{"id":4224,"date":"2020-12-04T22:05:53","date_gmt":"2020-12-04T21:05:53","guid":{"rendered":"https:\/\/dpg.hamburg\/?p=4224"},"modified":"2021-03-02T18:08:41","modified_gmt":"2021-03-02T17:08:41","slug":"mitteilungen-02-dezember-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/dpg.hamburg\/ru\/Beitr\u00e4ge\/mitteilungen\/mitteilungen-02-dezember-2020\/","title":{"rendered":"MITTEILUNGEN \u2013 02 Dezember 2020"},"content":{"rendered":"<p>wir erhielten viele bek\u00fcmmerte Anfragen wegen der Absage des Advent-Konzertes und unserer adventlichen Feier. Wie gerne h\u00e4tten Viele gesungen, der Vorlesung gelauscht und nett miteinander gesessen! Es hat nicht sein sollen. Aber Alles werden wir im n\u00e4chsten Jahr nachholen!<br \/>\nAls letzte Mitteilungen in diesem Jahr erhalten Sie nunmehr einige Gedanken \u00fcber bemerkenswerte Jubil\u00e4en in diesem schwierigen Jahr.<br \/>\nDas Jahr 2020 ist sehr wichtig und markant f\u00fcr Polen und Deutschland gewesen, da in unserer j\u00fcngeren gemeinsamen Geschichte einige wichtige Ereignisse wegweisend f\u00fcr die deutschpolnischen Beziehungen waren und es daher wert sind, noch einmal benannt zu werden. Unter normalen Umst\u00e4nden h\u00e4tten wir mit entsprechenden Veranstaltungen an diese Ereignisse erinnert.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\nLeider war uns dies aus bekannten Gr\u00fcnden nicht m\u00f6glich. Alle Veranstaltungen mussten abgesagt werden, Planungen wurden eingestellt.<br \/>\nStattdessen wollen wir gewisserma\u00dfen als Ersatz an einige wichtige Ereignisse erinnern:<br \/>\n<strong>Vor 50 Jahren:<\/strong><br \/>\nAm <a href=\"https:\/\/www.spiegel.de\/geschichte\/willy-brandts-kniefall-in-warschau-janusz-reiter-ueber-polen-und-deutschland-a-9442631c-c774-4a61-bafb-a35fa5351ed9\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">7. Dezember 1970<\/a> ereignete sich ein denkw\u00fcrdiges und bis heute nachwirkendes Ereignis:<br \/>\nWilly Brandt \u00f6ffnet die politische T\u00fcr zur Verst\u00e4ndigung mit Polen. Kurz vor der Unterzeichnung des Warschauer Vertrages, im Mittelpunkt stand die Anerkennung der Oder-Nei\u00dfe-Grenze als Polens Westgrenze, besuchte der deutsche Bundeskanzler Willy Brandt mit Au\u00dfenminister Walter Scheel und Kanzlerberater Egon Bahr das Denkmal des Aufstandes im Warschauer Ghetto. Dort, wo bis heute der Ermordung von Millionen Juden gedacht wird, legte er einen Kranz nieder und kniete minutenlang dem\u00fctig nieder, womit niemand gerechnet hatte.<br \/>\nAn dieses Ereignis erinnert eine Gedenktafel am Willy Brandt-Platz in der N\u00e4he des Denkmals zum Warschauer Ghettoaufstand. Es war eine gro\u00dfartige Geste, mit der Brandt, der ja selbst im Widerstand gegen das Naziregime stand, im Namen des deutschen Volkes um Vergebung bat.<br \/>\nVielen, die heute in der DPG Hamburg mitarbeiten, war seine Ostpolitik ein <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Kniefall_von_Warschau\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">wichtiges politisches Signal<\/a>. Damals gab es aber nicht nur Zustimmung, im Deutschen Bundestag bek\u00e4mpfte die CDU seine Politik des Verzichts und diffamierte Brandt teilweise als Vaterlandsverr\u00e4ter.<br \/>\nAuf den Stra\u00dfen riefen Demonstranten \u201eH\u00e4ngt die Verr\u00e4ter\u201c.