen, die einen Steinwurf vom \u00dcbergang Heinrich-Heine-Stra\u00dfe entfernt lag. F\u00fcr Oswald Beck war es eine \u00dcberwindung, den Ostsektor zu betreten, &#8211; und ein bi\u00dfchen mu\u00dfte er ja doch wider den Stachel l\u00f6cken, indem er einen &#8220;Spiegel&#8221; mitsichf\u00fchrte, den ihm die Z\u00f6llnerin mit den Worten &#8220;Sie wissen doch&#8230;&#8221; abnahm und in den Rei\u00dfwolf warf.<br \/>\nIn diesem Fall wollte Dubiel &#8211; verst\u00e4ndlicherweise &#8211; uns nicht im Westen treffen, was f\u00fcr ihn ja durchaus m\u00f6glich gewesen w\u00e4re. Mit der Versicherung, in Warschau f\u00fcr uns anzuklopfen, endete der Besuch. &#8211; Wir haben Jozef Dubiel danach nicht mehr wiedergesehen. Der Kontakt war leider abgerissen.<\/p>\n<p>17. Hamburg keine Partnerin<br \/>\nDas Jahr 1976 war in den deutsch-polnischen Beziehungen bestimmt vom Besuch des Staats- und Parteichefs Edward Gierek bei Bundeskanzler Helmut Schmidt. In Hamburg zeigte Schmidt seinem Gast die private Wohnung in Langenhorn. Dort sollen sie sich dem Vernehmen nach auf vier bis f\u00fcnf St\u00e4dtepartnerschaften und das Deutsch-Polnische Forum geeinigt haben. Sowohl die Partnerschaften als auch das Forum haben \u00fcbrigens ihre Sch\u00f6pfer<br \/>\npolitisch \u00fcberlebt und sind durch alle Jahre hindurch Br\u00fccken zum Verst\u00e4ndnis zwischen beiden V\u00f6lkern gewesen.<br \/>\nLeider waren wir Hamburger nicht dabei. Nach dem Gierek-Besuch wurde zwar intern zwischen Rathaus und Handelskammer \u00fcber eine Partnerschaft diskutiert. Die Handelskammer war aber ablehnend &#8211; eine Haltung die sich verst\u00e4rkte, als Haifa zus\u00e4tzlich als Partnerstadt Hamburgs ins Gespr\u00e4ch gebracht wurde. Man hielt mit der Begr\u00fcndung, wir treiben Handel mit der ganzen Welt und wollen niemanden bevorzugen, die bestehenden Partnerschaften mit Marseille und Leningrad sowieso f\u00fcr S\u00fcndenf\u00e4lle.<br \/>\nHamburg lie\u00df es sich damals nicht nehmen, den Gierek-Besuch wie einen Staatsbesuch zu zelebrieren. Zum feierlichen Empfang im Gro\u00dfen Festsaal wurden &#8211; dank unserer Bem\u00fchungen &#8211; viele Mitglieder eingeladen. Bei dieser Gelegenheit konnten wir die Gesellschaft vorstellen, was angesichts der vielen Journalisten und Beamten aus Polen sehr wichtig war. F\u00fcr mich brachte der Abgleich der polnischen und der rath\u00e4uslichen Hierarchien es mit sich, da\u00df ich zum Ehrenbegleiter des polnischen Vizeau\u00dfenministers Jozef Czyrek bestimmt wurde. Nun sa\u00df ich w\u00e4hrend der vielen Autofahrten im Konvoi neben ihm, und nat\u00fcrlich habe ich immer wieder von unserer Gesellschaft und ihren Aktivit\u00e4ten berichtet. So intensiv, da\u00df ich noch nach Jahren an diesen Kontakt ankn\u00fcpfen konnte.<br \/>\nW\u00e4hrend des Besuches war die polnische Seite im \u00fcbrigen so euphorisch, da\u00df man mir bereits einen Herrn aus der Begleitung als den k\u00fcnftigen Konsul in Hamburg vorstellte. Bis zur Gr\u00fcndung einer konsularischen Vertretung sollte jedoch noch mehr als ein Jahrzehnt vergehen &#8211; eine Zeit, in der wir immer wieder Aufgaben vor Ort \u00fcbernahmen, die eigentlich von ihr zu bew\u00e4ltigen gewesen w\u00e4ren.<br \/>\nDazu geh\u00f6rte es in sp\u00e4teren Jahren auch, eine Delegation aus dem Warschauer Au\u00dfenministerium zu bes\u00e4nftigen, die v\u00f6llig unzufrieden mit den H\u00e4usern war, die ihnen die deutsche Seite f\u00fcr ein Konsulat angeboten hatte.<\/p>\n<p>18. Gespr\u00e4che in Danzig<br \/>\nLangsam begann unser Bohren bei Dubiel, Czyrek und der K\u00f6lner Botschaft doch Fr\u00fcchte zu tragen. Mitten im Winter kam eine Einladung nach Warschau und Danzig. Zun\u00e4chst sollten wir \u00fcber die M\u00f6glichkeiten Danzigs informiert werden &#8211; also die Gr\u00f6\u00dfe der B\u00fchnen,\u00a0 Ausstellungsr\u00e4ume (hierunter die Eissporthalle in Oliva), Unterk\u00fcnfte usw. Die Zahl der Anschlagtafeln war gering. Dementsprechend sollten wir nur verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig wenig Plakate<br \/>\nliefern. Im Gegenzug wurde eine gr\u00f6\u00dfere Zahl von Druckschriften zugestanden, die die polnische Seite sich jedoch vor dem Druck ansehen wollte. In einer zweiten Runde sollten dann die eigentlichen Verhandlungen folgen.<br \/>\nAls Termin der Hamburger Tage wurde mit dem Vizepr\u00e4sidenten von Gdask Kazimierz Rynkowski der Zeitraum zwischen Himmelfahrt und Pfingsten 1977, vom 19. bis zum 29. Mai, festgelegt.<br \/>\nNoch war jedoch tiefer Winter. Zum Abschlu\u00df unserer Gespr\u00e4che wurden wir von Rynkowski zu einer Schlittenfahrt durch die Kaschubei eingeladen, die mit einem gro\u00dfen Lagerfeuer endete, um das getanzt wurde und in dem wir W\u00fcrstchen grillten. Vorher war mein Schlitten jedoch abgeglitten und umgefallen. Zum Gl\u00fcck geschah weder Menschen noch Pferden bei diesem Unfall etwas, weil der Schnee weich und hoch war &#8211; ein Erlebnis \u00fcber das<br \/>\nsp\u00e4ter noch viel geschmunzelt wurde. Ich war n\u00e4mlich auf den neben mir sitzenden Hand Blank gefallen und hatte es mit R\u00fccksicht auf ihn nicht gewagt, mich zu r\u00fchren. Vielleicht w\u00e4re ihm ja doch ein Knochen gebrochen meinte ich. Er dagegen mu\u00df doch sehr unter meinem Geicht gelitten haben.<\/p>\n<p>19. Schwieriges Verhandeln<br \/>\nEs folgte die zweite Reise nach Danzig. Sie f\u00fchrte uns zun\u00e4chst nach Warschau, wo wir mit ernster Miene von Rynkowski, dem Danziger Vizepr\u00e4sidenten, erwartet wurden. Die polnische Seite war sich v\u00f6llig uneins, wer denn nun f\u00fcr die Hamburger Veranstaltung in Danzig zu zahlen hatte. Wir wurden ben\u00f6tigt, um die staatliche Konzertagentur PAGART zu \u00fcberzeugen &#8211; oder vorzuf\u00fchren, wie immer man es will.<br \/>\nJetzt r\u00e4chte sich, da\u00df PAGART bei der Vorbereitung der Hamburger Veranstaltung sehr hohe Preise f\u00fcr die Theaterauff\u00fchrungen und Konzerte verlangt hatte. Wir forderten f\u00fcr die Hamburger Ensemble vergleichbare Summen und Honorare, die PAGART offensichtlich in Schwierigkeiten brachten. Wir argumentierten: &#8220;Sind unsere Orchester und Schauspielgruppen etwa nicht so gut wie Eure?&#8221; &#8211; ein Vorbringen, dem Rynkowski offensichtlich folgte. Da<br \/>\neine Gegenveranstaltung &#8220;im vergleichbaren Umfang&#8221; vereinbart worden war, mu\u00dfte PAGART nun in unsere Gagenforderungen einwilligen. Das kulturelle Programm f\u00fcr Danzig (vgl. den Beitrag von Gerd Hoffmann) sah nun ein Auftreten des Staatsopern-Balletts von John Neumeier, eine Auff\u00fchrung des Deutschen Schauspielhauses, ein Konzert von James Last in der Waldb\u00fchne, einen Jazzabend mit Hamburger Gruppen in den Kasematten der ehemaligen Zitadelle, eine von der Kunsthalle gestaltete Ausstellung im vergleichbaren Danziger Museum und eine Filmreihe im gr\u00f6\u00dften Kino vor. Das Verhandeln mit Kazimierz Rynkowski war selbstverst\u00e4ndlich ebenfalls von dieser Formel bestimmt. Da Hamburg die Reisekosten f\u00fcr alle Teilnehmer der Polnischen Tage 1975 bezahlt hatte, erhoben wir den Anspruch auf Gegenseitigkeit, der auch niemals infragegestellt war. Ebenfalls war allen Beteiligten klar, da\u00df die Anreise mit dem Flugzeug stattfinden sollte &#8211; was nicht ausgesprochen wurde: schon um eine hinderungsstrategie der DDR ins Leere laufen zu lassen. Wir wollten also gemeinsam eine Luftbr\u00fccke zwischen Danzig und Hamburg einrichten. Nur das Z\u00e4hlen war in den Verhandlungen schwierig: Mit der von LOT einzurichtenden Luftbr\u00fccke sollten immerhin rund 1.500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Hamburg nach Danzig und zur\u00fcck transportiert werden. Es kostete \u00fcber zwei dramatische Stunden, der Danziger Seite vorzurechnen, da\u00df hierf\u00fcr acht statt sieben Fl\u00fcge zwischen beiden Hansest\u00e4dten notwendig seien. Der erste Hinflug nach Hamburg w\u00e4re ebenso leer wie der letzte R\u00fcckflug von Hamburg. Ich war sehr froh, als das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Zahl der Fl\u00fcge beendet war. Nichts ist unangenehmer, als wenn man es mit einem rationalen, hier mathematischen Zusammenhang zu tun hat und der Verhandlungspartner einem ungute Motive unterstellt.<br \/>\nUnser Programmkonzept war: den Arbeitsalltag der Hamburger und Hamburgerinnen in den Mittelpunkt von Ausstellung und Schriften zu stellen. Thies Boysen war der Hamburger Ausstellungsmacher, der unsere Stadt mit Gro\u00dffotos rund um einen Messepavillion in der Eissporthalle von Oliva entstehen lassen wollte. Rund um den zentralen Informationsstand konnten private Unternehmen, die sich auf dem polnischen Markt zeigen wollten, St\u00e4nde mieten. Die Vermietung war nicht einfach. Da sie eine S\u00e4ule unseres Finanzierungsplans war, haben wir lange gebannt auf den Vermietungsfortgang gestarrt, immer in der Furcht, da\u00df aus dem ganzen Vorhaben nichts werden k\u00f6nnte. Eine besonders prominente Akquisition war die Burmah Oil mit dem \u00f6rtlichen Bevollm\u00e4chtigten Dieter Hardt. Wegen des Rennen fahrenden Sohnes des damaligen polnischen Ministerpr\u00e4sidenten hatte seine Firma eine bevorrechtigte Stellung in der Volksrepublik. Belebend war ebenfalls Peter Bou\u00e9 mit seiner gleichnamigen Firma.<br \/>\nWeitere Programmpunkte betrafen die Sportler &#8211; allen voran die Segler, die allerdings sp\u00e4ter bei der Einfahrt in die Danziger Bucht mit Wind und K\u00e4lte heftig zu k\u00e4mpfen hatten &#8211; und Jugendgruppen, f\u00fcr die Besuche bei Gleichaltrigen und Gleichgesinnten arrangiert wurden.<br \/>\nW\u00e4hrend die Vorbereitungen in Hamburg liefen, wollten wir ebenfalls die Bonner Stellen f\u00fcr unser Vorhaben gewinnen, das f\u00fcr die damalige Zeit in seinem Umfang ungew\u00f6hnlich war. Die Senatskanzlei k\u00fcmmerte sich um Zusch\u00fcsse von der Kulturabteilung des Ausw\u00e4rtigen Amtes. Schon meine berufliche Stellung in der Hamburger Staatlichen Pressestelle machte mich zum Verhandlungspartner des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung und dort insbesondere mit Hagen Graf Lambsdorff und Alfred Reinelt von der Auslandsabteilung.