Filme von ANDRZEJ WAJDA – September bis Dezember 2026 im Metropolis

Anlässlich des 100. Geburtstages des polnischen Regisseurs Andrzej Wajda zeigen wir eine Auswahl seiner bedeutendsten Filme.

Eine Kooperation des Metropolis Kinos, des WFDiF – Documentary and Feature Film Studio in Warschau und der Deutsch-Polnischen-Gesellschaft Hamburg.

In den Räumen des Kinos werden Plakate zu den Filmen von Andrzej Wajda aus der Sammlung des Kinematographie-Museums in Łódź ausgestellt.

Dieser Bericht ist eine Erweiterung der letzten Mitteilungen.

Retrospektive der Filme von Andrzej Wajda

In welchem Kino findet kann man die Filme sehen?

Metropolis Kino, Hamburg

Welche Abkürzungen gibt es im Programm?

OmU = polnische Originalversion mit deutschen Untertiteln
OmeU = polnische Originalversion mit englischen Untertiteln
DF = deutsche Synchronfassung

In welchem Zeitraum werden die Filme gezeigt?

September bis Dezember 2026

Wie ist das Programm der Retrospektive?

Fr 04.09. 19.00 Uhr Der Kanal 1956 OmU

Begrüßung und Einführung: Generalkonsulin der Republik Polen, Aleksandra Krystek-Biernacka, Elisabeth Kalina, DPG Hamburg

Do 10.09. 18.00 Uhr Asche und Diamant 1958 DF

Mo 14.09. 17.00 Uhr Der Kanal 1956 OmU
(Wiederholung)

Sa 19.09. 20:30 Uhr Asche und Diamant 1958 OmeU
(Wiederholung)

Mi 23.09. 19.00 Das Birkenwäldchen 1970 OmeU

So 4.10. 17.00 Uhr Das Gelobte Land 1975 OmU

Sa 10.10. 17.00 Uhr Der Mann aus Marmor 1976 DF
Einführung: Dominik Żurowski

So 11.10. 19.00 Uhr Der Mann aus Eisen 1983 DF
Einführung: Dominik Żurowski

Mi 28.10. 19.00 Uhr Ohne Betäubung 1978 DF

Mi 4.11. 19.00 Uhr Korczak 1990 OmU

Mi 9.12. 19.00 Uhr Das Massaker von Katyn 2007
OmU

Mi 16.12. 19.00 Uhr Afterimage 2016 OmeU
Einführung: Rainer Mende

Wieviel kostet der Eintritt?

Eintritt: 9 Euro
6 Euro für Mitglieder der Kinemathek Hamburg

Wo gibt es Tickets?

Tickets: metropoliskino.de und an der Kinokasse

 

Was for Informationen gibt es über Andrzej Wajda?

Andrzej Wajda, einer der bedeutendsten Filmregisseure Polens, wurde am 6. März 1926 in Suwałki als Sohn einer Lehrerin und eines
Offiziers geboren. Seine Popularität verdankt er den Filmen, die die weltweit renommierte „Polnische Filmschule“ begründeten: Beispielhaft „Der Kanal“ sowie „Asche und Diamant“, in denen er sich mit der Zeit des Zweiten Weltkriegs auseinandersetzte. Er verfilmte zahlreiche literarische Werke, darunter „Birkenhain“ und „Das gelobte Land“. Er gehörte zu den Mitbegründern des Kinos der moralischen Unruhe, in dessen Rahmen gesellschaftskritische Filme entstanden, die die Missstände des kommunistischen Systems in Polen aufdeckten. Für
seine Verdienste um die Entwicklung der Filmkunst wurde er vielfach ausgezeichnet: Für sein Lebenswerk erhielt er den Oscar der
US-amerikanischen Filmakademie. Außerdem wurde er mit dem Goldenen Ehren-Bären (Berlin), dem César (Frankreich) sowie dem
Goldenen Löwen (Danzig) und der Goldenen Palme (Cannes) preisgekrönt. Andrzej Wajda drehte fast 60 Filme.

Welche Filme werden im September 2026 gezeigt?