<br \/>\nInternational jedoch bekamen Willy Brandt und Deutschland hohe Anerkennung f\u00fcr die \u201eOstpolitik\u201c. 1971 wurde ihm der Friedensnobelpreis verliehen. An dieses Ereignis nach 50 Jahren zu erinnern, ist f\u00fcr uns und auch f\u00fcr unsere polnischen Freundinnen und Freunde sehr wichtig. Brandts Ostpolitik hat doch die T\u00fcr zur Verst\u00e4ndigung mit Polen ge\u00f6ffnet und die Voraussetzungen f\u00fcr die Entstehung der zahlreichen Deutsch-Polnischen Gesellschaften in Deutschland &#8212; die DPG Hamburg entstand am 5. Juli 1972 &#8212; sowie vielen St\u00e4dtepartnerschaften geschaffen, die zur Auss\u00f6hnung, Verst\u00e4ndigung und Zusammenarbeit beitrugen und immer noch beitragen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/shop.deutschepost.de\/willy-brandt-kniefall-von-warschau-vor-50-jahren-briefmarke-zu-1-10-eur-blockausgabe\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Briefmarke<\/a><\/p>\n<p><strong>Hierzu eine pers\u00f6nliche Erg\u00e4nzung unseres Ehrenvorsitzenden Gerd Hoffmann, der an diesem 7. Dezember 1970 an einer deutsch-polnischen Tagung an der Evangelischen Akademie Loccum teilnahm:<\/strong><br \/>\n\u201eAm Abend dieses heute denkw\u00fcrdigenden Tages sa\u00dfen die TeilnehmerInnen der Tagung abends noch bei einem Glas Wein am Kamin zusammen, als der allseits gesch\u00e4tzte polnische Philosoph Leszek Ko\u0142akowski, der als Teilnehmer aus dem Exil in London angereist war, die Runde mit einem hintergr\u00fcndigen Bonmot \u00fcberraschte. Er kommentierte die Unterzeichnung des Warschauer Vertrages in Erinnerung an den deutschen \u00dcberfall in Polen am 1. September 1939 mit den f\u00fcr mich unvergesslichen Worten: \u201eAb 5.55 h wird \u201ezur\u00fcckgek\u00fcsst\u201c\u2026!<br \/>\n<strong>Vor 40 Jahren:<\/strong><br \/>\nAm 14. August 1980 wird die Kranf\u00fchrerin Anna Walentynowicz aus der Lenin-Werft in Danzig entlassen, 1980 steckt Polen in einer Wirtschaftskrise. Die Lebensbedingungen vieler Polen werden immer schlechter. Als die Regierung im Sommer auch noch drastische Preissteigerungen f\u00fcr Lebensmittel ank\u00fcndigt, gehen die Arbeiter auf die Stra\u00dfe. Am 15. August 1980 schlie\u00dfen sich die Arbeiter aus Danzig an und besetzen ihre Werft. Anf\u00fchrer wird der Elektriker Lech Walesa. Nach 14 Tagen Streik in der Werft unterzeichnen Vize-Premier Mieczyslaw Jagielski und Lech Wa\u0142esa am 31. August 1980 das &#171;Danziger Abkommen&#187;. Dadurch wird erstmals in<br \/>\neinem sozialistischen Land eine unabh\u00e4ngige Gewerkschaft zugelassen. Die Solidarno\u015b\u0107 darf streiken und bekommt Zugang zu den Massenmedien. In den folgenden Jahren treten fast 10 Millionen Polen der unabh\u00e4ngigen Gewerkschaft bei, mehr als die H\u00e4lfte aller polnischen Arbeitnehmer.<br \/>\nDas Abkommen gilt in der Retrospektive als Anfang vom Ende des \u201ereal existierenden Sozialismus\u201c in den ehemaligen Warschauer Pakt-Staaten.<br \/>\nSolidarno\u015b\u0107 \u2013 eine gro\u00dfe Bewegung mit wichtigen Folgen. Es war ein weiterer und steiniger Weg bis zur Bildung des \u201eRunden Tisches\u201c vom 6.2. bis 5.4.1989. Kriegsrecht (13. Dezember 1981), Inhaftierungen und Verbote konnten diese Bewegung nicht mehr aufhalten. Der \u201eRunde Tisch\u201c trotzte dem kommunistischen Regime die erste, teilweise freie, Wahl ab, was dann zur Wende nicht nur in Polen f\u00fchrte. Die Deutschen haben dem polnischen Volk und der Solidarno\u015b\u0107 viel zu verdanken. Ihr couragierter Kampf strahlte in die DDR und in die anderen L\u00e4nder des Ostblocks aus und ermunterte die Menschen, aktiv zu werden und f\u00fcr Ver\u00e4nderungen einzutreten.