<br \/>\nWir vereinbarten die \u00dcbernahme eines gro\u00dfen Stapels von Informationsmaterial, das unmittelbar nach Danzig geschickt werden sollte.<br \/>\nErstaunlich waren w\u00e4hrend der Vorbereitungszeit die h\u00e4ufigen Besuche des sowjetischen Konsuls. Unter Hinweis auf seine aus Danzig stammende Frau und seine Dienstzeit dort erkundigte er sich nach vielen Einzelheiten unserer Planungen, die ich ihm, soweit sie ver\u00f6ffentlicht waren, nicht vorenthalten konnte.<br \/>\nBei der polnischen Botschaft beantragte ich ein damals h\u00f6chst seltenes Visum zur dreimaligen Einreise unter Verweis auf meine gegebenenfalls erforderliche Mobilit\u00e4t. Es mu\u00dfte auch gleich genutzt werden.<br \/>\nLetzter Abschnitt der Vorbereitungen war f\u00fcr mich ein Hin- und R\u00fcckflug nach Warschau an einem Tag, um die deutschen Korrespondenten in Polen \u00fcber unsere Veranstaltung eine Woche vor ihrem Beginn zu unterrichten.<br \/>\nNachfragen hatten ergeben, da\u00df man in Warschau eine Woche vor dem Danziger Ereignis noch nichts von polnischer Seite erfahren hatte. Dies hatte mich h\u00f6chst mi\u00dftrauisch gemacht, so da\u00df ich mich zu einer Pressekonferenz auf dem Warschauer Flughafen entschlossen hatte &#8211; in die Stadt hineinzufahren, war bei diesem Flug Hamburg-Frankfurt-Warschau-Wien-Stuttgart-Hamburg aus zeitlichen Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich.<\/p>\n<p>20. Erlebnisse in Danzig<br \/>\nEs war schon ein tolles Gef\u00fchl, am Montag, dem 16. Mai, morgens fr\u00fch den ersten Flug der selbst geschaffenen Luftbr\u00fccke nach Danzig anzutreten. Es klappte alles. Selbst die Aufbaumannschaft von der Messebaugesellschaft stand am Flughafen und konnte p\u00fcnktlich zur\u00fcckgeflogen werden, so da\u00df das Flugzeug am gleichen Tage noch ein zweites Mal von Hamburg fliegen konnte.<br \/>\nEntt\u00e4uschend war jedoch, da\u00df kaum ein Plakat in den Stra\u00dfen zu sehen war, auf dem Veranstaltungen der &#8220;Hamburger Tage&#8221; angek\u00fcndigt waren. Marchewicz, der Danziger INTERPRESS-Vertreter, entschuldigte sich damit, da\u00df man zuwenig Zeit f\u00fcr eine Plakatierung gehabt h\u00e4tte. Ich war etwas verbl\u00fcfft, h\u00f6rte dann aber sp\u00e4ter, da\u00df das ZK erst am Freitagnachmittag, dem 13. Mai, endg\u00fcltig gr\u00fcnes Licht gegeben hatte. Vielleicht hatte ja meine Warschauer Blitzreise doch noch etwas bewirkt.<br \/>\nAm n\u00e4chsten Tag hingen aber alle Plakate. Nun war es die Hamburger Seite, von der Unsicherheit ausging. Uns erreichten Nachrichten, da\u00df dem Reporter des Hamburger Abendblattes Egbert A. Hoffmann ein Visum versagt worden sei. Von Paul Otto Vogel, dem Leiter der Staatlichen Pressestelle erhielt ich ein langes Fernschreiben, da\u00df es wegen des nicht erteilten Visums au\u00dferordentlich ungewi\u00df sei, ob die Delegationen von Senat und<br \/>\nB\u00fcrgerschaft jemals Danzig erreichen w\u00fcrden. Der CDU-Fraktionsvorsitzende J\u00fcrgen Echternach h\u00e4tte erkl\u00e4rt, da\u00df er nur mit Hoffmann nach Danzig reisen w\u00fcrde. B\u00fcrgermeister Hans-Ulrich Klose w\u00fcrde sich bei seinem Warschauer Besuch um ein Visum f\u00fcr den Abendblatt-Mitarbeiter bem\u00fchen. Falls dies jedoch nicht gel\u00e4nge, w\u00fcrde er unmittelbar nach Hamburg zur\u00fcckreisen.<br \/>\nNat\u00fcrlich war zu erwarten, da\u00df die polnische Seite das Fernschreiben mitlesen und auch seinen entschiedenen Ton bemerken w\u00fcrde, mit dem ebenso die polnische Seite wie auch mein eigenes Verhalten gemeint sein konnte, der ich au\u00dferhalb meines Amtes olche politischen Abenteuer inszenieren w\u00fcrde. Die von mir f\u00fcr wenige Stunden sp\u00e4ter in Danzig anberaumte Pressekonferenz stand deshalb auf t\u00f6nernden F\u00fc\u00dfen. Absagen konnte ich sie nicht<br \/>\nmehr, ohne nicht einen Eklat zu riskieren. Also bluffte ich und ging davon aus, da\u00df alle Beteiligten Danzig erreichen w\u00fcrden. Zum ersten Mal in Hamburgs Geschichte w\u00fcrden die Spitzen der Legislative &#8211; einschlie\u00dflich der Fraktionsvorst\u00e4nde &#8211; und die der Exekutive gemeinsam ins Ausland reisen. Eine so einmalig hohe Besetzung sei als der politische Wille des Stadtstaates nach besseren Beziehungen zu Polen zu verstehen.<br \/>\nNachdem es dem B\u00fcrgermeister gelungen war, beim zweiten Mann in Staat und Partei das fehlende Visum zu erwirken, stand Kloses und Echternachs Ankunft in Danzig am Himmelfahrtstag nichts mehr im Wege &#8211; wenn auch die Stimmung zwischen beiden auf einem Tiefpunkt angekommen war und sie eigentlich nicht unter einem Dach im Regierungsg\u00e4stehaus wohnen wollten. Aber auch diese Krise wurde gemeistert.<br \/>\nMit ihnen kamen B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sident Herbert Dau und die Fraktionsvorsitzenden Ulrich Hartmann (SPD) und Maja Stadler-Euler (F.D.P.). Die hohe Besetzung mit Vertretern des Parlaments erzeugte bedauerlicherweise eine protokollarische Schieflage: Weil Danzig kaum \u00fcber eine Legislative verf\u00fcgte, gab es f\u00fcr die Vertreter der B\u00fcrgerschaft nur wenige Gespr\u00e4chspartner. Der B\u00fcrgermeister dagegen wurde von der dortigen Exekutive mit Terminen eingedeckt.<br \/>\nLeider kam Friedrich Riethm\u00fcller, damals stellvertretender Vorsitzender unserer Gesellschaft, auf den wir dringend warteten und der im gleichen Flugzeug sitzen sollte, niemals in Danzig an.<br \/>\nEin Autounfall bei Harburg wenige Stunden vor dem Abflug war die Ursache, wie wir erst Tage sp\u00e4ter erfuhren. F\u00fcr ihn wurde es ein langanhaltender Krankenhausaufenthalt. Danzig auf der Arbeitsebene war ganz anders als erwartet. In der von unserem Vorstand gebildeten fachlichen Arbeitsgruppe, die die Hamburger Delegationsleitung beriet, mu\u00dften Gerd Hoffmann, Oswald Beck und ich nun ohne Friedrich Riethm\u00fcller auskommen.<br \/>\nPl\u00f6tzlich wimmelte es in unserem Zentrum von deutschsprechenden Begleiterinnen und Begleitern, die einzelne Hamburger umschw\u00e4rmten, denen wir zentrale Aufgaben f\u00fcr die Veranstaltung gegeben hatten, wie zum Beispiel mit Fotos zu dokumentieren. Die neuen Gesichter erkl\u00e4rten, sie k\u00e4men irgendwie aus Polen oder aus Berlin. Sch\u00f6n aussehende Frauen waren es meist, die Ger\u00e4te oder Taschen mit Utensilien trugen und sich sofort als<br \/>\nVertraute ihrer Bezugspersonen ausgaben. Diese hatten sie vorher aber nicht gesehen, wie sie auf meine Nachfragen erkl\u00e4rten. Es war auff\u00e4llig, da\u00df unsere Leute aufgrund ihrer Werkauftr\u00e4ge alle Programmpunkte abzudecken hatten und ihre Begleitungen deshalb das gesamte Geschehen beobachten konnten. Man hatte unwillk\u00fcrlich den Eindruck eines Agentennestes, schon weil die Neuaufgetauchten ganz offensichtlich gezielt angesetzt worden<br \/>\nwaren. Erfreulicherweise war niemand aus der Gesellschaft oder aus den Beh\u00f6rden betroffen.<br \/>\nINTERPRESS wurde in unserem Informationszentrum durch Stanisaw Modrzyk vertreten, den wir schon von Essen und Hamburg her kannten. Zur Seite stand ihm Adam Krzepkowski, der dann durch zehn Jahre hindurch in seiner Organisation f\u00fcr die Beziehungen zu unserer Gesellschaft verantwortlich sein sollte.<br \/>\nWichtigster Punkt unseres Terminkalenders waren die t\u00e4glichen Konferenzen der Leitungsgruppen mit Rynkowski und Groothoff an der Spitze. Gedacht waren sie ja, um zu koordinieren, hier noch einen Saal zu \u00f6ffnen, dort noch mehr Quartier bereitzustellen. Diese Routineangelegenheiten nahmen meist nur wenig Zeit in Anspruch. Dazu kannten sich die Gespr\u00e4chsteilnehmer inzwischen zu gut. Besch\u00e4ftigt haben uns aber die 100.000 Plastikt\u00fcten mit den deutschen Nationalfarben, die zusammen mit etwa 450.000 Druckschriften vom Bundespresseamt geliefert worden waren.<br \/>\nDie schwarz-rot-goldenen Plastikt\u00fcten wurden unseren Helfern buchst\u00e4blich aus den H\u00e4nden gerissen. Schlie\u00dflich waren Einkaufsbeutel damals in Polen Mangelware. Offensichtlich wurden sie ebenfalls auf dem schwarzen Markt verkauft. Was aber das Fa\u00df zum \u00dcberlaufen brachte, war, da\u00df sie mit der Zeit im Danziger Stra\u00dfenbild auftauchten und dort zu einem dominierenden Faktor wurden. Stunden \u00fcber Stunden wurde ebenso \u00fcber eine Schrift beraten, mit der sich die Bundesrepublik vorstellte und die gleicherma\u00dfen von Bonn geliefert worden war. In ihr wurde gefragt: Wieviele Minuten mu\u00df man in Westdeutschland arbeiten, um sich ein Ei oder auch andere G\u00fcter des t\u00e4glichen Lebens kaufen zu k\u00f6nnen? Offensichtlich wurde die Schrift allerorten in der Weichselstadt diskutiert.<br \/>\nDabei hatte die polnische Seite einer Verteilung von Plastikt\u00fcten und der Schrift w\u00e4hrend der Posener Messe geduldet. Unsere Hamburger Druckschrift hatte die polnische Seite vor dem Andruck einsehen k\u00f6nnen. Alle Sachen waren einzeln akzeptiert. In der Menge wurden sie in Danzig aber zum Gespr\u00e4chsgegenstand und l\u00f6sten gruppendynamische Prozesse aus.<br \/>\nMitglieder der Gesellschaft und freiwillige Helfer sind in diesem Zusammenhang insbesondere zu nennen: Jan Dolny, der eine ebenfalls von Bonn zur Verf\u00fcgung gestellte Quizmaschine in polnischer Sprache bediente und richtige Antworten des Publikums zu den Verh\u00e4ltnissen in der Bundesrepublik mit Preisen belohnte: kleine Schraubenziehers\u00e4tze mit dem Aufdruck &#8220;Bundesrepublik Deutschland&#8221;. Marion Gollin, Marcella D\u00e4wers und Dierk<br \/>\nJessen hatten bei der Ausgabe der gewaltigen Papiermassen am zentralen Informationsstand wirklich alle H\u00e4nde voll zu tun. Wir sind in den zehn Tagen beinahe das gesamte Papier losgeworden, immerhin 550.000 Druckschriften.