DER KANAL – KANAŁ

PL 1957, 91 min., mit Tadeusz Janczar, Teresa Iżewska u.a. Ende September 1944: die finalen Tage des Warschauer Aufstands. Die letzten 43 Überlebenden einer Kompanie der polnischen Heimatarmee bekommen den Befehl, ins Stadtzentrum zu rücken. Der einzige Weg dorthin führt über das Abwassersystem. Trotz geringer Erfolgsaussichten macht sich die Truppe auf den gefährlichen Weg.
Andrzej Wajdas Kriegsdrama war der erste Spielfilm, der den Warschauer Aufstand thematisierte. Der Film war wegweisend für die Entwicklung des polnischen Films nach der stalinistisch. Ära.
Fr 4.09. 19.00 Uhr und Mo 14.09. 17:00 Uhr (OmU)

ASCHE UND DIAMANT – POPIÓŁ I DIAMENT

PL 1958, 97 min., mit Zbigniew Cybulski, Ewa Krzyżewska u.a. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs erhält ein junger Untergrundkämpfer der polnischen Heimatarmee den Auftrag, einen Funktionär der neu eingesetzten kommunistischen Verwaltung zu töten. Sie erfüllen den Auftrag, müssen aber mit Entsetzen feststellen, dass sie den falschen getötet haben. Die Handlung umfasst einen einzigen Tag in einer westpolnischen Kleinstadt, in der sich politische Loyalitäten im Übergang von der Besatzungszeit zur Nachkriegsordnung neu sortieren.
Do 10.09. 18.00 Uhr (DF) und Sa 19.9. 20:30 Uhr (OmeU)

DAS BIRKENWÄLDCHEN – BRZEZINA

PL 1970, 99 min., mit Olgierd Łukaszewicz, Emilia Krakowska, u.a. Weit entfernt von jeglicher Zivilisation leben in völliger Zurückgezogenheit der Waldarbeiter Bolesław und seine Tochter Ola. Nach dem Tod seiner Frau lebt Bolesław in völliger Isolation nur noch für seine Tochter. Die einzige Unterstützung erhält er von der Hilfskraft Malina. Nur diese beiden Personen sorgen dafür, dass Bolesław nicht dem Wahnsinn verfällt. Eines Tages kehrt der todkranke Stanisław aus einem Sanatorium in die Heimat zu seinem Bruder zurück.
Das meisterlich psychologische Kammerspiel, poetisch und voller Atmosphäre, spielt in den 1920er Jahren, überzeugend auch im Einbeziehen der Natur.
Mi 23.09. 19.00 Uhr (OmeU)

Welche Filme werden im Oktober 2026 gezeigt?

DAS GELOBTE LAND – ZIEMIA OBIECANA

PL 1975, 160 min., mit Wojciech Pszoniak, Anna Nehrebecka u.a. Die aufstrebende Textilmetropole Łódź zieht Industrielle und Spekulanten an, so auch drei junge Freunde. Mit dubiosen Tricks helfen sie ihrem Glück auf die Sprünge. Die drei befreundeten Industrieellen häufen ein Vermögen an, indem sie ihre jugendlichen Ideale aufgeben und sich den rücksichtslosen Regeln des Kampfes um Geld unterwerfen. Dieser Film über Gier und Gewinn ist ein erschreckendes Abbild des Frühkapitalismus und die Geschichte einer gescheiterten Freundschaft.
So 4.10. 17.00 Uhr (OmU)

DER MANN AUS MARMOR – CZŁOWIEK Z MARMURU

PL 1976, 164 min., mit Jerzy Radziwiłowicz, Krystyna Janda u.a. Die Filmstudentin Agnieszka plant im Jahr 1976 ihren Abschlussfilm über die „Helden der Arbeit“ der 1950er Jahre und stößt bei ihren Recherchen auf die Marmorskulptur des Maurers Mateusz Birkut. In Gesprächen mit dem Dokumentarregisseur Jerzy Burski erfährt sie von Birkuts inszeniertem Rekord von 28000 in einer Schicht verarbeiteten Ziegelsteine, der ihn zum „Helden der Arbeit“ machte. Nach einem dramatischen Absturz geriet er in Konflikt mit dem kommunistischen Regime, der ihn schließlich ins Gefängnis führte. Trotz der staatlichen Zensureingriffe gelang Wajda hier eine kompromisslose Abrechnung mit der stalinistischen Ära Polens.
Sa 10.10. 17.00 Uhr (DF)

DER MANN AUS EISEN – CZŁOWIEK Z ŻELAZA

PL 1981, 147 min., mit Jezy Radziwiłowicz, Krystyna Janda u.a. Im Sommer 1981 soll der angepasste Reporter Winkler im Auftrag der Parteiführung belastendes Material über den Werftarbeiter und Solidarność-Funktionär Maciej Tomczyk sammeln. Seine unkritische Haltung gegenüber den Machthabern wird mit Winklers Begegnungen im Milieu der Solidarność schwer erschüttert, so dass er nach dem wahren Charakter des politischen Systems fragt. Das Drehbuch ist anhand von Zeitdokumenten, Augenzeugenberichten und Tonbandauszeichnungen entstanden. Der semidokumentarische Charakter des Films und seine politische Aktualität brachten Andrzej Wajda 1981 die goldene Palme im Cannes.
So 11.10. 19.00 Uhr (DF)