<br \/>\nDie DPG Hamburg w\u00fcrdigt daher dieses 40-j\u00e4hrige Jubil\u00e4um und ist dankbar, dass heute die Grenzen offen sind und wir gemeinsam an einem neuen, sich weiter entwickelnden Europa arbeiten k\u00f6nnen.<br \/>\n<strong>Vor 40 Jahren:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.deutsches-polen-institut.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"thumbimage alignleft\" src=\"https:\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b1\/Dpi_logo.svg\/150px-Dpi_logo.svg.png\" srcset=\"\/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b1\/Dpi_logo.svg\/225px-Dpi_logo.svg.png 1.5x, \/\/upload.wikimedia.org\/wikipedia\/commons\/thumb\/b\/b1\/Dpi_logo.svg\/300px-Dpi_logo.svg.png 2x\" alt=\"\" width=\"150\" height=\"62\" data-file-width=\"580\" data-file-height=\"240\" \/><\/a>Im Jahr 1980 wurde das <a href=\"https:\/\/www.deutsches-polen-institut.de\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Deutsche Polen-Institut<\/a> gegr\u00fcndet. Als Karl Dedecius die T\u00fcr zum Haus Olbrich in Darmstadt \u00f6ffnete, einer Jugendstilvilla auf der Darmst\u00e4dter Mathildenh\u00f6he, um das neue Domizil in Besitz zu nehmen, begann eine neue Zeit in den deutsch-polnischen Beziehungen: Zum ersten Mal bewies eine deutsche Regierung durch die auf Dauer angelegte Gr\u00fcndung dieses Instituts, dass es ihr mit der Ann\u00e4herung mit Polen ernst ist. Die Vermittlungsarbeit, die Dedecius<br \/>\nund sein Team seit 1980 leisteten, hat einen gleicherma\u00dfen symbolischen wie faktischen Wert und brachte beide Gesellschaften Schritt um Schritt einander n\u00e4her.<br \/>\nNoch eine weitere Erg\u00e4nzung hierzu aus der Erinnerung von Gerd Hoffmann; Unser langj\u00e4hriger Vorsitzender Dr. Hanno Jochimsen, der als Teilnehmer am 2. Deutsch-<br \/>\nPolnischen Forum 1980 in Darmstadt teilnahm, berichtete dem Vorstand unserer Gesellschaft damals von der Gr\u00fcndung des DPI, die zum gleichen Zeitpunkt wie das Forum stattfand. Zur Gr\u00fcndungsversammlung waren auch die polnischen TeilnehmerInnen eingeladen worden. Allerdings wurde diese Einladung von polnischer Seite nicht angenommen, weil man wohl vermutete, dass das DPI als Institution wohl eher Ziele verfolgen w\u00fcrde, die gegen die Volksrepublik Polen gerichtet sein w\u00fcrden.<br \/>\n<strong>Vor 30 Jahren:<\/strong><br \/>\n<a href=\"https:\/\/www.bpb.de\/politik\/hintergrund-aktuell\/215326\/deutsch-polnischer-grenzvertrag\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Am 14. November 1990<\/a> unterzeichneten der deutsche Au\u00dfenminister Hans-Dietrich Genscher und sein polnischer Amtskollege Krzysztof Skubiszewski in Warschau den deutsch-polnischen Grenzvertrag. Dieser v\u00f6lkerrechtlich gewichtige Vertrag legte die bestehende Grenze zwischen beiden Staaten \u2013 die Oder-Nei\u00dfe-Linie \u2013 als &#171;unverletzlich&#187; und endg\u00fcltig fest. Polen und das gerade wiedervereinte Deutschland verpflichteten sich gegenseitig &#171;zur uneingeschr\u00e4nkten Achtung ihrer Souver\u00e4nit\u00e4t und territorialen Integrit\u00e4t&#187;.<br \/>\nDer Grenzvertrag legte das Fundament f\u00fcr eine deutsch-polnische Nachbarschaft und Partnerschaft.