<br \/>\nAbends war der Treffpunkt schlie\u00dflich der Nachtklub des Hotels, der &#8220;Hades&#8221;. Er und die Menschen in ihm waren repr\u00e4sentativ f\u00fcr die polnische Gesellschaft jener Zeit. Dort sa\u00df die Delegation des ZK aus Warschau neben Gruppen von Kaufleuten aller Art. Hier wurden wir von den Vertretern der Opposition, von Schriftstellern und Wissenschaftlern diskret angesprochen und befragt &#8211; was schlie\u00dflich angesichts der l\u00e4rmenden Musik f\u00fcr niemanden irgendwelche Folgen hatte. Aber auch an diesem Ort verlie\u00df uns die aktuelle Situation nicht:<br \/>\nAn der Bar sprach man mich auf die Plastikt\u00fcten an, was mich schlie\u00dflich \u00fcberzeugte, die Ausgabe der uns von Bonn \u00fcberlassenen Plastikt\u00fcten zu stoppen &#8211; nachdem 60.000 Exemplare unter die Besucherinnen und Besucher gebracht waren.<\/p>\n<p>21. Kein Ansatzpunkt danach<br \/>\nM\u00f6glicherweise hatten wir den Bogen in Danzig etwas \u00fcberspannt, m\u00f6glicherweise haben sich der Werftarbeiter Lech Wasa und die sp\u00e4teren vielen Danziger Mitgr\u00fcnder der Solidarit\u00e4t aus der Ausstellung und den verteilten Druckschriften informiert: niemand wei\u00df es. Ein Zusammenhang mit dem Entstehen dieser polnischen Gewerkschaftsbewegung, die schlie\u00dflich urs\u00e4chlich f\u00fcr den Fall der Mauer und das Verschwinden der Sowjetunion war, erscheint m\u00f6glich &#8211; wenn er auch nicht nachgewiesen werden kann. Wie anl\u00e4\u00dflich der Kongresses der deutsch-polnischen und der polnisch-deutschen Gesellschaften in Danzig im Mai 1997 zu erfahren war, sind die damaligen Hamburger Tage nicht vergessen. Prominentester Zeuge ist der heutige Stadtpr\u00e4sident Tomasz Posadzki, der damals Gymnasiast war, und sich an Einzelheiten gut erinnert: &#8220;Wir sp\u00fcrten des Hauch des Westens.&#8221; Politik ist eben wie Max Weber sagte: das Bohren von dicken Brettern mit untauglichen Mitteln. Kurzfristig endete Danzig f\u00fcr uns damit, da\u00df es keinen Ansatzpunkt f\u00fcr Hamburger Kontakte nach Polen mehr gab. F\u00fcr Bremen war der Weg zu einer erfolgreichen Partnerschaft mit Hans Koschnick frei &#8211; als der hinter dieser Friedensarbeit stehenden Kraft. Jan Grzelak wurde nach Krakau versetzt &#8211; was ebenfalls wie eine Strafaktion aussah. Und die Danziger Stadtverwaltung wurde dazu gezwungen &#8211; wie wir dann sp\u00e4ter h\u00f6rten &#8211; die Partnerstadt<br \/>\nLeningrad zu einer vergleichbaren Veranstaltung mit dem gleichen finanziellen Aufwand aus der Danziger Stadtkasse einzuladen.<br \/>\nIm Nachhinein entpuppten sich die Fragen des sowjetischen Konsuls und das bemerkenswerte Ausma\u00df von deutschsprechenden Fremden rund um unsere Danziger Veranstaltungen als sehr zielgerichtet.<\/p>\n<p>22. Suche nach Kontakten<br \/>\nNach den wiederholten &#8220;Strafaktionen&#8221; gegen unsere Gespr\u00e4chspartner fehlte mir &#8211; ehrlich gesagt &#8211; zun\u00e4chst etwas der Mut zu einem neuen Versuch, Kontakte anzubahnen. Es begann eine Zeit der Unzufriedenheit, in der wir uns im Vorstand wechselseitig Mut zusprachen, aber auch der vermochte nur bedingt zu tr\u00f6sten. Friedrich Riethm\u00fcller &#8211; inzwischen von den Folgen des Unfalls auf dem Wege nach Danzig genesen &#8211; versuchte die Treue zu halten, obwohl er inzwischen Kulturdezernent in G\u00f6ttingen geworden war. Es zeigte sich aber, da\u00df er die Aufgabe, unser musikalisch-kulturelles Gewissen zu sein, aus der Ferne doch nur schwer leisten konnte, so da\u00df sich der Charakter der Gesellschaft merklich wandelte.<br \/>\nEin weiterer Einschnitt r\u00fchrte daher, da\u00df Oswald Beck nur noch bedingt einsetzbar war. Vor der B\u00fcrgerschaftswahl war er vor die Alternative gestellt worden, entweder als Kandidat wiederaufgestellt zu werden oder sich f\u00fcr die Arbeit mit Polen zu entscheiden. Er hatte letzteres gew\u00e4hlt, was uns sehr ehrte, ihn aber dennoch bei seinem Mitwirken behinderte. Der CDU-Vorsitzende J\u00fcrgen Echternach hat sich sp\u00e4ter dann bei mir f\u00f6rmlich bedankt, da\u00df unsere Gesellschaft \u00fcberparteilich arbeitete und wir uns stets um die Zusammenarbeit aller damals in der B\u00fcrgerschaft vertretenen politischen Kr\u00e4fte bem\u00fchten &#8211; offensichtlich geschah dies, um einer Fehlinterpretation vorzubeugen.<br \/>\nOswald f\u00fchrte eine Reihe seiner Freunde in den Vorstand ein. Hier sind besonders Norbert Thurow, Rainer Blumenthal und Manfred Dahlke zu nennen. Ursula Wagner war Dorothea Wick als Schatzmeisterin nachgefolgt und blieb es dann viele Jahre bis sie ihrerseits von Helga Sturm abgel\u00f6st wurde, die ebenfalls viele Jahre im Vorstand mitarbeitete. Gerne entsinne ich mich der Zusammenarbeit mit Peter Foth, dem Mennonitenpastor. Von der<br \/>\nSPDBank sind Bodo Fischer, Konny Neumann und Uwe Zimmermann zu nennen.<br \/>\nBei allem Wechsel im eigenen Vorstand: An gleichartigen Gespr\u00e4chspartnern in Polen fehlte es der Gesellschaft nach wie vor, wenn wir auch inzwischen \u00fcber viele Kontakte verf\u00fcgten und den Mitgliedern viele Vortr\u00e4ge und Diskussionen mit polnischen Referenten bieten konnten. Einer, der sich seinerseits engagieren wollte, war der V\u00f6lkerkundler Przemysaw Burchardt, der gemeinsam mit dem Journalisten Andrzej Rayzacher in Warschau den Verein &#8220;Interethnika&#8221; zu gr\u00fcnden versuchte, was jedoch von den dortigen Beh\u00f6rden verboten wurde.<br \/>\nWiederholt h\u00f6rten wir damals von den offiziellen polnischen Stellen, man wolle keine polnisch-deutschen Gesellschaften dulden.<br \/>\nWas also tun, um dauerhafte Kontakte aufzubauen? Wir verlegten uns darauf, m\u00f6glichst viele Beziehungen zwischen Vereinen in Hamburg und in Polen zu stiften, quasi ein Netzwerk zu schaffen. Dies ging sehr gut zwischen Sportverb\u00e4nden, Schulen, Lehrervereinen und Volkstanzgruppen.<br \/>\nDie Mitglieder arbeiteten ebenfalls mit uns an einem solchen Netzwerk. Ein Beispiel war die Bitte der damals noch ganz neuen Mitglieder Aleksandra Jeszke-Zillmer und Hartwig Zillmer, die Deutsch-Polnische Gesellschaft m\u00f6ge doch die Schirmherrschaft \u00fcber eine demn\u00e4chst stattfinden Ausstellung eines polnischen Karikaturisten in der Galerie &#8220;Morgenland&#8221; in Eimsb\u00fcttel \u00fcbernehmen. Damals habe ich zugesagt, weil man doch jede M\u00f6glichkeit beim Schopfe greifen sollte. Gebracht hat diese Schirmherrschaft dann die Begegnung mit ROBS oder b\u00fcrgerlich: Robert Szec\u00f3wka, der seit 1986 in Hamburg lebt und die Karikaturen in dieser Jubil\u00e4umsschrift gezeichnet hat.<br \/>\nEin weiterer Weg war, Kontakte au\u00dferhalb von Botschaft, Au\u00dfenministerium und INTERPRESS aufzubauen. Pers\u00f6nlich angenehm waren dabei stets die Begegnungen mit den Angeh\u00f6rigen des deutschsprachigen Dienstes des Polnischen Rundfunks. Die Treffen mit Irena Osiska und ihrem Mann waren immer interessant, aber auch feuchtfr\u00f6hlich und gingen bis sp\u00e4t in die Nacht, wobei Gerd Hoffmann und ich viel \u00fcber die polnische Psyche gelernt<br \/>\nhaben. Mit Aleksander Opalski waren die Gespr\u00e4che nicht ganz so privat, daf\u00fcr aber ergebnisreicher. Die Journalisten konnten zwar \u00fcber uns berichten, uns interviewen, was nach Deutschland zur\u00fcck wirkte. Sie konnten uns aber nicht helfen, eine Gruppe in Warschau zu finden, die eine Partnerin f\u00fcr unserer Gesellschaft gewesen w\u00e4re.<br \/>\nWichtig waren die Kontakte zu Sejmabgeordneten, von denen aber bei weitem nicht alle unseren Zielen wohlgesonnen waren. Die Volksrepublik Polen hatte Ende der siebziger Jahre eine Gruppe von &#8220;Experten&#8221;, die Vortr\u00e4ge in Westdeutschland halten durften, ohne da\u00df sie jedesmal um Erlaubnis fragen mu\u00dften. Von ihnen kam ein Teil aus weltanschaulichen Gr\u00fcnden f\u00fcr uns \u00fcberhaupt nicht infrage. Die Mitglieder beschwerten sich sowohl \u00fcber die geringe Auswahl, die wir ihnen bieten konnten, als auch \u00fcber die ideologische Beifracht. Einen, den wir gerne einluden, war Wilhelm Szewczyk, Sejmabgeordneter aus Kattowitz (Giereks Heimat und deshalb wohl bevorrechtigt), Literat und Herausgeber einer literarischen Zeitschrift. Doch zu Wilhelm Szewczyk sp\u00e4ter noch mehr. Wen wir uns ab und zu wegen seines Wissens um die nationale Auseinandersetzung in Danzig und Westpreu\u00dfen anh\u00f6rten,<br \/>\nwar Edmund Mclewski. Gerade als parteiloser Sejmabgeordneter meinte er wohl, seinen Worten stets eine gewisse ideologische Beifracht mitgeben zu sollen.<br \/>\nEin erfreulicher Gespr\u00e4chspartner war f\u00fcr uns in dieser Zeit Janusz Reiter, der sp\u00e4tere polnische Botschafter, der damals als Gast in der ZEIT-Redaktion arbeitete und f\u00fcr eine lebhafte Diskussion in der Gesellschaft sorgte.<\/p>\n<p>23. Unerwartetes Gespr\u00e4ch<br \/>\nAlle diese Kontakte konnten nicht genug Futter f\u00fcr tatendurstige Mitglieder und Vorst\u00e4ndler sein. Die Gro\u00dfveranstaltungen hatten uns doch gezeigt, was m\u00f6glich war. Nachdem wir nicht mehr zu Dritt reisen konnten, unternahm ich im August 1979 allein eine Sondierungsreise, die ich gegen\u00fcber der Botschaft als touristische Reise mit meinem Sohn deklarierte. Es wurde eine Reise mit bemerkenswert langen Grenzkontrollen insbesondere in der DDR,<br \/>\ndie sich dann bei sp\u00e4teren Reisen immer wiederholten, so da\u00df ich mich mit der Zeit darauf einstellte.<br \/>\nBeim obligaten Besuch in der Botschaft der Bundesrepublik erfuhr ich vom Pressereferenten Heinrich Eckert w\u00e4hrend eines Spaziergangs auf den Stra\u00dfen &#8211; denn die schienen ja abh\u00f6rsicher zu sein -, da\u00df der damalige Botschafter am gleichen Nachmittag seinen\u00a0 Abschiedsempfang geben w\u00fcrde. Man lud mich zu diesem Empfang im Garten der Botschafterresidenz ein.