{"id":4089,"date":"2020-03-05T12:00:37","date_gmt":"2020-03-05T11:00:37","guid":{"rendered":"https:\/\/dpg.hamburg\/?p=4089"},"modified":"2020-04-09T17:57:54","modified_gmt":"2020-04-09T16:57:54","slug":"die-deutsch-polnische-gesellschaft-hamburg-trauert-um-robert-szecowka-robs","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg.hamburg\/nl\/Beitr\u00e4ge\/dpg-hamburg\/die-deutsch-polnische-gesellschaft-hamburg-trauert-um-robert-szecowka-robs\/","title":{"rendered":"Die Deutsch-Polnische Gesellschaft Hamburg trauert um Robert Szec\u00f3wka &#8211; ROBS"},"content":{"rendered":"<p>Unser langj\u00e4hriger Wegbegleiter und Freund ist nach l\u00e4ngerer Krankheit am 5. M\u00e4rz 2020 von uns gegangen.<\/p>\n<p>Der 26. April 1986 war ein warmer und sehr stiller Tag. Der Gesang der V\u00f6gel unterbrach unvermittelt, es war eine merkw\u00fcrdige Atmosph\u00e4re: Es war der Tag der dramatischen Explosion des Atomreaktors in Tschernobyl\/Ukraine.<\/p>\n<p>Es war die Zeit, als Robs\u2018 Frau Hanka in Wroclaw schwanger war.<\/p>\n<p>Als sich die gesamte Tragweite der Katastrophe weltweit ausbreitete, begann auch die Angst um das ungeborene Leben. In Polen herrschte noch immer der Kriegszustand. Das System verschwieg zun\u00e4chst den Unfall und die radioaktiven Wolken, doch im Untergrund der Opposition \u2013 zu der sich auch Robert bekannte &#8211; sprach sich die Katastrophe schnell herum.<\/p>\n<p>Ein halbes Jahr sp\u00e4ter traf ROBS mit seiner hochschwangeren Frau in Hamburg ein. Dort, wo sein j\u00fcngerer Bruder Adam mit seiner Frau Urszula lebten und dort, wo es schon viele polnische Kunst- und Kulturschaffende gab. Und trotzdem war die Anfangsphase in Hamburg schwer.<\/p>\n<p>Seiner Familie in Polen, seines beruflich erfolgreichen, kulturellen Umfelds und seiner geliebten St\u00e4dte Zarki und Wroclaw beraubt, musste sich die polnische Familie eine neue Existenz aufbauen.<\/p>\n<p>Was lag n\u00e4her, als sein Talent als K\u00fcnstler und Karikaturist einzusetzen. Er besetzte die Themenfelder Mensch und Natur und Migration und Soziale Gerechtigkeit.<\/p>\n<p>ROBS brachte sein K\u00f6nnen als Mitarbeiter vieler karitativer Organisationen ein: Anleitungen zum Zeichnen mit Kindern von Migranten, Portr\u00e4ts, Ausstellungen, Buchillustrationen und jede Menge Bilder f\u00fcr die verschiedensten Anl\u00e4sse von Freunden. Unvergessen sind auch die Portr\u00e4ts aller Generalkonsuln des polnischen Generalkonsulates in Hamburg. Auch dem schwarzen Humor stand er nahe.<\/p>\n<p>ROBS blieb ein freier und unabh\u00e4ngiger K\u00fcnstler, der seine Umwelt ungemein bereichert hat. Seine abstehenden Haare und der stilisierte Bleistift waren seine unverwechselbaren Kennzeichen.<\/p>\n<p>Als Mitbegr\u00fcnder und Begleiter von PEGASUS und SPOTKANIA POLSKIE \u2013 einem Zusammenschluss von aus Polen stammenden Kunst- und Kulturschaffenden in Hamburg, engagierte sich ROBS in zahlreichen deutsch-polnischen Projekten.<\/p>\n<p>Je l\u00e4nger sein Aufenthalt in Deutschland dauerte, umso st\u00e4rker wurden seine Erinnerungen an fr\u00fchere Zeiten. Er kaufte ein Ferienhaus in Lutowiec, seinem Geburtsort nahe Zarki in der Krakauer Jura und verbrachte dort manchen Sommer mit seiner Familie.<\/p>\n<p>Erinnerungen an den Kriegsbeginn, an die deutsche Okkupation und insbesondere an die brutale Verfolgung der j\u00fcdischen Nachbarn in Zarki wurden zunehmend wach. Diese pr\u00e4genden Bilder seiner Kindheit brachte er in einem mitrei\u00dfenden Zyklus zu Papier. Sie wurden im Buch von Wioletta Weiss \u201eWir sind nur noch wenige, Erinnerungen aus einem Schtetl\u201c ver\u00f6ffentlicht und im Generalkonsulat der Republik Polen in Hamburg beeindruckend vorgestellt.<\/p>\n<p>F\u00fcr sein Engagement beim Br\u00fcckenbau zwischen Deutschen und Polen wurde ROBS mit dem Ritterkreuz des Verdienstordens der Republik Polen ausgezeichnet.<\/p>\n<p>Als Karikaturist und Mensch hat ROBS die Arbeit unserer Gesellschaft seit fast vier Jahrzehnten engagiert begleitet.<\/p>\n<p>Seine scharfsinnige Beobachtungsgabe, viele Dinge weit \u00fcber unsere t\u00e4gliche Wahrnehmung hinaus nicht nur geistig zu erfassen, sondern auch karikaturistisch bildlich in kritischer Form umzusetzen, hat uns immer wieder aufs Neue fasziniert. In besonderer Weise ist es ihm immer wieder gelungen, Missst\u00e4nde und Fehlverhalten in unserer Gesellschaft zeichnerisch zu erfassen und in seinen Karikaturen deutlich zu machen. Dabei brachte er kritikw\u00fcrdige Dinge auf den Punkt und hielt uns den Spiegel entschieden entgegen, ohne jemals pers\u00f6nlich provozierend oder gar verletzend zu werden.<\/p>\n<p>Die Ausstellungen seiner Karikaturen waren f\u00fcr die Arbeit der Deutsch-Polnischen Gesellschaft Hamburg ein wichtiges Instrument, unseren Einsatz f\u00fcr die Verst\u00e4ndigung zwischen Polen und Deutschen mit den Mitteln seiner Kunst deutlich zu machen. Immer wieder ist es ihm dabei gelungen, Polen wie Deutsche zu veranlassen, ihre Verhaltens- und Denkweisen im Umgang miteinander kritisch zu hinterfragen.<\/p>\n<p>Wir haben einen Freund verloren. Unser Mitgef\u00fchl gilt seiner Frau Hanka, seiner Tochter Ewa und der Familie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unser langj\u00e4hriger Wegbegleiter und Freund ist nach l\u00e4ngerer Krankheit am 5. M\u00e4rz 2020 von uns gegangen. Der 26. April 1986 war ein warmer und sehr stiller Tag. 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