<br \/>\nAm 17. Juni 1991 unterzeichneten beide Staaten zudem den &#171;Vertrag \u00fcber gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit&#187;, der neben dem Grenzvertrag bis heute die wichtigste Grundlage f\u00fcr die Zusammenarbeit bildet. Die deutsch-polnische Zusammenarbeit findet ihren Ausdruck unter anderem in bilateralen Konsultationen der Regierungen sowie in den trilateralen Treffen im Rahmen des Weimarer Dreiecks \u2013 einem Forum f\u00fcr Konsultationen zwischen Deutschland, Polen und Frankreich.<br \/>\n<strong>Einige Hinweise auf aktuelle, digitale Veranstaltungen:<\/strong><br \/>\n1. Die Studie \u201eSuchen was uns verbindet. Entwicklung und Chancen und Herausforderungen deutsch-polnischer St\u00e4dtepartnerschaften\u201c, die das Deutsche Polen-Institut, Darmstadt und das Instytut Spraw Publicznych Warszawa gemeinsam herausgegeben haben. Die Publikation steht als pdf-Datei auf Deutsch unter https:\/\/bit.ly\/staedteDE_PL und auf Polnisch unter https:\/\/bit.ly\/miastaPL_DE zur Verf\u00fcgung. Ferner ist die Online-Konferenz zur Vorstellung der Publikation unter https:\/\/bit.ly\/staedte1210 verf\u00fcgbar.<br \/>\n2. Die Ausstellung des Deutschen Polen-Instituts \u201eVom Vertrag zum Vertragen\u201c ist ab 30.11.2020 unter www.vom-vertrag-zum-vertragen.de zu besichtigen. In der Ausstellung werden die beiden Zeitspannen nachgezeichnet: 50 Jahre seit Kniefall Willy Brandt und Vertr\u00e4gen und 40 Jahre seit der Gr\u00fcndung des DPI bedeuten ein halbes Jahrhundert f\u00fcr den deutschpolnischen Dialog. Sozusagen \u00bbvom Vertrag zum Vertragen\u00ab.<br \/>\nSeit vielen Jahren arbeitet die DPG HH mit dem DPI zusammen, von dem wir immer wieder wichtige Impulse erhalten.<br \/>\n3. Am Samstag, 05.12.2020 um 19.20 Uhr wird ein Film von dem polnischen Regisseur Andrzej Klamt \u201eDer Kniefall von Warszawa &#8212; Die Macht der Erinnerung\u201c eine Produktion von 3sat\/ZDF auf 3sat gezeigt. Ab den 4.12. ist der Film auch in der 3ast Mediathek abrufbar..<br \/>\n4. Am Montag, 07. Dezember 2020, 11.00 Uhr wird eine Diskussion zum Thema: \u201eWilly Brandts Kniefall und der Warschauer Vertrag. Meilensteine in den deutsch-polnischen Beziehungen\u201c<br \/>\n\u00fcbertragen und kann direkt verfolgt werden. Organisatoren: Amicus Europae-Stiftung, Bundeskanzler-Willy-Brandt-Stiftung, Friedrich-Ebert-Stiftung, Deutsches Polen-Institut. Weitere Informationen erhielten Sie bereits am 01.12. 2020 per E-Mail von uns.<br \/>\n5. Ein Hinweis auf eine TV- Sendung hier im Norden:<br \/>\nAm Samstag, 12.12.2020 um 20.15 Uhr: \u201eMit dem Zug durch den Norden Polens\u201c auf NDR<br \/>\nWir w\u00fcnschen Ihnen sch\u00f6ne, ruhige, gesunde Adventstage mit viel Licht und Kerzenduft.<br \/>\nM\u00f6ge das neue Jahr dem Virus endlich den Garaus machen und uns die Planungen f\u00fcr Veranstaltungen und Treffen f\u00fcr die Jahre 2021 und 2022 erm\u00f6glichen.<br \/>\n<strong>Mit herzlichen Gr\u00fc\u00dfen<\/strong><br \/>\n<strong>F\u00fcr den Vorstand<\/strong><br \/>\n<strong>Ihre Viola Krizak<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Anmerkung des Webmasters: Beitr\u00e4ge aus Urheberrechtlichen Gr\u00fcnden Teilweise ohne Bilder.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>wir erhielten viele bek\u00fcmmerte Anfragen wegen der Absage des Advent-Konzertes und unserer adventlichen Feier. Wie gerne h\u00e4tten Viele gesungen, der Vorlesung gelauscht und nett miteinander gesessen! 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