<br \/>\nImmerhin, es war die ganze damalige polnische Prominenz erschienen. Welch ein Fortschritt gegen\u00fcber den zur\u00fcckliegenden Jahren. Unter den G\u00e4sten war ebenfalls Vizeau\u00dfenminister Czyrek, der mich fragte, ob ich denn am Sonnabend Zeit h\u00e4tte, da w\u00fcrde er sich gerne mit mir unterhalten. Er gab mir seine Telefonnummer, als ich etwas z\u00f6gerte, weil ich mit meinem Sohn an diesem Tag eigentlich Krakau besichtigen wollte. Nach einem nochmaligen Durchdenken der Tourgestaltung habe ich dann am n\u00e4chsten Tag zugesagt. Und was folgte, war eine rasende Tour nach Krakau, Auschwitz und zur\u00fcck nach Warschau.<br \/>\nAm Sonnabendmorgen stand ich um 9 Uhr im Au\u00dfenministerium auf der Matte. Der Kern des Gespr\u00e4ches mit Czyrek, das sich nat\u00fcrlich langsam aufbaute, war: &#8220;Sie haben bewu\u00dft die \u00f6stliche Option f\u00fcr die polnische Au\u00dfenpolitik gew\u00e4hlt. Eine n\u00f6rdliche oder s\u00fcdliche gibt es weit und breit nicht. Die Deutschen werden aber Ihre Nachbarn noch in 1000 Jahren sein.<br \/>\nM\u00fcssen Sie nicht doch eine Vorkehrungen f\u00fcr eine westliche Option treffen? Und wie vertr\u00e4gt es sich damit, da\u00df Sie unsere Gesellschaften praktisch in der Luft h\u00e4ngen lassen?&#8221; &#8211; &#8220;Da ist etwas dran,&#8221; meinte Czyrek.<br \/>\nIn rasender Eile wurde ich unter den Abteilungen des Au\u00dfenministeriums herumgereicht, um schlie\u00dflich &#8211; die Dienstzeit war am Sonnabend schon vorbei &#8211; bei der Nationalen Front als nach einem Gesetz von 1932 f\u00fcr gesellschaftlicher Auslandskontakte zust\u00e4ndiger Stelle zu landen. Von ihrem Generalsekret\u00e4r Zdzisaw Kanarek erfuhr ich, da\u00df f\u00fcr die Kontakte nach Deutschland &#8211; einerlei ob West oder Ost &#8211; die Gesellschaft des Westinstituts in Posen &#8211; also nicht das Institut selber sondern eher der &#8220;Tr\u00e4gerverein&#8221; aus 220 Wissenschaftlern &#8211; zust\u00e4ndig sei. Man w\u00fcrde diesem Verein die Dringlichkeit unserer W\u00fcnsche nahebringen.<br \/>\nMehr war wohl nicht zu erreichen. Wie politisch das ganze Umfeld aber war, konnte man aus dem Bemerken eines Au\u00dfenamtsbeamten schlie\u00dfen, der sich mir gegen\u00fcber befremdet zeigte, da\u00df die damals gegr\u00fcndete Bremer Gesellschaft keinen DKP-Funktion\u00e4r in ihren Vorstand aufgenommen hatte. Wie sp\u00e4ter zu erfahren war, hatte sich die DKP wohl in Moskau oder Pankow \u00fcber die hier ganz unschuldigen Polen beschwert.<\/p>\n<p>24. Ein Jugendwerk<br \/>\nAuf meinen Bericht \u00fcber diese Reise wurde im Segeberger Kreis vorgeschlagen, ein Deutsch-Polnisches Jugendwerk zu gr\u00fcnden. Eine Satzung hatten wir nicht, aber den gemeinsamen festen Willen, einen solchen Verein zu schaffen. Das Wichtigste sei, so empfanden die Vertreter aller norddeutschen Gesellschaften, nun den Jugendaustausch auf irgendeine Weise in Gang zu setzen.<br \/>\nNach dem Ausarbeiten einer Satzung sollte der Dachverband in G\u00f6ttingen gegr\u00fcndet werden, wo gerade eine neue deutsch-polnische Gesellschaft entstanden war. Als dort gew\u00e4hlter Vorsitzender habe ich mich dann daran gemacht, alle offiziellen Stellen in der Volksrepublik Polen und in der Bundesrepublik Deutschland von unserer Gr\u00fcndung und unseren Zielen zu unterrichten. W\u00e4hrend das erste Echo auf deutscher Seite befriedigend war, lie\u00df das polnische leider zu w\u00fcnschen \u00fcbrig. Die Zeit war offensichtlich noch nicht reif, wie sich sp\u00e4ter zeigen sollte. Gierowski, der Botschaftsrat aus K\u00f6ln, sprach davon, da\u00df wegen irgendwelcher Zwischenf\u00e4lle in der Tschechoslowakei Reisen polnischer Jugendlicher sehr restriktiv gehandhabt w\u00fcrden.<\/p>\n<p>25. Besuch aus Polen<br \/>\nUm die Jahreswende 1979\/80 meldete sich eine Delegation des Posener Westinstituts an. Alle Gespr\u00e4chsteilnehmer waren uns seit l\u00e4ngerem bekannt und dennoch begannen sie zum soundsovielten Male unseren Standpunkt zum Warschauer Vertrag und zur polnischen Westgrenze zu erfragen. Ob sie uns damit einsch\u00fcchtern wollten oder es tats\u00e4chlich nicht glauben wollten, da\u00df es in Westdeutschland Leute gab, die keine aggressiven Absichten gegen\u00fcber Polen verfolgten, haben wir nicht ergr\u00fcnden k\u00f6nnen.<br \/>\nOffensichtlich kamen sie aufgrund meiner Intervention bei Czyrek. Leider war das Ergebnis des Besuchs jedoch niederschmetternd. Die Delegation hatte zuvor die D\u00fcsseldorfer Gesellschaft besucht und mit ihr einen Alleinvertretungsvertrag geschlossen. Wir sollten unsere Beziehungen von deren Gnaden aufbauen &#8211; eine Position, die wir \u00fcberhaupt nicht akzeptieren konnten. Schade, eine weitere Chance, Gespr\u00e4chskontakte aufzubauen, war vertan.<\/p>\n<p>26. Forum in Darmstadt<br \/>\nIm Mai 1980 fand in Darmstadt das 3. Deutsch-Polnische Forum statt, zu dem ich von der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Ausw\u00e4rtige Politik eingeladen wurde. Darmstadt war gew\u00e4hlt worden, weil dort ein Kind des ersten Forums von 1977, das Deutsche Polen-Institut, seine Arbeit aufgenommen hatte.<br \/>\nWas man damals noch nicht wu\u00dfte, es war die letzte Versammlung, auf der die polnischen Betonk\u00f6pfe das Sagen hatten und in so gro\u00dfer Zahl vertreten waren. Dies zeigte sich besonders, als den polnischen Delegationsmitgliedern verboten wurde, eine Einladung zum Tee im Institut anzunehmen. Sein Leiter Karl Dedecius hatte sich unbotm\u00e4\u00dfig benommen, weil er seine Studien nicht nur auf die Schriftsteller der Volksrepublik beschr\u00e4nken wollte, sondern auf alle polnischen Literaten &#8211; also auch die im Exil lebenden &#8211; erstreckte. Bei seinem Abschiedsbesuch in Hamburg anderthalb Jahre sp\u00e4ter sprach der polnische Botschafter Bieliski den Vorfall \u00fcberraschender Weise an, um zu bekennen, da\u00df der Boykott ein gro\u00dfer Fehler gewesen sei. So hatten sich die Zeiten mit der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; ge\u00e4ndert.<br \/>\nDarmstadt war f\u00fcr mich jedoch ebenfalls aus einem anderen Grunde entt\u00e4uschend: durch Zufall war ich bei einem Mittagessen am Tisch des ZK-Sekretariats gelandet. Das war die Gelegenheit f\u00fcr Elzbieta Michalowska, mir bekannt als Diskussionsteilnehmerin f\u00fcr das Allpolnische Komitee f\u00fcr die Jugend bei den Polnischen Tagen 1971 und nun rechte Hand von Pitkowski, der inzwischen der au\u00dfenpolitische Machthaber in der Partei geworden war, mir zu erkl\u00e4ren: &#8220;Wir wollen Ihr Jugendwerk nicht. Wir wissen, da\u00df Sie in Ihrem Land daf\u00fcr viel Geld auftreiben k\u00f6nnen, aber gerade deshalb wollen wir es nicht!&#8221;<br \/>\nW\u00e4hrend der R\u00fcckreise von Darmstadt war also gen\u00fcgend Zeit und Gelegenheit, \u00fcber fehlgeschlagene Versuche zum Schaffen von dauerhaften Gespr\u00e4chskontakten f\u00fcr unsere Gesellschaft nachzudenken. Aber wie hatte Heinrich Eckert, ein Diplomat aus der Warschauer Botschaft, angesichts unseres Danziger Verhandlungsergebnisses gesagt: Sie haben gezeigt, da\u00df Sie die andere Seite mit viel Geduld weichklopfen k\u00f6nnen. Sollte man dran<br \/>\nbleiben? Manchmal fehlte doch schon der Mut. Zwischen einzelnen Verb\u00e4nden, Schulen und anderen klappte es mit den Gespr\u00e4chen, bei denen wir Pate gestanden oder sonstwie geholfen hatten. An erster Stelle ist hier die durch Vermittlung von Hans-Joachim und Ingrid Seeler sowie der Stiftung F.V.S. von Alfred C. T\u00f6pfer zustandegekommene Verbindung mit Resovia Saltans, der Volkstanzgruppe der P\u00e4dagogischen Hochschule Rzeszow zu nennen.<br \/>\nHier trugen Flei\u00df und Energie von Gerd Hoffmann Fr\u00fcchte &#8211; zugleich war die Beziehung durch die Jahre erfolgreich, weil die Menschen in dieser \u00f6stlichen Stadt Polens sich wohl immer ihrer Lage an der Peripherie ihres Landes bewu\u00dft waren.<\/p>\n<p>27. &#8220;Polnischer Herbst &#8217;81&#8221;<br \/>\nDie pl\u00f6tzlichen Erfolge der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; im August 1980 kamen ebenfalls f\u00fcr uns v\u00f6llig \u00fcberraschend. Kontakte waren zwar leicht zu schaffen, die Gewerkschaftsmitglieder mit ihren eigenen Angelegenheiten jedoch sehr besch\u00e4ftigt. Die Teilnehmer einer schon l\u00e4nger zuvor von der Gesellschaft angesetzten Busreise wu\u00dften viel zu erz\u00e4hlen. Ankn\u00fcpfungspunkte hatten sich jedoch nicht ergeben. Gleichfalls brachte ein Loccumer Polenseminar zur Bestandsaufnahme der Umw\u00e4lzungen in Polen trotz hoher Besetzung auf beiden Seiten (u.a. Willy Brandt und Mieczysaw Rakowski) keine ausbauf\u00e4higen Kontakte. Dazu waren die Polen zu sehr mit sich selbst besch\u00e4ftigt.<br \/>\nWir fanden, ein weiteres Gro\u00dfereignis k\u00f6nnte uns helfen, zu den gew\u00fcnschten Kontakten zu kommen. Tats\u00e4chlich gelang es, die B\u00fcrgerschaftsfraktionen zu \u00fcberreden, f\u00fcr einen &#8220;Polnischen Herbst 1981&#8221; DM 50.000 zur Verf\u00fcgung zu stellen. Das war zwar bei weitem nicht der Rahmen der beiden Vorl\u00e4ufer. Der Betrag k\u00f6nnte aber doch reichen, fanden wir &#8211; sogar unseren Wunsch erf\u00fcllen, Besuche polnischer junger Menschen einzuschlie\u00dfen.<br \/>\nGerd Hoffmann und ich reisten Ende April nach Polen, um \u00fcber Programm\u00f6glichkeiten mit INTERPRESS, PAGART, dem Kulturministerium und anderen uns bekannten Stellen zu sprechen. Es war schon ein tolles Erlebnis, den Wettbewerb der Maiaufz\u00fcge zwischen der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; und der Partei zu erleben und nachher auf Einladung der &#8220;Bauernsolidarit\u00e4t&#8221; ins Kino zu gehen.<br \/>\nMit unseren Programmverhandlungen hatten wir ebenfalls Erfolg. Diesmal wollten wir die Stadt Warschau in den Vordergrund stellen, in der Hoffnung, da\u00df sich hierauf Beziehungen unterhalb der Ebene einer f\u00f6rmlichen Partnerschaft ergeben k\u00f6nnten.