OHNE BETÄUBUNG – BEZ ZNIECZULENIA

PL 1978, 125min, mit Zbigniew Zapasiewicz, Ewa Dalkowska u.a. Nach einer Auslandsreise erfährt der beliebte Journalist Jerzy Michałowski, dass seine Frau ihn verlassen hat, ausgerechnet wegen seines größten beruflichen Widersachers. Jerzy kann sich nicht damit abfinden. Zusätzlich bleibt die Anerkennung seiner Arbeit und Vorlesungen an der Universität aus. Und nicht genug, explodiert in seiner Wohnung auch noch der Gasherd. Jerzy stirbt – Unfall oder Selbstmord? Der Film zählt zu den wichtigsten Filmen des „Kinos der moralischen Unruhe“. Sehr realistisch gestaltet, kommt der Film ohne Musik aus. Charakteristisch ist eine scheinbar einfache Kameraführung. Er überzeugt durch seinen leidenschaftlichen Mut, die triste und dunkle Wirklichkeit der Volksrepublik Polen ungefiltert wiederzugeben.
Mi 28.10. 19.00 Uhr (DF)

Welche Filme werden im November 2026 gezeigt?

KORCZAK

D/PL 1990, 115 min., mit Wojciech Pszoniak, Ewa Dałkowska, Teresa Budzisz-Krzyżanowska u.a. Im Jahr 1940 ist Polen besetzt von Deutschland. Der renommierte Autor, Kinderarzt und Leiter eines jüdischen Waisenhauses, Janusz Korczak, muss mit seinen 200 Schützlingen und einigen Angestellten auf Befehl der nationalsozialistischen Besatzer in das Warschauer Ghetto umziehen. Als sie 1942 nach Treblinka und damit in den sicheren Tod deportiert werden, verzichtet Korczak darauf sein eigenes Leben zu retten und begleitet seine Schützlinge in die Gaskammer. Der mit fast dokumentarischer Kamera in Schwarzweiß aufgenommene und mit Originalaufnahmen aus der Zeit der deutschen Besatzung unterlegte Film, setzt einem außergewöhnlichen Menschen ein filmisches Denkmal, dessen Leben und Handeln zur Legende wurden.
Mi 4.11. 19.00 Uhr (OmU)

Welche Filme werden im Dezember 2026 gezeigt?

DAS MASSAKER VON KATYN – KATYN

PL 2007, 117 min., mit Atur Zmijewski, Maja Ostaszewska u.a. Katyn wurde zum Symbol eines der größten Gewaltverbrechen des 2. Weltkrieges. Bis zu 25000 polnische Offiziere, Polizisten, Intellektuelle, die nach sowjetischer Besatzung Ostpolens im Herbst 1939 interniert worden waren, wurden vom sowjetischen Geheimdienst erschossen. Von den Sowjets wurde das Massaker nach erfolglosen Versuchen, die Nazis für das Massaker verantwortlich zu machen, vollständig tabuisiert. Aber das Wissen um Katyn blieb im kollektiven Gedächtnis schmerzhaft verhaftet und belastet bis heute das polnisch-russische Verhältnis. Anhand von Zeitzeugenberichten und von Berichten unmittelbar von dieser Tragödie Betroffener wurden die historischen Geschehnisse rekonstruiert.
Mi 9.12. 19.00 Uhr (OmU)

AFTERIMAGE – POWIDOKI

PL 2016, 100 min., mit Boguslaw Linda, Aleksandra Justa u.a. Der Film schildert die letzten Lebensjahre des Malers und Pioniers der polnischen Avantgarde Władysław Strzemiński (1893-1952), der sich nicht der damals geltenden Doktrin des sozialistischen Realismus beugte und persönlich die Folgen seiner Entscheidung auf dramatische Art und Weise ertragen musste. Er wurde von seinem Lehrstuhl an der Universität verwiesen und von den Wänden der Museen getilgt. Mit Hilfe von Studierenden nimmt er den Kampf gegen die Partei auf und wird zum Symbol des künstlerischen Widerstands. Das letzte Werk Wajdas ist eine beeindruckende und zugleich beklemmende Geschichte über einen charismatischen und unbeugsamen Künstler, den die kommunistische Regierung zu vernichten trachtete.
Mi 16.12. 19.00 Uhr (OmeU)

 

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