<br \/>\nZukunftstr\u00e4chtig &#8211; wie sich sp\u00e4ter herausstellte &#8211; war der Vorschlag von Gierlowski, wenn es schon keine Schulkinder sein k\u00f6nnten, wie w\u00e4re es denn mit Studenten und wir h\u00e4tten doch in Hamburg dieses wunderbare Institut DESY. Wir haben dann eine Gruppe von etwa 20 Studentinnen und Studenten zu einem vierw\u00f6chigen Praktikum bei DESY eingeladen, nachdem Einzelheiten mit dem Institut abgesprochen waren. \u00d6rtlich wurden die Praktikanten, von denen etliche schon Doktoranden waren &#8211; denn in Polen hatte es einen Ansturm auf die DESY-Pl\u00e4tze gegeben -, von Lisi und Adolf Vogel betreut. Dieser Programmpunkt wurde ein voller Erfolg. Vogels und auch ich standen noch viele Jahre im Kontakt mit den Praktikanten.<br \/>\nDESY und die Institute der Praktikanten vereinbarten &#8211; unabh\u00e4ngig von uns -, das Programm fortzusetzen. Es wird immer noch gepflegt. Und nach f\u00fcnfzehn Jahren erschien Anfang 1997 eine Delegation des Sejm, um die heutigen Bedingungen f\u00fcr dieses Programm zu untersuchen &#8211; eine Aktion, die wirklich Bestand hatte.<br \/>\nUm den H\u00f6hepunkt des &#8220;Polnischen Herbstes&#8221; zu feiern, hatten wir die Senatskanzlei \u00fcberreden k\u00f6nnen, im November 1981 einen Senatsempfang f\u00fcr alle Teilnehmer und Mitglieder im Gro\u00dfen Festsaal des Rathauses auszurichten. Als polnischen Ehrengast hatten wir den Vizepr\u00e4sidenten von Warschau, Stanisaw Bielecki, gewinnen k\u00f6nnen. Rasch wurde er sich mit dem Hamburger Gastgeber Staatsrat Diether Haas darin einig, da\u00df vielleicht eine Verbindung unterhalb einer Partnerschaft m\u00f6glich w\u00e4re, indem beide St\u00e4dte das Patronat \u00fcber eine Vereinbarung zwischen der &#8220;Gesellschaft der Freunde Warschaus&#8221; und unserer Gesellschaft \u00fcbernehmen w\u00fcrden. &#8211; Wir atmeten auf. Jetzt w\u00fcrde es die lang ersehnte Grundlage f\u00fcr gesellschaftliche Kontakte geben.<br \/>\nF\u00fcr mich pers\u00f6nlich war das mit dem Polnischen Herbst verkn\u00fcpfte Kinoprogramm im Abaton ein besonderes Arbeitsfeld. Die Veranstaltungsreihe sollte mit einer Matinee von &#8220;Der Mann aus Eisen&#8221; von Andrzej Wajda am 13. Dezember 1981, einem Sonntagmorgen, enden. In der Nacht zuvor war in Polen der Kriegszustand ausgerufen worden. Zu dieser Vorstellung erschien deshalb niemand &#8211; oder lag es am pl\u00f6tzlichen Schneefall an diesem<br \/>\nMorgen? Gottseidank war der Film vorher aber ganz erfolgreich gelaufen. &#8211; F\u00fcnfundzwanzig Filmkopien lagerten im Abaton. Auf indirektem Wege erreichte mich die Bitte, diese Kopien &#8211; unter denen viele waren, die Gedanken der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; widerspiegelten &#8211; vorerst nicht nach Warschau zur\u00fcckzusenden. Ganz offensichtlich wollten f\u00fchrende Mitarbeiter von Film Polski sie als eine Art Faustpfand im Westen behalten. Die Kopien wurden dann anderthalb Jahre sp\u00e4ter zur\u00fcckgesandt.<br \/>\nMit dem Kriegszustand waren unsere Hoffnungen auf eine stetige Kontaktbasis erneut dahin. Die Situation erschien uns nun hoffnungsloser denn je, zumal eine gro\u00dfe Zahl von Mitgliedern unter Hinweis auf das nicht hinnehmbare Kriegsrecht in Polen ihre Mitgliedschaft aufk\u00fcndigte.<\/p>\n<p>28. Kriegsrecht<br \/>\nIn der n\u00e4chsten Zeit taten wir, was getan werden konnte. Es wurden \u00fcbersch\u00fcssige Medikamente, die damals \u00fcblichen Probepackungen, bei \u00c4rzten und Apothekern gesammelt, in Kisten verpackt und unter abenteuerlichen Umst\u00e4nden mit geliehenen oder sonstwie gesponsorten Lastkraftwagen nach Polen gebracht. Bald waren alle R\u00e4ume der Neuen Gesellschaft an der Rothenbaumchaussee, mit der wir nach wie vor zusammenarbeiteten, mit Medikamenten gef\u00fcllt, die nach Auslaufdatum und\u00a0 Hauptwirkungsgebiet von uns Laien sortiert wurden. Im Fr\u00fchsommer 1982 erreichte mich ein Hilferuf aus der polnischen Botschaft in K\u00f6ln: es w\u00fcrde eine wichtige Pers\u00f6nlichkeit des polnischen Staates nach Hamburg kommen. Leider habe man niemanden, ihn zu betreuen. Ob die Gesellschaft dies nicht \u00fcbernehmen k\u00f6nnte.<br \/>\nEs handelte sich um den damaligen Vizemarschall (= Vizepr\u00e4sidenten) des Sejm, Zbigniew Gertych, einen Professor f\u00fcr Gartenbau an der Posener Universit\u00e4t und zugleich Pr\u00e4sident der polnischen Akademie der Wissenschaften. Gertych war schon lange zuvor als einer der Pr\u00e4sidenten des gerade in Hamburg stattfindenden Gartenbaukongresses gew\u00e4hlt worden und mu\u00dfte nun w\u00e4hrend der ganzen Kongre\u00dfdauer in Hamburg ausharren. Er sprach vorz\u00fcgliches Deutsch und wohnte in einem kleinen Hotel am Hauptbahnhof &#8211; denn mehr konnten er oder Polen sich damals nicht leisten. Er entpuppte sich als ein Idealist, der schon bei den Posener Unruhen zugunsten von Gomulka im Jahre 1956 mit anderen Professoren und den Studenten Partei ergriffen hatte. Er war jetzt von der vaterl\u00e4ndischen Ehrlichkeit seines Freundes Jaruzelski \u00fcberzeugt. In langen Gespr\u00e4chen und bei vielen Besichtigungsfahrten konnte ich ihn von der Notwendigkeit st\u00e4ndiger gesellschaftlicher Kontakte zwischen unseren L\u00e4ndern \u00fcberzeugen. Dabei half ebenfalls ein Empfang, den die Gesellschaft f\u00fcr ihn und die alle anwesenden polnischen Professoren und Studenten in der Evangelischen Akademie gaben.<br \/>\nBevor ich mit Gertych das Hotel zu unseren Abendspazierg\u00e4ngen verlassen konnte, mu\u00dften wir in seinem Zimmer die Tagesschau ansehen. Verst\u00e4ndlich, da\u00df ein politischer Mensch stets teilhaben m\u00f6chte. Er sagte wiederholt:<br \/>\n&#8220;Polen hat 50.000 Offiziere und 50.000 Priester. Beide sind die Ordnungsm\u00e4chte im polnischen Staat und garantieren ihn.&#8221; Seine Reaktionen auf die Berichte aus Polen und die dort stattfindenden Demonstrationen gegen das Kriegsrecht waren aber f\u00fcr mich sehr seltsam. Er fragte n\u00e4mlich immer: Haben Sie richtige Arbeiter als Demonstranten erkannt? Wenn es nur Jugendliche waren, ist es nicht so schlimm. Erst wenn Arbeiter im mittleren Alter mitstreiken, dann haben wir verloren.<\/p>\n<p>29. Erneut in Warschau<br \/>\nDie Gegeneinladung f\u00fcr unsere Bem\u00fchungen um Gertych lie\u00dfen nicht lange auf sich warten. Ende Januar 1983 fuhren Gerd Hoffmann und ich nach Warschau, wo wir diesmal im Hotel Parkowa, dem Regierungsg\u00e4stehaus neben dem Belveder, untergebracht wurden. Unser H\u00f6flichkeitsbesuch im Au\u00dfenministerium endete &#8211; schlicht gesagt &#8211; mit einem Fiasko.<br \/>\nVielleicht, weil wir jetzt Kontakte auf der parlamentarischen Schiene hatten. Vielleicht auch wegen einer eher flappsigen Bemerkung von mir &#8211; von der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; mit der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221;, worauf die Gesichter zu Eis erstarrten. Auf jeden Fall hie\u00df es: Sie wollen eine polnischdeutsche Gesellschaft hier in Polen &#8211; wir sind dagegen. Sie wollen st\u00e4ndige Kontakte &#8211; die gibt es nicht. So ging es \u00fcber eine Stunde.<br \/>\nWie anders dagegen der Besuch bei Gertych, der uns in seinem Arbeitszimmer im Sejm empfing &#8211; in herzlicher Atmosph\u00e4re und umgeben von wundersch\u00f6nen Blumen, eine Besonderheit in diesen Januartagen.<br \/>\nDurch seine Vermittlung landeten wir wieder bei der Nationalen Front, die sich gerade in PRON umwandelte, die Unterst\u00fctzerorganisation f\u00fcr Jaruzelski. Und wieder hatten wir es mit Zdzisaw Kanarek zu tun. Wir machten ihm klar, da\u00df wir die Einschaltung des Posener Westinstituts nicht akzeptieren k\u00f6nnten. Ob er nicht unser Gespr\u00e4chspartner sein k\u00f6nnte.<br \/>\nDies wurde nach einiger Zeit akzeptiert und zugleich vereinbart, da\u00df wir den Vorschlag f\u00fcr ein Jahresprogramm gemeinsamer Aktivit\u00e4ten ausarbeiten w\u00fcrden. W\u00e4hrend der langen Stunden der R\u00fcckfahrt haben Gerd und ich dann ein Musterprogramm durchgesprochen. Hindern mu\u00dfte ich ihn allerdings daran, es niederzuschreiben, bevor wir die Grenze der Bundesrepublik erreicht hatten &#8211; wie gut, denn in Zarrentin wurde jeder Zipfel Papier, den wir bei uns hatten, darunter viele Pressemitteilungen von PRON, in einer stundenlangen Prozedur fotokopiert. Offensichtlich sind die Berichte der Stasi verloren gegangen. Wie mir die Gauckbeh\u00f6rde unl\u00e4ngst mitteilte, hat man bisher nur einige Karteikarten gefunden.<br \/>\nDen Aufenthalt in Warschau hatten wir ebenfalls genutzt, neben einem Besuch bei INTERPRESS, die uns aber &#8211; weil kein Auftrag vorlag &#8211; \u00fcberhaupt nicht mehr helfen konnten, den Kontakt zu alten Bekannten aufzunehmen, darunter zu Janusz Reiter, der damals f\u00fcr die Zeitschrift Przegld Katolicki arbeiten konnte, zu Wilhelm Szewczyk, der uns sp\u00e4ter noch vielf\u00e4ltig unterst\u00fctzte, und zu Marek Rzeszotarski, damals pers\u00f6nlicher Referent des Schulministers und sp\u00e4terer Generalkonsul in Hamburg.<br \/>\nTrotz unseres mehrer Seiten umfassenden Programmvorschlages den wir dann sehr bald Kanarek zusandten, wollte sich doch nichts bewegen. Wir beschlossen deshalb im Sommer mit einer gr\u00f6\u00dferen Vorstandsdelegation, zu der Ursula Wagner, Jan Dolny und Rainer Blumenthal neben mir geh\u00f6rten erneut nach Warschau zu fahren, um wieder auf den Busch zu klopfen. Diesmal wurden wir von Gertych in der Akademie der Wissenschaften empfangen, wo er &#8211; hoch \u00fcber den D\u00e4chern Warschaus &#8211; in den obersten Geschossen des Kulturpalastes residierte. Der Gartenbauprofessor war stets von Blumen umgeben. Zum Essen lud er ins HORTEX-Restaurant am Alten Markt, wo es &#8211; auch in dieser schwierigen Zeit f\u00fcr Polen &#8211; erlesene Gem\u00fcse und Fr\u00fcchte gab.<br \/>\nUnsere Visite in Warschau hatte zwar kaum Erfolg, gab aber den einzelnen\u00a0 Vorstandsmitgliedern die M\u00f6glichkeit ihre inzwischen angenommenen und \u00fcbernommenen Projekte zu verfolgen. Au\u00dferdem hatten wir intensive Gespr\u00e4che mit Wilhelm Szewczyk. Schlie\u00dflich hatte dieser Besuch in Warschau jedoch ein Ergebnis, von dessen vollem Umfang wir erst Jahre sp\u00e4ter erfuhren. Der damalige Pressereferent der Botschaft der Bundesrepublik<br \/>\nKlaus Reiff hatte zu unseren Ehren zu einem Empfang in seiner Privatwohnung geladen, zu dem erstaunlich viele G\u00e4ste gekommen waren &#8211; alles gute Bekannte aus den letzten zehn Jahren, denn der Gastgeber hatte uns aufgefordert, ihm alle Namen zu nennen, die eingeladen werden sollten.<br \/>\nDieser Empfang war f\u00fcr uns sehr sch\u00f6n, weil man so vielen Menschen wiederbegenete. Er war aber auch eine der wirksamsten Hilfen, die unsere Gesellschaft jemals vom Ausw\u00e4rtigen Dienst erhalten hat. Einige der G\u00e4ste gestanden n\u00e4mlich sp\u00e4ter, wie ihnen dieser Empfang und unser Erscheinen Mut gemacht h\u00e4tten. &#8220;Als wir Sie sahen, da wu\u00dften wir, da\u00df das Leben doch weitergeht.&#8221;<\/p>\n<p>30. Langsamer Wandel<br \/>\nW\u00e4hrend fast alle vorher gekn\u00fcpften Kontakte sich nach Verk\u00fcndung des Kriegsrechts aufl\u00f6sten oder zumindest stark schwankten, traf das auf die Beziehungen zur P\u00e4dagogischen Hochschule in Rzeszow nicht zu. Hier konnte unser Spezialist f\u00fcr Sportangelegenheiten, Gerd Hoffmann, schon bald wieder neu beginnen. Zwar hatten auch hier die Personen gewechselt. Die neuen Leute waren aber ebenfalls bereit, nicht so sehr auf Warschau zu h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Verbl\u00fcffend war ebenfalls der Besuch des polnischen Arbeitsministers Antoni Rajkiewicz, der um eine Vortragsgelegenheit vor den Mitgliedern nachsuchte und frei von der Leber weg die Probleme der polnischen Volkswirtschaft ansprach. Langsam begann sich der Charakter der Gesellschaft zu wandeln. War er vorher beinahe ausschlie\u00dflich von Deutschen bestimmt, die mehrheitlich wenige oder gar keine Beziehungen zum Land jenseits von Oder und Nei\u00dfe hatten und sich aus politischer \u00dcberzeugung f\u00fcr den Frieden zwischen Polen und Deutschen einsetzten, so traten jetzt mehr und mehr Menschen in den Vordergrund, die mit ihrer Person f\u00fcr einen Br\u00fcckenschlag standen &#8211; meistens Polinnen, die einen Deutschen geheiratet hatten.<br \/>\nDer Wandel wurde besonders bei den Vorstandswahlen 1983 und 1985 deutlich, als zwei Frauen aus dieser Gruppe in den Vorstand gew\u00e4hlt wurden. Es waren Aleksandra JeszkeZillmer und Teresa Lemke. Sie brachten ihre Beziehungen zu Polen und ihren Erfahrungsschatz in die Arbeit der Gesellschaft ein, so da\u00df trotz der widrigen Gro\u00dfwetterlage immer wieder kleine Fortschritte m\u00f6glich waren. Obwohl uns manchmal der Mut verlie\u00df, ob wir denn schlie\u00dflich einen Durchbruch schaffen w\u00fcrden, ermunterte uns dennoch das entstehende Netzwerk der Beziehungen. Als Senatorin a. Irma Keilhack in der Mitgliederversammlung 1984 mit gewissem Recht feststellte, da\u00df es angesichts der allgemeinen politischen Lage von der Gesellschaft doch gar nicht zu schaffen sei, best\u00e4ndige Verbindungen zu kn\u00fcpfen, sprach sie mir mit ihrem Verst\u00e4ndnis zwar aus dem Herzen und dennoch widersprach ich ihr, weil wir von unseren kleinen Schritten \u00fcberzeugt waren.<br \/>\nDie Arbeitsteilung im Vorstand begann sich immer deutlicher zu entwickeln, nachdem die medizinische und andere humanit\u00e4re Hilfe mit der Zeit in den Hintergrund trat. Gerd Hoffmann engagierte sich verst\u00e4rkt in Rzeszow. Jan Dolny versuchte eine Partnerschaft zwischen den Bezirken Warschau-Mitte und Hamburg-Mitte aufzubauen &#8211; ein Vorhaben, das von seiner Bezirksversammlung, in der er Mitglied war, durchaus akzeptiert, von der Senatskanzlei dagegen abgelehnt wurde. Aleksandra Jeszke-Zillmer k\u00fcmmerte sich um die Beziehungen zu ihrer Heimatstadt Tczew und sp\u00e4ter mit ihrem Mann um \u00f6kologische Fragen im Verh\u00e4ltnis beider L\u00e4nder, w\u00e4hrend Teresa Lemke nach und nach das gesamte Stettiner Musikleben erfolgreich nach Hamburg holte. Alle haben \u00fcber ihre M\u00fchen mit diesen Projekten in Beitr\u00e4gen zu dieser Jubil\u00e4umsschrift berichtet. Ein weitere Schwerpunkt war schlie\u00dflich &#8211; wie schon in der Vergangenheit m\u00f6glichst viele Beziehungen und Partnerschaften zwischen Hamburger Vereinen und korrespondierenden Institutionen in Polen zu stiften, um so den Gedanken der Verst\u00e4ndigung voranzutreiben.<\/p>\n<p>31. Forum in Krakau<br \/>\nBei mir blieben die \u00fcberregionalen Aufgaben, die allerdings mehr und mehr Zeit erforderten. Hier war zun\u00e4chst das Deutsch-Polnische Forum in Krakau im Jahre 1985 zu nennen, bei dem die deutsche Beteiligung sehr hoch angesiedelt war. So konnte man unter den anwesenden Bundestagsabgeordneten ebenso wie unter den Wissenschaftlern von der Gesellschaft berichten und f\u00fcr ihre Ziele werben. Die polnische Seite war aber noch weitgehend vom Kriegsrecht gel\u00e4hmt, so da\u00df eigentlich nur der dort erneuerte Kontakt zu Wilhelm Szewczyk etwas brachte.<br \/>\nEr wollte erneut versuchen, unsere Bem\u00fchungen auf der Parlamentarierebene zu unterst\u00fctzen. Wir unternahmen eine Vorstandsreise, um mit unseren verschiedenen Vorhaben weiterzukommen. Bei dieser Gelegenheit besuchten wir ebenfalls Gertych. Leider wurde schlie\u00dflich doch nichts daraus, weil das Au\u00dfenministerium sich mit dem Hinweis durchsetzen konnte, da\u00df die Bem\u00fchungen von &#8220;falscher Seite&#8221; gekommen seien.<br \/>\nInteressant war es, in Krakau &#8211; wie immer &#8211; mit Marek Jdrys aus dem Au\u00dfenministerium zusammenzutreffen. Ende der siebziger Jahre war er als junger Attach\u00e9 Referent in der K\u00f6lner Botschaft f\u00fcr die deutsch-polnischen Gesellschaften gewesen. Mit ihm konnte ich damals \u00fcber alle unsere Schwierigkeiten reden. Er hatte stets ein offenes Ohr, was die Gespr\u00e4che in\u00a0 Krakau ebenfalls f\u00f6rderte &#8211; nun nachdem er auf der Kariereleiter einige Schritte zur\u00fcckgelegt hatte &#8211; denen bis heute weitere folgen sollten.<\/p>\n<p>32. &#8220;Dialog&#8221;<br \/>\nWenige Monate nach dem Krakauer Forum versuchte die Evangelische Akademie Loccum &#8211; eigentlich in der R\u00fcckschau zum letzten Male &#8211; ein deutsch-polnisches Journalistentreffen zu arrangieren. Auf staatlicher Ebene war die Beteiligung mit den beiden Au\u00dfenministern verh\u00e4ltnism\u00e4\u00dfig hoch. Bei den polnischen Journalisten lie\u00df sie jedoch zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, weil die Teilnahme von Vertretern oppositioneller Bl\u00e4tter nicht genehmigt worden war. Die Gespr\u00e4che verliefen dementsprechend z\u00e4h und trocken.<br \/>\nAm Rande der Konferenz kamen die anwesenden vier oder f\u00fcnf Vorsitzenden der norddeutschen Gesellschaften zum Ergebnis, da\u00df man das Feld der deutsch-polnischen Beziehungen publizistisch nicht allein der in D\u00fcsseldorf beheimateten Gesellschaft \u00fcberlassen d\u00fcrfte. Zwar hatten sich die bestimmenden kommunistischen Kader mit dem Aufkommen der &#8220;Solidarit\u00e4t&#8221; zun\u00e4chst zur\u00fcckgezogen &#8211; weil es ihnen zunehmend an weltanschaulichen Argumenten fehlte. Nun jedoch waren neue Personen aufgetaucht, die die Fragen zwischen Polen und Deutschland in einer f\u00fcr unsere Gesellschaften unertr\u00e4glichen Weise interpretierten. Weil sie die einzigen waren, die eine Zeitschrift herausgaben, wurden nat\u00fcrlich nur sie zitiert, was unsere Mitglieder zunehmend irritierte.<br \/>\nDie anwesenden Vertreter der norddeutschen Gesellschaften kamen nach einem Gespr\u00e4ch mit dem Leiter der Kulturabteilung im Ausw\u00e4rtigen Amt Barthold C. Witte \u00fcberein, die juristische Grundlage f\u00fcr die Herausgabe einer eigenen Zeitschrift zu legen. Daraus entstanden im Laufe der n\u00e4chsten Monate die Arbeitsgemeinschaft Deutsch-Polnische Verst\u00e4ndigung und die Zeitschrift Dialog, f\u00fcr die wir als Chefredakteur G\u00fcnter Filter, ein Mitglied der Hamburger Gesellschaft, gewinnen konnten.<br \/>\nDer Zusammenschlu\u00df sollte ausdr\u00fccklich keine Dachgesellschaft sein. Im Namen wurde deshalb an den Segeberger Kreis angekn\u00fcpft, der auch nach wie vor zusammentreten sollte. Der Titel der Zeitschrift war Programm. Weil man es uns immer wieder versagte, mit polnischen Partnern auf einer gesellschaftlichen Ebene zu sprechen, wollten wir den &#8220;Dialog&#8221; mit ihnen \u00fcber die Zeitschrift aufnehmen. Jeder von uns hatte von Polinnen und Polen viele<br \/>\nVisitenkarten erhalten &#8211; wie dies in allen L\u00e4ndern \u00fcblich ist, in denen sich die Schreibweise von Eigennamen nicht eindeutig aus ihrer Sprechweise ergibt. An alle diese Anschriften wollten die Mitgliedsgesellschaften die Zeitschrift versenden, um so das Gespr\u00e4ch \u00fcber die Grenze einzuleiten.<br \/>\nF\u00fcr die Hamburger Gesellschaft war der regelm\u00e4\u00dfige ehrenamtliche Versand von mehreren Hundert Exemplaren der Zeitschrift eine gro\u00dfe physische und finanzielle Anstrengung, die sich aber letztlich lohnte. Die polnische Seite begriff sehr schnell und machte uns Angebote f\u00fcr Gespr\u00e4chsforen, die sich aufgrund der sich wandelnden politischen Gro\u00dfwetterlage allerdings auch st\u00e4ndig \u00e4nderten.<br \/>\nZum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft war als Neutraler Hartmut Reichardt gew\u00e4hlt worden, der Moderator der deutsch-polnischen Konferenzen in Loccum. Ich wurde einer der stellvertretenden Vorsitzenden, was bewirkte, da\u00df die unmittelbare Arbeit f\u00fcr die Hamburger Gesellschaft zwangsl\u00e4ufig in den Hintergrund trat. Die Herausgabe der Zeitschrift gestaltete sich als schwierig, was viele Vorstandssitzungen der neuen Arbeitsgemeinschaft &#8211; meist in der S\u00fcdheide, gleich weit von Hannover, Bremen und Hamburg entfernt &#8211; erforderte.<\/p>\n<p>33. Einzelg\u00e4nger<br \/>\nMit zwei Personen hatten wir in jenen Jahren viel in Hamburg zu tun: Zum einen war es Mieczysaw Cherek, der inzwischen Direktor der ORBIS-Niederlassung in Hamburg geworden war. Cherek kannten wir bereits von den Polnischen Tagen in Hamburg. Damals war er einer der Vertreter des polnischen Sportverbandes gewesen. Bei den Hamburger Tagen in Danzig waren wir ihm als Chef des Sportamtes der dortigen Wojwodschaft wiederbegegnet. Nun half er uns nat\u00fcrlich mit dem Arrangement von Reisen nach Polen. In Zusammenarbeit mit ihm haben wir ebenfalls zu vielen gutbesuchten kulturellen Veranstaltungen in seiner Niederlassung am Glockengiesserwall eingeladen.<br \/>\nDer Zweite war Kazimierz Bolinski aus Warschau, der zu uns als Journalist f\u00fcr Zeitschriften f\u00fcr das polnische Handwerk kam. Wie bald zu entdecken war, handelte er eigentlich als eine Ein-Personen-Polnisch-Deutsche-Gesellschaft in Warschau. Im Vordergrund standen zwar immer Handwerksprojekte, von denen leider nicht alle erfolgreich waren. Im Hintergrund war stets sein Ziel zu sp\u00fcren, sich f\u00fcr den Br\u00fcckenbau zwischen beiden L\u00e4ndern einzusetzen. Wir trafen uns h\u00e4ufig mit diesem pensionierten Major, der in Polen anscheinend Teil des unsichtbaren Netzwerkes der Offiziere war und als Mitglied der Heimatarmee in der Region Wilna Schweres durchgemacht hatte. Von den Sowjets nach Kriegsende gefangen genommen, hatte war er mit seinen Kameraden in die unterschiedlichsten Teile der Sowjetunion verschleppt worden. Sie hatten viele Jahre ben\u00f6tigt, um endlich den Kriegsgefangenenstatus zu erhalten, den ihre ehemaligen deutschen und oft im gleichen oder benachbarten Lager einquartierten Feinde von vornherein hatten. Auch wenn die Gespr\u00e4che manchmal schleppend verliefen, haben<br \/>\nwir uns um diesen idealistisch gesonnenen und uns darin durchaus gleichenden Menschen gerne bem\u00fcht, der zudem voller Ideen war, wie eine Partnerschaft zwischen den Bezirken Warschau-Mitte und Hamburg-Mitte schlie\u00dflich doch zustande kommen k\u00f6nnte.<br \/>\nKazimierz Bolinski verf\u00fcgte \u00fcber besonders gute Beziehungen zu einem Warschauer Reiseb\u00fcro, bei denen Ausl\u00e4nder damals kaum landen konnten. Meist schaffte er es, binnen weniger Stunden Fahrkarten nach Berlin und zur\u00fcck zu erstaunlichen Preisen zu beschaffen.<br \/>\nUnd wenn es gar nicht klappen wollte, so ging er mit mir zum Bahnhof, redete mit einem Schlafwagenschaffner in einem der sowjetischen Transitz\u00fcge, der dann bereit war, ein gerade verlassenes Einbettabteil neu herzurichten.<br \/>\nMit DM 25,00 war ich dann dabei &#8211; einschlie\u00dflich Bett und Fahrkarte. Die Z\u00fcge fuhren damals praktisch exterritorial durch Polen. Erst die DDR-Grenzer begannen den Zug zu kontrollieren.<\/p>\n<p>34. Durchbruch<br \/>\nPers\u00f6nlich ergab sich f\u00fcr mich ein weiterer \u00fcberregionaler Ansatz f\u00fcr die deutsch-polnische Verst\u00e4ndigung zu arbeiten, als ich auf Vorschlag der Hamburger Kulturbeh\u00f6rde im Jahre 1988 von der Kultusministerkonferenz in das Kuratorium des Deutschen Polen-Instituts in Darmstadt entsandt wurde.<br \/>\nHier traf ich die vertrauten Gesichter aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt wieder. Zumindest waren informelle Gespr\u00e4che \u00fcber die verschiedenen gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten und &#8220;Dialog&#8221; m\u00f6glich.<br \/>\nIm Vordergrund des Geschehens in Hamburg standen f\u00fcr mich in dieser Zeit die Gedenktage f\u00fcr die Opfer von Nazi-Verbrechen und des Kriegsbeginns.<br \/>\nErw\u00e4hnenswert ist ein Schl\u00fcsselerlebnis: Um die Gedenkst\u00e4tte f\u00fcr die in der Schule am Bullenhusener Damm ermordeten Kinder von ihrer Allt\u00e4glichkeit zu befreien, war beschlossen worden, w\u00e4hrend einer Feierstunde Rosenst\u00f6cke zu pflanzen.<br \/>\nDer Zufall f\u00fcgte es, da\u00df der damalige Kulturbotschaftsrat in K\u00f6ln Ryszard Kr\u00f3l und ich einen Rosenstock zum Gedenken an eins der ermordeten Kinder gemeinsam pflanzten. Am Schlu\u00df sagte er sinnend: &#8220;Ich h\u00e4tte niemals gedacht, da\u00df ich so etwas je mit einem Deutschen gemeinsam tun w\u00fcrde.&#8221;<br \/>\nOffensichtlich war mit den Jahren dann doch ein Durchbruch im Bewu\u00dftsein geschaffen worden. Ich habe mich sehr \u00fcber sein Wort gefreut.<\/p>\n<p>35. Gedenktag<br \/>\nIm Sommer 1989 erhielt der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft eine Einladung nach Warschau. Auf polnischer Seite meinte man endlich eine korrespondierende Organisation geschaffen zu haben, mit der Einzelheiten eines Austausches besprochen werden sollten. Leider endete diese Bem\u00fchung ebenfalls ohne Erfolg, weil die politische Zusammensetzung des polnischen Gremiums noch zu einseitig war, als da\u00df es in jener Zeit noch handlungsf\u00e4hig gewesen w\u00e4re. Stattdessen erlebten wir den Wahlkampf der Walsa-Partei in ihrem Warschauer Hauptquartier. Weil keiner der Kandidaten und Kandidatinnen vom Bild her bekannt war, wurden sie auf ihren Wahlplakaten gemeinsam mit dem &#8220;Vorsitzenden&#8221;\u00a0 abgebildet. Wir sahen die gro\u00dfe Wand mit Kandidatenplakaten. Polen war im Umbruch.<br \/>\nDer 50. Jahrestag des Kriegsbeginns in Polen sollte nach unseren Vorstellungen mit einer gro\u00dfen und w\u00fcrdigen Gedenkveranstaltung begangen werden. Es wurden Senat und B\u00fcrgerschaft sowie die Kirchen angesprochen.<br \/>\nDie Pr\u00e4sidentin der B\u00fcrgerschaft Helga Elstner sowie beide Kirchen, die evangelische und die katholische, antworteten positiv. Es begann eine Serie von Beratungen zur Gestaltung der Feier, die in Form eines \u00f6kumenischen Gottesdienstes abgehalten werden sollte.<br \/>\nDie Evangelische Akademie unter Leitung unseres Mitgliedes, des fr\u00fcheren Bundestagsabgeordneten Stephan Reimers, plante f\u00fcr die letzte Augustwoche ein Seminar zur Geschichte und Gegenwart von Danzig. Wie sich w\u00e4hrend des Seminarverlaufs herausstellte, war es der Akademie gelungen, zum ersten Male Skeptiker und auch Gegner der Auss\u00f6hnung mit Polen in die Diskussionen zu verwickeln, an denen von polnischer Seite der Weihbischof von Danzig-Oliva Zygmunt Pawlowicz und der Pr\u00e4sident des Verbandes der Kaschuben J\u00f3zef Borzyszkowski teilnahmen. Es waren faszinierende Gespr\u00e4che, die in der Akademie gef\u00fchrt wurden. Gegen\u00fcber allem, was vorher mit polnischen Besuchergruppen bei \u00f6ffentlichen Diskussionen zu erleben war, sprach in dieser Gruppe nun jeder f\u00fcr sich und ohne R\u00fcckversicherung auf die Meinungen eines Stimmf\u00fchrers. Faszinierend und erfrischend, weil alle merkten, da\u00df man an der Schwelle von etwas neuem stand. Die Hamburger Teilnehmer wollten zwar in ihrer Mehrheit von Deutschland nichts wissen und verwiesen stets auf Europa, mit dem die Polen hinwiederum wenig anfangen konnten.<br \/>\nDie Vorbereitungsgruppe f\u00fcr den \u00f6kumenischen Gottesdienst kam sehr bald \u00fcberein, Weihbischof Pawlowicz zu bitten, neben dem evangelischen Bischof Krusche und dem katholischen Weihbischof Jaschke zu predigen. Vor dem Gottesdienst sollten die B\u00fcrgerschaftspr\u00e4sidentin und ich einige Worte an die in St. Petri versammelte Gemeinde richten. Die Kirche war bis auf den letzten Platz gef\u00fcllt.<\/p>\n<p>36. Besuch bei Walesa<br \/>\nWeihbischof Pawlowicz mu\u00df unsere Gesellschaft wohl doch imponiert haben. Eine Woche nach seiner R\u00fcckkehr lud mich J\u00f3zef Borzyszkowski unter ausdr\u00fccklicher Berufung auf den Bischof telefonisch ein, in den n\u00e4chsten Tagen Lech Walesa in Danzig zu besuchen. Leider erreichte mich die Einladung so unvollst\u00e4ndig, da\u00df nicht deutlich war, wo ich mich melden und wo ich \u00fcbernachten sollte. Ich machte mich dennoch auf den Weg &#8211; getreu der Devise jedem, auch dem kleinsten Signal aus Polen zu folgen. Dies war kurzfristig m\u00f6glich, weil wir inzwischen Mehrfachvisa erhalten hatten. In Oliva meldete ich mich in der Residenz des Weihbischofs, der aber au\u00dfer Hauses war.<br \/>\nFreundliche Geister gaben mir Unterkunft im G\u00e4stehaus der Di\u00f6zese, was sich jedoch als Fehler herausstellen sollte. Kaum war der Bischof heimgekehrt, wurde ich umquartiert und im G\u00e4stehaus der Akademie der Wissenschaften untergebracht. Mein Besuch h\u00e4tte einen politischen Charakter. Es sei deshalb f\u00fcr die Kirche v\u00f6llig unm\u00f6glich, mich zu beherbergen. Zum Besuch bei Walesa am n\u00e4chsten (Sonnabend) Morgen begleitete mich Borzyszkowski. Man kann nur sagen, zum Gl\u00fcck, denn die hauseigenen Dolmetscher der Solidarit\u00e4t versagten vollst\u00e4ndig, so da\u00df er einspringen mu\u00dfte. Unser damaliger Bundespr\u00e4sident hatte den Vorsitzenden der Solidarit\u00e4t damals als ein &#8220;Weltwunder&#8221; bezeichnet. Ich begriff schnell, warum. Walsa sprach so schnell, da\u00df alle ihre liebe Not hatten, mitzuhalten. Als Gespr\u00e4chspartner mu\u00dfte man auf eine winzige Atempause achten, um selbst zu Worte zu kommen. Dies alles erschwert durch die Dolmetscherei, die technisch bedingt, viele Atempausen schaffte. Ich hatte mir vorgenommen, von unserer Gesellschaft zu erz\u00e4hlen.<br \/>\nDavon wollte er aber wenig wissen. Ich solle ihm stattdessen, B\u00e4cker und Schlachter &#8211; samt ihrer Maschinen und notwendiger Investitionen &#8211; besorgen. Materielle G\u00fcter &#8211; nicht idealistische Werte &#8211; w\u00e4ren f\u00fcr sein Volk wichtig.<br \/>\nPl\u00f6tzlich kam aber die Frage: &#8220;Was haben Sie mit den Franzosen gemacht?&#8221; Da konnte ich auf die Erfolge des Deutsch-Franz\u00f6sischen Jugendwerkes verweisen. Immerhin h\u00e4tten sich durch dieses bei insgesamt 7,5 Millionen Begegnungen 12% der Westdeutschen und 16% der Franzosen kennengelernt. Keiner k\u00f6nne diesen Menschen jemals wieder etwas vom Erbfeind erz\u00e4hlen. (Das hatte die polnische Au\u00dfenpolitik gerade bemerkt, als sie sich noch unter dem alten Regime einer Westoption zuwandte. Das fr\u00fchere &#8216;der Feind meines Feindes ist mein Freund&#8217; funktionierte nicht mehr. Man konnte die Franzosen nicht mehr &#8211; wie vor Jahrzehnten noch &#8211; gegen die Deutschen aufbringen.) Gerade an Begegnungen zwischen Polen und Deutschen l\u00e4ge unseren Gesellschaften. Ihre Arbeit sei deshalb wichtig. &#8211; Ein f\u00f6rmlicher Besuch beim Weihbischof und eine Besichtigungsfahrt durch die kaschubischen Kulturzentren rundeten meinen Besuch ab. Bei der R\u00fcckreise nach Deutschland gab es vor dem Grenzobjekt Pomellen eine der l\u00e4ngsten Wartezeiten &#8211; aber auch eine der interessantesten, weil ich zum ersten Mal auf entr\u00fcstete DDR-B\u00fcrger stie\u00df, die sich offen aussprachen. Ein DDR-Nachbar in der Schlange hatte gerade Freunde in Kolberg besucht, um sich zu verabschieden. &#8216;Entweder wird mein Ausreiseantrag genehmigt oder ich fahre \u00fcber Ungarn in den Westen,&#8217; sagte er und meinte dann, da\u00df ich doch &#8216;sehr diplomatisch sprechen w\u00fcrde&#8217;. Er traf damit sicherlich einen Kern. Obwohl wir unsere klaren Ziele vor Augen h\u00e4tten, w\u00e4re es in unseren Augen sicherlich falsch gewesen, so erkl\u00e4rte ich ihm, die Lage in der Volksrepublik Polen oder in der DDR zu destabilisieren. Ein langes, grundlegendes Gespr\u00e4ch mit einem Zufallsbekannten kurz vor dem Fall der Mauer, die polnische Partner damals als ein &#8216;Relikt der B\u00fcrokratie&#8217; bezeichneten. Schon mu\u00dfte man erkl\u00e4ren, warum man so und nicht anders gehandelt hatte.<\/p>\n<p>37. Die Wende<br \/>\nStabilisierung war ebenfalls das Ziel des Kredites \u00fcber 5 Milliarden DM im Jahre 1976 gewesen, den Helmut Schmidt der Gierek-Regierung au\u00dferhalb der von den Banken vereinbarten Schuldenabkommen gew\u00e4hrte. Er war deshalb nicht in Devisen r\u00fcckzahlbar. Sein Zloty-Gegenwert sollte vereinbarungsgem\u00e4\u00df der deutsch-polnischen Verst\u00e4ndigung zugutekommen. \u00dcber das Wie hatte man sich damals nicht einigen k\u00f6nnen. Nach der von der<br \/>\nSolidarit\u00e4t gewonnenen Wahl und der Einsetzung einer neuen polnischen Regierung bem\u00fchte man sich von deutscher Seite jetzt \u00fcber den aus dem &#8220;Jumbo-Kredit&#8221; herr\u00fchrenden ansehnlichen Gegenwertfonds zu verhandeln, wie ich aus dem Ausw\u00e4rtigen Amt erfuhr. Niemand wu\u00dfte allerdings damals, wie diese Geldmenge verwaltet werden sollte. Ich fand, es k\u00f6nnte unserer Gesellschaft gut anstehen, hierzu Projekte vorzuschlagen. Eine gemeinsame<br \/>\nTagungsst\u00e4tte an der Weichselquelle hatte Micha Koodziejczyk vorgeschlagen, der die deutsch-polnischen Gesellschaften mit einer Gruppe von oppositionellen Journalisten in dieser Zeit des Umbruchs besucht hatte. Ich meinte allerdings, da\u00df man mehr Eisen im Feuer haben sollte. Von der Fachhochschule f\u00fcr das Agrarwesen in Stettin hatte ich von einem ehemaligen Gutshaus in der N\u00e4he der Stadt geh\u00f6rt, das nach umfangreicher Renovierung ebenfalls f\u00fcr ein solches Projekt geeignet sein sollte. F\u00fcr Sonnabend, den 11. November 1989, hatte ich eine Besichtigung vereinbart. Am fr\u00fchen Nachmittag des 9. November machte ich mich mit Teresa Lemke auf den Weg nach Stettin. Sie wollte dort ihre Eltern besuchen. W\u00e4hrend der Fahrt durch die DDR h\u00f6rte wir wie stets intensiv Radio. Pl\u00f6tzlich schoben sich Nachrichten aus Ostberlin in den Vordergrund. Sie kamen von einer Pressekonferenz, auf der die Reisefreiheit f\u00fcr die DDRB\u00fcrger verk\u00fcndet wurde.<br \/>\nSo erlebten wir den Fall der Mauer mitten in der DDR, und als wir an der Grenze in Pomellen ankamen, fragten wir scherzhaft, ob man denn hier jetzt frei durchfahren k\u00f6nne. Man h\u00e4tte noch keine Order aus Berlin, hie\u00df es.<br \/>\nDamals \u00fcbernachtete ich bei Professor Karol Koczy vom Institut f\u00fcr Deutsche Philologie an der Stettiner Universit\u00e4t. Ihm hatte ich versprochen, am n\u00e4chsten Tag vor seinen Studenten und Studentinnen zu reden. Dieser Vortrag war schon ein bemerkenswertes Erlebnis, zumal meine Zuh\u00f6rerinnen und Zuh\u00f6rer eigentlich noch gar nicht begriffen hatten, was im Abend zuvor in der DDR geschehen war.<\/p>\n<p>38. Sitzung in Stettin<br \/>\nDas Jahr 1990 brachte f\u00fcr Hartmut Reichardt, den Vorsitzenden unsererArbeitsgemeinschaft, und f\u00fcr mich berufliche Ver\u00e4nderungen. Immer h\u00e4ufiger mu\u00dfte ich die Arbeitsgemeinschaft ehrenamtlich vertreten und war zugleich im erh\u00f6hten Ma\u00dfe selbst beruflich beansprucht. Bald nach dem Jahreswechsel 1990\/91 kl\u00e4rte sich die Situation meiner Doppelbelastung. Ich wurde zum Vorsitzenden der Arbeitsgemeinschaft gew\u00e4hlt. Damit stand f\u00fcr mich fest, da\u00df ich &#8211; schon aus Gr\u00fcnden der bisherigen Erfahrungen mit meiner zeitlichen Beanspruchung &#8211; nicht erneut f\u00fcr das Amt des Vorsitzenden der Hamburger Gesellschaft kandidieren und deshalb das Amt an Gerd Hoffmann abgeben w\u00fcrde. Vor der Neuwahl wollte der Vorstand sich jedoch einen langgehegten Traum erf\u00fcllen: einmal in Stettin zu tagen. Quartier hatte f\u00fcr uns Stanisaw Zaborowski gemacht, ein alter Freund, der als Konzertagent \u00fcber ausgezeichnete Verbindungen in der Stadt an der Oderm\u00fcndung verf\u00fcgte. Er hatte auch ein Treffen mit an den Verbindungen zu Deutschland interessierten Politikern und Verb\u00e4nden in der Schatzkammer der Stettiner Bibliothek arrangiert, wo wir zun\u00e4chst nach unserer Einsch\u00e4tzung des deutsch-polnischen Verh\u00e4ltnisses befragt wurden. Sodann kam das Gespr\u00e4ch auf die im Jahre 1993 bevorstehende 750-Jahr-Feier f\u00fcr das Stettiner Stadtrecht. F\u00fcr<br \/>\nden Nachmittag hatte man getrennte Besprechungen mit den vier Gruppen vereinbart, die mit uns \u00fcber einen Beitrag zu diesem Stadtjubil\u00e4um beraten wollten. Die \u00f6rtlichen Initiativen lagen &#8211; wie wir feststellten &#8211; weit auseinander und wollten anscheinend gar nicht miteinander sprechen. Pl\u00f6tzlich hatten wir gesellschaftliche Kontakte, nach denen wir vorher immer gestrebt hatten. Jetzt mu\u00dfte nur Ordnung in unsere Gespr\u00e4che gebracht werden. Da nach<br \/>\nmeinem Wissen in Stettin noch mindestens drei weitere an Deutschland interessierte Gruppierungen vorhanden waren, die bei dieser Gelegenheit nicht auftauchten, entwickelte ich die Idee, im Zusammenhang mit dem Stadtjubil\u00e4um einen gemeinsamen deutschpolnischen Kongre\u00df zu veranstalten, auf dem sich die Menschen treffen k\u00f6nnten, die am Br\u00fcckenbau zwischen beiden L\u00e4ndern interessiert sind und sonst keinerlei Funktion haben,<br \/>\naber guten Willens sind. Hiermit k\u00f6nnten wir den Dialog auf eine weitere Ebene als die unserer Zeitschrift heben. Der Vorstand der Arbeitsgemeinschaft \u00fcbernahm die Kongre\u00dfidee so begeistert, da\u00df der erste nicht in Stettin,<br \/>\nsondern schon im Jahre 1992 in Berlin stattfand. Aus dem Treffen in der Schatzkammer entstand eine Partnerschaft zwischen den \u00d6ffentlichen Bibliotheken Stettins und Hamburg, die Stanisaw Krzywicki, der Stettiner Bibliotheksdirektor, und ich am Vorabend des Abschlusses des Freundschafts- und Nachbarschaftsvertrages, am Juni 1991, vereinbarten.<\/p>\n<p>39. Lohnte sich die Arbeit?<br \/>\nHaben sich denn all die \u00fcber f\u00fcnfundzwanzigj\u00e4hrigen M\u00fchen um die Verst\u00e4ndigung mit Polen trotz der vielen Entt\u00e4uschungen, R\u00fcckschl\u00e4ge und Frustrationen gelohnt? Aus meiner subjektiven Sicht bejahe ich diese Frage nat\u00fcrlich. Wie sie aus historischer Sicht zu beantworten ist, l\u00e4\u00dft sich gegenw\u00e4rtig kaum sagen. Einen Fingerzeig k\u00f6nnte der Unterschied zwischen dem deutsch-polnischen und dem deutschtschechischen Verh\u00e4ltnis geben, wie<br \/>\ner beim Abschlu\u00df der Nachbarschaftsvertr\u00e4ge deutlich wurde. In beiden L\u00e4ndern l\u00f6ste die Unterzeichnung des Vertrages mit Polen im Jahre 1991 keine Diskussionen aus. Anders war es dagegen beim Vertrag mit Tschechien 1996\/97. K\u00f6nnte dies nicht damit zu erkl\u00e4ren sein, da\u00df es in (West-) Deutschland seit Anfang der 70er Jahre vielerorts Deutsch-Polnische Gesellschaften gab? Im Verh\u00e4ltnis zu den Tschechen und Slowaken wurden solche<br \/>\nGr\u00fcndungen dagegen sehr vermi\u00dft. Wenn dies zutrifft, haben die Deutsch-Polnischen Gesellschaften &#8211; unter ihnen die Hamburger &#8211; mit ihrer kaum die Zeitungen und \u00fcbrigen Medien erreichenden Kleinarbeit einen allm\u00e4hlichen Wandel im Bewu\u00dftsein beider V\u00f6lker erreicht, der im Verh\u00e4ltnis zu Tschechien fehlt. Will man in Frieden mit seinen Nachbarn leben, kann man sich also auf den Schlagzeilen produzierenden Dialog der Regierungen, Diplomaten und Eliten alleine nicht rlassen. Man braucht Menschen, die sich ohne Opportunismus f\u00fcr den Frieden zwischen den V\u00f6lkern engagieren, gerade dann, wenn sie keine Volksbewegung sind. Deshalb lohnte sich die Arbeit &#8211; deshalb mu\u00df sie jedoch auch fortgesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>DPG-Geschichte-Jochimsen Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg &#8211; eine ganz pers\u00f6nliche R\u00fcckschau Autor: Hanno Jochimsen 1. D\u00e4nen und Polen &#8211; 1972 2. \u00dcberparteilich 1972\/3 3. Sprachlosigkeit 1973 4. Wo ankn\u00fcpfen? 1973\/4 5. 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